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Heinrich Mann
 

vollst.: Heinrich Luis Mann
 
Lebensdaten | Werk

Mann-Texte online


 
* 27. März 1871 Lübeck

+ 11. März 1950 Santa Monica/Kalifornien

Grabstätte: Berlin, Friedhof der Dorotheenstädtischen und Werderschen Gemeinde (Überführung 1961)

 

Heinrich Mann 1906
Bildquelle: Wikipedia
 
  

                   

Aus wohlhabender Lübecker Patrizierfamilie; ältester Sohn des Großkaufmanns, Reeders und niederländischen Konsuls Johann Thomas Heinrich Mann (1840-1891) und seiner Frau Julia, geb. da Silva-Bruhns (1851-1923; Tochter eines deutschen Plantagenbesitzers und einer portugiesisch-kreolischen Brasilianerin). Dazu bestimmt, das Erbe der väterlichen Firma anzutreten, entzieht er sich (wie sein Bruder) den väterlichen Wünschen. Nach abgebrochenen Versuchen, in einem bürgerlichen Beruf Fuß zu fassen, ab 1893 bis 1914 Wanderleben in Frankreich und Italien. Nach der Machtergreifung der Nazis Emigration.
  Geschwister: Thomas (1875-1955), Julia (1877-1927), Carla (1881-1910) und Karl Victor (1890-1949).

             

1914

Eheschließung mit der Prager Schauspielerin Maria Kanová (Mimi; 1886-1947; Jüdin, 1940-45 KZ-Haft in Theresienstadt); 1928 Trennung, 1930 Scheidung. Tochter: Henriette Maria Leonie (1916-1986)

1939

2. Ehe mit Emmy "Nelly" Kröger (1898-1944, Freitod)

               

Romancier, Novellist, Dramatiker und Essayist. Wie kein anderer deutscher Schriftsteller Augenzeuge, Chronist und Kritiker deutscher Zustände. In den zwanziger Jahren erfolgreicher als sein Bruder Thomas; nach dem Krieg Nachwirkungen lange Zeit auf die Länder des Ostblocks beschränkt.
  Als Künstler von der romanischen Überlieferung seiner Familie geprägt; Liebe zum Südlichen; literarische Ahnen: Balzac, Flaubert, Zola, Bourget, d´Annunzio. Seine künstlerische Entwicklung geht vom "l´art pour l´art" zur "littérature engagée", vom Satiriker und Dichter des Lebensrausches zum Moralisten und rebellischen Wahrheitssucher, "vom Ästheten d´Annunzioscher Prägung zum Ideologen kommunistischer Observanz" (Hohoff).
  Vor dem 1. Weltkrieg Themen der neuromantischen Moderne: Rausch, Trieb, Renaissance; geprägt von Nietzsches Nihilismus, d.h. der Verwerfung der alten Normen. Hauptmotiv: Umsetzung des geistig Erkannten in "Tat". Danach gesellschaftskritisches Engagement; Kritik am wilhelminischen Zeitalter (Der Untertan). In der Weimarer Republik Warnung vor nationalistischen Kräften; im Exil Kampf gegen das nationalsozialistische Regime. Werbung für den Gedanken eines geeinten Europa, Verfechter eines "humanistischen Sozialismus".

            

Auszeichnungen:

        

1947

Ehrendoktor der Humboldt-Universität Berlin

1949

Nationalpreis I. Klasse für Kunst und Literatur der DDR


Wichtige Lebensdaten:

1877

Wahl des Vaters zum Senator von Lübeck.

1881

Besuch des Progymnasiums und des Gymnasiums (Katharineum) in Lübeck.

1884

Reise nach St. Petersburg.

1885

Erste literarische Versuche.

1889

Abgang vom Gymnasium in der Unterprima; Buchhändlerlehre in Dresden.

1891-92

Volontär im S. Fischer-Verlag Berlin; Besuch geisteswissenschaftlicher und philosophischer Vorlesungen an der Universität. Versuche als Maler.

1891

Nach dem Tod des Vaters Liquidierung der Firma Johann Siegmund Mann; Kritiken in Die Gesellschaft.

1892

Lungenblutungen; Kuraufenthalte in Lausanne und Wiesbaden; Rezensionen für Die Gegenwart. Übersiedlung der Mutter mit den drei Jüngsten nach München.

1893

Thomas und Heinrich ziehen nach. Reisen nach Paris und mit dem Bruder Thomas nach Italien.

1895-96

Apr.: Herausgeber der Monatsschrift Das Zwanzigste Jahrhundert. Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt.

1896-98

Aufenthalt in Italien (Rom, Palestrina), meistens gemeinsam mit dem Bruder Thomas.

1898-1914

Wechselnde Aufenthalte in München, Berlin, Italien, an der Côte d´Azur.

1905

Bekanntschaft mit der Argentinierin Inés Schmidt, der späteren Verlobten.

