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Christian Morgenstern

vollst.: Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern
 
Lebensdaten | Werk

Morgenstern-Texte online



* 6. Mai 1871 München

+ 31. März 1914 Meran-Untermais (Tuberkulose)

Grabstätte: Dornach bei Basel, Urne im Goetheaneum
 

  

1910
Bildquelle: Wikipedia
  

   
Lyriker, Journalist, Übersetzer, Lektor.

 Berühmt geworden ausgerechnet durch die mehr oder weniger zur Unterhaltung im Freundeskreis geschriebenen Gedichte (Galgenlieder, Palmström), die mit groteskem Humor und auf geistreiche Art mit der Sprache spielen. Die phantastisch-hintergründige Lyrik weist auf Dadaismus und Surrealismus bzw. auf visuelle und konkrete Poesie voraus.

 Heute weitgehend vergessen sind die grüblerisch-religiösen Gedichte des Gottsuchers M. (Einkehr, Wir fanden einen Pfad).

 
Sohn des Landschaftsmalers Carl Ernst Morgenstern (1847-1928) und seiner ersten Frau Charlotte, geb. Schertel (1849-1880). Stiefmütter: Amalie v. Dall'Armi (1852-1922; Scheidung 1894) und Elisabeth Reche (1870-1913). Kindheit in München; Privatunterricht. Ursprünglicher Wunsch, bildender Künstler zu werden, der Vater wünscht dagegen die Offizierslaufbahn. Wegen des Ausbruchs der Tuberkulose muss auch das Studium aufgegeben werden. Ab den frühen Zwanzigerjahren dauernde Kuraufenthalte. Religiöse Sinnsuche; in den letzten Lebensjahren im Bann der Anthroposophie Rudolf Steiners.
 

1910

Eheschließung mit Margareta Gosebruch-von Liechtenstern (1879-1968)


 
Wichtige Lebensdaten:
 

1880

Tod der Mutter. Vater zieht an den Starnberger See, Sohn zum Onkel nach Hamburg.

1882

Eintritt in ein Landshuter Internat.

1883

Vater wird Professor an der Königlichen Kunstschule in Breslau.

1884

Frühjahr: Umzug nach Breslau.

1885-1889

Gymnasium in Breslau: erste Verse und dramatische Versuche, Schopenhauer-Lektüre.

1889

Beginn der Freundschaft mit dem späteren Schauspieler, impressionistischen Dramatiker und Lyriker Friedrich Kayßler. Herbst: zur Offiziersausbildung Wechsel auf eine Militärschule.

1890

Wechsel auf das Gymnasium in Sorau (Lausitz, heute Żary). Freundschaft mit Marie Goettling.

1892

Frühjahr: Abitur. Immatrikulation an der Universität Breslau (Jura, Volkswirtschaft). Herausgabe der Zeitschrift Deutscher Geist; Veröffentlichung erster Werke.

1893

Sommersemester in München (Kunstgeschichte, Archäologie; zusammen mit Kayßler). Tuberkulose-Erkrankung; Kur in Bad Reinerz. Herbst: Rückkehr nach Breslau: Wegen seines Gesundheitszustandes Abbruch des Studiums. Intensive Lektüre (Nietzsche).

1894

April: Übersiedlung nach Berlin: freier Schriftsteller und Journalist (Mitarbeiter der Täglichen Rundschau und der Freien Bühne). - Bekanntschaft mit den Gebrüdern Hart.

1895

Sommerreise nach Helgoland und Sylt. - Bund der "Galgenbrüder" (u.a. Kayßler und der Dramatiker Georg Hirschfeld): Die ersten Galgenlieder entstehen.

1896

Sommerreise nach Österreich und Oberitalien.

1897

Okt.: Vertrag mit dem S. Fischer Verlag bezügl. der Übersetzung der Werke Ibsens.

1898-1899

Mai bis Herbst: Aufenthalt in Norwegen, um die Sprache zu erlernen; Bekanntschaft mit Ibsen.

1899

Besuch in Troldhaugen bei Edvard Grieg.

1900-1901

Herbst bis Frühjahr: Kuraufenthalt in Davos.

1901

Fahrt an den Vierwaldstätter See. Im Berliner Kabarett Überbrettl erste Präsentation der Galgenlieder (in der Vertonung von Julius Hirschfeld): großer Erfolg. - Einfluss der Schriften von Paul de Lagarde.

1901-1902

Winter bis Jahresanfang: Aufenthalt in Arosa.

1902

Frühjahr: Reise über Mailand an die italienische Riviera; danach Aufenthalt in Florenz und Rom. Mai: in Zürich. Sommer: Reisen nach Wolfenschießen und Heidelberg. Winter in Rom.

