Wolfgang Koeppen
eigentl.
Lebensdaten Werk
*23. Juni 1906 Greifswald +15. März 1996 München (im Pflegeheim) Grabstätte: München, Nordfriedhof
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"Ein Emigrant bei meiner Geburt": unehelicher Sohn der Näherin und Souffleuse am Greifswalder Stadttheater Marie Koeppen; Vater, der Augenarzt und Dozent Dr. Reinhold Halben, zeitlebens ohne Verbindung zum Sohn.
| 1948 | Eheschließung mit der Tänzerin Marion Ulrich (+1984) |
Erzähler,
Essayist und Publizist.
Koeppens Hauptwerk, die Romantrilogie Tauben im Gras, Das Treibhaus und
Der Tod in Rom, die innerhalb weniger Jahre in der frühen Adenauerzeit
erscheint, stößt bei der konservativen zeitgenössischen Literaturkritik aus
inhaltlichen und formalen Gründen auf wenig Gegenliebe; Koeppen selbst bleibt
außerhalb literarischer Kreise lange weitgehend unbekannt; Durchbruch in der
literarischen Öffentlichkeit erst spät (1976) mit dem autobiographischen
Prosastück Jugend.
Koeppens Themen sind der Gegensatz Künstler-Bürger und das Identitätsproblem,
das wohl auf die subjektive Erfahrung der eigenen Vaterlosigkeit zurückgeht. In
der Nachkriegs-Romantrilogie wird das Bild der widersprüchlichen
bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft gezeichnet. Am
bekanntesten ist heute der Großstadtroman Tauben
im Gras. In Der Tod in Rom verarbeitet Koeppen als erster deutscher
Literat die
Nazizeit.
Erzähltechnik unter dem Einfluss der literarischen Moderne (Joyce, Dos Passos,
Faulkner, Döblin): Erzählmosaik,
innerer Monolog, Bewusstseinstrom, Montagetechnik, mythologische Anspielungen,
Metaphorisierung.
Ab Mitte der 50er Jahre zieht
sich Koeppen auf das Schreiben von Reiseessays zurück, mit denen er die Form
des Reiseberichts erneuert.
Auszeichnungen (Auswahl)
| 1962 | Georg-Büchner-Preis |
| 1965 | Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste |
| 1967 | Immermann-Preis |
| 1971 | Andreas-Gryphius-Preis |
| 1984 | Arno-Schmidt-Preis |
| 1990 | Ehrendoktorwürde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald |
| 1993 | Ehrenbürger der Stadt Greifswald |
| 1908 | Nach dem Tod der Großmutter Übersiedlung nach Thorn/Ostpreußen, später nach Ortelsburg; Besuch des Realprogymnasiums. |
| 1919 | Rückkehr nach Greifswald; Mittelschule; vorzeitiger Abgang von der Schule, Laufbursche in einer Buchhandlung; Volontariat am Stadttheater. |
| 1921-24 | Als Schiffskoch zur See; Gelegenheitsarbeiten in Hamburg. |
| 1924 | Engagement am Theater von Wismar abgebrochen; als Fabrikarbeiter bei der Firma Osram in Berlin. |
| 1925 | Tod der Mutter. |
| 1926/27 | Dramaturg und Assistenzregisseur am Würzburger Stadttheater; Wechsel nach Berlin, im "Dramaturgischen Kollektiv" Erwin Piscators; Pressearbeit und Gelegenheitsjobs. |
| 1931-33 | Auf Vermittlung Herbert Iherings erste feste Anstellung beim Berliner Börsen-Courier als Feuilletonredakteur; in Paris und Italien. |
| 1934 | Emigration nach Holland ins "freiwillige Exil" (Scheveningen, Den Haag); Kontakt zu Klaus und Erika Mann. |
