Justinus Kerner
Lebensdaten Werk


*18. September 1786 Ludwigsburg

+21. Februar 1862 Weinsberg

begraben in Weinsberg, Alter Friedhof

      
Gemälde von Julius Hamel (1855)

Sohn des angesehenen Oberamtmannes und Regierungsrats Christoph Ludwig Kerner (1744-1799) und seiner Frau Friederike Luise Kerner, geb. Stockmayer. Ältere Geschwister: Georg (*1770), Louis (*1773), Carl (*1775), Ludovike (*1778) und Wilhelmine (*1782).
Kindheit in Ludwigsburg und Maulbronn; Lateinschule in Ludwigsburg, Maulbronn und Knittlingen. Äußerlich ruhiges Leben. "Genie der Freundschaft" (Theodor Heuss). Dichter, Arzt, Parapsychologe.

1813 

Heirat mit Friederike ("Rickele") Ehmann (Pfarrerstochter; 1786-1854); zwei Töchter: Marie (1813-1886), Emma (1822-1895); ein Sohn: Theobald (1817-1907). 

Mittelpunkt der "Schwäbischen Dichterschule", die Heine verspottet hat. Im Kernerhaus in Weinsberg verkehren Uhland, Tieck, v. Arnim, Mörike, Lenau, Schwab, Freiligrath, Geibel u.a. Verbindung von Okkultismus und Poesie: Beschäftigung mit dem Übersinnlichen, den "Nachtseiten" der (menschlichen) Natur, mit Geistererscheinungen und dem tierischen Magnetismus Mesmers. Naturlyrik, volksliedhafter Ton; in den Balladen Hang zum Makabren.


wichtige Lebensdaten:

1795

Versetzung des Vaters: Umzug nach Maulbronn

1799

Tod des Vaters; Rückkehr der Familie nach Ludwigsburg.

1802-03

Auf Wunsch der Mutter kaufmännische Lehre in der herzoglichen Tuchfabrik in Ludwigsburg. Der ehemalige Lehrer Karl Philipp Conz, inzwischen Professor in Tübingen, setzt sich dafür ein, dass K. studieren darf.

1804

Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen; Freundschaft mit Ludwig Uhland und Gustav Schwab (schwäbischer Dichterkreis; "Tübinger Romantik").

1807

26.4.: am 20. Geburtstag Uhlands erste Begegnung mit Friederike auf einem Ausflug zur Achalm bei Reutlingen.

1808

Bekanntschaft mit August Varnhaegn von Ense; Promotion zum Dr. med. (Dissertation Über die Finktion der Gehörsorgane).

1809-10

Deutschlandreise; März: Abschied von Tübingen; über Heilbronn, Heidelberg, Frankfurt, Gießen, Kassel, Göttingen, Hannover nach Hamburg zu seinem ältesten Bruder Georg, der ihn als Leiter eines Armenhospitals in die medizinische Praxis einführt; Bekanntschaft u.a. mit Philipp Otto Runge und Rosa Maria Varnhagen von Ense; mehrtägiger Aufenthalt in Berlin (de la Motte Fouqué und Adelbert von Chamisso). Sept.: Rückreise über Braunschweig, den Harz, Gotha, Meiningen, Coburg, Nürnberg, Augsburg, München, Regensburg, Böhmen nach Wien; fünfmonatiger Aufenthalt (Bekanntschaft mit Friedrich und Dorothea Schlegel, Ludwig van Beethoven); München, Regensburg, Augsburg, Tübingen, Ludwigsburg.

1810

Herbst: erste Stelle als prkatischer Arzt in Dürrmenz bei Mühlacker.

1811

Arzt in Wildbad im Schwarzwald.

1812

Arzt in Welzheim im Schwäbischen Wald.

1813

18.2.: Heirat; Dez.: Geburt der ersten Tochter.

1815

Oberamtsarzt in Gaildorf am Kocher.

1817

Tod der Mutter

1818

Ernennung zum Oberamtsarzt.

