| *1.
Juli 1742 Oberramstadt
b. Darmstadt
+24.
Februar 1799 Göttingen
(Lungeninsuffienz) Grabstätte: Göttingen, Friedhof St. Bartholomäus |
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Siebzehntes und jüngstes Kind des Pastors und späteren Superintendenten von Hessen-Darmstadt Johann Conrad Lichtenberg (1689-1751) und seiner Frau Henrike Catharine, geb. Eckhard (1696-1764). Von Geburt an von schwächlicher Konstitution, körperlich zurückgeblieben (als Erwachsener ca. 1,45 m groß) und infolge von Rachitis bucklig; dadurch sein Leben lang gesundheitlich beeinträchtigt (Asthma). Sein Handicap fördert eine bis zur Hypochondrie gesteigerte Selbstanalyse und scharfe Menschenbeobachtung. In seinen Veröffentlichungen aufklärerisches Eintreten gegen Aberglauben und religiöse Intoleranz, gegen die Gefühlsduselei der Empfindsamkeit, den Geniekult des Sturm und Drangs und - wohl auch durch seine persönliche Behinderung motiviert - Lavaters Physiognomielehre.
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1780-82 |
eheähnliche Gemeinschaft mit Dorothea Maria Stechard (1765-1782) |
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1783 |
eheähnliche Gemeinschaft mit Margarete Elisabeth Kellner (1759-1848); Kinder: Karl Gottlieb (*+1784), Georg Christoph (1786-1845), Christian Friedrich (*1787), Luise (1789-1819) |
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1789 |
Eheschließung mit Margarete Elisabeth Kellner; eheliche Kinder: Wilhelm Christian (1791-1860), Agnes Wilhelmine (1793-1820), Auguste Friederike (1795-1837), August Heinrich ("Henri", 1797-1839) |
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1745 |
Juli: Übersiedlung der Familie nach Darmstadt, wo der Vater Stadtpfarrer wird. |
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1749 |
Ernennung des Vaters zum Superintendenten. |
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1751 |
Juli: Tod des Vaters. |
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1752-61 |
Besuch des Darmstädter Pädagogiums. |
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1763-67 |
Studium der Mathematik, Astronomie und Naturgeschichte an der Universität Göttingen. Besuch von Vorlesungen in Architektur, Ästhetik, Literatur, Philosophie und Geschichte. |
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1764 |
Juni: Tod der Mutter. Beginn der Sudelbuch-Aufzeichnungen. |
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1767 |
Harz-Reise; Aug.: Ernennung zum Professor der Mathematik und Lehrer der englischen Sprache an der Universität Gießen. L. tritt die Stelle nicht an, sondern bleibt als Hofmeister englischer Studenten in Göttingen. |
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1768 |
Freundschaft mit dem Verleger Johann Christian Dieterich, in dessen Haus L. bis zu seinem Tod wohnt. |
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1769 |
Freundschaft mit dem Lyriker Christian Boie. |
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1770 |
März-Mai: Auf Einladung eines Zöglings 1. England-Reise (London, Richmond); Ernennung zum außerordentlichen Professor für Experimentalphysik an der Universität Göttingen. Antrittsvorlesung: Betrachtungen über einige Methoden, eine gewisse Schwierigkeit in der Berechnung der Wahrscheinlichkeit beim Spiel zu heben. |
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1771 |
Jan.: Reise nach Gotha; Besuch des Lyrikers Johann Wilhelm Ludwig Gleim bei L. |
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1772 |
Febr.: Reise nach Gotha. |
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1772-73 |
Im Auftrag des englischen Königs Reisen zur astronomischen Ortsbestimmung nach Hannover, Osnabrück und Stade; während eines Aufenthalts in Hamburg Bekanntschaft mit Klopstock. |
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1773 |
Sommer. Reise nach Helgoland. |
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1774 |
Ernennung zum außerordentlichen Mitglied der Göttinger Königlichen Sozietät der Wissenschaften. |
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1774-75 |
2. Reise nach England; in London Begegnung mit Reinhold und Georg Forster. Ernennung zum Ordinarius. |
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1775 |
Ernennung zum ordentlichen Professor für Naturwissenschaften an der Universität Göttingen; Dez.: Wiederankunft in Göttingen. |
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1777 |
Febr.: Entdeckung der später nach ihm benannten "Lichtenbergschen elektrischen Figuren". Mai: Bekanntschaft mit dem zwölfjährigen Blumenmädchen Maria Dorothea Stechard. |
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1777-1799 |
Herausgeber des Göttinger Taschen-Kalenders. |
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1778 |
Sommer: Reise nach Helgoland und Hamburg. Dez.: Besuch Georg Forsters bei L. |
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1780 |
Ostern: Maria Dorothea Stechard zieht bei L. ein. Montage des ersten Blitzableiters in Göttingen Lichtenbergs Haus. |
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1780-85 |
Herausgeber des Göttingischen Magazins der Wissenschaften und Litteratur (zusammen mit G. Forster) |
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1781 |
Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach besucht L. |
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1782 |
Tod Maria Dorothea Stechards. |
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1782-84 |
Experimente mit Gasballons. |
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1783 |
Margarete Elisabeth Kellner tritt ihren Dienst als Hausangestellte bei L. an; Sept.: Goethe zu Besuch bei L. |
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1784 |
Besuch von Volta bei L. |
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1785 |
