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Robert Musil
 

ab1917: Robert Edler von Musil


Lebensdaten
Werk

Musil-Texte online


 

* 6. November 1880 Klagenfurt (St. Ruprecht)

+ 15. April 1942 Genf (Gehirnschlag)

Grabstätte existiert nicht; die Asche wird von Martha Musil in einem Wald in der Nähe von Genf verstreut. Denkmal auf dem Cimetière des Rois in Genf

 

 

Musil um 1900
Bildquelle: Wikimedia
 

Österreichischer Romancier, Dramatiker, Essayist. Sein unvollendetes Lebenswerk Der Mann ohne Eigenschaften macht M. zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Moderne: Darstellung des Untergangs "Kakaniens", d.h. der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn; "Geistesgeschichte einer Endzeit (Martini), "umfassendes Panorama der spätbürgerlichen Kultur" (Zmegac), "der größte geschichtsphilosophische Versuch und der schonungsloseste Roman der Weltanschauungskritik seit Voltaires ´Candide´" (Ingeborg Bachmann). Die völlig neuartige Struktur des Romans (ein "breites verzweigtes System vielfältiger Spiegelungen und Variationen", W. Rasch) entzieht sich jeder eindeutigen Bestimmung.
  Zu Lebzeiten als Schriftsteller angesehen, nach seinem Tod weitgehend vergessen; Wiederentdeckung 1952 mit der vollständigen Ausgabe des Romantorsos durch Adolf Frisé. Seitdem ausgiebige Beschäftigung der europäischen Literaturwissenschaft mit Musils Werk.

Einziges Kind (eine Schwester stirbt bald nach der Geburt) des Hofrats und Ordinarius an der TH Brünn Alfred Musil und seiner Frau Hermine, geb. Bergauer (Tochter eines Technikers; beide +1924). Elternhaus steht der Literatur fern; Spannungen zwischen dem jungen M. und der nervösen und heftigen Mutter.
  Universell gebildeter Intellektueller, Maschinenbauingenieur und Doktor der Philosophie. Im Verlauf des 1. Weltkriegs, an dem M. als Offizier aktiv teilnimmt, Wandel zum Pazifisten. Die letzten Lebensjahre sind gezeichnet von Verarmung (Verlust des väterlichen Vermögens in der Inflation), Arbeitshemmungen, allmählichem körperlichen Verfall, dem Leiden an den politischen Verhältnissen und der Einsamkeit des Exils.

1911

Eheschließung mit Martha Marcovaldi, verwitw. Alexander, geb. Heimann (1874 Berlin - 1949 Rom; Malerin, Bankierstochter; bringt 2 Kinder mit in die Ehe: Anina und Caetano)

Auszeichnungen:

1923

Kleistpreis (für Die Schwärmer; zusammen mit Wilhelm Lehmann)

1924

Kunstpreis der Stadt Wien

1929

Gerhart-Hauptmann-Preis


Wichtige Lebensdaten:

1881

Umzug der Familie nach Komotau/Böhmen.

1882

Übersiedlung nach Steyr.

1891

Übersiedlung nach Brünn; Besuch der Landesoberrealschule.

1892

Schulwechsel aufgrund von Spannungen mit der Mutter; ab Aug. Militärunterrealschule in Eisenstadt.

1894

Militäroberrealschule in Mährisch-Weißkirchen.

1897

Aufgabe der Ausbildung an der Technischen Militär-Akademie in Wien zugunsten eines Maschinenbaustudiums an der TH Brünn (wo der Vater lehrt).

1901

Abschluss des Studiums mit der Ingenieurstaatsprüfung; Freiwilligenjahr beim k. k. Infanterieregiment in Brünn.

1902-03

Volontärassistent an der TH Stuttgart; Nachholen der Reifeprüfung.

1902-07

Eheähnliche Beziehung mit der Verkäuferin Herma Dietz (= Tonka).

1903-08

Studium der Philosophie und Psychologie an der Universität Berlin. Teilnahme am literarischen Leben Berlins (Alfred Kerr, Franz Blei, Emil Schaeffer); Artikel für die Zeitschrift Pan.

