Autoren | Epochen
  

Heiner Müller

vollst.: Reimund Heiner Müller

Pseudonym: Max Messer

Lebensdaten | Werk
  


* 9. Januar 1929 Eppendorf (Sachsen)
    

+ 30. Dezember 1995 Berlin (Speiseröhrenkrebs)

   

Grabstätte:

Berlin, Dorotheenstädtischer Friedhof

  

Heiner Müller 1989 (Foto: Hubert Link)
Bildquelle: Wikipedia
 


  

Dramatiker, Lyriker, Übersetzer, Journalist, Dramaturg, Regisseur. Für viele der bedeutendste deutschsprachige Dramatiker seit Brecht; aber nie unumstritten (heftige Kritik schon zu DDR-Zeiten). Inhaltlicher Grundzug seines Werks ist die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Kreative Übernahme überlieferter Stoffe als Grundlage eigener Texte. Suche nach neuen Ausdrucksformen: Theater als Experiment, "Laboratorium sozialer Fantasie". Erste Bekanntheit durch die "Produktionsstücke" der 50-er Jahre (Thema: sozialistischer Aufbau); nach dem Aufführungsboykott in der DDR verstärkt Bearbeitungen zeitgenössischer und antiker Vorlagen. In den "Deutschland"-Stücken der 70-er Jahre Radikalisierung der szenischen bzw. ästhetischen Mittel (Aufbruch der Fabel, Montage, Fragmentarisierung, Verselbständigung der Einzelszenen, Clownnummern, Pantomime). In der Spätphase Tendenz weg von der Aktion hin zum monologisierenden Erzählen.
      

Sohn des Verwaltungsbeamten Kurt Müller (1903-1977; später Angestellter im Regierungspräsidium Tübingen) und seiner Frau Ella, geb. Ruhland (1905-1994). Bruder: Wolfgang (1941-2013). Als Kind Leiden unter der KZ-Haft des Vaters; später distanziertes Verhältnis (Flucht der Eltern in die Bundesrepublik). - Ein unehelicher Sohn.

M. hatte seit Mitte der 70-er Jahre die Erlaubnis, ins westliche Ausland zu reisen ("[Ich stehe] mit je einem Bein auf den zwei Seiten der Mauer. Das ist vielleicht eine schizophrene Position, aber mir scheint keine andere real genug.")

    

1951

Erste Ehe mit Rosemarie Fritzsche; 1953 Scheidung und Wiederheirat; 1954 Scheidung; Tochter Regine

1955

Heirat mit der Lyrikerin Ingeborg Schwenkner, geb. Meyer (1925-1966, Suizid); Adoptivsohn Bernd

1968

3. Ehe mit der bulgarischen Regisseurin Ginka Tscholakowa (*1945); 1980 Scheidung

1992

4. Ehe mit der Fotografin Brigitte Maria Mayer (*1965); eine Tochter

   

Auszeichnungen (Auswahl):
 

1959

Heinrich-Mann-Preis für Der Lohndrücker (zus. mit seiner Frau Ingeborg)

1975

Lessing-Preis

1985

Georg-Büchner-Preis
Hörspielpreis der Kriegsblinden (zus. mit Heiner Goebbels)

1986

Nationalpreis der DDR I. Klasse für Kunst und Kultur

1990

Kleist-Preis

1991

Europäischer Theater-Preis


Wichtige Lebensdaten:

1933

Der Vater, ein aktiver Hitler-Gegner, wird von den Nazis aus dem Staatsdienst entlassen und vorübergehend im KZ Sachsenburg inhaftiert.

1938

Übersiedlung der Familie nach Waren/Mecklenburg, wo der Vater als Betriebsprüfer für Landeskrankenkassen arbeitet.

1944/45

Einberufung zum Reichsarbeitsdienst, Ausbildung zum "Werwolf" (wegen seiner Sehschwäche kaum eingesetzt); anschließend Einberufung zum Volkssturm; kurzzeitig in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

1945

Rückkehr ins Elternhaus nach Mecklenburg; Hilfsbibliothekar im Landratsamt.

1946

Vater wird Bürgermeister von Frankenberg und SED-Mitglied, bleibt aber im Inneren Sozialdemokrat.

1947

Eintritt in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) und in den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB).

1949

Abitur in Frankenberg. Journalistische Tätigkeit, erste literarische Arbeiten.

1950

Literaturkritiker bei der Zeitschrift Sonntag.

1951

Müllers Eltern fliehen mit dem Bruder in die Bundesrepublik (Reutlingen). - Wohnsitz in Berlin.

1953

Literaturkritiker bei der Zeitschrift Neue deutsche Literatur. - Bekanntschaft mit der (verheirateten) Ingeborg Schwenkner.

1954

M. zieht mit Duldung des Ehemanns ins Haus der Schwenkners in Lehnitz ein.

1955

Heirat mit Ingeborg.

1956

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schriftstellerverband (Abteilung Drama).

1957/58

Redakteur der Zeitschrift Junge Kunst.

1958/59

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Maxim Gorki-Theater Berlin.

1959

Umzug nach Berlin-Pankow. Finanzielle Not. Ingeborg leidet unter Depressionen: Selbstmordversuche.

1961

Absetzung der Bauernkomödie Die Umsiedlerin nach der Premiere; vernichtende Parteikritik und Ausschluss aus dem Schriftstellerverband.

1965

Kritik an M. auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED. Das Stück Der Bau wird noch vor der Premiere abgesetzt.

1966

Selbstmord Ingeborgs (Gasherd).

1968

Uraufführung des Schauspiels Philoktet in München; M. wird im Westen bekannt.

