Novalis
eigentl. (Georg) Friedrich (Philipp) Freiherr von Hardenberg (Namensvariante "Leopold" nur einmal in einem Brief belegt);
seit 1798 Künstlername Novalis - lat. "Brachland", "welcher Name ein alter Geschlechtsname von mir ist und nicht ganz unpassend" (sc. im Sinne von "der Neuland Bestellende")

Lebensdaten Werk


*2. Mai 1772 Gut Oberwiederstedt (bei Halle)

+25. März 1801 Weißenfels (Lungenschwindsucht)

begraben: Weißenfels, Alter Friedhof (jetzt Stadtpark)


Kupferstich von E. Eichens (1845).

Sohn des aus altem Adel stammenden Bergfachmanns und späteren Salinendirektors Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg (1738-1814) und seiner zweiten Frau Auguste Bernhardine von Hardenberg, geb. von Bölzig (1749-1818). Zweitältestes von elf Kindern; streng pietistische Erziehung; bis zum Eintritt ins Gymnasium von Hauslehrern unterrichtet.
Vielseitige Bildung, außer am Poetischen Interesse an Naturwissenschaften, Naturgeschichte, Philosophie.

Geschwister: Caroline (1771-1801), Erasmus (1774-1797), Carl (1776-1813), Sidonie (1779-1801), Georg Anton (1781-1825), Auguste (1783-1804), Bernhard (1787-1800), Peter Wilhelm (1791-1814), Amalie (1793-1814), Hans Christoph (1794-1816).

1795

Inoffizielle Verlobung mit Sophie von Kühn (1782-1797)

1798

Verlobung mit Julie von Charpentier (1776-1811)

Bedeutendster Dichter der Frühromantik. Sein Dichten ist Inbegriff des romantischen Dichtens, sein Leben Inbegriff eines romantischen Lebenslaufs, kurz und fragmentarisch wie sein Werk. Erlebnis am Grab Sophie von Kühns verarbeitet in den "Hymnen an die Nacht": Nacht als Raum der poetischen Grenzüberschreitung, unio mystica mit der verstorbenen Geliebten, Erlösung, Überwindung des Todes durch Liebe und Poesie.
  Poetisierung der Welt: Der Dichter ist dazu berufen, die Welt zu erschließen; Programm der "Romantisierung": Die Welt muß romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. [...] Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es - Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche. Im "Heinrich von Ofterdingen" Symbol für die Romantik, die romantische Sehnsucht: die blaue Blume.
  Einer der ersten modernen Dichter; Wirkung auf Keats, Poe, Thomas Mann, Hofmannsthal, Broch, Benn. "Novalis ist der einzig wahrhafte Dichter der romantischen Schule, nur in ihm ist die ganze Seele der Romantik Lied geworden" (Georg Lukács).


wichtige Lebensdaten:

1780

Schwere Ruhrerkrankung.

1783

Schwere physische und psychische Erkrankung der Mutter. Auf Schloss Lucklum (zwischen Helmstedt und Wolfenbüttel) beim Onkel Gottlieb Friedrich Wilhelm von Hardenberg.

1784

Ernennung des Vaters zum Direktor der kursächsischen Salinen in Dürrenberg, Artern und Kösen.

1785

Umzug der Familie nach Weißenfels (Salinenamt).

1788

Erste Gedichte.

1789

Mai: Begegnung mit Gottfried August Bürger in Langendorf bei Weißenfels.

1790

Juni - Okt.: Besuch des Luther-Gymnasiums in Eisleben; Wohnung bei seinem Lehrer Christian David Jani. Okt.: Immatrikulation an der Universität Jena (Jurastudium); philosophische und historische Vorlesungen (u.a. bei Schiller).

1791

Persönliche Bekanntschaft mit Schiller; Okt.: Wechsel an die Universität Leipzig: Jura, Mathematik, Philosophie.

1792

Jan.: erste Begegnung mit Friedrich Schlegel.

1793

Apr.: Wechsel an die Universität Wittenberg.

1794

Juni: juristisches Examen in Wittenberg. Juni - Okt.: Weißenfels. Okt.: Aktuar bei der Kreishauptmannschaft in Tennstedt/Thüringen. 17.11.: N. lernt anlässlich einer Dienstreise die zwölfjährige Sophie von Kühn vom nahegelegenen Gut Grüningen kennen.

