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Siegfried Lenz

Lebensdaten | Werk

Lenz-Texte im Netz



* 17. März 1926 Lyck/
Masuren (heute: Ełk)

+ 7. Oktober 2014 Hamburg

 

Grabstätte: Friedhof Hamburg-Nienstedten

  

 

Siegfried Lenz 1969
Bildquelle: Wikipedia
 
 

   
Erzähler und Dramatiker. Einer der renommiertesten und meistgelesenen deutschen Nachkriegsautoren, dessen Werke in 22 Sprachen übersetzt wurden; Weltauflage von mehr als 25 Millionen Exemplaren. Großer Erfolg seiner masurischen Geschichten; endgültiger literarischer Durchbruch mit dem Roman Deutschstunde.

Anfangs starker Einfluss Dostojewskis, Hemingways, Faulkners und der französischen Existentialisten Sartre und Camus. Später eigener klassisch-realistischer Erzählstil ohne Formexperimente (von der Literaturkritik teilweise als "altmodisch" klassifiziert). In seinen Werken vertritt L. eine zutiefst humanistische Position, die auf Versöhnung und Verständigung abzielt; seine Helden sind "einfache Leute", die zur Identifikation einladen. Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen, Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. 

    

Sohn des Zollbeamten Otto Lenz und seiner Ehefrau Luise. Über Kindheit und Jugend in der masurischen Kleinstadt Lyck ist wenig bekannt. Ohne Beziehung zum Vater, der die Familie verlässt und früh stirbt. Die Mutter zieht mit L.' Schwester nach Braunsberg und heiratet wieder; L. wächst bei der Großmutter auf. Internatsbesuche in Kappeln und Samter bei Posen.

  

1949

Heirat mit Liselotte (Zeichnerin und Malerin, 1919-2006)

2010

2. Ehe mit Ulla Reimer (*1936; Dänin)

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

1961

Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen

1966

Großer Kunstpreis für Literatur des Landes Nordrhein-Westfalen

1970

Gerhart-Hauptmann-Preis

1976

Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg

1979

Bundesverdienstkreuz (abgelehnt)

1984

Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck

1988

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

1993

Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität des Negev

1999

Goethepreis der Stadt Frankfurt

2001

Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Hamburg

2004

Ehrenbürger des Landes Schleswig-Holstein

2011

Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Ełk


 
Wichtige Lebensdaten:
 

1939

Begeistertes Mitglied in der Hitlerjugend.

1943

Kriegsabitur. Zur Marine eingezogen. Seekadett auf dem Schweren Kreuzer Admiral Scheer; Einsatz in der Ostsee.

1944

20.7.: Attentat auf Hitler: "An diesem Tag stürzte ich aus einer Illusion." Innere Veränderung durch die Kriegserfahrungen.

1945

Nach der Zerstörung der Admiral Scheer in den letzten Kriegswochen Dienst in Dänemark. März: Desertion nach der Hinrichtung eines Kameraden. Bis zum Kriegsende Versteck in Wäldern, danach kurzzeitig in englischer Kriegsgefangenschaft (Sammellager bei Husum); Dolmetschertätigkeit. Nach der Entlassung Studium der Philosophie, Anglistik und Germanistik in Hamburg. L. hält sich zeitweise als Schwarzmarkthändler über Wasser.

1948

Studienabbruch; Volontär bei der Tageszeitung Die Welt. L. lernt seine spätere Frau Liselotte kennen.

1950-51

Nachrichten-, dann Feuilletonredakteur bei der Welt.

1951

Freier Schriftsteller in Hamburg; im Sommer in Lebøllykke auf der dänischen Insel Alsen (Als).

1952

Mitglied der Gruppe 47.

1960

Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

1964

Kauf eines Hauses in Hamburg.

1965

Beginn des Engagements in der sozialdemokratischen Wählerinitiative (bis Anfang der 70er Jahre).

1968

Vortragsreise nach Australien und in die USA.

1969

Gastprofessur an der Universität von Houston/Texas.

1970

L. begleitet (gemeinsam mit Günter Grass) Bundeskanzler Willy Brandt auf der Reise nach Polen zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrags.

