August Graf von Platen
vollst.: Karl August
Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde
Lebensdaten | Werk | externe
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* 24. Oktober 1796 Ansbach + 5. Dezember 1835 Syrakus (wahrscheinlich an den Folgen einer Selbstmedikation) Grabstätte: Syrakus, im Park der Villa Landolina |
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"Platen-Affäre": In der Literaturkomödie Der romantische Oedipus antisemitische Ausfälle Platens gegen Heinrich Heine, dem er die Veröffentlichung von Epigrammen Karl Immermanns übel nimmt, durch die er sich verspottet fühlt. Daraufhin zeichnet Heine in den Bädern von Lucca eine gehässige, persönlich herabwürdigende Karikatur Platens, dessen Homosexualität er bloßstellt (Motto: Will der Herr Graf ein Tänzchen wagen,/So mag er's sagen,/Ich spiel ihm auf). Lyriker
und Dramatiker. Formale Meisterschaft in der Lyrik. Formenvielfalt im
Frühwerk; dann Hinwendung zu orientalischen Gedichtformen (Ghaselen, 1821,
Neue Ghaselen, 1824), zum Sonett (Sonette aus Venedig, 1825), seit
der Übersiedlung nach Italien zu antikisierenden Formen (Acqua Paolina,
1827). Einige Balladen gehörten lange Zeit zum Lektürekanon der Schulen (Der
Pilgrim vor St. Just, 1819 e, Das Grab im Busento, 1820 e, Klagelied
Kaiser Ottos III., 1833 e). Nicht nur ästhetisierende (Tristan,
1825), sondern auch politische Gedichte (Polenlieder, 1831 e): "ohne Platen kein
Herwegh und kein Freiligrath" (Franz Mehring). Führt - gemeinsam mit
Friedrich Rückert - die Ghasele in die deutsche Literatur ein, die Sonette
aus Venedig (1825) - vielfach unter die schönsten Sonette deutscher
Sprache gezählt - beeinflussen Rilke und Thomas Mann. P. selbst sieht
seine dichterische Berufung im Drama und in der Epik. Seine Dramen (in den
Tagebüchern sind mehr als 80 dramatische Stoffe aufgezählt) finden schon zu
seiner Zeit ebenso wenig Resonanz wie sein episches Gedicht Die Abbassiden (1833). |
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1800-01 |
Familienwohnsitz in Schwabach. |
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1806 |
Febr.: Besetzung Ansbachs durch napoleonische Truppen; Franken gerät unter bayerische Herrschaft. Okt.: auf Vermittlung eines Freundes des Vaters Freistelle an der Kadettenschule in München. |
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1810 |
Sept.: Aufnahme in die königlich-bayerische Pagerie (Erziehungsinstitut für königliche Edelknaben). |
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1812 |
Nov.: im bayerischen Hofdienst (Dienst an der königlichen Tafel). Entscheidung für die militärische Laufbahn. |
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1813 |
Okt.: Beginn der Tagebuchaufzeichnungen. |
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1814 |
Meldung zum Militär; Offizierslaufbahn; März: Unterleutnant im Königlichen Leibregiment. |
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1815 |
Apr.-Dez.: Teilnahme am Frankreichfeldzug gegen Napoleon als Leutnant in einer Reservebrigade. |
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1816 |
Sommer: Reise in die Schweiz. Okt.-Jan.: bei den Eltern in Ansbach. |
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1817 |
Juni-Okt.: Urlaubs- und Studienaufenthalt in Schliersee. |
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1818 |
Stipendium für ein dreijähriges Studium, Ziel: Diplomatenlaufbahn; März: Beurlaubung vom Militärdienst; Apr.: offiziell Jurastudium (in Wirklichkeit Sprachen- und Literaturstudien) in Würzburg; Aug.: Ablegen des Abiturientenexamens. |
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1819 |
Liebe zum Kommilitonen Eduard Schmidtlein (Adrast der Tagebücher) wird von diesem zurückgewiesen. Okt.: Orientalistikstudien in Erlangen. |
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1820 |