1819

Jan.: Versetzung nach Weinsberg

ab 1822

Eigenes Haus zu Füßen der Ruine Weibertreu; gastfreundlicher Treffpunkt der Romantiker, Besucher aus der ganzen Welt (lt. der von K. selbst geführten "Fremdenliste" ca. 900 Personen: u.a. Lenau, Schwab, Uhland, Tieck, Mörike, Auerbach, Alexis, v. Arnim, Dingelstedt, Freiligrath, Geibel, Wilhelm Müller, David Friedrich Strauß, Schelling, Gf. Alexander v. Württemberg, Gustav IV. von Schweden.

1823

Tod der Schwester Ludovike; Beginn spiritistischer Studien.

1831-39

Herausgabe der Blätter aus Prevorst (12 Sammlungen).

1837

Tod des Bruders Louis.

1840

Tod des Bruders Carl.

1840-53

Herausgabe des Magikon. Archiv für Beobachtungen aus dem Gebiete der Geisterkunde und des magnetischen und magischen Lebens (5 Bde.).

1850

Pensionierung und Verleihung des württembergischen Kronenordens.

1851

Besuch in München; Begegnungen mit Ludwig I., Gotthilf Heinrich Schubert, Franz Graf Pocci; zunehmende Erblindung.

1854

Tod Friederikes.

1855

Reise nach Meersburg zum Altertumsforscher und Literaturhistoriker Joseph Freiherr von Laßberg.


Werke:

Lyrik

1826

Gedichte

1852

Der letzte Blüthenstrauß (Slg.)

1859

Winterblüthen (Slg.)

Erzählung

1816

Die Heimatlosen

dramatische Dichtungen

1817

Der rasende Sandler. Ein politisches dramatisches Impromptu, mit Marionetten aufzuführen

1835

Der Bärenhäuter im Salzbade (Farce)

Schriften

1811

Reiseschatten. Von dem Schattenspieler Luchs (Reisebeschreibung; szenische Brief-Collage)

1812

Das Wildbad im Königreich Württemberg (badeärztliche Abhandlung)

1820

Die Bestürmung der württembergischen Stadt Weinsberg durch den hellen christlichen Haufen im Jahre 1525 und deren Folgen für diese Stadt

1823

Geschichte zweyer Somnambülen. Nebst einigen anderen Denkwürdigkeiten aus dem Gebiete der magischen Heilkunde und der Psychologie

1829

Die Seherin von Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und das Hereinragen einer Geisterwelt in die unsre (okkultistische Abhandlung)

1831

Sendschreiben in Betreff der uns bedrohenden Cholera

1853

Die somnambülen Tische. Zur Geschichte und Erklärung dieser Erscheinung

1856

Franz Anton Mesmer aus Schwaben, Entdecker des thierischen Magnetismus

1890

Klecksographien (psychologische Studien: dichterisch kommentierte Tintenkleckse)

autobiographische Schrift

1840

Das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit. Erinnerungen aus den Jahren 1786-1804

Ausgaben

1840

Kerners Werke. Auswahl in sechs Teilen, hg. v. Raimund Pissin, Berlin u.a. 1914

1981

Ausgewählte Werke, hg. v. Gunter Grimm, Stuttgart 1981

1897

Justinus Kerners Briefwechsel mit seinen Freunden, hg. v. Theobald Kerner, Stuttgart 1897 (2 Bde.)


 

 
Memento mori!

Jedweder trägt in sich den Tod,
Wenn's außen noch so gleißt und lacht,
Heut wandelst du im Morgenrot
Und morgen in der Schatten Nacht.

Was klammerst du dich also fest,
O Mensch! an diese Welt, den Traum?
Laß ab! laß ab! eh' sie dich läßt,
Oft fällt die Frucht unreif vom Baum.

Ruf auf! ruf auf den Geist, der tief
Als wie in eines Kerkers Nacht
Schon längst in deinem Innern schlief,
Auf daß er dir zum Heil erwacht.

Aus hartem Kieselsteine ist
Zu locken ird'schen Feuers Glut,
O Mensch! wenn noch so hart du bist,
In dir ein Funke Gottes ruht.

Doch wie aus hartem Steine nur
Durch harten Schlag der Funke bricht,
Erfordert's Kampf mit der Natur,
Bis aus ihr bricht das Gotteslicht.

Drum ringe, schaffe, bis der Geist,
Tut's auch dem Fleische weh, gesiegt,
Sich aus der Nacht zum Lichte reißt
Und unter ihm die Schlacke liegt.

(aus den Klecksographien)

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