* zwischen 1376 und 1378 Südtirol (wahrscheinlich Burg Schöneck
im Pustertal; Säben? Trostburg? Wolkenstein?) + 2. August 1445 Meran begraben: Kloster Neustift bei Brixen |
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Spross der Tiroler Adelsfamilie Villanders; der Urgroßvater Randolt von Villanders, Verwalter der bischöflichen Burg Säben, kauft 1293 die Burg Wolkenstein im Grödnertal, nach der sich die Familie seit dem Ende des 14. Jhs. nennt. Vater: Friedrich von Wolkenstein; Mutter: Katharina von Villanders; zweiter von drei Söhnen (älterer Bruder: Michael, jüngerer: Leonhard); daneben vier Töchter. Oswald verliert durch einen Unfall (?) in frühester Jugend das rechte Auge (möglicherweise aber auch eine angeborene Lidlähmung).
1417 |
Heirat mit Margarete von Schwangau (Gret, die stolze Swäbin) aus wohlhabender Adelsfamilie; 7 Kinder |
Ritterlicher
Lyriker und Komponist, Kind des Spätmittelalters: genialer Einzelgänger, abenteuerliches
Leben, das sich äußerlich recht gut nachzeichnen lässt (Urkunden, Porträts,
biographische Elemente in den Liedern). Mit der Liedmusik der Franzosen, Niederländer und
Italiener vertraut; ungewöhnlich schöpferisches Talent; gehört zu den schwierigsten
Dichtern des Mittelalters (Wortfülle und Wortschöpfungen); vitale,
sinnlich-gegenständliche Erfahrung der Welt; oft beißender Humor.
Liebesdichtung, geistliche Dichtung, biographische Dichtung,
Kleindichtung/Spruchdichtung.126 echte Lieder, 122 Kompositionen (82 einstimmige, 40
mehrstimmige); zwei Umdichtungen lateinischer Sequenzen.
um 1387 - 1399/ 1400 |
O. verlässt als 10-Jähriger das Elternhaus; zieht jahrelang (wohl als Knappe eines fahrenden Ritters) in vielen Ländern umher (Preußen, Rumänien, Türkei, angeblich bis nach Persien; Ungarn, Böhmen, Spanien: vgl. sein autobiographisches Lied Es fügt sich... von 1416); Erlernung des Ritterhandwerks und der höfischen Fertigkeiten. |
1399 |
Tod des Vaters. |
1400 |
Oswald wieder in Tirol. |
1401-1402 |
Teilnahme am unglücklichen Italienfeldzug des deutschen Königs Ruprecht von der Pfalz; Streit um das väterliche Erbe, das vom älteren Bruder Michael verwaltet wird. |
1407 |
Teilung des elterlichen Erbes zwischen den Brüdern Michael, Oswald und Leonhard; an O. geht u.a. ein Drittel der Burg Hauenstein bei Seis am Schlern (Lehen des Bischofs von Brixen); Besitzer der anderen zwei Drittel ist der Ritter Martin Jäger. O. lässt die Oswald-Kapelle im Dom zu Brixen ausbauen (Fresko von seinem Schiffbruch auf dem Schwarzen Meer). |
1408 |
Denkstein am Brixener Dom (O. als Kreuzritter mit langem Pilgerbart); Liebe zur Frau (oder Tochter) des Brixener Bürgers Hans Hausmann, Sabine (der Überlieferung nach die Tochter Martin Jägers; in den Liedern einmal hausmannin, ansonsten mein lieb, mein puel). |
1409/10 |
Pilgerfahrt ins Heilige Land. |
1411 |
Erwerb des Wohnrechts im Chorherrenstift Neustift bei Brixen. |
1415 |
