Gotthold Ephraim Lessing
Lebensdaten Werk
*22. Januar 1729 Kamenz (Oberlausitz) +15. Februar 1781 Braunschweig (Schlaganfall) begraben: Braunschweig, Friedhof von St. Magni |
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Aus nicht sehr begüterter Pfarrersfamilie; drittes von zwölf Kindern, von denen sieben in frühen Jahren sterben. Vater: der Pfarrer Johann Gottfried Lessing (1693-1770); Mutter: die Pfarrerstochter Justine Salome Lessing, geb. Feller (1703-1777). Erster Unterricht durch den strenggläubigen Vater und einen Hauslehrer; Lateinschule in Kamenz.
1776 |
Heirat mit Eva König, geb. Hahn (1736-1778; Witwe des Hamburger Freundes Engelbert König; Mutter von sieben Kindern, von denen sie noch vier in die Ehe mitbringt). Gemeinsamer Sohn: Traugott (*+1777) |
Bedeutendster
Schriftsteller der deutschen Aufklärung; Dichter und Gelehrter: Dramatiker, Fabeldichter,
Kritiker, Philologe, Literaturtheoretiker, Kunstgeschichtler, Theologe, Philosoph. Einer
der ersten, der als freier Schriftsteller sein Leben zu fristen versucht.
Wahrheitssucher, Erzieher und Kämpfer gegen soziale Gewissenlosigkeit,
Engstirnigkeit und Intoleranz. Optimistische Geschichtsauffassung: stetige geistige und
damit sittliche Weiterentwicklung des Menschen.
Dramentheorie: grundlegende Neuerungen; fordert neues deutsches Drama gegenüber dem von
Gottsched zum Maßstab gemachten französischen Drama; Vorbild: Shakespeare.
"Bürgerliches Trauerspiel": Held(in) aus dem Bürgertum, Identifikation mit dem
Helden (L. deutet "Furcht und Mitleid" des Aristoteles nicht als Furcht vor,
sondern als Furcht für den Helden).
1741-46 |
Nach Aufnahmeexamen Stipendium zum Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen: "Wie gerne wünsche ich mir diese Jahre zurück, die einzigen, in welchen ich glücklich gelebt habe." Lektüre von Homer, Plautus, Terenz, Theophrast. Erste Versuche als Schriftsteller. |
1746 |
Sept.: Studium der Theologie und Philologie in Leipzig (Gellert, Gottsched); Freundschaft mit Christlob Mylius und Christian Felix Weiße; Interesse am Theater (Truppe der Neuberin); Schulden. |
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1747 |
Erste Gedichte und Erzählungen in den Zeitschriften Naturforscher und Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüts. |
1748 |
Kurzes Medizinstudium in Leipzig; Flucht nach Wittenberg, um dem Schuldgefängnis zu entgehen; Aug.: Immatrikulation in Wittenberg. Entschluss, freier Schriftsteller zu werden. Nov.: Übersiedlung nach Berlin. |
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1750 |
Bekanntschaft mit Voltaire. |
1751 |
Apr.: Herausgeber der Monatsbeilage "Das Neueste aus dem Reiche des Witzes" der Berlinischen Privilegierten Zeitung (bis 1755). Dez.: Übersiedlung nach Wittenberg. |
1752 |
Apr.: Magisterexamen. Nov.: Rückkehr nach Berlin. |
1754 |
Freundschaft mit Karl Wilhelm Ramler, Moses Mendelssohn und Christoph Friedrich Nicolai. |
1755 |
Jan. - Febr.: bei Potsdam. Bekanntschaft mit Gleim in Berlin. 10.7.: Besuch der Uraufführung der Miß Sara Sampson in Frankfurt/Oder (zusammen mit Ramler). Okt.: Übersiedlung nach Leipzig; Freundschaft mit Ewald von Kleist. |
1756 |
Mai: Aufbruch zu einer Bildungsreise nach England als Begleiter des Kaufmannssohns Christian Gottfried Winkler; in Halberstadt Besuch bei Gleim; Abbruch der Reise in Amsterdam wegen des Ausbruchs des Siebenjährigen Kriegs. Besuch der Bibliothek Wolfenbüttel; Begegnung mit Klopstock und dem Schauspieler Ekhof in Hamburg. Sept.: wieder in Leipzig. |
1758 |
Febr.: Bekanntschaft mit dem Oberst von Tauentzien. Mai: Übersiedlung nach Berlin |
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1759 |
Aug.: Ewald von Kleist fällt als Major in der Schlacht bei Kunersdorf. |
1760 |
Auswärtiges Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Nov.: Gouvernementssekretär beim General von Tauentzien in Breslau. |
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1764 |
Juli/Aug.: schwere Erkrankung. Ende des Jahres: Ausscheiden aus seiner Stellung. |
1765 |
Mai: Rückkehr nach Berlin. |
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1766 |
Als Begleiter von Brenckenhoffs Reise nach Pyrmont; Bekanntschaft mit Justus Möser. Okt.: Lessings Ernennung zum Bibliothekar der kgl. Bibliothek in Berlin wird abgelehnt. Dez.: Aufenthalt in Hamburg. |
1767 |
Übersiedlung nach Hamburg. Dramaturg am Hamburger Nationaltheater. Kontakte zum Schauspieler Ekhof, dem Gymnasialprofessor Hermann Samuel Reimarus und dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze (1717-1786). Treffen mit Klopstock. |
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1768 |
L. wird Pate des jüngsten Kindes seines Freundes, des Seidenhändlers Engelbert König. |
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1769 |
