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Karl Philipp Moritz
 
Lebensdaten
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Moritz-Texte online


* 15. September 1756 Hameln

+ 26. Juni 1793 Berlin (Lungenleiden)

Grabstätte: Berlin, Friedhof St. Georgen

 

   

 
Eine der Schlüsselfiguren der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Sprachpädagoge, Psychologe, Mythologe, Theoretiker des Schönen, Schriftsteller. Rücksichtslose Selbstzergliederung, Aufklärung als Aufklärung des Menschen über sich selbst; "ein hervorragender und ein verstümmelter Mensch" (Franz Blei).
  Mitbegründer der klassischen Kunstlehre. Vorstellung von der Autonomie der Kunst, Ablehnung von Nutzen und Vergnügen als ihrem Hauptzweck. Wegbereiter der deutschen Klassik; großer Einfluss auf Goethe.
 
Sohn des Militärmusikers, späteren Dorfschreibers Johann Gottlieb Moritz (1724-1788) und seiner zweiten Frau Dorothea (Dorette) Henriette, geb. König (1721-1783). Erste Ehe des Vaters mit Johanna Juliane Po(l)tter (+1753). Geschwister: Johanna Maria Juliane (1760-1762); Johann Christian Conrad (1764-1828), Johann Simon Christian (*1767), August Friedrich (1767-1768). Vier Halbgeschwister: Johann Gottlieb (+1811), Anton, Johanna Regina Christane (*1751), Johann Peter (+1753). Bedrückende Kindheit in ärmlichsten Verhältnissen, zerrüttete Ehe der Eltern; durch den Quietismus des Vaters geprägte Jugend ohne Liebe (Selbstverleugnung und "Ertötung" der Eigenliebe); Vater hält ihn aus religiösen Gründen von öffentlichen Schulen fern und lässt ihn von Privatlehrern im Lesen und Schreiben unterrichten.
  M. macht früh in mehrfacher Hinsicht die Erfahrung der Demütigung und des Scheiterns; armselige Lebensumstände; chronisches Lungenleiden. Profilierung als Autor ab 1783; gesellschaftliche Etablierung erst kurz vor seinem Tod.
 

1792

Heirat mit Christiane Friederike Matzdorff (1777-1797; Schwester des Verlegers Karl Matzdorff); Dez.: Scheidung

1793

März: Wiederverheiratung mit Christiane 


Wichtige Lebensdaten:
    

1760

Geburt der Schwester Johanna Maria Juliane.

1761-63

Kriegsdienst des Vaters im Siebenjährigen Krieg. Familie an unbekanntem Ort.

1763

Regiment des Vaters wird nach Hannover verlegt.

1764

Geburt des Bruders Johann Christian Conrad. Elementarunterricht durch den Vater, später durch einen Schreibmeister. Erkrankung an Tuberkulose.

1766

Heimliche Lektüre von Romanen.

1767

Geburt der Zwillinge Johann Simon Christian und August Friedrich.

1768

Privatunterricht in Latein an der öffentlichen Stadtschule der Calenberger Neustadt; Herbst: Hutmacherlehre bei einem tyrannischen Lehrherrn in Braunschweig, der mit pseudoreligiösen Argumenten (z. B. mit drohenden Höllenstrafen) seine Angestellten zu motivieren sucht.

1770

M. ist dem Druck nicht gewachsen: Selbstmordversuch; Abbruch der Lehre und Rückkehr nach Hannover; Freischule des Böttcherschen Lehrerseminars.

1771-76

Gymnasialzeit an der Hohen Schule der Altstadt in Hannover; auf Fürsprache des Garnisonspfarrers Stipendium des Prinzen Carl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz. Lektüre der Stürmer und Dränger; Freundschaft mit dem Mitschüler Iffland.

1771

Neue Anstellung des Vaters als Lizenzschreiber; Umzug der Familie nach Erichshagen (Nienburg/Weser).

