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Friedrich Müller
 

gen. Maler Müller (selbst gewählter Beiname)

Lebensdaten | Werk

Müller-Texte online


* 13. Januar 1749 Kreuznach

+ 23. April 1825 Rom (Schlaganfall)

Grabstätte: Rom, Andrea delle Fratte

 

 
Selbstporträt
 

    

Dichter, Maler, Kunstkritiker. Stürmer und Dränger, für den auch persönlich galt: "Ich kann´s, ich bin´s" (Faust). Früher Erfolg, letztlich bleibt aber die Anerkennung versagt. Belebt die literarische Idylle im Geist des Sturm und Drangs neu und führt den Faust-Stoff in die hohe Literatur ein. Seine Doppelbegabung als Maler und Dichter ("Bey Tage mahle ich; und des Nachts mach´ ich mich auf einem Bogen Papier lustig") erschwert auf beiden Gebieten den Durchbruch zur Reife. Trotz oder wegen der Überzeugung vom eigenen Genie auch Unzufriedenheit mit sich selbst (verbrennt 1776 seine Manuskripte). Resonanz bei den Romantikern (Begeisterung für das verfallende Heidelberger Schloss; vgl. Müllers Hymnus).

   

Sohn des Bäckers, Wirtes und Bierbrauers Johannes Friedrich Müller (1727-1760) und der ledigen Katharina Margaretha Roos (1730-1796); sechs Geschwister. Der frühe Tod des Vaters verhindert eine gründliche Schulbildung. In der Kindheit Viehhüten im Nahetal: Anteilnahme an der Natur; Lektüre von Volks- und Reisebüchern.

 

Maler Müllers Grabschrift. Von ihm selbst gesetzt.

Wenig gekannt und wenig geschätzt hab' ich beym Wirken,
Nach dem Wahren gestrebt, und mein höchster Genuß
War die Erkenntniß des Schönen und Großen - ich habe gelebet!
Daß Fortuna nie mich geliebt, verzeih' ich ihr gern.

    


Wichtige Lebensdaten:

1760

Tod des Vaters; Abgang vom Kreuznacher Gymnasium.

1760-1763

Tätigkeiten als Viehhirt und als Hilfskraft in der Gastwirtschaft der Mutter.

1765-75

Aufgrund seines Zeichentalents Aufnahme in die herzoglichen Malschule Christians IV. in Zweibrücken; daneben Beschäftigung mit der Dichtkunst. Studien bei Peter Anton Verschaffelt in Mannheim. Unglückliches Liebesverhältnis zu Charlotte Kärner, Tochter eines Oberkonsistorialrats; der Vater verbietet die Heirat, obwohl Charlotte ein Kind erwartet.

1774

Das Lied eines bluttrunknen Wodanadlers erscheint im Göttinger Musenalmach: Müller wird über Nacht als Dichter bekannt.

1775

Übersiedelung in die Residenzstadt Mannheim (Kurfürst Carl Theodor); Aufnahme in die künstlerischen Zirkel der Stadt, Bekanntschaft mit allen Größen des Sturm und Drang.

1777

Begegnung mit Lessing, den der Plan des Nationaltheaters nach Mannheim geführt hat. Ernennung zum kurfürstlichen Kabinettsmaler.

1778

Aufbruch nach Rom: Geplant ist eine dreijährige Studienreise (finanzielle Unterstützung durch ein kurfürstl. Stipendium und eine Sammlung, für die sich vor allem auch Goethe in Weimar einsetzt).

1779

Carl Theodors Hof wird nach München verlegt, die Zahlungen bleiben aus. Aus der Studienreise wird ein lebenslänglicher Aufenthalt in Rom. M. wird zur festen Größe in der deutschen Künstlerkolonie (Koch, A. Kauffmann). Lebt bis zum Tod in ärmlichen Verhältnissen. 

1779-80

Schwere Krankheit.

1780

1780 Konversion zum Katholizismus.

ab 1787

Tätigkeit als Fremdenführer und Antiquar.

