Autoren | Epochen
 

Novalis
 
eigentl. (Georg) Friedrich (Philipp) Freiherr von Hardenberg
(Namensvariante "Leopold" nur einmal in einem Brief belegt);
seit 1798 Künstlername Novalis (lat. = "Brachland"), "welcher Name ein alter Geschlechtsname von mir ist und nicht ganz unpassend" (sc. im Sinne von "der Neuland Bestellende")

Lebensdaten | Werk

Novalis-Texte online


* 2. Mai 1772 Gut Oberwiederstedt (bei Halle)

+ 25. März 1801 Weißenfels (Tuberkulose; evtl. auch Mukoviszidose)

Grabstätte: Weißenfels, Alter Friedhof (jetzt Stadtpark)

 

 
Stahlstich von Friedrich E. Eichens
(1845)

 

   

Bedeutendster Dichter der Frühromantik. Sein Dichten ist Inbegriff des romantischen Dichtens, sein Leben Inbegriff eines romantischen Lebenslaufs, kurz und fragmentarisch wie sein Werk. Das Erlebnis am Grab Sophie von Kühns verarbeitet er in den "Hymnen an die Nacht": Nacht als Raum der poetischen Grenzüberschreitung, der unio mystica mit der verstorbenen Geliebten, Erlösung, Überwindung des Todes durch Liebe und Poesie.
  Poetisierung der Welt: Der Dichter ist dazu berufen, die Welt zu erschließen; Programm der "Romantisierung": Die Welt muß romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. [...] Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es - Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche. Im Heinrich von Ofterdingen erscheint das Symbol für die Romantik bzw. die romantische Sehnsucht: die blaue Blume.
  Einer der ersten modernen Dichter; Wirkung auf Keats, Poe, Thomas Mann, Hofmannsthal, Broch, Benn. "Novalis ist der einzig wahrhafte Dichter der romantischen Schule, nur in ihm ist die ganze Seele der Romantik Lied geworden" (Georg Lukács).

   

Sohn des aus altem Adel stammenden Bergfachmanns und späteren Salinendirektors Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg (1738-1814) und seiner zweiten Frau Auguste Bernhardine von Hardenberg, geb. von Bölzig (1749-1818). Zweitältestes von elf Kindern; streng pietistische Erziehung; bis zum Eintritt ins Gymnasium von Hauslehrern unterrichtet.
Vielseitige Bildung; außer am Poetischen Interesse an Naturwissenschaften, Naturgeschichte, Philosophie.

Geschwister: Caroline (1771-1801), Erasmus (1774-1797), Carl (1776-1813), Sidonie (1779-1801), Georg Anton (1781-1825), Auguste (1783-1804), Bernhard (1787-1800), Peter Wilhelm (1791-1814), Amalie (1793-1814), Hans Christoph (1794-1816).

   

1795

Inoffizielle Verlobung mit Sophie von Kühn (1782-1797)

1798

Verlobung mit Julie von Charpentier (1776-1811)

 
An Novalis

In dunkler Erde ruht der heilige Fremdling.
Es nahm von sanftem Munde ihm die Klage der Gott,
Da er in seiner Blüte hinsank.
Eine blaue Blume
Fortlebt sein Lied im nächtlichen Haus der Schmerzen.
(Georg Trakl, 1912)


Wichtige Lebensdaten:

1780

Schwere Ruhrerkrankung.

1783

Schwere physische und psychische Erkrankung der Mutter. Auf Schloss Lucklum (zwischen Helmstedt und Wolfenbüttel) beim Onkel Gottlieb Friedrich Wilhelm von Hardenberg.

1784

Ernennung des Vaters zum Direktor der kursächsischen Salinen in Dürrenberg, Artern und Kösen.

1785

Umzug der Familie nach Weißenfels (Salinenamt).

1788

Erste Gedichte.

1789

Mai: Begegnung mit Gottfried August Bürger in Langendorf bei Weißenfels.