1776

Sommer: heimliche Abreise nach Gotha; die Hoffnung auf ein Engagement an der Bühne Konrad Ekhofs erfüllt sich nicht. Aug.: Immatrikulation als Student der Theologie an der Universität Erfurt.

1777

Jan.: Abbruch des Studiums. Anschluss an die Speichsche Theatertruppe; Scheitern des Schauspieltraums in Leipzig. Febr.: Wiederaufnahme des Studiums in Wittenberg.

1778

Frühjahr; Studienabbruch. Aufenthalt an Basedows Philanthropin in Dessau; vergebliches Bemühen um eine Anstellung als Lehrer. Juli: Informator am Potsdamer Militärwaisenhaus; Nov.: Zweiter Lehrer an der Unteren Schule des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin.

1779

Apr.: nachträglicher Erwerb des Magistertitels an der Universität Wittenberg; Okt.: Konrektor am Gymnasium zum Grauen Kloster; Nov.: Aufnahme in die Berliner Freimaurerloge St. Johannis.

1780

Aug.: erfolglose Bewerbung um eine Predigerstelle in Braunschweig.

1781

Reise nach Hamburg (Klopstock, Claudius, Voß).

1782

Mai - Aug.: Fußwanderung durch England. Herbst: Lungenkrankheit. Dez.: Konrektor des Köllnischen Gymnasiums. Lehrauftrag am Gymnasium zum Grauen Kloster. Bekanntschaft mit Karl Friedrich Klischnig.

1783

Wohngemeinschaft mit Karl Friedrich Klischnig. Sommer: Reise nach Göttingen; Mitherausgabe der ersten deutschen Fachzeitschrift für Psychologie: GNOTHI SAUTON oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde (11 Bde., bis 1793).

1784

Jan.: Ernennung zum Gymnasialprofessor. Schwerer Ausbruch der Lungenkrankheit. Sept.: Redakteur der Vossischen Zeitung (bis 1785).

1785

Sommer: Aufgabe der Redakteursstelle. Juni - Sept.: mit Klischnig Fußwanderung durch Deutschland; Stationen: Wittenberg, Weißenfels, Naumburg, Dornburg, Jena, Weimar, Erfurt, Frankfurt am Main, Höchst, Hochheim, Mainz, Mannheim, Heidelberg, Nürnberg, Altdorf, Bamberg, Dresden, Leipzig. Begegnungen mit Schiller, Wezel, Wieland, Musäus.

1786

Aussichtslose Neigung zur Frau des Bergrats August Friedrich Standtke. Mit Klischnig Wanderung nach Hamburg (Claudius). Aug.: Abbruch des Schuldienstes; Italienreise; Ende Okt.: Ankunft in Rom; Kontakt mit Goethe. Nov.: Armbruch, bettlägerig bis Febr. 1787 (gepflegt u.a. von Goethe).

1787

März: Frascati; Apr./Mai: Neapel.

1788

April: Bewilligung einer finanziellen Unterstützung durch die Akademie der Künste. Sept.: Zusammentreffen mit Herder in Rom; Okt. - Dez.: zu Fuß von Italien nach Weimar; Dez.: Gast Goethes; gesellschaftlicher Verkehr mit Schiller, Wieland und Charlotte von Stein; erteilt Herzog Carl August Englischunterricht.

1789

Jan.: Rückreise nach Berlin in Begleitung des Herzogs Carl August. 22.2.: auf Vermittlung des Herzogs Ernennung zum Professor der Theorie der schönen Künste an der Königl. Akademie in Berlin mit einem Gehalt von 300 Talern jährlich; Zuhörer seiner Vorlesungen u.a. Wackenroder und Tieck.

1791

April: Ernennung zum Königlich Preußischen Hofrat. Okt.: Mitglied der Berliner Königlichen Akademie der Wissenschaften. Professur an der Militär-Akademie.

1792

Juni: Beginn des Briefwechsels mit Jean Paul. Verlobung; 5.8.: Heirat, Entführung der 20 Jahre jüngeren Frau durch einen früheren Liebhaber; Dez.: Scheidung.

