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Else Lasker-Schüler

Lebensdaten | Werk

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* 11. Februar 1869 Elberfeld
(Wuppertal)

+ 22. Januar 1945 Jerusalem (Herzanfall)

Grabstätte: Jerusalem, am Fuß des Ölbergs

  

   
  
 
 Gemälde von Stanislaus Stückgold
(1916)
   


Ich bin in Theben (Ägypten) geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland. Ich ging bis 11 Jahre zur Schule, wurde Robinson, lebte fünf Jahre im Morgenlande, und seitdem vegetiere ich.
(Lebenslauf für die Anthologie Menscheitsdämmerung)

     

Aus bürgerlich-jüdischer Familie. Jüngstes von sechs Kindern des Privatbankiers Aron Schüler (1825-1897) und seiner Frau Jeanette, geb. Kissing (1837-1890). Geschwister: Alfred (*1858), Moritz (1859-1907), Paul (1860-1882), Martha (*1862), Annemarie (1863-1912). - Sohn: Paul (1899-1927, außerehelich).

Markante Gestalt der Berliner Bohème, unkonventioneller Lebensstil, extravagantes Auftreten; nach der Scheidung vom zweiten Ehemann permanent in finanzieller Bedrängnis, unstetes Leben ohne festen Wohnsitz. Letzte Lebensjahre im palästinensischen Exil. Zu ihren Freunden und Bekannten gehören Peter Hille, Theodor Däubler, Richard Dehmel, George Grosz, Franz Marc, Kurt Pinthus, Gottfried Benn, Georg Trakl, Max Brod, Franz Werfel, Paul Leppin, Peter Altenberg, Oskar Kokoschka, Karl Kraus. - Selbstmythisierung und -maskierung (phantastische, Geschlechterrollen überspielende Traumexistenz als "Tino von Bagdad" oder "Jussuf, Prinz von Theben"). 

             
Vorrangig Lyrikerin, aber auch Erzählerin, Dramatikerin, Zeichnerin. Wichtige Vertreterin des Expressionismus. Nach Gottfried Benn "die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte". Subjektive Erlebnislyrik, Liebe als zentrales Thema; daneben religiöse Gedichte. Hebräisch-orientalische Bilderwelt, die als Sinnbild ihrer religiösen Sehnsucht auf die Urheimat ihrer Väter verweist. - Prosabücher mit eigenen Aquarellen und Zeichnungen.

              

1894

Heirat mit dem Arzt Dr. Berthold Lasker (1860-1928; Bruder des späteren Schach-Weltmeisters Emanuel Lasker); Trennung 1899, Scheidung 1903

1903

2. Ehe mit Georg Lewin (= Herwarth Walden, 1878-1941); Scheidung 1912

Auszeichnungen

1932

Kleist-Preis


 
Wichtige Lebensdaten:
 

1869

11.2.: Geburt in Elberfeld, Herzogstr. 29.

1875-1882

Besuch der Städtischen Höheren Töchterschule

1882

2.2.: Tod des Bruders Paul. - Abgang von der Schule; Privatunterricht.

1890

27.7.: Tod der Mutter (Krebs): "Wie meine Mutter starb, zerbrach der Mond."

1894

Nach der Heirat (15.1.) Umzug nach Berlin. Zeichenunterricht bei dem Maler Simson Goldberg. Ausbildung des zeichnerischen Talents im eigenen Atelier.

1897

3.3.: Tod des Vaters.

1899

Freundschaft mit dem Schriftsteller-Guru Peter Hille (1854-1904), der ihre weitere Entwicklung bestimmt. Durch Hille Anschluss an die literarische Szene (Künstlerkreis Neue Gemeinschaft der Gebrüder Hart). L.-S. sieht die Begegnung mit Hille als Neugeburt (Hille "tauft" sie Tino). - Erste Veröffentlichungen in der Zeitschrift Die Gesellschaft. - 24.8.: Geburt des Sohnes Paul. - Trennung von Berthold Lasker.

1900

Erste Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Georg Lewin.

1903

11.3.: Scheidung von Berthold Lasker. - 30.11.: Heirat mit Georg Lewin. 

1904

Nach dem Tod Hilles Beginn des Selbstmythisierungsprozesses.

1907

13.1.: Tod des Bruders Moritz.

1909

Beginn des Briefwechsels mit Karl Kraus (bis 1924).

1910

Georg Lewin gründet unter dem (von L.-S. stammenden) Pseudonym Herwarth Walden die expressionistische Zeitschrift Sturm.

1912

27.1.: Tod der Schwester Annemarie (Anna). - Liebesbeziehung mit Gottfried Benn, erste Bekanntschaft mit Franz Marc. - 1.11.: Scheidung von Georg Lewin. In permanenter Geldnot; Unterstützung durch Karl Kraus und Franz Marc (ihrem "blauen Reiter").

1912-1914

Briefwechsel mit Franz Marc.

1913

April: Lesung in Prag. - Nov.: Reise nach Moskau und St. Petersburg, um sich für die Freilassung ihres Freundes Senna Hoy (Johannes Holzmann) einzusetzen.

1914

Bekanntschaft mit Georg Trakl.

