Thomas Mann

vollst. Paul Thomas Mann

Lebensdaten | Werk



* 6. Juni 1875
Lübeck

* 12. August 1955 Zürich (an den Folgen einer Arteriosklerose)

Grabstätte: Kilchberg bei Zürich, Friedhof

 

 
1937
Foto: Carl van Vechten
Bildquelle: Wikimedia
 

 

Aus wohlhabender Lübecker Patrizierfamilie; zweiter Sohn des Kaufmanns und niederländischen Konsuls Thomas Johann Heinrich Mann (1840-1891) und seiner Frau Julia, geb. da Silva-Bruhns (1851-1923; Tochter eines deutschen Plantagenbesitzers und einer portugiesisch-kreolischen Brasilianerin). Das so vorgegebene bürgerlich-protestantische Leistungsethos einerseits und die "künstlerisch-sinnliche Richtung" andererseits bestimmen Leben und Werk.
Geschwister: Heinrich (1871-1950), Julia (1877-1927), Carla (1881-1910) und Karl Victor (1890-1949).

 

1905

Heirat mit Katharina (Katja) Pringsheim (1883-1980); Kinder: Erika (1905-1969), Klaus (1906-1949, Freitod), Golo (Angelus Gottfried Thomas; 1909-1994), Monika (1910-1992), Elisabeth (1918-2002), Michael (1919-1977, Freitod) 

 

Größter deutscher Romancier und einer der bedeutendsten kulturkritischen Essayisten des 20. Jhs. Die Spannung, die ihn selbst beherrscht (Künstler - Bürger, Ästhetizist - Moralist), ist Leitmotiv seines Schaffens: Kunst (in den Erscheinungsformen der Krankheit und Lebensuntüchtigkeit aus Überfeinerung) einerseits und lebensvolles Bürgertum andererseits; die "Helden" seiner Erzählungen sind sensible, nervöse Künstlernaturen und mehr dem kunstvollen Schein als dem wirklichen Sein verhaftete Menschen, Außenseiter und Sonderlinge. Großes stilistisches Können, Mittel der Ironie und Parodie ("Formalismus, Psychologismus und die Neigung zur Dekadenz").
Thomas Mann verteidigt die Werte des "bürgerlichen Zeitalters", zeigt ihre Gefährdung und ihren Zerfall in schonungsloser Analyse (Buddenbrooks, Zauberberg) ebenso wie Schuld und Verantwortung (Doktor Faustus). Sein unpolitischer Kulturkonservatismus der ersten Lebenshälfte (Betrachtungen eines Unpolitischen) wird von ihm selbst später relativiert ("ein einziges großes Rückzugsgefecht romantisch apolitischer Bürgerlichkeit"); vertritt als Reaktion auf die Erfahrungen des Nationalsozialismus die "Idee eines neuen sozialen Humanismus".

Auszeichnungen:

1909

Ehrendoktorwürde der Universität Bonn (1936 aberkannt; 1946 ern.) 

1926

Verleihung des Professoren-Titels durch den Lübecker Senat 

1929

Nobelpreis für Literatur (für die Buddenbrooks)

1935

Ehrendoktorwürde der Harvard University 

1939

Ehrendoktorwürde der Princeton University 

1949

Goethe-Preis der Stadt Frankfurt; Goethe-Nationalpreis der DDR und Ehrenbürgerschaft der Stadt Weimar; Ehrendoktorwürden der Universitäten Oxford und Lund 

1952

Premio Feltrinelli; Offizierskreuz der Ehrenlegion 

1953

Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge

1955

Ehrenbürger der Stadt Lübeck; Ehrendoktorwürde der Universität Jena; Orden Pour le Mérite, Friedensklasse 


Wichtige Lebensdaten:

1877

Wahl des Vaters in den Lübecker Senat.

1881

Umzug in das neue Haus Beckergrube 52.

1882

Privatschule Progymnasium von Dr. Bussenius.

1889

Katharineum, realgymnasiale Abteilung.

1890

Konfirmation; hundertjähriges Jubiläum der Firma Johann Siegmund Mann.

1891

Tod des Vaters; Liquidierung der Firma.

1892

Übersiedlung der Mutter mit den drei Jüngsten nach München.

1893

Mitherausgeber der Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm. Monatsschrift für Kunst, Litteratur und Philosophie. Abgang vom Gymnasium aus der Obersekunda; Übersiedlung nach München.