Im Gefolge Herzog Friedrichs IV. von Tirol auf dem Konzil von Konstanz; Aufnahme in den Dienst König Sigmunds (des deutschen Königs und Königs von Ungarn) mit einem Jahresgehalt von 300 ungarischen Gulden. Höhepunkt seines Lebens: Gesandtschaftsreise über England und Schottland nach Portugal (Bemühungen um die Beseitigung des Schismas); von dort aus Teilnahme an der Eroberung der maurischen Stadt Ceuta in Marokko; 18. September: O. erlebt in Perpignan den prächtigen Einzug König Sigmunds. In seinem Gefolge in Frankreich bis ins Frühjahr 1416. |
1417 |
Wieder in Konstanz; später in Tirol; im Adelsbund gegen den Landesherrn Friedrich IV. von Tirol. |
1418 |
Widerrechtliche Aneignung der Burg Hauenstein. |
1419 |
Reise nach Ungarn zu König Sigmund. |
1421 |
O. wird von der hausmannin in einen Hinterhalt gelockt, von den Männern der Jägerschen Partei überwältigt und als Gefangener nach Schloss Forst bei Meran geführt und gefoltert (muss später lange an der Krücke gehen), gibt den Anspruch auf Hauenstein aber nicht auf. 17.12.: Überführung in die Gefangenschaft Herzog Friedrichs IV. nach Innsbruck (hausmannin evtl. Geliebte des Herzogs). |
1422 |
18.3.: O. kommt gegen eine Bürgschaft von 6000 Dukaten, die Oswalds Freunde aufbringen, für fünf Monate frei, um sich mit Jäger zu einigen. Einigung kommt nicht zustande; Rückkehr in die Gefangenschaft. |
1423 |
Auflösung des Adelsbundes; O. wird aus der Haft entlassen. Bürgschaftsbrief bleibt beim Herzog, der auf der Forderung von 6000 Dukaten beharrt. O. sucht in den Folgejahren vergeblich Hilfe bei Sigmund und anderen Fürsten, vor allem bei Pfalzgraf Ludwig III. in Heidelberg. |
1427 |
O. wird auf den Landtag in Bozen geladen, verlässt aber heimlich das Land, wird aufgegriffen und als Gefangener auf die Burg Vellenberg bei Axams, dann nach Innsbruck gebracht. Aufgrund des beherzten Eintretens seiner Freunde kommt es zu einem Kompromiss; der alte Streit wird beigelegt, Martin Jäger wird abgefunden, Hauenstein bleibt im Besitz Oswalds, Oswald schwört Urfehde. |
1428 |
Jahrzehntelanger Streit mit seinen Verwandten wegen der Bürgschaft von 1422, in dem sich O. auch an das Femegericht wendet; deshalb wahrscheinlich Reise nach Westfalen, um sich in die Geheimnisse des Femerechts einführen zu lassen. |
1429 |
Streit zwischen dem Domkapitel von Brixen und dem neuen Bischof Ulrich Putsch; O. hilft bei der Verhaftung des Bischofs, versetzt ihm einen kräftigen Faustschlag. |
1431 |
Zusammen mit Bruder Michael Teilnahme am Reichstag von Nürnberg; Mitglied im Drachenorden; evtl. Teilnahme am Hussiten-Feldzug. |
1432 |
Bei König Sigmund in Piacenza und Parma; Ende Mai Reise nach Basel als Begleiter des königlichen Gesandten. |
1439 |
Letzte Verwicklung in die Politik: Herzog Friedrich IV. von Tirol stirbt; eine Kommission von fünf angesehenen Männern - unter ihnen O. - inventarisiert das Erbe und bewahrt es unter gemeinsamem Verschluss für den minderjährigen Sohn Sigmund (O. erhält zwei Schlüssel).. |
1445 |
Teilnahme am Landtag in Meran; Tod. |
Für die Datierung der Lieder
gibt es nur zwei sichere Anhaltspunkte: Die meisten Lieder müssen vor 1425 entstanden
sein, weil sie in der Hs A auftauchen; zum zweiten kann man Lieder mit biographischen
Anspielungen zeitlich ungefähr festlegen.