| 1938 | Rückkehr nach Deutschland (Berlin); auf Vermittlung Ernst von Salomons und Paul Verhoevens Drehbücher für die UFA und ab 1941 für die Bavaria-Film-Kunst; vorerst vom Kriegsdienst zurückgestellt. |
| 1943 | Koeppens Wohnhaus in München wird während eines Berlin-Aufenthalts bombardiert; Koeppen, in Gefahr, als "Drückeberger" denunziert zu werden, macht sich den Umstand zunutze und taucht unter. |
| ab 1943 | In einer Pension in Feldafing; Bekanntschaft mit der 16-jährigen Marion Ulrich; Überleben unter ärmlichsten Verhältnissen |
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1944 |
Liebesbeziehung mit Marion Ulrich. |
| 1945 | Zeitweilig Tätigkeit als Hilfspolizist der Alliierten. |
| ab 1945 | Ständiger Wohnsitz in München. |
| 1948 | 24.11.: Heirat. |
| 1949 | Kontakt mit dem Verleger Henry Goverts; Beginn einer Phase literarischer Produktivität. |
| 1955 | Auf Vermittlung Alfred Anderschs Aufträge zu Reisebeschreibungen für den Rundfunk; Spanien-Reise als Auftakt zu längeren Reisen durch Europa und die USA. |
| 1956 | Rom. |
| 1957 | Sowjetunion, Warschau, Den Haag, London. |
| 1958 | USA-Reise. |
| 1959 | Frankreich. |
| 1961 | Griechenland. |
| 1982/83 | Poetik-Dozentur in Frankfurt/M. |
| 1984 | 15.4.: Tod der Ehefrau Marion. |
Romane
| 1934 | Eine unglückliche Liebe |
| 1935 | Die Mauer schwankt (Neuaufl. 1939 unter dem Titel Die Pflicht) |
| 1948 | Aufzeichnungen aus einem Erdloch (unter dem Verfassernamen Jakob Littner; = 1992: Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch) |
| 1951 | Tauben im Gras |
| 1953 | Das Treibhaus |
| 1954 | Der Tod in Rom |
| 1987 | Morgenrot. Anfänge eines Romans |
| 2001 | Die Jawang-Gesellschaft |
erzählende Prosa
| 1972 | Romanisches Café. Erzählende Prosa |
| 1976 | Jugend (autobiogr. Erzählfrgm.) |
| 1987 | Angst. Erzählende Prosa |
| 2000 | Auf dem Phantasieroß. Prosa aus dem Nachlaß |
Reiseessays
| 1958 | Nach Rußland und anderswohin. Empfindsame Reisen |
| 1959 | Amerikafahrt (darin New York, 1961) |
| 1961 | Reisen nach Frankreich |
| 1991 | Es war einmal in Masuren |
| 1994 | Ich bin gern in Venedig warum |
| 1997 | Proportionen der Melancholie. Drei fränkische Stadtbilder. Nürnberg - Würzburg - Bayreuth |
| 2000 | Die Erben von Salamis. Oder: Die ernsten Griechen |
| 2001 | Muß man München nicht lieben? |
Autobiographisches
| 1961 | Umwege zum Ziel. Ein Selbstportrait |
| 1976 | Jugend (autobiogr. Erzählfrgm.) |
| 1997 | Wolfgang Koeppen: Ich? |
Rede
| 1962 | Dankrede anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises |
Aufsätze (Auswahl)
| 1952 | Die elenden Skribenten |
| 1955 | Malcolm Lowry. Ein
Schriftstellerportrait Der kleine und der große Aufstand: 1. T.H. Lawrence, 2. H. Miller |
| 1957 | Friedo Lampe und
Felix Hartlaub Die Summe der Sensibilität |
| 1961 | Honoré de Balzac.
Ein literarisches Portrait Max Liebermann |
| 1981 | Die elenden Skribenten. Aufsätze |
Werkausgabe
| 1986 | Gesammelte Werke, hg. v. Marcel Reich-Ranicki in Zusammenarbeit mit Dagmar von Briel u. Hans-Ulrich Treichel, Frankfurt/M, Suhrkamp (6 Bde.) |
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