1973

Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt.

1979

Ablehnung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (zusammen mit Böll und Grass).

1986

Erwerb eines Sommerhauses in Tetenhusen bei Schleswig.

2003

Gastprofessor an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität.

2006

Febr.: Tod der Ehefrau Liselotte.

2008

Operation an der Wirbelsäule.

2010

Wiederverheiratung; Wohnsitz abwechselnd in Hamburg und auf der Ostseeinsel Fünen; zuletzt in einer Hamburger Seniorenresidenz; auf den Rollstuhl angewiesen.

2014

Tod im Kreise der Familie.


Werke:

(e = entstanden; a = Uraufführung in)

Romane

1951

Es waren Habichte in der Luft

1953

Duell mit dem Schatten

1957

Der Mann im Strom (Verfilmung 1958 und 2006)

1959

Brot und Spiele

1963

Stadtgespräch

1968

Deutschstunde (Verfilmung 1971)

1973

Das Vorbild

1978

Heimatmuseum (Verfilmung 1988)

1981

Der Verlust

1985

Exerzierplatz

1990

Die Klangprobe

1994

Die Auflehnung (Verfilmung 2009)

1999

Arnes Nachlaß (Verfilmung 2012)

2003

Fundbüro

2016 (1951 e)

Der Überläufer

Erzählungen
 

1955

So zärtlich war Suleyken. Masurische Geschichten (Verfilmung 1971/72):

  • Der Leseteufel

  • Füsilier in Kulkaken

  • Das war Onkel Manoah

  • Der Ostertisch

  • Das Bad in Wszscinsk

  • Ein angenehmes Begräbnis

  • Schissomirs großer Tag

  • Duell in kurzem Schafspelz

  • So war es mit dem Zirkus

  • Der rasende Schuster

  • Die Kunst, einen Hahn zu fangen

  • Eine Kleinbahn namens Popp

  • Die Reise nach Oletzko

  • Sozusagen Dienst am Geist

  • Eine Sache wie das Impfen

  • Der Mann im Apfelbaum

  • Die große Konferenz

  • Eine Liebesgeschichte

  • Die Schlüssel der Prophezeiungen

  • Die Verfolgungsjagd

1956

Das Kabinett der Konterbande

1958

Jäger des Spotts. Geschichten aus dieser Zeit:

  • Lukas, sanftmütiger Knecht

  • Das Wrack

  • Ein Haus aus lauter Liebe

  • Die Festung

  • Der Läufer

  • Der grosse Wildenberg

  • Drüben auf den Inseln

  • Der seelische Ratgeber

  • Jäger des Spotts

  • Die Flut ist pünktlich

  • Mein verdrossenes Gesicht

  • Nur auf Sardinien

  • Die Nacht im Hotel

1960

Das Feuerschiff. Erzählungen (Verfilmungen 1963, 1986, 2008):

  • Das Feuerschiff

  • Ein Freund der Regierung

  • Der Anfang von etwas

  • Lieblingsspeise der Hyänen

  • Der längere Arm

  • Der Sohn des Diktators

  • Silvester-Unfall

  • Der Amüsierdoktor

  • Risiko für Weihnachtsmänner

  • Stimmungen der See

1962

Stimmungen der See. Erzählungen:

  • Stimmungen der See (1960)

  • Gelegenheit zum Verzicht

  • Schwierige Trauer

  • Die Festung

  • Der seelische Ratgeber

  • Lieblingsspeise der Hyänen (1960)

1964

Lehmanns Erzählungen oder So schön war mein Markt (Verfilmung 1975)

1965

Der Spielverderber. Erzählungen:

  • Nachzahlung (1964)

  • Der Verzicht (1960)

  • Vorgeschichte (1961)

  • Der Spielverderber (1962)

  • Der sechste Geburtstag (1964)

  • Küste im Fernglas (1958)

  • Die Glücksfamilie des Monats (1964)

  • Der Gleichgültige (1961)

  • Der Beweis (1964)

  • Ball der Wohltäter (1959)

  • Schwierige Trauer (1960)

  • Ihre Schwester (1964)

  • Das Schlüsselwort (1964)