Jan.: Wanderung nach Bayreuth (Jean Paul); Febr.: Beschluss, das Jurastudium endgültig abzubrechen; persische Sprachstudien; Herbst: Reise nach Wien, Rückreise über Prag und Bayreuth. |
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1821 |
Sept.-Okt.: Reise nach Göttingen. Besuch bei Jacob Grimm in Kassel und bei Goethe in Jena. |
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1822 |
Freundschaft mit dem Chemiker Justus Liebig; unerwiderte Leidenschaft. Mai-Juli: Rheinreise bis Köln. Besuch bei Liebig in Darmstadt, bei August Wilhelm Schlegel, Ernst Moritz Arndt und Friedrich Gottlieb Welcker in Bonn, bei Johann Heinrich Voß und Georg Friedrich Creuzer in Heidelberg. |
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1823 |
Verlängerung des Studienurlaubs. Herbst: Praktikant an der Erlanger Universitätsbibliothek. |
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1824 |
Aug.-Nov.: (ungenehmigte) Reise in die Schweiz und nach Italien, längerer Aufenthalt in Venedig; Nov.-Dez.: Aufenthalt in München. |
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1825 |
2.1.-22.3.: Militärarrest in Nürnberg wegen Urlaubsüberschreitung. Abschied vom Militärdienst. Aug.-Nov.: Reise in die Schweiz; Rückreise über Stuttgart (Gustav Schwab, Ludwig Uhland, Friedrich Matthisson, Sulpiz Boisserée). |
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1826 |
Angeekelt von Deutschland übersiedelt P. nach Italien. 3.9.: von Erlangen aus Aufbruch nach Italien; über Verona und Florenz nach Rom (Ankunft am 24.10., seinem Geburtstag). Pension König Ludwigs I. von Bayern; Jahresgehalt der Cottaschen Buchhandlung. |
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1827 |
Apr.-Aug.: erster Aufenthalt in Neapel; Beziehung zu dem Maler August Kopisch; Sept.: Bruch mit Kopisch; Sorrent, Capri, Salerno, Paestum, Amalfi. Nov.: Rückkehr nach Rom; Bekanntschaft mit dem Bildhauer Bertel Thorvaldsen. |
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1828 |
Apr.: Wanderung durch Mittel- und Norditalien. Sept.: Ernennung zum außerordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie, verbunden mit einer Jahrespension von 500 Gulden. |
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1829/30 |
"Platen-Affäre": persönlich gefärbter öffentlicher Literatenstreit zwischen Platen und Heinrich Heine. |
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1830 |
Mai: Übersiedlung nach Neapel. Juli-Sept.: Aufenthalt in Sorrent. |
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1831 |
Mai: Tod des Vaters in Ansbach. |
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1832 |
21.5.: in Neapel Empfang bei König Ludwig I. von Bayern. Juli: Reise nach Deutschland: Augsburg und München (bei der Mutter). |
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1833 |
Mai-Nov.: Venedig; anschließend bis April 1834 in München. Dez.: Beginn der Korrespondenz mit dem klassischen Philologen Johannes Minckwitz.. |
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1834 |
Mai: Rückkehr nach Italien (Venedig); bis Juli in Florenz, bis Sept. in Neapel (Bekanntschaft mit dem Lyriker Giacomo Leopardi): anschließend wieder Aufenthalt in Florenz. |
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1835 |
Frühjahr: 1. Sizilienreise; Juni: Wanderung durch Kalabrien; Juli: wieder in Neapel; Sept.: auf der Flucht vor der Cholera von Neapel nach Palermo. Wanderung nach Syrakus; ab 11.11. Gast im Hause des Marchese Mario Landolina; 23.11.: heftiger Kolikanfall, den P. für das Symptom der Cholera hält; P. nimmt in Panik eine tödliche Überdosis eines Medikamentes ein. |
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1817 |
Hymne der Genien zum Säkularfest der Reformation |
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1821 |
Ghaselen Lyrische Blätter |
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1823 |
Neue Ghaselen |
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1825 |
Sonette aus Venedig |
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1828 |