1970

Dramaturg am Berliner Ensemble. Sein Drama Mauser wird in der DDR verboten.

1975

USA-Reise; Vorlesungen an der University of Texas in Austin.

1976

Dramaturg an der Berliner Volksbühne. - Mitunterzeichner der Petition gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann.

1977

Tod des Vaters.

1984

Mitglied der Akademie der Künste der DDR.

1986

Mitglied der Akademie der Künste West-Berlin.

1988

Wiederaufnahme in den Schriftstellerverband der DDR.

1989

Zusammenbruch der DDR. Okt.: Mitinitiator der Initiative für unabhängige Gewerkschaften. 4.11.: Rede bei der Kundgebung auf dem Alexanderplatz.

1990

Festival Experimenta zu Ehren Heiner Müllers in Frankfurt/M.: Aufführungen seiner Werke in aktuellen Inszenierungen. - Wahl zum Präsidenten der Akademie der Künste.

1993

Debüt als Opernregisseur in Bayreuth (Tristan und Isolde). - Stasivorwürfe; Müller gibt Kontakte zu, eine tatsächliche Zusammenarbeit bestätigt sich nicht.

1994

Tod der Mutter.

1995

Übernahme der alleinigen künstlerischen Leitung des Berliner Ensembles.


Werke (Auswahl):

(e = entstanden; a = Uraufführung in)

Dramatische Werke

1951

Das Laken

1957 (a O-Berlin)

Zehn Tage, die die Welt erschütterten (Szenencollage)

1957 (1958 a Leipzig)

Der Lohndrücker (mit Inge Müller)

1957 (1958 a O-Berlin)


Die Korrektur (mit Inge Müller)

1958

Klettwitzer Bericht 1958 - Eine Hörfolge
Glücksgott

1958 (1968 a München)

Philoktet (nach Sophokles)

1961 (a O-Berlin)

Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande (nach Motiven von Anna Seghers)

1965 (1980 a O-Berlin)

Der Bau (nach dem Roman Spur der Steine von Erich Neutsch)

1966 (1967 a O-Berlin)

Sophokles: Ödipus Tyrann

1968 (1973 a W-Berlin)

Der Horatier

1969

Lanzelot (Opern-Libretto)

1970
(1975 a Austin;
1980 a Köln)

Mauser

1970 (a Magdeburg)

Weiberkomödie

1971 (1972 a Brandenburg)

Macbeth

1971 (1978 a München)

Germania Tod in Berlin

1972 (1973 a O-Berlin)

Zement (nach dem Roman von Fjodor Gladkow)

1974 (a W-Berlin)

Herakles 5

1974 (1975 a Neustrelitz)

Traktor

1974 (1975 a O-Berlin)

Die Schlacht

1976 (a O-Berlin)

Die Bauern (umgearbeitete Fassung der Umsiedlerin)

1976
(1979 a Frankfurt/M.)

Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei

1977 e
(1977 a Saint-Denis;
1979 a Essen)

Die Hamletmaschine

1978

Bertolt Brecht: Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer

1979 (1980 a O-Berlin)

Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution

1980 e (1982 a Bochum)

Quartett

1981 (a Bochum)

Herzstück

1982 (1983 a Bochum)

Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten

1984
(1985 a O-Berlin)

Wolokolamsker Chaussee I: Russische Eröffnung (Titel nach einem Roman von Alexander Bek)

1984 (1985 a Bochum)

Anatomie Titus Fall of Rome Ein Shakespearekommentar

1984 (1985 a Graz)

Bildbeschreibung

1985 (1986 a Potsdam)

Wolokolamsker Chaussee II: Wald bei Moskau

1987 (a Potsdam)

Wolokolamsker Chaussee III: Das Duell

1988 (Schwerin)

Wolokolamsker Chaussee IV: Kentauren

1988 (a Paris;
1989 a Potsdam)

Wolokolamsker Chaussee V: Der Findling

1992 (1993 a Berlin)

Mommsens Block

1995 (1996 a Bochum)

Germania 3 Gespenster am toten Mann

Hörspiele (Auswahl)

1957 e
1997

Die Korrektur - ein Bericht über den Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe 1957 (1. Fassung; zus. m. Inge Müller)

1958

Die Korrektur - ein Bericht über den Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe 1957 (2. Fassung; zus. m. Inge Müller)
Die Brücke (zusammen mit Inge Müller)

1973

Der Horatier

1978

Die Hamletmaschine

1979

Philoktet

1980

Der Auftrag - Erinnerung an eine Revolution

1982

Quartett

1983

Traktor

1986

Wolokolamser Chaussee I: Russische Eröffnung

1987

Wolokolamser Chaussee II: Wald bei Moskau
Bildbeschreibung

1989

Wolokolamser Chaussee III: Das Duell
Wolokolamser Chaussee IV: Kentauren
Wolokolamser Chaussee V: Der Findling

1992

Angaben des Dichters zur Person
Mauser

1993

Mommsens Block

1996

Germania 3 Gespenster am toten Mann

1997

Ajax zum Beispiel

Gedichte

1992

Gedichte 1949-89

Autobiografie

1992

Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Diktaturen (erw. 1994)

Übersetzungen (Auswahl)

1970

Aischylos: Prometheus

1971

Molière: Der Arzt wider Willen

1976

Shakespeare: Hamlet

1968

Shakespeare: Wie es euch gefällt

Werkausgabe

1998-2008

Werke, hg. v. Frank Hörnigk, Berlin: Suhrkamp (12 Bde.)


        

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15. Januar 2016

    

  

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