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Eduard Graf von Keyserling
 
Lebensdaten
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Keyserling-Texte im Netz


  
* 15. Mai
(14.? 18.? Angaben schwanken) 1855 Schloss Paddern (bei Hasenpoth/Aizpute, Kurland)

     

+ 28. September 1918 München (Rückenmarksleiden)

    

Grabstätte: München, Nordfriedhof
  

   

Porträt von Lovis Corinth (Ausschnitt)
München, Neue Pinakothek
    

            

Aus altem kurländischen Adelsgeschlecht, aus dem viele namhafte Persönlichkeiten hervorgegangen sind. Drittletztes von insgesamt 12 Kindern von Eduard Graf von Keyserling (1809-1876) und seiner Frau, Theophile, geb. v. Rummel (1816-1894). Jugendjahre auf dem elterlichen Gut, Schule in Hasenpoth, deutsches Gymnasium in Goldingen (Kuldiga). Die letzten Lebensjahre erblindet und gelähmt. Insgesamt ist über Keyserlings Leben wenig bekannt. Nach seinem Tod wurden alle Aufzeichnungen und Dokumente auf seine Verfügung hin von seiner Schwester Hedwig vernichtet.

Nie wieder habe ich so grandios den Kampf des Geistes gegen den Körper miterlebt. [...] Er war das Bild unheimlich schleichender Krankheit und zugleich das Bild aufrechter, lachender Seelengeradheit, [...] heroisch ohne die geringste Pose. (Rudolf von Delius)

                    

Bedeutender impressionistischer Erzähler, Dramatiker, Essayist. Nach naturalistischen Anfängen variiert K. in seinen berühmten Schlossgeschichten das immer gleiche Thema. Die gleichwohl spannenden und originellen Handlungen kreisen um das aristokratische Milieu des kurländischen und preußischen Adels vor dem 1. Weltkrieg, das geprägt ist von der schwermütigen Endstimmung einer niedergehenden Welt der Standesgebote und Privilegien, der nervösen Langeweile, der Untätigkeit und Lebensferne.
   Nur die treibende Kraft des Erotischen (vgl. "Über die Liebe") führt zu Ausbruchsversuchen aus der Beengtheit der Konventionen hinaus in die Freiheit; die lebensschwachen Protagonisten scheitern jedoch an der Wirklichkeit des Lebens. "Was erziehen wir da für Wesen? Die können ja nicht leben [...], das sind kleine berauschte Gespenster, die vor Verlangen zittern, draußen umzugehen, und wenn sie hinauskommen, nicht atmen können."
(Graf Hamilkar in "Bunte Herzen").
   Ironische Kritik "ohne soziale Attitüde" (Thomas Mann) am dekadenten Ästhetizismus einer privilegierten Schicht, die - dem Land und seinen Bewohnern entfremdet - sich in der Sphäre ihrer Herrenhäuser gegen die hässliche Außenwelt abschottet. Die faszinierende Erzählsprache fängt stimmungsvoll alle sinnlichen Reize ein und setzt sie mit der Innenwelt der Figuren in Verbindung.
   K. erlebt in den letzten Jahrzehnten eine literarische Renaissance.

             


Wichtige Lebensdaten:

1874

Studium der Rechtswissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Dorpat.

1877

Relegation wegen einer (finanziellen? studentischen?) "Inkorrektheit"; in seiner Gesellschaftsschicht "verfemt". 

1877-1890

Fortsetzung des Studiums in Wien; freier Schriftsteller; Kontakt mit Ludwig Anzengruber und Peter Altenberg.

1890-1895

Wieder in Kurland. Bewirtschaftung der mütterlichen Güter Paddern und Telsen.

1893

Anzeichen eines schweren Rückenmarksleidens als Folge einer Syphilisinfektion.

1894

Tod der Mutter; der mütterliche Gutsbesitz fällt an die beiden verheirateten Brüder.