Nach dem Tod Königs auf einer Geschäftsreise in Italien kümmert sich L. um dessen Witwe Eva. |
1770 |
Zusammentreffen mit Herder und Claudius. Mai: Bibliothekar an der herzoglich-braunschweigischen Bibliothek in Wolfenbüttel. |
1771 |
Sept.: Verlobung mit Eva König in Hamburg. Okt.: Aufnahme in die Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen. Ende Okt.: wieder in Wolfenbüttel. |
1774-78 |
Herausgabe der nachgelassenen Schriften von Reimarus, die er von dessen Tochter Elise erhalten hat (Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes) unter dem Titel Fragmente eines Ungenannten. |
1775 |
Reise nach Wien über Leipzig, Berlin, Dresden; Audienz bei Kaiser Joseph II.; Zusammentreffen mit Eva König, die sich um die Verwaltung der Geschäfte ihres verstorbenen Mannes in Wien kümmert. Apr.: Weiterreise nach Italien als Begleiter des Prinzen Leopold von Braunschweig; über Mailand, Venedig, Florenz, Genua, Turin; Sept.: Rom; Abstecher nach Neapel. Dez.: wieder in Wien. |
1776 |
Juni: zurück in Wolfenbüttel. Hofratstitel. 7.10.: Heirat in Jork bei Hamburg. |
1777 |
Jan.: Reise nach Mannheim; März: Ablehnung des Angebots, das Nationaltheater zu leiten. Am Weihnachtsabend Geburt des Sohnes, der zwei Tage später verstirbt. |
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1777-79 |
An den Fragmenten eines Ungenannten entzündet sich eine weitreichende religionskritische Polemik. |
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1778 |
10.1.: Tod der Frau (Kindbettfieber): "Ich habe es auch einmal so gut haben wollen wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen." Auseinandersetzung mit Goeze. Aug.: Entzug der Zensurfreiheit durch den Herzog. L. wendet sich seiner "alten Kanzel" zu, dem Theater, seine Antwort auf Goeze ist Nathan der Weise. |
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1779 |
Verschlechterung des Gesundheitszustands. |
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1780 |
Sommer: Friedrich Heinrich Jacobi besucht L. und behauptet später, L. habe sich positiv zum Pantheismus Spinozas geäußert ("Spinozadebatte" nach Lessings Tod). Letzter Besuch in Hamburg bei Elise Reimarus. Zunehmende Erblindung und Einsamkeit in Wolfenbüttel. |
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1781 |
29.1.: "Stickfluss". 5.2.:Tod bei einem Besuch in Braunschweig. Bei ihm sind seine Stieftochter Amalie und der Braunschweiger jüdische Kunsthändler Alexander Daveson (der durch Lessings Intervention aus dem Gefängnis frei gekommen war). |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Dramen
1747 (1748 a Leipzig) |
Der junge Gelehrte (Lustspiel) |
1755 |
Der Misogyn (Lustspiel) |
1749 |
Die alte Jungfer (Lustspiel) |
1754 |
Die Juden (Lustspiel) |
1755 |
Der Freygeist (Lustspiel) |
1755 |
Der Schatz (Lustspiel) |
1755 |
Miß Sara Sampson (Trauerspiel) |
1759/1786 |
Doktor Faust (Frgm.: II,3/Bruchstücke des 1. Aufzugs) |
1759 |
Philotas (Trauerspiel) |
1767 |
Minna von Barnhelm (Lustspiel) |
1784 |
Die Matrone von Ephesus (Lustspiel) |
1772 |
Emilia Galotti (Trauerspiel) |
1779 |
Nathan der Weise ("dramatisches Gedicht") |
1747/51 |
Versfabeln |
1759 |
Fabeln. Drei Bücher (Prosafabeln) |
1751 |
Kleinigkeiten (Sammlung: anakreontische Lieder, Gedichte, Epigramme) |
1753 |
Oden |
1753 |
Sinngedichte |
1754 |
Abhandlungen von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele |
1766 |
Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie... |
1767/69 |
Hamburgische Dramaturgie (2 Bde.) |
1771 |
Zerstreute Anmerkungen über das Epigramm |
1779 |
Abhandlungen über die Fabel |
1753 |
Kritische Briefe |
1754 |
Ein Vademecum für den Hrn. Sam. Gotth. Lange, Pastor in Laublingen |
1754 |
Rettungen des Horaz |
1759-65 |
Briefe, die neueste Literatur betreffend |
1768/69 |
Briefe antiquarischen Inhalts (2 Bde.) |
1769 |
Wie die Alten den Tod gebildet |
1792 |
Über die Ahnenbilder der alten Römer |
1784 |
Gedanken über die Herrnhuter |
1755 |
Pope, ein Metaphysiker! (zus. mit Mendelssohn) |
1784 |
Von der Art und Weise der Fortpflanzung und Ausbreitung der christlichen Religion |
1773 |
Leibniz von den ewigen Strafen |
1784 |
Neue Hypothese über die Evangelisten als bloß menschliche Geschichtsschreiber betrachtet |
1778 |
Eine Duplik |
1778 |
Eine Parabel |
1778 |
Axiomata |
1778 |
Anti-Goeze |
1778/80 |
Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer (2 Teile) |
1780 |
Die Erziehung des Menschengeschlechts |
1753 |
Schriften (Teil 1 und 2) |
1754 |
Schriften (Teil 3 und 4) |
1755 |
Schriften (Teil 5 und 6) |
1767 |
Lustspiele |
1771 |
Vermischte Schriften |
Über die Wahrheit
Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz. -
Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: "Wähle!" - ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: "Vater, gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"
(update: 03.07.2007)