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Gotthold Ephraim Lessing
 
Lebensdaten
| Werk


* 22. Januar 1729 Kamenz (Oberlausitz)

+ 15. Februar 1781 Braunschweig (Schlaganfall)

Grabstätte: Braunschweig, Friedhof von St. Magni

 

  
Gemälde von Georg Oswald May 
(1766)
 

   

Bedeutendster Schriftsteller der deutschen Aufklärung; Dichter und Gelehrter: Dramatiker, Fabeldichter, Kritiker, Philologe, Literaturtheoretiker, Kunstgeschichtler, Theologe, Philosoph. Einer der ersten, der als freier Schriftsteller sein Leben zu fristen versucht.
  Wahrheitssucher, Erzieher und Kämpfer gegen soziale Gewissenlosigkeit, Engstirnigkeit und Intoleranz. Optimistische Geschichtsauffassung: stetige geistige und damit sittliche Weiterentwicklung des Menschen.
  Dramentheorie: grundlegende Neuerungen; fordert neues deutsches Drama gegenüber dem von Gottsched zum Maßstab gemachten französischen Drama; Vorbild: Shakespeare. "Bürgerliches Trauerspiel": Held(in) aus dem Bürgertum, Identifikation mit dem Helden (L. deutet "Furcht und Mitleid" des Aristoteles nicht als Furcht vor dem Helden, sondern als Furcht um den Helden).

 

Aus nicht sehr begüterter Pfarrersfamilie; drittes von zwölf Kindern, von denen sieben in frühen Jahren sterben. Vater: der Pfarrer Johann Gottfried Lessing (1693-1770); Mutter: die Pfarrerstochter Justine Salome Lessing, geb. Feller (1703-1777). Erster Unterricht durch den strenggläubigen Vater und einen Hauslehrer; Lateinschule in Kamenz.

 

1776

Heirat mit Eva König, geb. Hahn (1736-1778; Witwe des Hamburger Freundes Engelbert König; Mutter von sieben Kindern, von denen sie noch vier in die Ehe mitbringt). Gemeinsamer Sohn: Traugott (*+1777)


Wichtige Lebensdaten:

1741-46

Nach Aufnahmeexamen Stipendium zum Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen: "Wie gerne wünsche ich mir diese Jahre zurück, die einzigen, in welchen ich glücklich gelebt habe." Lektüre von Homer, Plautus, Terenz, Theophrast. Erste Versuche als Schriftsteller.

1746

Sept.: Studium der Theologie und Philologie in Leipzig (Gellert, Gottsched); Freundschaft mit Christlob Mylius und Christian Felix Weiße; Interesse am Theater (Truppe der Neuberin); Schulden.

1747

Erste Gedichte und Erzählungen in den Zeitschriften Naturforscher und Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüts

1748

Kurzes Medizinstudium in Leipzig; Flucht nach Wittenberg, um dem Schuldgefängnis zu entgehen; Aug.: Immatrikulation in Wittenberg. Entschluss, freier Schriftsteller zu werden. Nov.: Übersiedlung nach Berlin. 

1750

Bekanntschaft mit Voltaire.

1751

Apr.: Herausgeber der Monatsbeilage "Das Neueste aus dem Reiche des Witzes" der Berlinischen Privilegierten Zeitung (bis 1755). Dez.: Übersiedlung nach Wittenberg.

1752

Apr.: Magisterexamen. Nov.: Rückkehr nach Berlin.

1754

Freundschaft mit Karl Wilhelm Ramler, Moses Mendelssohn und Christoph Friedrich Nicolai.

1755

Jan. - Febr.: bei Potsdam. Bekanntschaft mit Gleim in Berlin. 10.7.: Besuch der Uraufführung der Miß Sara Sampson in Frankfurt/Oder (zusammen mit Ramler). Okt.: Übersiedlung nach Leipzig; Freundschaft mit Ewald von Kleist.