1902

Erste Begegnung mit der jüdischen Malerin Martha Marcovaldi.

1907

Herma Dietz, von Musil mit Syphilis angesteckt, stirbt an den Folgen eines Abortus.

1908

Promotion (Dissertation: Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs). Ablehnung einer möglichen Habilitation zugunsten der Schriftstellerkarriere.

1911

Übertritt zur evangelischen Konfession, damit er die geschiedene Martha Marcovaldi heiraten kann; 15.4.: Heirat in Wien.

1911-14

Bibliothekar an der TH Wien; Artikel für expressionistische Zeitschriften.

1914

Redakteur der Neuen Rundschau.

1914-16

Kompanieführer in Südtirol.

1916

Schwere Erkrankung; in die Redaktion der Soldaten-Zeitung abkommandiert.

1917

Landsturmhauptmann bei der Isonzo-Armee in Slowenien. Verleihung des erblichen Adelstitels an den Vater.

1918

Tätigkeit im Kriegspressequartier in Wien.

1918-20

Tätigkeit im Pressearchiv des österreichischen Außenministeriums.

1920-22

Fachbeirat im Bundesministerium für Heerwesen (Bildungsaufgaben); lehnt angebotene Verbeamtung ab.

1922-24

Kulturkritiker bei den Prager Zeitungen Bohemia und Prager Presse.

1924

Tod der Eltern.

1925-33

Regelmäßige Vorschusszahlungen durch den Rowohlt-Verlag.

1929

Skandal bei der Uraufführung der Schwärmer; M. zieht sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück; Arbeitshemmungen, finanzielle Not, allmählicher körperlicher Verfall; psychoanalytische Behandlung bei dem Adler-Schüler Hugo Lukács.

1931

Übersiedlung nach Berlin; Unterstützung durch die Musil-Gesellschaft des Kunsthistorikers Kurt Glaser.

1933

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Rückkehr nach Wien (Rasumofskygasse 12, Wien III).

1936

Schwerer Schlaganfall.

1938

Musils Bücher werden in Deutschland und Österreich verboten; zusammen mit seiner Frau Emigration nach Zürich; vergebliches Bemühen um die Einreise in die USA.

1939

Aus finanziellen Gründen Umzug nach Genf.


Werke:
(a = Uraufführung)

Romane

1906

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

1930

Der Mann ohne Eigenschaften, Buch 1

1933

Der Mann ohne Eigenschaften, Buch 2

1943

Der Mann ohne Eigenschaften, Buch 3 (Frgm.)

Erzählungen

1911

Vereinigungen. Zwei Erzählungen:

  • Die Vollendung der Liebe

  • Die Versuchung der stillen Veronika (ältere Fassung: Das verzauberte Haus, 1908)

1923

Grigia
Die Portugiesin

1924

Drei Frauen. Novellen:

  • Grigia

  • Die Portugiesin

  • Tonka

1928

Die Amsel

Dramen

1921
(1929 a Wien)

Die Schwärmer (urspr. Die Anarchisten)

1924
(1923 a Berlin)

Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer. Posse

Lyrik

1923

Isis und Osiris

Schriften und Reden

1908

Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Dissertation)

1911

Das Unanständige und Kranke in der Kunst

1914

Europäertum, Krieg, Deutschtum

1927

Rede zur Rilke-Feier in Berlin am 16.1.1927

1936

Nachlaß zu Lebzeiten (Essays u. Erzählungen)

1937

Über die Dummheit (Vortrag)

Autobiographisches

1955

Tagebücher

Werkausgaben

1936

Nachlaß zu Lebzeiten, Zürich: Humanitas

1952-60

Gesammelte Werke in Einzelausgaben, hg. v. Adolf Frisé, Reinbek: Rowohlt (4 Bde.)


  

Internationale Robert-Musil-Gesellschaft

Robert Musil Literatur Museum

Figurenlexikon zum "Mann ohne Eigenschaften"

  

   

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