1903

Rückreise nach Berlin über Fiesole. Tätigkeit als Dramaturg, Herausgabe der Zeitschrift Das Theater. Lektor beim Bruno Cassirer Verlag.

1905

Sommer in Wyk auf Föhr. Winter: zur Kur in Birkenwerder.

1906

Reise nach Tirol (Meran, Obermais). Hegel-, Spinoza-, Tolstoi- und Dostojewski-Lektüre.

1907

Frühjahr: Gardasee. - Reise in die Schweiz.

1908

Beschäftigung mit dem Buddhismus. - Juli: Bekanntschaft mit Margareta Gosebruch-von Liechtenstern in Bad Dreikirchen (Barbian, Südtirol). - Herbst: Meran. Reisen nach Freiburg und Straßburg.

1909

Frühjahr: Reisen an den Rhein. Besuch von Vorträgen des Anthroposophen Rudolf Steiner in Berlin; Beitritt zu Steiners Anthroposophischer Gesellschaft. Sommer: Reisen zu Vorträgen Steiners in Kristiana (Oslo), Kassel und München; persönliche Bekanntschaft mit Steiner.

1910

März: Heirat. Sommer: Aufenthalte in Bad Dürenstein und Bern. Herbst: Italien (über München nach Verona, Genua, Palermo).

1911

Frühjahr: Kuraufenthalt und Wohnsitz in Arosa.

1912

Ehrengabe der Schiller-Stiftung. Sommer: Kuraufenthalt in Davos. Herbst: Reise nach Zürich (Steiner).

1913

Reisen an die Adria und nach München. Nov./Dez.: Reise zu Vorträgen Steiners in Stuttgart und Leipzig.

1914

In einem Sanatorium bei Bozen. Gesundheitszustand aussichtslos, deshalb Umzug nach Meran. Dort Tod am 31. März.


Werke:

(e= entstanden)

Gedichte

1895

In Phanta's Schloß. Ein Cyklus humoristisch-phantastischer Dichtungen (Nietzsche gewidmet)

1897

Horatius travestitus. Ein Studentenscherz (Parodie)
Auf vielen Wegen. Gedichte

1898

Ich und die Welt. Gedichte

1900

Ein Sommer. Verse

1902

Und aber ründet sich ein Kranz (Gedichte; verm. 1922)

1905
(seit 1895 e)

Galgenlieder (verm. 1908; darin: Der Gingganz)

1906

Melancholie. Neue Gedichte

1910

Einkehr. Gedichte
Palmström (Gedichte)

1911

Ich und Du. Sonette, Ritornelle, Lieder

1914

Wir fanden einen Pfad. Neue Gedichte (Rudolf Steiner gewidmet)

1916

Palma Kunkel (Gedichte)

1919

Der Ginganz (Gedichte)

1921

Klein-Irmchen. Ein Kinderliederbuch (Neuaufl. 1943: Liebe Sonne, liebe Erde)

1928

Die Schallmühle. Grotesken und Parodien (= verm. 1938: Böhmischer Jahrmarkt; 1950: Egon und Emilie)

1932

Alle Galgenlieder: Galgenlieder, Palmström, Palma Kunkel, Gingganz (+ 14 Ged. aus dem Nachlaß; veränd. 1951)

1951

Sausebrand und Mausbarbier. Ein Kinderliederbuch

Aphorismen/Autobiographisches

1918

Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuchnotizen


Epigramme

1919

Epigramme und Sprüche

Übersetzungen

1898

August Strindberg: Inferno

1898-1904

Henrik Ibsen: Sämtliche Werke in deutscher Sprache (10 Bde.; Mitübers.)

1904

Knut Hamsun: Abendröte. Schauspiel

1908

Björnstjerne Björnson: Gedichte (Mitübers.)

1910

Knut Hamsun: Spiel des Lebens. Schauspiel

Werkausgaben

1965

Gesammelte Werke, hg. v. Margareta Morgenstern, München: Piper

1971ff.

Sämtliche Dichtungen, hg. v. Heinrich Proskauer, Basel: Zbinden (17 Bde.)

1987ff.

Werke und Briefe, hg. v. Reinhardt Habel u.a., Stuttgart: Urachhaus (9 Bde.)


    

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Bundeslied der Galgenbrüder


O schauerliche Lebenswirrn,

wir hängen hier am roten Zwirn!

Die Unke unkt, die Spinne spinnt,

und schiefe Scheitel kämmt der Wind.

   

O Greule, Greule, wüste Greule!

"Du bist verflucht!" so sagt die Eule.

Der Sterne Licht am Mond zerbricht.

Doch dich zerbrach's noch immer nicht.

    

O Greule, Greule, wüste Greule!

Hört ihr den Huf der Silbergäule?

Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz!

da taut's, da graut's, da braut's, da blaut's!
    

 
Fisches Nachtgesang


 

(1905)
 

 
  

 
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