Gedichte |
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1839 (1831 e) |
Polenlieder |
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1834 |
Gedichte (2. vermehrte Aufl.) |
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1822 |
Marats Tod |
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1824 |
Schauspiele 1. Bd. (Der gläserne Pantoffel, Komödie; Berengar, Komödie) |
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1828 |
Treue um Treue |
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1826 |
Die verhängnisvolle Gabel (Literaturkomödie) |
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1828 |
Schauspiele (Der Schatz des Rhampsinit, Komödie, 1824 e; Der Turm mit sieben Pforten, Komödie, 1825 e) |
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1829 |
Der romantische Oedipus (Literaturkomödie) |
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1833 |
Die Liga von Cambrai (Weihespiel) |
| Epos |
| 1833 (1830 e) | Die Abbassiden |
| Sammelband |
| 1822 |
Vermischte Schriften (u.a. Marats Tod) |
| Autobiographisches |
| 1896/1900 | Tagebücher (33 Bücher) |
| Schriften |
| 1828 (1825 e) | Das Theater als ein Nationalinstitut betrachtet |
| 1833 | Geschichte des Königreichs Neapel von 1414 bis 1443 |
| Ausgaben |
| 1839 | Gesammelte Werke in einem Band, hg. v. Friedrich von Fugger, Stuttgart/Tübingen: Cotta |
| 1852 | Poetischer und literarischer Nachlaß, hg. v. Johannes Minckwitz, Leipzig (2 Bde.) |
| 1883 | Sämtliche Werke, hg. v. Karl Redlich, Berlin (3 Bde.) |
| 1895 | Werke, hg. v. G. A. Wolff u. V. Schweizer. Kritisch durchgesehene. u. erläuterte Ausgabe, Leipzig/Wien (2 Bde. ) |
| 1896/1900 | Die Tagebücher des Grafen August von Platen, hg. v. Georg v. Laubmann u. Ludwig von Scheffler, Stuttgart (2 Bde.) |
| 1910 | Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe mit Einschluss des handschriftlichen Nachlasses, hg. v. Max Koch und Erich Petzet, Leipzig (12 Bde.) |
| 1911-31 | Briefwechsel, hg. v. Ludwig von Scheffler u. Paul Bornstein, München/Leipzig ( 4 Bde.) |
| 1983 | Werke, hg. v. Jürgen Link, München |
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Das Grab im Busento Nächtlich am Busento lispeln, bei Cosenza, dumpfe Lieder, Und den Fluß hinauf, hinunter, ziehn die Schatten tapfrer Goten, Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben, Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette, In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde, Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe, Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen: Und es sang ein Chor von Männern: »Schlaf in deinen Heldenehren! Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere; 1820 e |
Tristan
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe, Ach, er möchte wie ein Quell versiegen, 1825
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| Acqua Paolina Kein Quell, wieviel auch immer das schöne Rom Flutspendend ausgießt, ob ein Triton es sprützt, Ob sanft es perlt aus Marmorbecken, Oder gigantischen, alten Schalen: Kein Quell, soweit einst herrschte der Sohn des Mars, Dort winkt mir Einsamkeit, die geliebte Braut, Kühn ragt, ein halbentblätterter Mauerkranz, Wo sonst des finsterlockigen Donnergotts Bis jüngst, der Schicksalslaune gewaltig Spiel, Ein Sohn der Freiheit; aber uneingedenk O hätte dein weitschallendes Kaiserwort Nun ist verpönt dein Name, Musik erhöht Und Rom? Es fiel nochmaliger Nacht anheim, Nicht mehr das Schwert handhaben und nicht den Pflug Im Flammenblick nur, oder im edlen Bau 1827
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Amalfi
Festtag ist's und belebt sind Zellen und Gänge des Klosters, Schweige davon! Rings gähnt, wie ein Schlund, die gewisse Zerstörung: Aber ich lasse den Geist abirren. O komm nach
Amalfi, Sprich, was reizender ist? Nach Süden die Fläche der Salzflut, Aber es läßt ehrgeiziger Brust unstäte Begier mich 1827 |