1790

Juni - Okt.: Besuch des Luther-Gymnasiums in Eisleben; Wohnung bei seinem Lehrer Christian David Jani. Okt.: Immatrikulation an der Universität Jena (Jurastudium); philosophische und historische Vorlesungen (u.a. bei Schiller).

1791

Persönliche Bekanntschaft mit Schiller; Okt.: Wechsel an die Universität Leipzig: Jura, Mathematik, Philosophie.

1792

Jan.: erste Begegnung mit Friedrich Schlegel.

1793

Apr.: Wechsel an die Universität Wittenberg.

1794

Juni: juristisches Examen in Wittenberg. Juni - Okt.: Weißenfels. Okt.: Aktuar bei der Kreishauptmannschaft in Tennstedt/Thüringen. 17.11.: N. lernt anlässlich einer Dienstreise die zwölfjährige Sophie von Kühn vom nahegelegenen Gut Grüningen kennen.

1795

15. März: inoffizielle Verlobung mit Sophie von Kühn. In Jena Begegnung mit Fichte und Hölderlin. Sept.: im Harz Begegnung mit Graf Friedrich Leopold von Stolberg. Fichte-Studien. Nov.: Erkrankung Sophies. Dez.: Ernennung zum Akzessisten bei der Salinendirektion in Weißenfels.

1796

Frühjahr: N. tritt die Stelle in Weißenfels an; Sommer: erneut schwere Erkrankung Sophies; Operation in Jena (Lebergeschwür, Tuberkulose). Aug.: Besuch Friedrich Schlegels in Weißenfels. Dez.: Rückkehr Sophies nach Grüningen. Verschlechterung ihres Gesundheitszustands.

1797

1.-10.3.: letzter Besuch in Grüningen. 19. März: Tod Sophies. 14. April: Tod des Bruders Erasmus (Tuberkulose). Sommer: Begegnungen mit August Wilhelm und Caroline Schlegel (Jena). Sept.: Entschluss zum Studium an der Bergakademie. Dez.: Zusammentreffen mit Friedrich Wilhelm Schelling in Leipzig. Beginn des Studiums der Bergwerkskunde an der Bergakademie Freiberg.

1798

Einführung in das Haus des Bergrats J. F. W. von Charpentier. März: mit August W. Schlegel bei Goethe und bei Schiller in Jena. Sommer: Kuraufenthalt in Teplitz; Aug.: Dresden (mit Schelling und den Brüdern Schlegel; Antikensammlung und Gemäldegalerie); Okt.: in Leipzig Begegnung mit Jean Paul. Dez.: Verlobung mit der Bergrats-Tochter Julie von Charpentier.

1799

Mai: Rückkehr nach Weißenfels. Sommer: erste Begegnung mit Tieck (Jena); mit Tieck Besuch bei Herder, zweiter Besuch bei Goethe. Reise in die Oberlausitz. 11.-14. Nov.: "Romantikertreffen" in Jena (Brüder Schlegel, Tieck und Schelling). Dez.: Ernennung zum Salinenassessor.

1800

Juni: geologische Untersuchung im Raum Leipzig zusammen mit dem Kommilitonen Friedrich Traugott Michael Haupt. Juni: Besuch Tiecks in Weißenfels. Okt.: Reise nach Siebeneichen, Meißen und Dresden. 28. Okt.: Selbstmord des vierzehnjährigen Bruders Bernhard (ertrunken in der Saale). Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Dez.: Ernennung zum Supernumerar-Amtshauptmann im Thüringischen Kreis, ein Amt, das N. nicht mehr antreten kann.

1801

Jan.: Julie und der Bruder Karl pflegen N. in Dresden; Besuch des Vaters. 20.-24. Jan.: Rückreise von Dresden nach Weißenfels. 23.3.: Ankunft des Freundes Friedrich Schlegel; 25.3.: Tod um 12.30 Uhr.


