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Eduard Mörike
 
Lebensdaten | Werk

Mörike-Texte online


* 8. September 1804 Ludwigsburg

+ 4. Juni 1875 Stuttgart

Grabstätte: Stuttgart, Pragfriedhof

 

 
Zeichnung von Bonaventura Weiß
(1851)
  

  

Lyriker, Erzähler, Übersetzer. Einer der bedeutendsten Lyriker zwischen Romantik und Realismus. Musikalität, Bildlichkeit der Sprache. Meister der antiken Form. Bei seinen Zeitgenossen überwiegt zunächst die Abqualifizierung als Dichter des Provinziellen ("schwäbischer Goethe"), als "Mensch im Schlafrock und Pantoffeln" (Karl Gutzkow), "niedlicher Zwerg" (Georg Lukács). Die Wende in seiner Einschätzung bringt Hugo Wolfs Vertonung seiner Gedichte (1889), die Mörike über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt macht. 

 

Siebtes von dreizehn Kindern des kurfürstlich-württembergischen Leibmedicus Carl Friedrich Mörike (1763-1817) und seiner Ehefrau Charlotte Dorothea, geb. Beyer (1771-1841). Dreizehn Geschwister. Glückliche Kindheit. Lebenslange enge Bindung an die Mutter und die jüngere Schwester Clara (1816-1903). Äußerlich ereignisarmes, aufs Private gerichtetes Leben fern von politischer Betätigung in einer revolutionären Zeit. Sensibler, komplizierter Mensch hinter der Maske des Idyllikers: Hang zur Schwermut und Hypochondrie.

 

1851

Eheschließung mit Margarethe von Speeth (1818-1903; kath.; Tochter seines Bad Mergentheimer Vermieters, eines Oberstleutnants); Töchter: Fanny (*1855), Marie (*1857) 

Ehrungen:

1851

Ehrendoktor der Universität Tübingen


Wichtige Lebensdaten:

1811

Lateinschule in Ludwigsburg.

1817

Tod des Vaters; Umzug der Familie nach Stuttgart; in der Obhut des Onkels Eberhard Friedrich von Georgii. Besuch des Gymnasium illustre. Für die Theologenlaufbahn bestimmt.

1818-22

Theologisches Seminar in Urach; Freundschaft mit Wilhelm Hartlaub und Wilhelm Waiblinger.

1822

Liebe zur Cousine Klärchen Neuffer.

1822-26

Studium der Theologie in Tübingen; Freundschaft mit Ludwig Amandus Bauer.

1823

Liebe zur Kellnerin Maria Meyer (*1802; "Peregrina"). "Freundschaftsbund" mit Bauer und Waiblinger.

1824

Gesundheitlicher Zusammenbruch, Rückkehr nach Stuttgart. Aug.: Tod (Selbstmord?) des Bruders August.

1825

Bekanntschaft mit Friedrich Theodor Vischer und David Friedrich Strauß.

1826

Dez.: "Vikariatsknechtschaft" in Oberboihingen.

1827

Pfarrvikar in Möhringen auf den Fildern und in Köngen. März: Tod der Lieblingsschwester Luise. Dez.: mehrmonatiger Urlaub.

1828

Mitarbeit an der Spindlerschen Damenzeitschrift in Stuttgart.

1829

Feb.: Pfarrverweser in Pflummern. Aug.: Verlobung mit der Pfarrerstochter Luise Rau (1806-1876). Dez.: in Owen unter Teck.

1831

Pfarrverweser in Eltingen bei Leonberg.

1832

Jan.: Pfarrverweser in Ochsenwang auf der Alb.

1833

Auflösung der Verlobung mit Luise.

1834-43

Ab Juli: Pfarrer in Cleversulzbach; Haushalt mit Mutter und Schwester Klara; fühlt sich seinem Amt bald nicht mehr gewachsen.

1837

Beginn der Freundschaft mit Hermann Kurz. Bei Justinus Kerner in Weinsberg Bekanntschaft mit Ludwig Uhland und Karl Mayer. Aug.: zusammen mit Klara Kuraufenthalt in Bad Mergentheim.

1841

Tod der Mutter.

1843

Versetzung in den Ruhestand "wegen dauernder Krankheitsumstände".

1844

Mit Klara in Schwäbisch Hall.

1844

Nov.: Übersiedlung nach Bad Mergentheim.

1845

Im Haus des Oberstleutnants Speeth; Beginn der Beziehung zu Margarethe.

1846

Reise durch Württemberg und in die Schweiz.

1848

Zerwürfnis mit Hermann Kurz. Aug.: Kur in Bad Teinach.

1851

Hochzeit; Umzug mit Frau und Schwester nach Stuttgart; Lehrer am Königlichen Katharinenstift (deutsche Literatur); allmähliche Berühmtheit; Titel "Professor"; Ehrendoktor der Universität Tübingen.

1854

Beginn des Briefwechsels mit Paul Heyse.

1862

Berufung durch den bayerischen König in das Kollegium des Maximiliansordens für Kunst und Wissenschaft.

1863

Ferienaufenthalt in Bebenhausen.