1894

Volontär in der Süddeutschen Feuerversicherungsbank.

1895-96

Gasthörer an der Technischen Hochschule München; Beiträge für die von seinem Bruder Heinrich herausgegebene Zeitschrift Das Zwanzigste Jahrhundert; 1895 erste Italienreise mit dem Bruder.

1896-98

Italienaufenthalt: Venedig, Neapel, Rom, Palestrina.

1898

Rückkehr nach München; Lektor des Simplicissimus.

1899

Urlaubsreise nach Dänemark.

1900

Militärdienst im Kgl.-Bayerischen Infanterie-Leibregiment; Entlassung wegen Dienstuntauglichkeit.

1905

Heirat mit Katja Pringsheim.

1908

Bau des Sommerhauses in Bad Tölz

1910

Die Schwester Carla vergiftet sich mit Zyankali.

1911

Aufenthalt auf dem Lido bei Venedig.

1914

Bezug des neuen Hauses München, Poschinger Straße 1.

1915

Gedanken im Kriege: Verteidigung des Kaisertums und Kriegsbegeisterung führen zur Entfremdung zwischen Thomas und Heinrich Mann.

1917

Verkauf des Landhauses in Bad Tölz.

1922

Aussöhnung mit Heinrich.

1923

Tod der Mutter.

1924

Holland, England; Ferien auf Hiddensee mit Gerhart Hauptmann.

1926

Paris; Ferien in Forte dei Marmi.

1927

Warschau; Freitod der Schwester Julia, verh. Löhr.

1930

Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft: Warnung vor den Nazis.
Sommerhaus in Nidden; Reise nach Ägypten und Palästina.

1933

11.1.: Vortragsreise in Holland, von der er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr nach Deutschland zurückkehrt: Emigration; Sanary-sur-Mer.

1933-38

Küsnacht bei Zürich.

1934

Erste Reise in die USA.

1935

Zweite Reise in die USA; Gast von Präsident Roosevelt.

1936

Dez.: Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft; tschechischer Staatsbürger.

1937

Dritte Reise in die USA.

1938

Vierte Reise in die USA; Übersiedlung in die USA; Gastprofessur in Princeton.

1940

Umzug nach Kalifornien; ab Oktober monatliche Radiosendungen Deutsche Hörer! (bis 1945).

1941

Bau des eigenen Hauses.

1942-52

Wohnsitz Pacific Palisades, Cal.

1944

Amerikanische Staatsbürgerschaft.

1946

Lungenoperation in Chicago.

1949

Tod des Bruders Victor und Freitod des Sohnes Klaus; Reden im Goethe-Jahr.

1950

Tod des Bruders Heinrich in Santa Monica, Kalifornien.

1952

Rückkehr nach Europa; Übersiedlung in die Schweiz (Erlenbach bei Zürich); jährliche Besuche in Deutschland.

1954

Erwerb des Hauses in Kilchberg bei Zürich.

1955

Letztes öffentliches Auftreten im Schillerjahr. Erkrankung an einer Thrombose in Noordwijk aan Zee; Tod im Zürcher Kantonsspital.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1901
(1897-1900 e)

Buddenbrooks. Verfall einer Familie

1909
(ab 1906 e)

Königliche Hoheit

1924
(1913-24 e)

Der Zauberberg

1933-43
  1933
  1934
  1936
  1943

Joseph und seine Brüder
   Die Geschichten Jaakobs
   Der junge Joseph
   Joseph in Ägypten
   Joseph, der Ernährer

1939
(1936-39 e)

Lotte in Weimar

1947
(ab 1943 e)

Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde

1951

Der Erwählte

1954
(1909-1911, 1951-54 e)

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil (1922 1. Buch u.d.T. Buch der Kindheit; 1937 erw.)

Novellen und Erzählungen

1893

Vision (unter dem Pseudonym Paul Thomas)

1894

Gefallen

1896

Der Wille zum Glück

1897
(1894 e)

Der kleine Herr Friedemann

1897

Der Tod

1897
(1895 e)

Der Bajazzo

1898
(1896 e)

Enttäuschung 

1898
(1897 e)

Tobias Mindernickel

1899

Der Kleiderschrank. Eine Geschichte voller Rätsel

1899

Gerächt

1900
(1897 e)

Luischen

1900

Der Weg zum Friedhof

1902

Gladius Dei

1903
(1902 e)

Tristan

1903
(1902 e)

Die Hungernden

1903
(1901-02 e)

Tonio Kröger

1903 

Das Wunderkind

1904

Ein Glück

1905

Schwere Stunde

1906
(1905 e)

Wälsungenblut

1908

Anekdote

1909
(1908 e)

Das Eisenbahnunglück

1911

Wie Jappe und Do Escobar sich prügelten

1912
(1911 e)

Der Tod in Venedig

1914
(1904 e)

Beim Propheten

1919
(1918 e)

Herr und Hund. Ein Idyll

1925

Unordnung und frühes Leid

1930
(1929 e)

Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis

1934

Der Knabe Henoch (Frgm.)