1756

Mai: Aufbruch zu einer Bildungsreise nach England als Begleiter des Kaufmannssohns Christian Gottfried Winkler; in Halberstadt Besuch bei Gleim; Abbruch der Reise in Amsterdam wegen des Ausbruchs des Siebenjährigen Kriegs. Besuch der Bibliothek Wolfenbüttel; Begegnung mit Klopstock und dem Schauspieler Ekhof in Hamburg. Sept.: wieder in Leipzig.

1758

Febr.: Bekanntschaft mit dem Oberst von Tauentzien. Mai: Übersiedlung nach Berlin 

1759

Aug.: Ewald von Kleist fällt als Major in der Schlacht bei Kunersdorf. 

1760

Auswärtiges Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Nov.: Gouvernementssekretär beim General von Tauentzien in Breslau.

1764

Juli/Aug.: schwere Erkrankung. Ende des Jahres: Ausscheiden aus seiner Stellung.

1765

Mai: Rückkehr nach Berlin.

1766

Als Begleiter von Brenckenhoffs Reise nach Pyrmont; Bekanntschaft mit Justus Möser. Okt.: Lessings Ernennung zum Bibliothekar der kgl. Bibliothek in Berlin wird abgelehnt. Dez.: Aufenthalt in Hamburg.

1767

Übersiedlung nach Hamburg. Dramaturg am Hamburger Nationaltheater. Kontakte zum Schauspieler Ekhof, dem Gymnasialprofessor Hermann Samuel Reimarus und dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze (1717-1786). Treffen mit Klopstock. 

1768

L. wird Pate des jüngsten Kindes seines Freundes, des Seidenhändlers Engelbert König.

1769

Nach dem Tod Königs auf einer Geschäftsreise in Italien kümmert sich L. um dessen Witwe Eva.

1770

Zusammentreffen mit Herder und Claudius. Mai: Bibliothekar an der herzoglich-braunschweigischen Bibliothek in Wolfenbüttel.

1771

Sept.: Verlobung mit Eva König in Hamburg. Okt.: Aufnahme in die Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen. Ende Okt.: wieder in Wolfenbüttel.

1773-81

Herausgabe der Zeitschrift Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel.

1774-78

Herausgabe der nachgelassenen Schriften von Reimarus, die er von dessen Tochter Elise erhalten hat (Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes) unter dem Titel Fragmente eines Ungenannten.

1775

Reise nach Wien über Leipzig, Berlin, Dresden; Audienz bei Kaiser Joseph II.; Zusammentreffen mit Eva König, die sich um die Verwaltung der Geschäfte ihres verstorbenen Mannes in Wien kümmert. Apr.: Weiterreise nach Italien als Begleiter des Prinzen Leopold von Braunschweig; über Mailand, Venedig, Florenz, Genua, Turin; Sept.: Rom; Abstecher nach Neapel. Dez.: wieder in Wien.

1776

Juni: zurück in Wolfenbüttel. Hofratstitel. 7.10.: Heirat in Jork bei Hamburg.

1777

Jan.: Reise nach Mannheim; März: Ablehnung des Angebots, das Nationaltheater zu leiten. Am Weihnachtsabend Geburt des Sohnes, der zwei Tage später verstirbt.

1777-79

An den Fragmenten eines Ungenannten entzündet sich eine weitreichende religionskritische Polemik.

1778

10.1.: Tod der Frau (Kindbettfieber): "Ich habe es auch einmal so gut haben wollen wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen."
Auseinandersetzung mit Goeze. Aug.: Entzug der Zensurfreiheit durch den Herzog. L. wendet sich seiner "alten Kanzel" zu, dem Theater, seine Antwort auf Goeze ist Nathan der Weise.

1779

Verschlechterung des Gesundheitszustands.

1780

Sommer: Friedrich Heinrich Jacobi besucht L. und behauptet später, L. habe sich positiv zum Pantheismus Spinozas geäußert ("Spinozadebatte" nach Lessings Tod). Letzter Besuch in Hamburg bei Elise Reimarus. Zunehmende Erblindung und Einsamkeit in Wolfenbüttel.