1864

Freundschaft mit Moritz von Schwind.

1865

Jan.: Besuch Turgenjews bei Mörike.

1866

Nov.: Pensionierung.

1867

Übersiedlung nach Lorch im Remstal. Ruheloses Leben.

1869

Rückkehr nach Stuttgart.

1870

Übersiedlung nach Nürtingen.

1871

Aussöhnung mit Hermann Kurz. Aug.: Umzug nach Stuttgart. Ehekrise.

1873

Trennung von Margarethe. Sept.: Umzug mit Klara und Marie nach Fellbach. Nov.: wieder in Stuttgart.

1875

Frühjahr: bettlägerig; Mai: Versöhnung mit seiner Frau am Krankenbett.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Roman

1832
1877

Maler Nolten. Novelle in zwei Theilen (Neuf. 1877; Künstler-, Schicksalsroman)

Erzählungen, Novellen, Märchen

1834

Miß Jenny Harrower (2. Fass.: Lucie Gelmeroth, 1856)

1836

Der Schatz

1839

Iris. Eine Sammlung erzählender und dramatischer Dichtungen:

  • Der Schatz. Mährchen (1836)

  • Die Regenbrüder. Oper in zwei Acten (Musik: J. Lachner; 1839 a Stuttgart)

  • Der letzte König von Orplid. Schattenspiel (1832)

  • Der Bauer und sein Sohn. Mährchen

1853

recte 1852

Das Stuttgarter Hutzelmännlein. Märchen (darin die Historie von der schönen Lau)

1853 Z

Die Hand der Jezerte. Märchen

1855 Z

Mozart auf der Reise nach Prag. Novelle

1856

Vier Erzählungen

  • Der Schatz. Novelle (1836)

  • Lucie Gelmeroth. Novelle (1834)

  • Der Bauer und sein Sohn. Märchen (1839)

  • Die Hand der Jezerte. Märchen (1853)

Versepen

1846

Idylle vom Bodensee oder Fischer Martin und die Glockendiebe

1852 (1840 e)

Der alte Turmhahn

Gedichte

1828 Z

Besuch in Urach

1828 Z

Septembermorgen

1829 Z

Und wieder (= Peregrina V)
Die Geister am Mummelsee

1832 (1824 e)

Der Feuerreiter (im Maler Nolten I)

1832 (1829 e)

Das verlassene Mägdlein (im Maler Nolten I)

1832
(1824/28 e)

Peregrina-Zyklus (im Maler Nolten II; letzte Bearb. 1867)

1832 (1829 e)

Er ist's (im Maler Nolten II)

1838

Gedichte (verm. Neuauflagen 1848, 1856, 1867)

1846 Z

Auf eine Lampe

1864 (1851 e)

Erinna an Sappho (Rollengedicht)

1865 (1863 e)

Bilder aus Bebenhausen (Gedichtzyklus)

1909 (1837 e)

Wispeliaden

Dramatisches

1902 (1827 e)

Die Fragmente einer Verlegungsposse (= Spillner; Die umworbene Musa)

1832

Der letzte König von Orplid. Ein Schattenspiel (im Maler Nolten)

1839 (a Stuttgart)

Die Regenbrüder (Oper; Musik: Ignaz Lachner)

1841 e

Das Fest im Gebirge

Übersetzungen antiker Lyrik

1840

Classische Blumenlese (Tibull, Theokrit, Anakreon, Anakreontiker)

1855

Theokritos, Bion und Moschos (Mitübers.)

1864

Anakreon und die sogenannten anakreontischen Lieder

Werkausgaben

1878

Gesammelte Schriften, Stuttgart: Göschen (4 Bde.)

1905

Sämtliche Werke, hg. v. Rudolf Krauss, Leipzig: Hesse (6 in 2 Bdn.)

1909

Werke. Krit. durchges. Ausgabe, hg. v. Harry Maync, Leipzig/Wien: Bibliogr. Institut (3 Bde.)

1954

Sämtliche Werke, hg. v. Herbert G. Göpfert, München: Hanser

1967ff.

Werke u. Briefe. Hist.-krit. Gesamtausgabe, hg. v. Hubert Arbogast u. a., Stuttgart: Klett-Cotta (29 Bde.)

1967/70

Sämtliche Werke, hg. v. Jost Perfahl u. Helga Unger, München: Winkler (2 Bde.)

    


        

Und wieder (Peregrina V)

 

    Die treuste Liebe steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, verlassen, unbeschuht,
Dies kranke Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit ihren Tränen netzt sie bittre Wunden.  

     

    Ach, Peregrinen hab ich so gefunden!
Wie Fieber wallte ihrer Wangen Glut,
Sie scherzte mit der Frühlingsstürme Wut,
Verwelkte Kränze in das Haar gewunden.

  

    Wie? Solche Schönheit konnt' ich einst verlassen?
- So kehrt nun doppelt schön das alte Glück!
O komm! in diese Arme dich zu fassen!

   

    Doch wehe! welche Miene, welch ein Blick!
Sie küßt mich zwischen Lieben, zwischen Hassen,
Und wendet sich und - kehrt mir nie zurück.

 
(1829)

      

   

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