1798

Einmarsch der französischen Truppen in Rom. M. wird für ein Jahr nach Tivoli verbannt.

1805

Cicerone für den bayerischen Kronprinzen Ludwig.

1806

Tätigkeit als Kunstagent für die Münchener Sammlungen. Pension vom bayerischen Hof und Titel Königlich-bayerischer Hofmaler. 

1810

Aufgrund einer Intrige lässt der Münchener Hof M. fallen.

1811

Ausgabe der literarischen Werke (auf Veranlassung Tiecks). Die Hoffnungen auf den literarischen Durchbruch erfüllen sich aber nicht.


Werke:
(e = entstanden)

Gedichte/Prosahymnen

1776

Balladen (u.a. Soldatenabschied, Genovefa im Thurme)

1776

Das Heidelberger Schloß (Prosahymne)

1778

Creutznach (Hymnus)

1905

Fabeln

1990 (1773 e)

Kleine Gedichte zugeeignet dem H. Canonicus Gleim

Idyllen

1775

Der erschlagene Abel
Bacchidon und Milon (anonym)
Der Satyr Mopsus (anonym)
Die Schaaf-Schur. Eine Pfälzische Idylle
Der Faun Molon

1778

Adams erstes Erwachen und erste seelige Nächte (verbessert 1779)

1811

Das Nußkernen. Pfälzische Idylle

1811

Ulrich von Coßheim

1914

Der Christabend

Dramen

1776

Situation aus Fausts Leben (Szene)

1778

Fausts Leben dramatisirt. Erster Theil (Frgm.; 1823 Versfassung)

1778

Niobe. Ein lyrisches Drama

1811 (1781 e)

Golo und Genovefa (1808 bruchstückhaft)

1788 e

Das römische Kunstantiquariat (satir. Schlüsseldrama)

1806 e

Die Winde (satir. Schlüsseldrama)

1825

Adonis - Die klagende Venus - Venus Urania. Eine Trilogie (lyr. Dramen)

1969 (1804 e)

Iphigenia in Tauris

Erzählungen

1803

Erzählungen (unrechtm. Druck)

1825

Der hohe Ausspruch oder Chares und Fatime. Eine alt-persische Novelle

Schriften

1807

Schreiben über eine Reise von Liefland nach Neapel und Rom von August von Kotzebue

1817

Kritik der Schrift des Ritters von Bossi über das Abendmahl des Lenardo da Vinci

Werkausgaben

1811

Werke, hg. v. Ludwig Tieck u.a., Heidelberg: Mohr & Zimmer (3 Bde.)

1868

Dichtungen, hg. v. H. Hettner, Leipzig: Brockhaus (2 Bde.)

1914

Idyllen. Vollst. Ausgabe, hg. v. O. Heuer, Leipzig: Wolff (3 Bde.)

1916-1918

Werke, hg. v. Max Oeser, Neustadt/Haardt: Schiller (2 Bde.)


     

  
Soldatenabschied
 

Heute scheid' ich, morgen wandr' ich;
Keine Seele weint um mich.
Sind's nicht diese, sind's doch andre,
Die da trauern, wenn ich wandre;
Holder Schatz, ich denk' an dich.
    
Auf dem Bachstrom hängen Weiden,
In den Tälern liegt der Schnee;
Trautes Kind, daß ich muß scheiden,
Muß nun unsre Heimat meiden,
Tief im Herzen tut mir's weh.

      

Horch, die Trommel ruft zum Scheiden,
Und ich drück' dir warm die Hand;
Still' die Tränen, laß mich scheiden,
Muß nun für die Ehre streiten,
Streiten für das Vaterland.
             
Hundertausend Kugeln pfeifen
Über meinem Haupte hin.
Wo ich fall' scharrt man mich nieder,
Ohne Klang und ohne Lieder,
Niemand fraget, wer ich bin.

            

Sollt' ich unter freiem Himmel
Schlafen in der Feldschlacht ein;
Soll aus meinem Grabe blühen,
Soll auf meinem Grabe glühen,
Blümchen süß, Vergissnichtmein!
    

(1776)
 

    

    

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