1781

29.1.: "Stickfluss". 5.2.: Tod bei einem Besuch in Braunschweig. Bei ihm sind seine Stieftochter Amalie und der Braunschweiger jüdische Kunsthändler Alexander Daveson (der durch Lessings Intervention aus dem Gefängnis frei gekommen war).


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung in)

Dramen

1747

Damon oder die wahre Freundschaft. Ein Lustspiel

1749

Die alte Jungfer. Ein Lustspiel (anonym) 

1753

Samuel Henzi. Ein Trauerspiel (Frgm.)

1754
(1748 a Leipzig) 

Der junge Gelehrte. Ein Lustspiel

1754
(1749 a Leipzig) 

Die Juden. Ein Lustspiel

1755 (1748 e)

Der Misogyn. Ein Lustspiel (1767 dreiaktig)

1755 (1749 e) 

Der Freygeist. Ein Lustspiel 

1755 (1750 e)

Der Schatz. Ein Lustspiel

1755
(a Frankfurt/Oder)

Miß Sara Sampson. Ein Trauerspiel

1759 (1774 a Berlin)

Philotas. Ein Trauerspiel (anonym)

1759/1786 

D. Faust (Frgm.: II, 3/Bruchstücke des 1. Aufzugs) 

1767 (1764 e;
a Hamburg)

Minna von Barnhelm, oder Das Soldatenglück. Ein Lustspiel

1772
(a Braunschweig) 

Emilia Galotti. Ein Trauerspiel

1779 (1783 a Berlin) 

Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht

1784

Theatralischer Nachlaß. Erster Theil (Dramenfragmente)

  • Weiber sind Weiber. Ein Lustspiel (1749)

  • Vor diesen! Ein Lustspiel (1756)

  • Der Schlaftrunk. Ein Lustspiel

  • Die Matrone von Ephesus. Ein Lustspiel

  • Tarantula. Eine Possenoper (1749)

  • Die glückliche Erbin. Ein Lustspiel (nach Goldoni)

  • Justin. Ein Lustspiel nach dem Pseudolus des Plautus

1786

Theatralischer Nachlaß. Zweyter Theil (Dramenfragmente)

  • Fatime. Ein Trauerspiel

  • Kleonnis. Ein Trauerspiel

  • Der Horoscop. Tragödie

  • Alcibiades

  • Das befreyte Rom

  • Samuel Henzi. Ein Trauerspiel (1753)

  • Giangir, oder der verschmähte Thron. Versuch eines Trauerspiels

  • Brutus. Ein Trauerspiel

  • D. Faust

  

Erzählung

  

1749

Der Eremite. Eine Erzehlung (anonym)

Fabeln

1747/51

Versfabeln 

1759

Fabeln. Drey Bücher (Prosafabeln) 

Gedichte/Epigramme

1751

Kleinigkeiten (Sammlung: anakreontische Lieder, Gedichte, Epigramme) 

1753

Oden (verm. 1784) 

1753

Sinngedichte (veränd. 1771) 

 

Biographie

 

1760

Sophokles. Von dem Leben des Dichters

Ästhetische Schriften (Auswahl)

1754

Abhandlungen von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele 

1754/55/58

Theatralische Bibliothek (4 Teile)

1766

Laokoon oder Über die Grenzen der Mahlerey und Poesie

1767/69

Hamburgische Dramaturgie (2 Bde.) 

1771

Zerstreute Anmerkungen über das Epigramm 

1779

Abhandlungen über die Fabel 

Kritische Schriften (Auswahl)

1750/51

Critische Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit (2 Bde.; anonym)

1753

Kritische Briefe

1754

Ein Vademecum für den Hrn. Sam. Gotth. Lange, Pastor in Laublingen 

1754

Rettungen des Horaz 

1759-65

Briefe, die neueste Litteratur betreffend (24 Teile; anonym)

Antiquarische Schriften (Auswahl)

1768/69

Briefe antiquarischen Inhalts (2 Bde.) 

