Rainer Maria Rilke
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria ("Rainer" ab 1897)
Lebensdaten | Werk | Links
| Textbeispiele
+29. Dezember 1926 Valmont bei Montreux (Leukämie) begraben: Raron (frz. Rarogne, Wallis); Friedhof bei der Kirche Selbstverfasste
Inschrift auf dem Grabstein: |
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Sohn des Eisenbahninspektors und verhinderten Offiziers Josef Rilke (1838-1906) und seiner Frau Sophie ("Phia"), geb. Entz (1851-1931), einer von gesellschaftlichen Wunschträumen erfüllten, enttäuschten Frau, die sich 1884 von ihrem Mann trennt. Früh verstorbenes Schwesterchen (*+1874), in dessen Rolle R. in früher Kindheit von seiner Mutter gedrängt wird. Hoffnung der Eltern, der Sohn möge über das Militär zu der gesellschaftlichen Stellung aufsteigen, die ihnen versagt blieb; dieser strebt aber nach dem Abitur mit aller Macht zur Dichterexistenz. Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung werden die lebenslange Freundschaft mit Lou Andreas-Salomé (1861-1937) und die Begegnung mit Rodin. Weilt an Hunderten von Orten, genießt die Gastfreundschaft von Gönnern und Verehrerinnen. Lebensmittelpunkt der letzten Jahre: der Schlossturm von Muzot (Wallis).
1901 |
Heirat mit der Bildhauerin Clara Westhoff (1878-1954); Tochter: Ruth (1901-1972) |
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Beziehungen: |
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1893-1895 |
Valerie von
David-Rhonfeld (Vally; *1874; Offiziertstochter) |
Berühmtester deutschsprachiger Lyriker seit Heine. R. gilt am Anfang des Jahrhunderts als d e r Dichter schlechthin; wird z.T. wie ein Heiliger verehrt. Stilexperimente in jungen Jahren, dann Ringen mit der modernen Ausdruckskrise. Suche nach dem poetischen Urzustand, nach Sinnzeichen reinerer Existenz (Rose) im "Weltinnenraum". Sein Werk gehört "zu den Jahrhundertzusammenhängen der deutschen Dichtung, nicht zu denen des Tages" (Musil).
1882-84 |
Besuch der Piaristen-Schule in Prag; nach der Trennung der Eltern bei der Mutter. |
1886-90 |
Militär-Unterrealschule in St. Pölten; Ziel: Offizierskarriere. |
1890-91 |
Militär-Oberrealschule Mährisch-Weißkirchen. Entlassung seines schlechten Gesundheitszustands wegen. |
1891-92 |
Abbruch des Schulbesuchs wegen Krankheit; Handelsakademie in Linz. |
1892 |
Mai: Abbruch der Ausbildung und Rückkehr nach Prag; private Vorbereitung auf die Matura. |
1893-95 |
Erste ernsthafte Liebesbeziehung mit Valerie von David-Rhonfeld. |
1895 |
9.7.: Matura am deutschen Staatsgymnasium Prag-Neustadt; halbherziges Studium in Prag: Philosophie, deutsche Literatur, Kunstgeschichte. |
1896 |
Studium der Rechtswissenschaften; dann Übersiedlung nach München zum Studium der Kunstgeschichte und Ästhetik. |
1897 |
März: Reise nach Arco und Venedig; Mai: erste Bekanntschaft mit Lou Andreas-Salomé; auf ihre Anregung hin Änderung des Vornamens; das unstete Wanderleben beginnt. Herbst: Fortsetzung des Studiums in Berlin; Bekanntschaft mit George und Hauptmann. |
1897-00 |
Berliner Jahre. |
1898 |
Reise nach Arco und Florenz; Dez.: Hamburg, Worpswede. |
1899 |
Reisen nach Arco, Prag, Wien (Schnitzler, Hofmannsthal); Apr. - Juni: erste Russland-Reise mit dem Ehepaar Andreas: Moskau (Tolstoi). |
1900 |
Mai - Aug.: zweite Russland-Reise mit Lou Andreas-Salomé: Moskau, Tula (Tolstoi), Kiew, Wolgafahrt, St. Petersburg; Entfremdung und Trennung. Aug.: Besuch bei Heinrich Vogeler in Worpswede; Bekanntschaft mit Paula Modersohn-Becker und Clara Westhoff. |
1901 |
März: zur Mutter nach Arco; Übersiedlung nach Westerwede bei Bremen; Apr.: Heirat; materielle Sorgen. |
1902 |
Die Wege der Ehegatten trennen sich. Aug.: Übersiedlung nach Paris, um Rodin kennen zu lernen (geplante Rodin-Monographie). Großstadterlebnis; finanzielle Not. Paris Lebenszentrum bis 1914 |
1903 |
März - Apr.: Reise nach Viareggio; Sommer: Worpswede; Sept.: Italien-Aufenthalt (Venedig, Florenz, Rom; bis Juni 1904). |
1904 |
Juni - Sept.: Reise nach Schweden; Dez.: Oberneuland (bis Febr. 1905). |
1905 |
März - Apr.: Im Sanatorium Weißer Hirsch bei Dresden (Freundschaft mit der Gräfin Luise Schwerin, 1849-1906); Berlin, Worpswede, Göttingen, Kassel, Marburg, Darmstadt. Sept. - Okt.: Privatsekretär Rodins in Meudon; Vortragsreisen. |