1940

Die vertauschten Köpfe. Eine indische Legende

1943

Das Gesetz (Forts. des Joseph-Romans; in engl. Sprache; dt.: 1944)

1953

Die Betrogene

Erzählungen: Sammelbände

1898

Der kleine Herr Friedemann. Novellen

1903

Tristan. Sechs Novellen

1909

Der kleine Herr Friedemann und andere Novellen

1914

Das Wunderkind. Novellen

Versdichtung

1919 

Gesang vom Kindchen (Hexameter-Idylle) 

Dramen

1905
(1907 a Frankfurt/M.)

Fiorenza

1954 e

Luthers Hochzeit (Frgm.)

Kritische Schriften

1906

Bilse und ich

1915

Friedrich und die große Koalition

1918
(ab 1915 e)

Betrachtungen eines Unpolitischen

1922

Rede und Antwort. Gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze

1924

Okkulte Erlebnisse

1925

Bemühungen. Neue Folge der Gesammelten Abhandlungen und kleinen Aufsätze

1926

Pariser Rechenschaft

1930

Die Forderung des Tages. Reden und Aufsätze aus den Jahren 1925-1929

1935

Leiden und Größe der Meister. Neue Aufsätze

1937

Ein Briefwechsel

1938

Achtung Europa! Aufsätze zur Zeit

1938

Dieser Friede

1938

Schopenhauer

1940

Dieser Krieg!

1945

Adel des Geistes. Sechzehn Versuche zum Problem der Humanität

1948

Neue Studien

1949

Goethe und die Demokratie

1949

Die Entstehung des Doktor Faustus. Roman eines Romans

1950

Michelangelo in seinen Dichtungen

1953

Altes und Neues. Kleine Prosa aus fünf Jahrzehnten

1955

Versuch über Schiller

1956

Nachlese. Prosa

Reden und Vorträge

1923

Goethe und Tolstoi (1932 veränd. u.d.T. Goethe und Tolstoi. Zum Problem der Humanität)

1923

Von deutscher Republik

1926

Lübeck als geistige Lebensform

1928

Hundert Jahre Reclam. Festrede

1929

Theodor Fontane

1930

Platen - Tristan - Don Quijote
Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft

1930

Die Forderung des Tages. Reden und Aufsätze aus den Jahren 1925-1929

1932

Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters. Rede zum 100. Todestag Goethes

1933

Goethes Laufbahn als Schriftsteller

1936

Freud und die Zukunft

1938

Vom zukünftigen Sieg der Demokratie (Neuaufl. 1946 u.d.T. Vom kommenden Sieg der Demokratie)

1939

Das Problem der Freiheit

1942

Deutsche Hörer! 25 Radiosendungen nach Deutschland (erw. 1945: 55 [recte 56]...)

1947

Deutschland und die Deutschen

1949

Ansprache im Goethejahr 1949

1950

Meine Zeit

1953

Der Künstler und die Gesellschaft

1953

Gerhart Hauptmann

Tagebücher

1946

Leiden an Deutschland. Tagebuchblätter aus den Jahren 1933 und 1934

1973

Notizen zu Felix Krull, Friedrich, Königliche Hoheit, Versuch über das Theater, Maja, Geist und Kunst, Ein Elender, Betrachtungen eines Unpolitischen, Doktor Faustus und anderen Werken

1977ff.

Tagebücher 1918-1921; 1933ff.

Werkausgaben

1922-36

Gesammelte Werke, Berlin/Wien (S. Fischer/Bermann-Fischer, 13 Einzelbände)

1925

Gesammelte Werke in 10 Bänden

1938-65

Stockholmer Gesamtausgabe der Werke (Bermann-Fischer/S. Fischer, 25 Bde.)

1974

Gesammelte Werke (S. Fischer, 13 Bde.)


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