1769

Wie die Alten den Tod gebildet: eine Untersuchung

1792

Über die Ahnenbilder der alten Römer 

Philosophische u. theologische Schriften (Auswahl)

1755

Pope, ein Metaphysiker! (zus. mit Mendelssohn) 

1773

Leibniz von den ewigen Strafen 

1778

Anti-Goeze. D. i.  Nothgedrungener Beytrag zu den freiwilligen Beyträgen des Hrn. Past. Goeze (11 Teile; anonym)

1778

Axiomata ... wider den Hrn. Pastor Goeze in Hamburg (anonym)

1778

Eine Duplik  (anonym)

1778/80

Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer (2 Teile; anonym)

1778

Neue Hypothese über die Evangelisten als blos menschliche Geschichtsschreiber betrachtet 

1778

Eine Parabel. Nebst einer kleinen Bitte ... an Hrn. Pastor Goeze in Hamburg (anonym)

1778

Von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger. Noch ein Fragment des Wolfenbüttelschen Ungenannten

1780

Die Erziehung des Menschengeschlechts (teilw. 1777) 

1784

Fragmente des Wolfenbüttelschen Ungenannten

1784 (1750 e)

Gedanken über die Herrnhuter 

1784 (1764 e)

Von der Art und Weise der Fortpflanzung und Ausbreitung der christlichen Religion 

Übersetzungen (Auswahl)

1749

Crébillon: Catilina. Ein Trauerspiel (anonym)

1749-52

Ch. Rollin: Römische Historie von der Erbauung der Stadt Rom (3 Bde.; anonym)

1750

P. Calderón de la Barca: Das Leben ist ein Traum (anonym)
Plautus: Die Gefangenen

1752

Voltaire: Kleinere historische Schriften

1757

S. Richardson: Sittenlehre für die Jugend

Werkausgaben

1753

Schriften  (Teil 1 und 2), Berlin: Voß

1754

Schriften (Teil 3 und 4), Berlin: Voß

1755

Schriften (Teil 5 und 5), Berlin: Voß

1767

Lustspiele, Berlin: Voß (2 Teile)

1771-1790

Vermischte Schriften, Berlin: Voß (30 Bde.)

1772

Trauerspiele, Berlin: Voß

1784

Theatralischer Nachlaß. Erster Teil, Berlin: Voß

1784

Theologischer Nachlaß, Berlin: Voß

1785-87

Analekten für die Litteratur, Bern/Leipzig: Haller (5 Bde.)

1786

Theatralischer Nachlaß. Zweyter Teil, Berlin: Voß

1787

Übrige noch ungedruckte Werke des Wolfenbüttlischen Fragmentisten, hg. v. C. A. E. Schmidt

1790

Kollektaneen zur Literatur, hg. v. J. J. Eschenburg, Berlin: Voß (2 Bde.)

1825-1828

Sämmtliche Schriften, hg. v. J. F. Schink, Berlin/Stettin: Voß/Nicolai (32 Bde.)

1838-1840

Sämmtliche Schriften, hg. v. Karl Lachmann, Berlin: Voß (13 Bde.)

1886-1924

Sämtliche Schriften. Hist.-krit. Ausg., hg. v. K. Lachmann u. F. Muncker, Stuttgart/Leipzig: Göschen/ de Gruyter (23 Bde.)

1925-1935

Werke, hg. v. Julius Petersen u. Waldemar v. Olshausen, Berlin: Bong (25 Teile)

1970-1978

Werke, hg. v. Herbert G. Göpfert u.a., München: Hanser (8 Bde.)

1985-2004

Werke und Briefe, hg. v. Wilfried Barner u.a., Frankfurt/M.: Dt. Klassiker Verlag (12 Bde. in 14)

    

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Figurenlexikon zu Lessings Dramen

   


   

 
Über die Wahrheit

Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz. -
Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: "Wähle!" - ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: "Vater, gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"
 

 

 

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