1795

15. März: inoffizielle Verlobung mit Sophie von Kühn. In Jena Begegnung mit Fichte und Hölderlin. Sept.: im Harz Begegnung mit Graf Friedrich Leopold von Stolberg. Fichte-Studien. Nov.: Erkrankung Sophies. Dez.: Ernennung zum Akzessisten bei der Salinendirektion in Weißenfels.

1796

Frühjahr: N. tritt die Stelle in Weißenfels an; Sommer: erneut schwere Erkrankung Sophies; Operation in Jena (Lebergeschwür, Tuberkulose). Aug.: Besuch Friedrich Schlegels in Weißenfels. Dez.: Rückkehr Sophies nach Grüningen. Verschlechterung ihres Gesundheitszustands.

1797

1.-10.3.: letzter Besuch in Grüningen. 19. März: Tod Sophies. 14. April: Tod des Bruders Erasmus (Tuberkulose). Sommer: Begegnungen mit August Wilhelm und Caroline Schlegel (Jena). Sept.: Entschluss zum Studium an der Bergakademie. Dez.: Zusammentreffen mit Friedrich Wilhelm Schelling in Leipzig. Beginn des Studiums der Bergwerkskunde an der Bergakademie Freiberg.

1798

Einführung in das Haus des Bergrats J. F. W. von Charpentier. März: mit August W. Schlegel bei Goethe und bei Schiller in Jena. Sommer: Kuraufenthalt in Teplitz; Aug.: Dresden (mit Schelling und den Brüdern Schlegel; Antikensammlung und Gemäldegalerie); Okt.: in Leipzig Begegnung mit Jean Paul. Dez.: Verlobung mit der Bergrats-Tochter Julie von Charpentier.

1799

Mai: Rückkehr nach Weißenfels. Sommer: erste Begegnung mit Tieck (Jena); mit Tieck Besuch bei Herder, zweiter Besuch bei Goethe. Reise in die Oberlausitz. 11.-14. Nov.: "Romantikertreffen" in Jena (Brüder Schlegel, Tieck und Schelling). Dez.: Ernennung zum Salinenassessor.

1800

Juni: geologische Untersuchung im Raum Leipzig zusammen mit dem Kommilitonen Friedrich Traugott Michael Haupt. Juni: Besuch Tiecks in Weißenfels. Okt.: Reise nach Siebeneichen, Meißen und Dresden. 28. Okt.: Selbstmord des vierzehnjährigen Bruders Bernhard (ertrunken in der Saale). Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Dez.: Ernennung zum Supernumerar-Amtshauptmann im Thüringischen Kreis, ein Amt, das N. nicht mehr antreten kann.

1801

Jan.: Julie und der Bruder Karl pflegen N. in Dresden; Besuch des Vaters. 20.-24. Jan.: Rückreise von Dresden nach Weißenfels. 23.3.: Ankunft des Freundes Friedrich Schlegel; 25.3.: Tod um 12.30 Uhr.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Lyrik

1791

Klagen eines Jünglings 

1800

1800 Hymnen an die Nacht (Zyklus von 6 Gedichten) 

1802

Geistliche Lieder 

Romane

1802

Die Lehrlinge zu Sais (Frgm.) 

1802

Heinrich von Ofterdingen (Frgm.)

Märchen

1802

Klingsohrs Märchen (in "Heinrich von Ofterdingen")

Fragmente, Aphorismen

1798

Blüthenstaub

1798

Glaube und Liebe oder Der König und die Königin 

1802
(erw. 1846; 1795-1800 e) 

Vermischte Fragmente (570, später 610 aphoristische Bruchstücke) 

Aufsatz

1826
(1799 e) 

Die Christenheit oder Europa 

Ausgaben

1802

Schriften, hg. v. Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck, Berlin (2 Teile)

1929

Schriften, hg. v. Paul Kluckhohn u. Richard Samuel, Leipzig (6 Bde.)

Link:

Internationale Novalis-Gesellschaft Schloss Oberwiederstedt


 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten
Und man in Märchen und Geschichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort
.
(aus: Heinrich von Ofterdingen)
An Novalis
In dunkler Erde ruht der heilige Fremdling.
Es nahm von sanftem Munde ihm die Klage der Gott,
Da er in seiner Blüte hinsank.
Eine blaue Blume
Fortlebt sein Lied im nächtlichen Haus der Schmerzen.
(Georg Trakl, 1912)

  

up