Zusammen mit Volta Experimente zur Luftelektrizität. |
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1786 |
Besuch Johann Kaspar Lavaters bei L. |
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1788 |
Ernennung zum Hofrat. |
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1789 |
Heirat; Asthmakrankheit als Folge der durch den Buckel verursachten Lungenschwäche verstärkt sich. Tagebuchführung bis zum Tod. |
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1790 |
Der Philosoph und Theologe Franz von Baader besucht L. |
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1792-96 |
Korrespondenz mit Goethe. |
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1793 |
Ernennung zum Mitglied der Royal Society of Improving Natural Knowledge in London. |
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1795 |
Ablehnung einer Berufung an die Universität Leiden. Wahl zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. |
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1797 |
Aus gesundheitlichen Gründen Ablehnung von Cottas Einladung zur Mitarbeit am Musenalmanach. |
Notizhefte ("Sudelbücher")
1764-70 e |
Sudelbuch A |
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1765-72 e |
Füllhorn der Amalthea |
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1768-71 e |
Sudelbuch B |
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1772-73 e |
Sudelbuch C |
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1773-75 e |
Sudelbuch D |
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1775-76 e |
Sudelbuch E |
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1776-79 e |
Sudelbuch F |
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1779-83 e |
Sudelbuch G |
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1784-88 e |
Sudelbuch H |
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1789-93 e |
Sudelbuch J |
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1793-96 e |
Sudelbuch K |
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1796-99 e |
Sudelbuch L |
Satiren
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1773 |
Timorus, das ist
Vertheidigung zweyer Israeliten, die durch die Kräftigkeit der
Lavaterischen Beweisgründe und der Göttingischen Mettwürste bewogen den
wahren Glauben angenommen haben (unter dem Pseudonym Conrad Photorin;
gegen Johann Caspar Lavater, der Mendelssohn aufgefordert hatte zu
konvertieren) Patriotischer Beytrag zur Methyologie der Deutschen (satirisches Verzeichnis der "Redensarten, womit die Deutschen die Trunkenheit einer Person andeuten") |
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1774 e |
Parakletor (gegen Genie-Kult) |
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1775 |
Epistel an Tobias Göbhard in Bamberg über eine auf Johann Christian Dieterich in Göttingen bekannt gemachte Schmähschrift |
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1777 |
Ueber Physiognomik wider die Physiognomen. Zur Beförderung der Menschenliebe und Menschenkenntnis (gegen Lavater) |
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1781 |
Über die Pronunciation der Schöpse des alten Griechenlands verglichen mit der Pronunciation ihrer neuern Brüder an der Elbe: oder über Beh, Beh und Bäh, Bäh. Eine litterarische Untersuchung von dem Concipienten des Sendschreibens an den Mond (gegen Johann Heinrich Voß, der die Transkription des gr. Eta als "ä" durchsetzen wollte) |
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1782 |
Über Herrn Vossens Vertheidigung gegen mich im März/Lenzmonat des deutschen Museums 1782 |
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1783 |
Fragment von Schwänzen. Ein Beytrag zu den Physiognomischen Fragmenten. |
Schriften (Ausw.)
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1766 |
Von dem Nutzen, den die Mathematik einem Bel Esprit bringen kann |
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1776 |
Briefe aus England |
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1778 |
Neueste Versuche zur Bestimmung der zweckmäßigsten Form der Gewitterstangen |
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1779 |
Neueste Geschichte der Blitzableiter |
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1794-1799 |
Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche (5 Bde.) |
Ausgaben
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1800-06 |
Vermischte Schriften, Göttingen (9 Bde.) |
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1844-53 |
Vermischte Schriften, Göttingen (14 Bde.) |
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1902-08 |
Aphorismen, hg. v. Albert Leitzmann, Berlin (5 Bde.; später auf 14 Bde. erweitert) |
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1967ff. |
Schriften und Briefe (Auswahl), München |
| Es wäre
der Mühe wert, zu untersuchen, ob es nicht schädlich ist zu sehr an
der Kinderzucht zu polieren. Wir kennen den Menschen noch nicht genug um
dem Zufall, wenn ich so reden darf, diese Verrichtung ganz abzunehmen.
Ich glaube, wenn unsern Pädagogen ihre Absicht gelingt, ich meine, wenn
sie es dahin bringen können, daß sich die Kinder ganz unter ihrem
Einfluß bilden, so werden wir keinen einzigen recht großen Mann mehr
bekommen. Das Brauchbarste in unserem Leben hat uns gemeiniglich niemand
gelehrt. Auf öffentlichen Schulen, wo viel Kinder nicht allein zusammen
lernen, sondern auch Mutwillen treiben, werden freilich nicht so viel
fromme Schlafmützen gezogen, mancher geht ganz verloren, den meisten
sieht man aber ihre Überlegenheit an. Bewahre Gott, daß der Mensch,
dessen Lehrmeisterin die ganze Natur ist, ein Wachsklumpen werden soll,
worin ein Professor sein erhabnes Bildnis abdruckt.
(Sudelbücher, Heft F, 38) |
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Grabschrift auf Herrn B. Hier liegt (Sudelbücher, Heft B, 400) |
(update: 31.07.2007)