Einteilungsschemata:
Josef Schatz (Grundlage: Hs A):
vor 1414 |
1. Gruppe (57 Lieder): zumeist vor dem Beginn des Konstanzer Konzils entstanden; frühe Lieddichtung nach der Heimkehr 1401; vermutlich auch schon einige im heiligen Land entstandene religiöse Lieder. |
nach 1414 |
2. Gruppe (68/69 Lieder): Lyrik der reifen und späten Mannesjahre (Aufbruch der Zecher Schatz Nr.42; großes autobiographisches Gedicht Nr.64, Fastnachtsgesang des Gelähmten mit der Krücke Nr.86, Bußgedanken Nr.109) |
Karl Kurt Klein (Grundlage: Hs B):
Ordnung nach "Tönen": Strophengefüge und Liedweise werden zusammengebracht.
Sammelhandschriften
1425 |
A. Wiener Pergamenthandschrift (Texte mit Noten): Grundsammlung von 42 Liedern (1425 abgeschlossen); 1427-1436: Hinzufügung von 66 weiteren Gedichten (zweiter Schreiber) |
1432 |
B. Innsbrucker Pergamenthandschrift (Texte mit Noten; zweiter Schreiber) |
1450 |
C. Innsbruck-Trostburger Handschrift (Texte ohne Noten): in der Hauptsache eine Abschrift von B |
Ausgaben
1847 |
Die Gedichte Oswalds von Wolkenstein (B. Weber) |
1902 |
Geistliche und weltliche Lieder. Bearbeitet von Josef Schatz (Text) und Oswald Koller (Musik), Wien (= Denkmäler der Tonkunst in Österreich 18) |
1904 |
Die Gedichte Oswalds von Wolkenstein. Hrsg. von J. Schatz, 2. verbesserte Ausgabe, Göttingen |
1962 |
Die Lieder Oswalds von Wolkenstein. Unter Mitwirkung von Walter Weiß und Notburga Wolf hrsg. von Karl Kurt Klein, Musikanhang von Walter Salmen, Tübingen (= Altdeutsche Textbibliothek 55) |
Link:
Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft
Es fuegt sich, do ich was von zehen jaren alt,
ich wolt besehen, wie die welt wär gestalt.
mit ellend, qrmuet mangen winkel haiss und kalt
hab ich gepaut pei cristen, kriechen, haiden.
Drei pfenning in dem peutel und ain stücklin prot
das was von haim mein zerung, do ich loff in not.
von fremden freunden so hab ich manchen tropfen rot
gelassen seider, dass ich want verschaiden.
Ich loff zu fuess mit swärer puess, pis das mir starb
mein vater zwar, wol vierzen jar, nie ross erwarb,
wann ains raubt, stal ich halbs zumal mit valber varb
und des geleich schied ich davon mit laide.
Zwar renner, koch so was ich doch und marstallär,
auch an dem rueder zoch ich zue mir, das was swär,
in Kandia und anderswa auch wider här.
vil mancher kitel was mein pestes klaide.
Gen Preussen, Littwan, Tartarei, Türkei, über mer,
gen Lampart, Frankreich, Ispanien mit zwaien küngesher
traib mich die minn auff meines aigen geldes wer,
Rueprecht, Sigmund, paid mit des adlers streiffen.
Franzoisch, mörisch, katlonisch und kastilian,
teutsch, latein, windisch, lampertisch, reuschisch und roman,
die zehen sprach hab ich gepraucht, wann mir zeran;
auch kund ich vidlen, trummen, pauken, pfeiffen.
Ich hab umbvarn insel und arn, manig lant
auf scheffen gross, der ich genoss von sturmes pant,
des hoch und nider meres gelider vast berant;
die Swarze Se lert mich ain vass begreiffen,
Do mir zerprach mit ungemach mein wargatin.
ain kauffmann was ich, doch genas ich und kam hin,
ich und ain Reuss; in dem gestreuss haubtguet, gewin
das suecht den grund und swam ich zue dem reiffen.
(1416)