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Martin Opitz
 

Martinus Opitius, Opicius, ab 1627: Martin Opitz von Boberfeld(t)
 
Pseudonym u. Gesellschaftsname: Der Gekrönte
 
Lebensdaten | Werk

Opitz-Texte online


* 23. Dezember 1597 Bunzlau

+ 20. August 1639 Danzig (Pest)

Grabstätte: Danzig, Oberpfarrkirche St. Marien

 


Nach Johann Jakob Haid
 

    

Haupt der schlesischen Dichterschule. Beginnt als Dichter wie alle großen Poeten des 17. Jahrhunderts in neulateinischer Sprache, dichtet sein Leben lang zweisprachig. Lebensprogramm ist aber die Etablierung der deutschen Sprache als Kunstsprache, die - dem Französischen und Italienischen ebenbürtig - aus dem Schatten des Lateinischen heraustreten soll.
  O. gilt den Zeitgenossen so als Begründer der neuzeitlichen deutschen Literatur; zum "Vater der deutschen Dichtkunst" wird er  durch die von ihm verfasste wirksamste Poetik (Lehrbuch der Dichtung) des Barock, das Buch von der Deutschen Poeterey,  Richtschnur für die Dichtung des nächsten Jahrhunderts. Darin fordert er Klarheit und Eleganz der Sprache (Vermeidung von Dialekt, Vulgärausdrücken und Fremdwörtern) und definiert die einzelnen Dichtungsgattungen. Bedeutsam vor allem seine Verslehre, die den grundlegenden Unterschied zwischen dem quantitierenden antiken bzw. romanischen und dem akzentuierenden deutschen Vers herausstellt: strenger Wechsel von betonter und unbetonter Silbe, Übereinstimmung von Wort- und Versakzent. Seine Empfehlung macht den Alexandriner (6-hebiger Jambus, Zäsur nach der 6. Silbe) zum gebräuchlichsten Vers bis weit in die zweite Hälfte des 18. Jhs., als an seine Stelle der geschmeidigere Blankvers tritt (5-hebiger Jambus).

   

Sohn des Fleischermeisters Sebastian Opitz und seiner ersten Ehefrau Martha Rothmann. Bürgerlicher Aufsteiger, der es durch eigene Leistung und einflussreiche Gönner zum Gelehrten, geadelten Diplomaten und gekrönten Poeten bringt.
  Politische Karriere über die konfessionellen Schranken hinweg: Als Protestant ursprünglich Anhänger des calvinistischen "Winterkönigs" Friedrich V., von dem man hofft, dass er als böhmischer König den Habsburgern die Vorherrschaft über die schlesischen Fürstentümer entreißen würde, stellt O. nach dessen Niederlage, als sich die Chance zum Aufstieg bietet, seine Dienste der katholischen Seite (und damit der Gegenreformation) zur Verfügung.

 

Auszeichnung:
   

1625

Krönung zum "poeta lauretaus" durch Kaiser Ferdinand II.

     


Wichtige Lebensdaten:

1605

Lateinschule in Bunzlau.

1614

Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau; Erzieher der Söhne des Arztes Bucletius.

1617

Akademisches Gymnasium in Beuthen.

1618

Studium der Rhetorik, Altertumswissenschaft, Jurisprudenz an der Universität Frankfurt/O.; Tätigkeit als Hauslehrer.

1619

Juni: Studium in Heidelberg, der Hauptstadt des deutschen Calvinismus; im Poetenkreis um Julius Wilhelm Zincgref. Lehrer im Haus des kurpfälzischen Geheimrats Lingelsheim.

1620

Flucht mit dem Freund Hamilton vor den Truppen Spinolas nach Leyden, der Hochburg des westeuropäischen Calvinismus; Bekanntschaft mit dem  niederländischen "Nationaldichter" Daniel Heinsius, dessen Position er in Deutschland anstrebt; Winter bei Hamilton in Jütland.

1621

Im Sommer Rückkehr nach Schlesien; die Macht in Schlesien üben nicht mehr Opitz´ Gönner, die protestantischen Herzöge von Liegnitz und Brieg, aus, sondern der katholische Präsident der schlesischen Kammer, Karl Hannibal von Dohna.

1622

Übersiedlung nach Weißenburg im reformierten Siebenbürgen, wo Fürst Bethlen Gábor Schulmänner für sein neu eingerichtetes Gymnasium benötigt.

1623

Heimkehr nach Schlesien.