1910

Freitod der Schwester Carla (Zyankali).

1912

In Berlin Bekanntschaft mit der Prager Schauspielerin Maria Kanová (Mimi).

1914

12.8.: Heirat.

1914-28

Wohnsitz in München.

1915

Abbruch der Beziehungen zum Bruder Thomas nach dem Erscheinen von dessen Gedanken im Kriege (Heinrich steht dem Kommunismus nahe, Bruder deutschnational).

1917

Versöhnungsversuch auf Vermittlung von Thomas' Frau Katja.

1918

Mitarbeit am politischen Rat geistiger Arbeiter in München.

1922

Aussöhnung mit dem Bruder Thomas.

1923

Tod der Mutter.

1925

Reise durch Südfrankreich (auf den Spuren Heinrichs IV.)

1926

Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.

1927

Freitod der Schwester Julia.

1928

Trennung von Maria Kanová. Vorsitzender des neu gegründeten Volksverbandes für Filmkunst.

1928-33

Wohnsitz in Berlin.

1929

Erste Begegnung mit der 27 Jahre jüngeren Nelly Kröger.

1930

Scheidung. Welterfolg des Films Der blaue Engel (mit Marlene Dietrich und Emil Jannings) nach dem Roman Professor Unrat.

1931

Berufung zum Präsidenten der Sektion Dichtkunst bei der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.

1933

Nach Hitlers Machtergreifung erzwungener Austritt aus der Akademie. 21.2.: Flucht vor der drohenden Verhaftung über die Tschechoslowakei nach Frankreich; Sanary-sur-Mer; dann Wohnsitz in Nizza. 25.8.: Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft.

ab 1933

Publizistischer Kampf gegen das nationalsozialistische Regime.

ab 1935

Versuch, eine breite politische Sammlungsbewegung der Emigranten zu organisieren.

1936

Tschechische Staatsbürgerschaft (auf Veranlassung des Staatspräsidenten Masaryk).

1938

Präsident des deutschen Volksfrontkomitees in Paris.

1939

Heirat mit Nelly Kröger.

1940

Aug.: nach der Kapitulation Frankreichs Flucht über die Pyrenäen nach Spanien und Portugal (zusammen mit Feuchtwanger, Werfel u. Golo Mann); von dort in die USA. Einjähriger Arbeitsvertrag bei Warner Bros. in Hollywood; materielle Not. Wohnungen in Hollywood, Los Angeles, Santa Monica.

1944

Freitod Nelly Krögers.

1947

Tod von Maria Mann-Kanová in Prag (Folgen der KZ-Haft).

1949

Berufung zum ersten Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste (DDR); Tod des Bruders Viktor.

1950

Tod vor der geplanten Rückkehr nach Deutschland.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Romane

1894 (1890 e)

In einer Familie

1900
(1895-98 e)

Im Schlaraffenland. Ein Roman unter feinen Leuten

1903
recte 1902

Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy

  • Diana

  • Minerva

  • Venus

1903

Die Jagd nach Liebe

1905

Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen (= Der blaue Engel, 1948)

1907

Zwischen den Rassen

1909

Die kleine Stadt

1914 Z
1918

Der Untertan

1917

Die Armen

1925

Der Kopf

1927

Mutter Marie

1928

Eugénie oder Die Bürgerzeit

1930

Die große Sache

1931

Das Kaiserreich (Romantrilogie: Der Untertan - Die Armen - Der Kopf)

1932

Ein ernstes Leben

1935

Die Jugend des Königs Henri Quatre

1938

Die Vollendung des Königs Henri Quatre

1943

Lidice

1949

Der Atem

1956 (1950 e)

Empfang bei der Welt

1960

Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen (Frgm.)

Novellen

1897

Das Wunderbare und andere Novellen:

  • Das Wunderbare

  • Der Hund

  • Die Gemme

  • Contessina

  • Enttäuschung

  • Geschichten aus Rocca de´ Fichi

1898

Ein Verbrechen und andere Geschichten:

  • Ein Verbrechen

  • Doktor Biebers Versuchung

  • Der Löwe

  • Irrtum

  • Ist sie´s?

  • Das gestohlene Dokument

  • Das Stelldichein

1905

Flöten und Dolche. Novellen

  • Pippo Spano

  • Fulvia

  • Drei-Minuten-Roman

  • Ein Gang vors Tor

1906

Mnais
Ginevra
Schauspielerin

1906

Stürmische Morgen. Novellen:

  • Heldin

  • Der Unbekannte

  • Jungfrauen

  • Abdankung

1908

Die Bösen

  • Die Branzilla

  • Der Tyrann

1911

Das Herz. Novellen:

  • Das Herz

  • Die arme Tonietta

  • Gretchen

  • Liebesprobe

  • Die Unschuldige

  • Alt

  • Schauspielerin (1906)

1911

Die Rückkehr vom Hades. Novellen:

  • Die Rückkehr vom Hades

  • Die Branzilla (1908)