1917-1919

Okt. - Mai: längere Aufenthalte in der Schweiz beim kranken Sohn.

1921

Lesungen in Wien und Prag.

1924

Lesungen in Wien.

1926

Der Sohn Paul erkrankt an Tuberkulose. Frühjahr: bei Paul in München. Juni - Oktober: in der Schweiz in der Nähe Pauls.

1927

Monatelange Aufenthalte bei Paul in Zürich und Davos. Sept.: Rückkehr Pauls nach Berlin, 14.12.: Tod. Nach dem Tod des Sohnes Rückzug aus dem öffentlichen Leben.

1928

Lesungen in Amsterdam und Den Haag. Reise nach Paris.

1929

Juni: Reise nach Paris. - Beginn der Lesungen in deutschen Rundfunkanstalten.

1933

Nach tätlichen SA-Angriffen auf offener Straße Emigration in die Schweiz (Zürich, Ascona).

1934

Erste Palästina-Reise.

1937

Zweite Palästina-Reise.

1938

Ausbürgerung.

1939

Während der dritten Palästina-Reise Ausbruch des 2. Weltkriegs. Die Schweiz erteilt keine Einreiseerlaubnis mehr. Die letzten Lebensjahre in ärmlichen Verhältnissen in Jerusalem.

1945

Nach einem Herzanfall Tod im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem.


Werke:

(e= entstanden; a = uraufgeführt in)

Gedichtsammlungen

1901

Styx. Gedichte (u.a. Karma, Orgie, Jugend, Mein Tanzlied, Athánatoi)

1905

Der siebente Tag. Gedichte (u.a. Mein Volk; Mein Liebeslied; Weltende; Eva; Wir drei)

1911

Meine Wunder. Gedichte (u.a. Ein alter Tibetteppich; Leise sagen; Meine Mutter; An Gott)

1913 (recte 1912)

Hebräische Balladen (erw. 1920)

1917

Die gesammelten Gedichte

1920

Hebräische Balladen. Der Gedichte Teil 1
Die Kuppel. Der Gedichte Teil 2

1923

Theben. Gedichte und Lithographien

1932

Konzert (Essays und Gedichte; u.a. Abschied)

1943

Mein blaues Klavier. Neue Gedichte (u.a. Mein blaues Klavier; Gebet; Jerusalem; Die Verscheuchte; Meine Mutter; Über glitzernden Kies; Ein Liebeslied; Ich weiß; Und meine Seele verglüht in den Abendfarben Jerusalems)

Dramen
 

1909 (1919 a Berlin)

Die Wupper

1932 (1936 a Zürich)

Arthur Aronymus und seine Väter

1970 (1941 e; 1979 a Düsseldorf, Wuppertal)

Ichundich (Tragödie)

Prosa

1906 (1904 e)

Das Peter Hille-Buch

1907

Die Nächte Tino von Bagdads (1919: Die Nächte der Tino von Bagdad):

  • Ich tanze in der Moschee

  • Das blaue Gemach

  • Plumm Pascha

  • Ached Bey

  • Der Tempel Jehovah

  • Minn, der Sohn des Sultans von Marokko

  • Der Fakir von Theben

  • Der Khedive

  • Mein Liebesbrief

  • Der Magier

  • Der Großmogul von Philippopel

  • Tino an Apollydes ...

  • Der Sohn der Lîlame

  • Der Dichter von Israhab

  • Die sechs Feierkleider

1912

Mein Herz. Ein Liebesroman mit Bildern und wirklich lebenden Menschen (Briefroman; = Briefe nach Norwegen, 1911/12)

1914

Der Prinz von Theben. Ein Geschichtenbuch:

  • Der Scheik

  • Der Derwisch

  • Ein Brief meiner Base Schalôme

  • Der Fakir

  • Das Buch der drei Abigails

  • Singa, die Mutter des toten Melechs des Dritten

  • Eine Begebenheit aus dem Leben Abigail des Liebenden

  • Der Kreuzfahrer

1919

Der Malik. Eine Kaisergeschichte mit Bildern und Zeichnungen

1921

Der Wunderrabbiner von Barcelona

1932

Arthur Aronymus. Die Geschichte meines Vaters

1937

Das Hebräerland

Essays

1913

Gesichte. Essays und andere Geschichten

1920

Essays

1925

Ich räume auf! Meine Anklage gegen meine Verleger

Werkausgaben

1919-1920

Gesammelte Werke, Berlin (Cassirer, 10 Bde.)

1951

Dichtungen und Dokumente, hg. v. E. Ginsberg, München: Kösel

1959-1962

Gesammelte Werke, hg. v. Friedhelm Kemp und Werner Kraft, München: Kösel (3 Bde.)

1991

Werke, hg. v. Sigrid Bauschinger, München: Winkler

1996

Gesammelte Werke, hg. v. Friedhelm Kemp, Frankfurt: Suhrkamp (3 Bde.)

2002

Gesammelte Werke, hg. v. Friedhelm Kemp, Frankfurt: Suhrkamp (4 Bde.)


                         

Else Lasker-Schüler-Gesellschaft

Online-Bibliografie

             

                      

 
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