  • Die Lampen der Eskimos (1959)

1968

Leute von Hamburg. Meine Straße

1975

Der Geist der Mirabelle. Geschichten aus Bollerup:

  • Ein Bein für alle Tage

  • Das unterbrochene Schweigen

  • Ein teurer Spaß

  • Ursachen eines Streitfalls

  • Hausschlachtung

  • Frische Fische

  • Der Denkzettel

  • Ein sehr empfindlicher Hund

  • Hintergründe einer Hochzeit

  • Die Bauerndichterin

  • Die älteste Einwohnerin im Orte

  • Der heimliche Wahlsieger

1975

Einstein überquert die Elbe bei Hamburg. Erzählungen:

  • Das Examen

  • Ein Grenzfall

  • Die Mannschaft

  • Die Augenbinde

  • Die Schmerzen sind zumutbar

  • Die Strafe

  • Einstein überquert die Elbe bei Hamburg

  • Herr und Frau S. in Erwartung ihrer Gäste

  • Wie bei Gogol

  • Fallgesetze

  • Achtzehn Diapositive

  • Die Wellen des Balaton

  • Die Phantasie

1984

Ein Kriegsende (Verfilmung 1984)

1987

Das serbische Mädchen. Erzählungen:

  • Das serbische Mädchen (Verfilmung 1991)

  • Der Redenschreiber

  • Zum Vorzugspreis

  • Die Kunstradfahrer

1996

Ludmilla. Erzählungen:

  • Ludmilla

  • Atemübung

  • Ein geretteter Abend

  • Panik

  • Die Bewerbung

  • Der Abstecher

2002

Zaungast. Erzählungen:

  • Kummer mit jütländischen Kaffeetafeln

  • Eine Schulstunde auf japanisch

  • Das Gelächter des Kukkaburra

  • Die Stunde der Taucher

  • Sonntag eines Ranchers

  • Hinter der Fliegenschnur

  • Unter Dampf gesetzt

2006

Die Erzählungen (Sämtliche Erzählungen in einem Band)

2008

Schweigeminute

2009

Landesbühne
Der Anfang von etwas. Meistererzählungen

2010

Die Flut ist pünktlich. Meistererzählungen

2011

Die Maske. Erzählungen:

  • Rivalen

  • Die Maske

  • Die Sitzverteilung

  • Ein Entwurf

  • Das Interview

     
Hörspiele
     

1952

Wanderjahre ohne Lehre

1954

Die Nacht des Tauchers

1955

Der Hafen ist voller Geheimnisse
Die verlorene Magie der Märkte
Das schönste Fest der Welt

1956

Die Muschel öffnet sich langsam
Resignation in Baccar
Die neuen Stützen der Gesellschaft

1961

Zeit der Schuldlosen
Zeit der Schuldigen

1966

Die Enttäuschung

1967

Haussuchung. Hörspiele
Das Labyrinth

1988

Die Bergung

          
Dramen
            

1961 a Hamburg

Zeit der Schuldlosen (Verfilmung 1964)

1964 a Hamburg

Das Gesicht. Komödie

1970 a Düsseldorf

Die Augenbinde

1970 (a Göttingen 1973)

Nicht alle Förster sind froh. Dialog

1980

Drei Stücke

2009

Die Versuchsperson

2011

Harmonie

             
Essays
           

1970

Beziehungen. Ansichten und Bekenntnisse zur Literatur (gesammelte Aufsätze)

1982

Über Phantasie. Gespräche mit Böll, Grass, Kempowski, Kohout

1983

Elfenbeinturm und Barrikade. Erfahrungen am Schreibtisch

1992

Über das Gedächtnis. Reden und Aufsätze

1998

Über den Schmerz. Essays

2001

Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur. Essays

2006

Selbstversetzung. Über Schreiben und Leben (Slg.)

               

Autobiographisches
           

2012

Amerikanisches Tagebuch 1962

             
Werkausgabe
            

1996-1999

Werke in Einzelbänden, Hamburg: Hoffmann & Campe (20 Bde.)

   


   

17.10.2014
Update: 02.03.2016
   

   
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