  • Mnais (1906)

  • Ginevra degli Amieri

  • Der Tyrann (1908)

  • Auferstehung

1915 Z
1920

Die Ehrgeizige

1917

Bunte Gesellschaft. Novellen:

  • Liebesspiele

  • Der Hund (1897)

  • Contessina (1897)

  • Geschichten aus Rocca de´ Fichi (1897)

  • Vermischtes aus der Zeitung

  • Ehrenhandel

1917

Der Vater (= Der Sohn, 1919)

1920

Die Tote und andere Novellen:

  • Die Tote

  • Der Bruder

  • Die Verjagten

1924

Abrechnungen. Sieben Novellen

  • Der Gläubiger

  • Szene

  • Der Bruder (1920)

  • Liebesspiele (1917)

  • Ehrenhandel (1917)

  • Die Tote (1920)

  • Die Verjagten (1920)

1924

Der Jüngling. Novellen

  • Der Jüngling

  • Der Mörder

  • Sterny

  • Die Verräter

1925

Kobes

1926

Liliane und Paul

1929

Sie sind jung:

  • Felicitas

  • Der Jüngling (1924)

  • Der Bruder (1920)

  • Römische Chronik

  • Der Gläubiger (1924)

  • Sterny (1924)

  • Bibi

  • Das Kind

1929

Suturp

1931

Der Freund

1932

Die Welt der Herzen. Novellen:

  • Schauspielerin (1906)

  • Drei-Minuten-Roman (1905)

  • Die Rückkehr vom Hades (1911)

  • Das Herz (1911)

  • Pippo Spano (1905)

  • Gretchen (1911)

  • Die arme Tonietta (1911)

  • Der Unbekannte (1906)

  • Der Tyrann (1908)

  • Ein Gang vors Tor (1905)

1946

Eine Liebesgeschichte (in: Ein Zeitalter wird besichtigt; eigenst. 1953)

1957

Das gestohlene Dokument und andere Novellen

Dramen

1910

Varieté. Ein Akt

1911

Schauspielerin

1912

Die große Liebe

1913

Madame Legros

1917

Brabach

1918

Drei Akte:

  • Der Tyrann

  • Die Unschuldige

  • Varieté

1919

Der Weg zur Macht

1923

Das gastliche Haus

1929

Bibi

Essays - Reden - Streitschriften (Auswahl)

1905

Eine Freundschaft: Gustave Flaubert und George Sand

1910

Französischer Geist (= Voltaire - Goethe)
Geist und Tat

1915

Zola

1917

Das junge Geschlecht

1918

Grabrede auf Frank Wedekind
Sinn und Idee der Revolution (Rede)

1919

Macht und Mensch (Slg.)
Gedenkrede für Kurt Eisner

1923

Diktatur der Vernunft (Slg.)

1927

Ein geistiges Locarno (Rede an der Sorbonne, Paris)

1929

Sieben Jahre. Chronik der Gedanken und Vorgänge 1921-1928 (Slg.)

1931

Geist und Tat. Franzosen 1780-1930 (Slg.)

1932

Das öffentliche Leben (Slg.)

1932

Das Bekenntnis zum Übernationalen

1933

Der Haß. Deutsche Zeitgeschichte (Slg.)

1934

Der Sinn dieser Emigration (Slg.)

1936

Es kommt der Tag. Deutsches Lesebuch

1939

Mut. Essays

Autobiographisches

1946

Ein Zeitalter wird besichtigt

Übersetzungen

1901

A. Capus: Wer zuletzt lacht ...

1904

Anatole France: Komödiantengeschichte

1905

Choderlos de Laclos: Gefährliche Freundschaften (2 Bde.)

Werkausgaben

1909

Gesammelte Werke, Berlin (Cassirer, 4 Bde.)

1916/17

Die Novellen, Leipzig: Wolff (2 Bde.)

1917

Gesammelte Romane und Novellen, Leipzig: Wolff (12 Bde.)

1925-32

Gesammelte Werke, Wien: Zsolnay (13 Bde.)

1951-62

Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, Berlin: Aufbau (13 Bde.)

1958-88

Gesammelte Werke in Einzelbänden, Hamburg: Claassen (18 Bde.)

1960

Essays, Hamburg: Claassen

1959-78

Gesammelte Werke in Einzelbänden, redig. v. Sigrid Anger, Berlin/Weimar: Aufbau (21 Bde.)

1976

Werkauswahl, Düsseldorf: Claassen (10 Bde.)

1986-2011

Studienausgabe in Einzelbänden, Frankfurt/M.: Fischer Tb (28 Bde.)

1994-2006

Gesammelte Werke in Einzelbänden, Frankfurt/M.: Fischer (11 Bde.)

2009ff.

Das essayistische und publizistische Werk, hg. v. Wolfgang Klein u.a., Bielefeld: Aisthesis (9 Bde.)


   

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