1793

27.4.: erneute Heirat mit Christiane Friederike; Apr. - Mai: Reise mit seiner Frau nach Dresden zum Studium der dortigen Gemäldegalerie. 26.6: Tod in Berlin.


Werke:
    

Romane
   

1785-90

Anton Reiser, ein psychologischer Roman (Bd. 1: 1785; Bd. 2+3: 1786; Bd. 4: 1790; anonym)

1786

Andreas Hartknopf. Eine Allegorie

1790

Andreas Hartknopfs Predigerjahre

  
Erzählung
  

1794

Die neue Cecilia

  
Drama
  

1781

Blunt oder Der Gast (erstes deutsches Schicksalsdrama)

   
Gedichte
   

1781

Sechs deutsche Gedichte, dem Könige von Preußen gewidmet

   
Reiseberichte
   

1783

Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782 (verb. 1785)

1792/93

Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788. In Briefen (3 Bde.)

     
Aufsätze und Abhandlungen
(Auswahl)
   

1780

Beiträge zu einer Philosophie des Lebens (veränd. 1781)

1781

Über den märkischen Dialekt
Kleine Schriften, die deutsche Sprache betreffend

1782

Ansichten zur Experimentalseelenlehre
Aussichten zu einer Experimentalseelenlehre
Deutsche Sprachlehre für die Damen

1783

Anleitung zum Briefschreiben

1784

Ideal einer vollkommenen Zeitung
Von der deutschen Rechtschreibung nebst vier Tabellen
Englische Sprachlehre für die Deutschen

1785

Versuch einer kleinen praktischen Kinderlogik, welche auch zum Teil für Lehrer und Denker geschrieben ist (veränd. 1793)

1786

Versuch einer deutschen Prosodie

1786-88

Denkwürdigkeiten, aufgezeichnet zur Beförderung des Edlen und Schönen (4 Bde.)

1787

Fragmente aus dem Tagebuche eines Geistersehers (anonym)

1788

Über die bildende Nachahmung des Schönen

1791/96

ANTHOUSA oder Roms Alterthümer. Ein Buch für die Menschheit (2 Bde.):

  • Die heiligen Gebräuche der Römer

  • Der Römer als Bürger und Hausvater

1791

Annalen der Akademie der Künste
Götterlehre oder Mythologische Dichtungen der Alten
Italiänische Sprachlehre
Vorlesungen über den Styl

1793

Die große Loge oder Der Freimaurer
Vorbegriffe zu einer Theorie der Ornamente

1793

Die symbolische Weisheit der Aegypter (anonym)

1793/94

Vorlesungen über den Styl (veränd. 1808)

1793-1800

Grammatisches Wörterbuch der deutschen Sprache (4 Bde.)

1794

Mythologisches Wörterbuch

1796

Launen und Phantasien

1806

Handwörterbuch der schönen zeichnenden Künste

    
Übersetzungen
   

1792-94

Th. Holcroft: Anna St. Ives (5 Bde.)

1793

M. Robinson: Vancenza oder Die Gefahren der Leichtgläubigkeit

   
Werkausgaben
    

1962

Schriften zur Ästhetik und Poetik, Krit. Ausg., hg. v. Hans J. Schrimpf, Tübingen: Niemeyer

1973

Werke, hg. v. Jürgen Jahn, Berlin/Weimar: Aufbau (2 Bde.)

1981

Werke, hg. v. Horst Günther, Frankfurt/M.: Insel (3 Bde.)

1986-88

Die Schriften in 30 Bänden, hg. v. Petra und Uwe Nettelbeck, Nördlingen: Greno (ersch. Bd. 1-10, 13, 15, 16)

1997/99

Werke, hg. v. Heide Hollmer u. Albert Meier, Frankfurt a. M.: Dt. Klassiker Verlag (2 Bde.)

                       


    

       

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