1624

Ernennung zum fürstlichen Rat, aber keine feste Stellung.

1625

O. schließt sich einer schlesischen Delegation anlässlich des Todes von Erzherzog Karl nach Wien an; Krönung zum poeta laureatus durch Kaiser Ferdinand II. (von einem lateinischen Lobgedicht aus dem Stegreif beeindruckt). 

1626

Unter Zusicherung freier Religionsausübung Ernennung zum Sekretär und Leiter der geheimen Kanzlei von Dohnas, der vom Kaiser mit der Durchführung der Gegenreformation in Schlesien betraut ist. In diplomatischer Mission in Berlin, Dresden, Warschau, Prag.

1627

Erhebung in den Adelsstand ("von Boberfeld").

1629

Aufnahme in die Fruchtbringende Gesellschaft; Gesellschaftsname "Der Gekrönte".

1630

Diplomatische Reise nach Paris, dem Zentrum europäischer Gelehrsamkeit; inniges Verhältnis zum aus der Heimat verbannten holländischen Staatsrechtslehrer Hugo Grotius.

1632

Opitz´ Gönner von Dohna muss nach der Einnahme Breslaus durch die Schweden nach Böhmen fliehen, wo er 1633 stirbt.

1633

O. bewirbt sich mit Erfolg wieder um die Gunst der Herzöge von Liegnitz und Brieg; in diplomatischer Mission an verschiedenen protestantischen Höfen Deutschlands.

1635

Prager Separatfrieden mit Sachsen: Breslau ist erneut dem Druck Habsburgs ausgesetzt; O. geht mit den schlesischen Herzögen nach Thorn und erwirbt sich durch ein Lobgedicht die Gunst des polnischen Königs Wladislaw IV.

1637

Stelle als königlicher Sekretär und Historiograph; O. lässt sich auf Wunsch des Königs im polnischen Vorposten und Nachrichtenzentrum Danzig nieder.

1639

Pesttod (angesteckt von einem Bettler, dem er ein Almosen gegeben hatte).


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung in)

Gedichte

1616

Strenarum libellus (21 Gedichte)

1623

Zlatna oder von der Ruhe des Gemütes (Lehrgedicht)
Lob des Feldtlebens (Lehrgedicht)

1624

Lobgesang vber den frewdenreichen Geburtstag Vnseres Herrn vnd Heilandes Jesu Christi
Die Episteln der Sonntage vnd fürnehmsten Feste des gantzen Jahres
Teutsche Pöemata vnd Aristarchvs wieder die verachtung Teutscher Sprach

1625

Acht Bücher Deutscher Poematum (verm. 1629; verb. 1637, 2 Bde.)

1626

Die Klage-Lieder Jeremia sampt noch anderen seiner newen Gedichten

1628

Lob des Krieges Gottes Martis

1629

Vielguet (Lehrgedicht)

1631

Silvarum libri III. Epigrammatum liber unus (Gedichte und Epigramme)

1633

Vesuvius. Poema Germanicum

1637

Lobgedicht auf den polnischen König Wladislaw IV.

1638

Weltliche Poëmata. Geistliche Poëmata (2 Bde.; verb. Neuauflage 1645/46)

Epos

1633 (1621 e)

Trost Gedichte in Widerwertigkeit desz Krieges (anonym)

Erzählung

1630

Schäfferey von der Nimfen Hercinie

Opern-Libretto

1627
(a Torgau)

Dafne (nach Rinuccini; erste deutsche Oper, vertont v. Heinrich Schütz; )

Schriften

1617

Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae (Bekenntnis zur deutschen Dichtung)

1624

Buch von der Deutschen Poeterey

Übersetzungen (Auswahl)

1622

D. Heinsius: Hymnus oder Lobgesang Bacchi

1625

Seneca: Troerinnen

1626-31

J. Barclay: Argenis (2 Teile)

1627

Salomons des Hebreischen Königes Hohes Liedt

1631

H. Grotius: Von der Wahrheit der christlichen Religion

1635

AT: Judith

1636

Sophokles: Antigone

1638

Sir Philipp Sidney: Arcadia der Gräfin von Pembrock

Werkausgaben

1889

Weltliche und geistliche Dichtung, hg. v. H. Oesterley, Berlin/Stuttgart: Spemann

1968-1990

Gesammelte Werke. Kritische Ausgabe, hg. v. George Schulz-Behrend, Stuttgart: Hiersemann (4 Bde.)


 

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