Jacob
Michael Reinhold Lenz
Lebensdaten Werk
*23. Januar 1751 Seßwegen in Livland (heute: Cesvaine in Lettland) +3./4. Juni 1792 Moskau Grab: unbekannt |
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Viertes Kind des deutschstämmigen Pfarrers und späteren Generalsuperintendenten Christian David Lenz (1720-1798) und seiner Frau Dorothea, geb. Neoknapp (+1778); lebensuntüchtig, gesellschaftlich versagend, hysterisch liebend, unausgeglichen, exzentrisch; verliebt sich in der Straßburger Zeit nacheinander in Goethes ehemalige Freundin Friederike Brion, in Cleophe Fibich (die Freundin des älteren von Kleist), in Goethes Schwester Cornelia und die ebenso unerreichbare Adlige Henriette Waldner. Ab 1777 Anfälle geistiger Umnachtung (paranoide Schizophrenie).
"Nur ein
vorübergehendes Meteor" (Goethe). "Er starb, von wenigen betrauert und
von keinem vermißt" (einziger Nachruf in der Jenaischen Allgemeinen
Literatur-Zeitung, 1792). Im 20. Jahrhundert, wesentlich durch Büchners Novelle
"Lenz" (1835 e), wiederentdeckt: Identifikationsfigur, an der sich die
Identitätskrise des modernen Ich festmacht.
Begabtester unter den Stürmern und Drängern.
1759 |
Übersiedlung der Familie nach Dorpat; Lateinschule. |
1768 |
Theologiestudium an der Universität Königsberg; Vorlesungen Kants regen zum Studium der Schriften Rousseaus an. |
1771 |
Abbruch des Studiums; als "Mentor" Reise mit den Baronen Friedrich Georg und Ernst Nikolaus von Kleist nach Straßburg, wo die Kleist-Brüder ihren Militärdienst antreten; Bekanntschaft mit Goethe, Wagner und Jung-Stilling. |
1772 |
Aufenthalte in den Garnisonen Landau, Fort Louis und Weißenburg; heftige Neigung zu Friederike Brion. |
1774 |
Verlässt wegen Cleophe Fibich die Kleists; freier Schriftsteller, Lebensunterhalt durch Privatunterricht. Kontakte zum Schweizer Theologen und Philosophen Johann Kaspar Lavater. |
1775 |
Freundschaftlicher Kontakt mit Goethe; gemeinsamer Besuch bei Goethes Schwager Schlosser in Emmendingen; Liebe zu dessen Frau Cornelia. |
1776 |
März: L. folgt Goethe über Mannheim und Frankfurt nach Weimar; Bekanntschaft mit Maler Müller, Herder, Klinger und Charlotte von Stein; Nov.: Lenz fällt gesellschaftlich aus der Rolle; Ausweisung aufgrund einer vertuschten Affäre um ein Spottgedicht (Goethe: Lenzens Eseley); zu Schlosser nach Emmendingen. |
1777 |
Unstetes Leben: u.a. in Basel, Zürich (Lavater), Emmendingen (Schlosser), Winterthur, am Bodensee; Juni: Tod Cornelias; Nov. während eines Aufenthalts bei Christoph Kaufmann in Winterthur erste Anzeichen von Verwirrtheit. |
1778 |
Jan.: auf Veranlassung Kaufmanns Aufenthalt beim Pfarrer und Philanthropen Oberlin in Waldersbach/Vogesen (20.1.-18.2.). Bei Schlosser in Emmendingen; Unterbringung bei einem Schuster, dann Förster in Weisweil; schwere Anfälle von Raserei; Selbstmordversuche; Tod der Mutter; in ärztlicher Behandlung in Hertingen bei Basel. |
1779 |
L. wird von seinem jüngsten Bruder Karl Heinrich Gottlob abgeholt; zu Fuß nach Riga; Vater weist ihn ab. |
1780 |
Gesundheitszustand bessert sich; Versuch, in Estland und St. Petersburg als Hofmeister zu arbeiten, scheitert; will Soldat zu werden. |
1781 |
Sept.: Lenz zieht nach Moskau; zeitweilig Erzieher in einer Pensionsanstalt; Unterstützung durch Freunde; Anzeichen geistiger Verwirrung nehmen wieder zu; trotzdem weitere literarische Tätigkeit; Übersetzungen aus dem Russischen. |
1787 |
Freundschaft mit Nikolaj M. Karamsin; zunehmende Geisteskrankheit. |
1792 |
L. stirbt nachts auf einer Moskauer Straße. |
Werke:
(e = entstanden; a =
Uraufführung)
Dramen
1774 |
Der Hofmeister oder Vortheile der Privaterziehung (sozialkrit. Tragikomödie) |
1774 |
Der neue Menoza. Oder Geschichte des cumbanischen Prinzen Tandi (Komödie) |
1776 |
Die Soldaten (Komödie) |
1776 |
Die Freunde machen den Philosophen (Lustspiel) |
1777 |
Der Engländer. Eine dramatische Phantasey |
1819 |
Pandaemonium Germanicum. Eine Skizze (Satire) |
1774 |
Lustspiele nach dem Plautus fürs deutsche Theater: |
1776 |
Zerbin oder die neuere Philosophie |
1797 |
Der Waldbruder (Briefroman; Frgm.) |
1769 |
Die Landplagen (in 1500 Hexametern) |
1891 |
Gedichte von J.M.R. Lenz |
Schriften
1774 |
Anmerkungen übers Theater nebst angehängtem übersetzten Stück Shakespeare |
1775 |
Meynungen eines Layen den Geistlichen zugeeignet. Stimmen des Layen (antirationalistische Abhandlung) |
1775 e |
Tagebuch der Leidenschaft für Cleophe Fiebich |
1775 e |
Moralische Bekehrung eines Philosophen (Tagebuch der Liebe zu Cornelia) |
1780 |
Philosophische Vorlesungen für empfindsame Seelen |
Ausgaben
1909-1913 |
Gesammelte Schriften, hg. v. Franz Blei, München/Leipzig (3 Bde.) |
1918 |
Briefe von und an J. M. R. Lenz, hg. v. Karl Freye u. Wolfgang Stammler, Leipzig (2 Bde.) |
1987 |
Werke und Briefe, hg. v. Sigrid Damm, Leipzig/München/Wien (3 Bde.) |
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