Robert Musil
eigentl.: Robert Edler von Musil (ab 1917)
Lebensdaten  Werk
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*6. November 1880 Klagenfurt

+15. April 1942 Genf (Gehirnschlag)

Grabstätte existiert nicht; Asche wird von Martha Musil in einem Wald in der Nähe von Genf verstreut.

 


Einziges Kind (eine Schwester stirbt bald nach der Geburt) des Hofrats und Ordinarius an der TH Brünn Alfred Musil und seiner Frau Hermine, geb. Bergauer (Tochter eines Technikers; beide +1924). Elternhaus steht der Literatur fern; Spannungen zwischen dem jungen M. und der nervösen und heftigen Mutter.
  Universell gebildeter Intellektueller, Maschinenbauingenieur und Doktor der Philosophie. Im Verlauf des 1. Weltkriegs, an dem M. als Offizier aktiv teilnimmt, Wandel zum Pazifisten. Die letzten Lebensjahre sind gezeichnet von Verarmung (Verlust des väterlichen Vermögens in der Inflation), Arbeitshemmungen, allmählichem körperlichen Verfall, dem Leiden an den politischen Verhältnissen und der Einsamkeit des Exils.

1911 Eheschließung mit Martha Marcovaldi, geb. Heimann (+1949 Rom; Malerin, Bankierstochter; bringt 2 Kinder mit in die Ehe: Annina und Gaetano)

Romancier, Dramatiker, Essayist. Sein unvollendetes Lebenswerk Der Mann ohne Eigenschaften macht M. zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Moderne: Darstellung des Untergangs "Kakaniens", d.h. der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn; "Geistesgeschichte einer Endzeit (Martini), "umfassendes Panorama der spätbürgerlichen Kultur" (Zmegac), "der größte geschichtsphilosophische Versuch und der schonungsloseste Roman der Weltanschauungskritik seit Voltaires ´Candide´" (Ingeborg Bachmann). Die völlig neuartige Struktur des Romans (ein "breites verzweigtes System vielfältiger Spiegelungen und Variationen", W. Rasch) entzieht sich jeder eindeutigen Bestimmung.
  Zu Lebzeiten als Schriftsteller angesehen, nach seinem Tod weitgehend vergessen; Wiederentdeckung 1952 mit der vollständigen Ausgabe des Romantorsos durch Adolf Frisé. Seitdem ausgiebige Beschäftigung der europäischen Literaturwissenschaft mit Musils Werk.

Auszeichnungen:

1923 Kleistpreis (für Die Schwärmer; zusammen mit Wilhelm Lehmann)
1924 Kunstpreis der Stadt Wien
1929 Gerhart-Hauptmann-Preis

wichtige Lebensdaten:

1881 Umzug der Familie nach Komotau/Böhmen.
1882 Übersiedlung nach Steyr.
1891 Übersiedlung nach Brünn; Besuch der Landesoberrealschule.
1892 Schulwechsel aufgrund von Spannungen mit der Mutter; ab Aug. Militärunterrealschule in Eisenstadt.
1894 Militäroberrealschule in Mährisch-Weißkirchen.
1897 Aufgabe der Ausbildung an der Technischen Militär-Akademie in Wien zugunsten eines Maschinenbaustudiums an der TH Brünn (wo der Vater lehrt).
1901 Abschluss des Studiums mit der Ingenieurstaatsprüfung; Freiwilligenjahr beim k. k. Infanterieregiment in Brünn.
1902-03 Volontärassistent an der TH Stuttgart; Nachholung der Reifeprüfung.
1902-07 Beziehung mit Herma Dietz (= Tonka).
1903-08 Studium der Philosophie und Psychologie an der Universität Berlin. Teilnahme am literarischen Leben Berlins (Alfred Kerr, Franz Blei, Emil Schaeffer); Artikel für die Zeitschrift Pan.
1908 Promotion; Dissertation Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs. Ablehnung einer möglichen Habilitation zugunsten der Schriftstellerkarriere.
1911 Übertritt zur evangelischen Konfession; 15.4.: Heirat in Wien.
1911-14 Bibliothekar an der TH Wien; Artikel für expressionistische Zeitschriften.
1914 Redakteur der Neuen Rundschau.
1914-16 Kompanieführer in Südtirol.
1916 Schwere Erkrankung; in die Redaktion der Soldaten-Zeitung abkommandiert.
1917 Landsturmhauptmann bei der Isonzo-Armee in Slowenien. Verleihung des erblichen Adelstitels an den Vater.
1918 Tätigkeit im Kriegspressequartier in Wien.
1918-20 Tätigkeit im Pressearchiv des österreichischen Außenministeriums.
1920-22 Fachbeirat im Bundesministerium für Heerwesen (Bildungsaufgaben); lehnt angebotene Verbeamtung ab.
1922-24 Kulturkritiker bei den Prager Zeitungen Bohemia und Prager Presse.
1924 Tod der Eltern.
1925-33 Regelmäßige Vorschusszahlungen durch den Rowohlt-Verlag.
1929 Skandal bei der Uraufführung der Schwärmer; M. zieht sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück; Arbeitshemmungen, finanzielle Not, allmählicher körperlicher Verfall; psychoanalytische Behandlung bei dem Adler-Schüler Hugo Lukács.
1931 Übersiedlung nach Berlin; Unterstützung durch die Musil-Gesellschaft des Kunsthistorikers Kurt Glaser.
1933 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Rückkehr nach Wien (Rasumofskygasse 12, Wien III).
1936 Schwerer Schlaganfall
1938 Musils Bücher werden in Deutschland und Österreich verboten; zusammen mit seiner Frau Emigration nach Zürich; vergebliches Bemühen um die Einreise in die USA.
1939 Aus finanziellen Gründen Umzug nach Genf.

Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1906
(1905 e)
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
1930 Der Mann ohne Eigenschaften, Buch 1
1933 Der Mann ohne Eigenschaften, Buch 2
1943 Der Mann ohne Eigenschaften, Buch 3 (Frgm.)

Erzählungen

1908 Das verzauberte Haus (= ältere Fassung zu Die Versuchung der stillen Veronika)
1911 Vereinigungen (2 Erz.: Die Vollendung der Liebe, Die Versuchung der stillen Veronika)
1923 Grigia
Die Portugiesin
1924 Drei Frauen (Novellenzyklus: Grigia, Die Portugiesin, Tonka)
1928 Die Amsel

Dramen

1921
(1929 a Wien)
Die Schwärmer (urspr. Die Anarchisten)
1923
(a Berlin)
Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer (Posse)

Lyrik

1923 Isis und Osiris

Schriften und Reden

1908 Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Dissertation)
1911 Das Unanständige und Kranke in der Kunst
1914 Europäertum, Krieg, Deutschtum
1927 Rede zur Rilke-Feier in Berlin am 16.1.1927
1936 Nachlaß zu Lebzeiten (Essays u. Erzählungen)
1937 Über die Dummheit (Essays)

Autobiographisches

1955 Tagebücher

Ausgabe

1978 Gesammelte Werke, hg. v. Adolf Frisé, Reinbek (2 Bde.)

Links

Figurenlexikon zum "Mann ohne Eigenschaften"

Robert Musil Literatur Museum

Internationale Robert-Musil-Gesellschaft

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