Werke:
(e = entstanden; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Lyrik

1791 Z

Klagen eines Jünglings 

1798 Z

Blumen

1799-1800 e

Geistliche Lieder

1800 Z

Hymnen an die Nacht (Zyklus von 6 Gedichten) 

1802 Z

Geistliche Lieder 

1857

Gedichte

1859 Z

Jugendgedichte

Romane

1802
(1798-99 e)

Die Lehrlinge zu Sais (Frgm.):

  • Der Lehrling

  • Die Natur

1802

Heinrich von Ofterdingen. Ein nachgelassener Roman (2 Teile; Frgm.)

Märchen

1802

Klingsohrs Märchen (in "Heinrich von Ofterdingen")

1802

Hyazinth und Rosenblüthe (in "Die Lehrlinge zu Sais")

Fragmente, Aphorismen

1798 Z

Blüthenstaub

1798 Z

Glaube und Liebe oder Der König und die Königin 

1802
(1795-1800 e) 

Vermischte Fragmente (570 aphoristische Bruchstücke; erw. 1846: 610

Sonstige Schriften

1802 (1798 e)

Dialoge

1826 (1799 e) 

Die Christenheit oder Europa 

Ausgaben

1802/1846

Schriften, hg. v. Friedrich Schlegel bzw. E. v. Bülow und Ludwig Tieck, Berlin (3 Bde.)

1869

Gedichte, hg. v. Willibald Beyschlag, Halle

1893

Werke, hg. v. Julie Dohmke, krit. durchges. Ausgabe, Leipzig/Wien: Bibliogr. Institut

1901

Schriften, Krit. Neuausgabe, hg. v. Ernst Heilborn, Berlin: Reimer (3 Bde.)

1907

Schriften, hg. v. J. Minor, Jena: Diederichs (4 Bde.)

1913

Werke, hg. v. Hermann Friedemann, Berlin: Bong (3 Bde.)

1924

Sämtliche Werke, hg. v. Ernst Kamnitzer, München: Rösl (4 Bde.)

1928

Fragmente, hg. v. Ernst Kamnitzer u. Gertrud v. Helmstatt, Dresden: Jess

1929

Schriften, hg. v. Paul Kluckhohn u. Richard Samuel, Leipzig: Bibliogr. Institut (4 Bde.)

1942

Werke und Briefe, hg. v. Rudolf Bach, Leipzig: Insel (3 Bde.)

1943

Briefe und Werke, hg. v. Ewald Wasmuth, Berlin: Lambert Schneider (3 Bde.)

1945/46

Gesammelte Werke, hg. v. Carl Seelig, Herrliberg/Zürich: Bühl (5 Bde.)

1953

Werke und Briefe, hg. v. Alfred Kelletat, München: Winkler

1953-57

Werke, Briefe, Dokumente, hg. v. Ewald Wasmuth, Heidelberg: Lambert Schneider (4 Bde.)

1960-2006

Schriften. HKA, hg. v. Richard Samuel u.a., Stuttgart: Kohlhammer(4 Bde. +5)

1963

Werke, hg. v. Uwe Lassen, Hamburg: Hoffmann & Campe

1967

Gesammelte Werke, hg. v. Hildburg u. Werner Kohlschmidt, Gütersloh: Bertelsmann

1977

Werke. Studienausgabe, hg. v. Gerhard Schulz, München: Beck

1978/87

Werke. Tagebücher und Briefe, hg. v. Hans-Joachim Mähl u. Richard Samuel, München/Wien: Hanser (3 Bde.)

1983

Werke, hg. v. Hans Dietrich-Dahnke, Berlin/Weimar: Aufbau

   

Internationale Novalis-Gesellschaft Schloss Oberwiederstedt

Weißenfelser Novalis-Gedenkstätte


   

      
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten
Und man in Märchen und Geschichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.
(aus: Heinrich von Ofterdingen)

    

  

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