1895

Sommer: Kur in Bad Oeynhausen. Dez.: Umzug nach München zusammen mit seinen Schwestern Henriette (1839-1908) und Elise (1842-1915): Rambergstr. 3; Kontakte zu Künstler- und Literatenkreisen (Max Halbe, Frank Wedekind, Rainer Maria Rilke, Rudolf Kassner, Alfred Kubin); Treffpunkte sind das Café Stefanie und die Torggelstuben.

1896

Veröffentlichungen u.a. in den Zeitschriften Kunst für alle, Freistatt, Kunst und Künstler, Der Tag, Die neue Rundschau, Die Zeit.

1897

Verschlimmerung des Rückenmarkleidens, das ihn zunehmend ans Bett fesselt.

1899-1900

Italienreise zusammen mit den Schwestern: Venedig, Florenz, Siena, Rom, Neapel, Paestum.

1900

Umzug in die Ainmillerstraße 19.

1908

Völlige Erblindung als Folge seiner Krankheit; zunehmende Vereinsamung.

1914

Wirtschaftliche Not: infolge des Kriegs keine Einkünfte aus den kurländischen Besitzungen.

1915

Nach dem Tod der Schwester Elise übernimmt seine Schwester Hedwig die Pflege des Bettlägerigen. Bis zu seinem Tod besuchen ihn Halbe, Kassner, die Fürstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe und die Baronin Marie von der Osten-Sacken.


 

Werke:
(Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Romane

1887

Fräulein Rosa Herz. Eine Kleinstadtliebe

1892

Die dritte Stiege

1903

Beate und Mareile. Eine Schloßgeschichte

1907 Z
1908

Dumala

1911

Wellen

1914

Abendliche Häuser

1916 Z
1917

Fürstinnen

1918 Z
1919

Feiertagskinder

Erzählungen

1896 Z

Grüß Gott, Sonne

1897 Z

Grüne Chartreuse

1901 Z

Die Soldaten-Kersta

1903 Z

Der Beruf. Skizze

1904 Z

Schwüle Tage

1905 Z

Harmonie

1906

Schwüle Tage. Novellen

  • Harmonie (1905 Z)

  • Die Soldaten-Kersta (1901 Z)

  • Schwüle Tage (1904 Z)

1906 Z

Seine Liebeserfahrung

1907 Z

Osterwetter
Die Verlobung
Geschlossene Weihnachtstüren

1908 Z

Frühlingsnacht
Bunte Herzen

1909 Z

Föhn
Winterwege

1909

Bunte Herzen. Zwei Novellen

  • Bunte Herzen (1908 Z)

  • Seine Liebeserfahrung (1906 Z)

1910 Z

Prinzessin Gundas Erfahrungen

1911 Z

Nachbarn

1911 Z
1916

Am Südhang

1913 Z

Das Landhaus

1914 Z

Vollmond
Schützengrabenträume

1915 Z

Nicky
Verwundet

1916 Z

Der Erbwein
Pfingstrausch im Krieg
Das Kindermädchen

1917 Z

Das Vergessen
Die Feuertaufe
Im stillen Winkel

1918 Z

Landpartie

1918

Im stillen Winkel. Erzählungen

  • Im stillen Winkel (1917 Z)

  • Nicky (1915 Z)

Dramen

1900

Ein Frühlingsopfer

1901

Der dumme Hans. Trauerspiel

1902

Die schwarze Flasche

1904

Peter Hawel

1906

Benignens Erlebnis. Zwei Akte

Essays (Auswahl)

1905

Zur Psychologie des Komforts

1907

Über die Liebe

1915

Schlachtendichtung

1916

Über den Haß

Werkausgaben

1922

Gesammelte Erzählungen, hg. v. Ernst Heilborn, Berlin: Fischer (4 Bde.)

1973

Werke, hg. v. Rainer Gruenter, Frankfurt/M.: Fischer


     
    

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