1906 |
Mai: Bruch mit Rodin. März: Tod des Vaters. Juli: Reise nach Belgien; Dez.: in der Villa Discopoli auf Capri (bis Mai 1907). |
1907 |
Paris; Begeisterung für Cézanne. Vortragsreisen; Nov.: Venedig. |
1908 |
Berlin, München, Rom; Feb. - Apr.: Capri; Mai: Wohnung in Paris. |
1909 |
Mai: Provence-Reise; Okt.: Avignon; Dez.: Bekanntschaft mit der Fürstin Marie von Thurn und Taxis. |
1910 |
Vortragsreisen; März - Mai: Italien (Rom, Duino, Venedig); Mai - Juli: Paris (André Gide); Sommer: bei der Familie in Oberneuland; Herbst/Winter: Reisen nach München, Köln, Paris, Algier, Tunis. |
1911 |
Ägypten-Reise; Apr. - Juli: Paris; Juli: Böhmen; Sep.: Deutschland-Reise; Okt.: Paris; Gast der Fürstin von Thurn und Taxis in Duino (bis Mai 1912). |
1912 |
Venedig; Nov.: Spanienreise (Toledo, Madrid, Sevilla, Ronda; bis Feb. 1913). |
1913 |
Feb.: Paris; Sommer: an verschiedenen Orten in Deutschland; Okt.: Paris. |
1914 |
Jan.: Beginn des Briefwechsels mit Magda von Hattingberg, Liebesverhältnis. Feb. - März: Berlin, München, Zürich; März: Paris; Apr.: Italien (Duino, Venedig, Assisi, Mailand); Mai - Juli: Paris; Juli: Leipzig, München. Kriegsausbruch; Beschlagnahme des Besitzes in Frankreich. Irschenhausen (Malerin Lulu Albert-Lasard); Sep.: Umzug nach München. |
1915 |
Dez.: Berlin, Wien (Sigmund Freud). |
1916 |
Jan.: drei Wochen Infanterieausbildung beim österreichischen Landsturm; dann als Schreiber im Kriegsarchiv Wien (zum "Heldenfrisieren"); Juni: Entlassung. Rodaun (Lulu, Hofmannsthal). Juli: Rückkehr nach München. |
1919 |
Juni: Rückzug in die Schweiz. Nyon, Soglio; Vortragsreisen; Winterthur, Locarno. |
1920 |
Basel, Pratteln. Sommer: Venedig; Nov: auf Schloss Berg am Irchel (bis Mai 1921). |
1921 |
Verhältnis mit der Malerin Baladine Klossowska; Mai - Juni: Prieuré d´Etoy und Sierre; Juli: Übersiedlung in den Schlossturm von Muzot (mietfrei vom Mäzen Werner Reinhart überlassen). |
1922 |
Heirat der Tochter Ruth. |
1923 |
Reisen in der Schweiz. Gesundheitliche Probleme; Dez.: Kuraufenthalt im Sanatorium Valmont sur Territet (bis Jan. 1924). |
1924 |
Apr.: Besuch Paul Valérys in Muzot; Nov.: Valmont (bis Jan. 1925). |
1925 |
Jan. - Aug.: Paris (Valéry, Claudel, Hofmannsthal, Gide); Muzot; Sep.: Bad Ragaz; Nov: Valmont (bis Mai 1926). |
1926 |
Rückkehr nach Muzot; Juli: Bad Ragaz; Sep. - Nov.: Lausanne, Sierre; 30.11.: Sanatorium in Valmont; Diagnose: unheilbare Leukämie. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Gedichtbände
1894 |
Leben und Lieder. Bilder und Tagebuchblätter |
1896 |
Larenopfer |
1897 |
Traumgekrönt. Neue Gedichte |
1898 |
Advent |
1899 |
Mir zur Feier. Gedichte |
1902 |
Das Buch der Bilder |
1905 |
Das
Stunden-Buch |
1907 |
Neue Gedichte |
1908 |
Der Neuen Gedichte anderer Teil |
1909 |
Die frühen Gedichte |
1909 |
Requiem (für Paula Becker-Modersohn und Graf Wolf Kalckreuth) |
1913 |
Erste Gedichte |
1913 |
Das Marien-Leben |
1915 |
Fünf Gesänge |
1923 |
Duineser Elegien |
1923 |
Die Sonette an Orpheus |
1926 |
Vergers suivi des Quatrains Valaisans |
1927 |
Les Fênetres. Dix poèmes |
1927 |
Les Roses |
1903 |
Worpswede. Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Hans am Ende, Heinrich Vogeler |
1903 |
Auguste Rodin |
erzählende Prosa
1899 |
Zwei Prager Geschichten |
1900 |
Vom lieben Gott und Anderes (= Geschichten vom lieben Gott) |
1902 |
Die Letzten |
1904 |
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke |
1910 |
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge |
dramatische Dichtungen
1920 |
Die weiße Fürstin. Eine Szene am Meer |
1902 |
Das tägliche Leben. Drama in 2 Akten |
Übertragungen
Ausgaben
1927 |
Gesammelte Werke, Leipzig (6 Bde.) |
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1930-34 |
Gesammelte Gedichte, Leipzig (4 Bde.) |
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1938 |
Ausgewählte Werke, hg. vom Rilke-Archiv Weimar, Leipzig (2 Bde.) |
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1955ff. |
Sämtliche Werke, hg. v. Rilke-Archiv, Wiesbaden |
Links:
Internationale
Rilke-Gesellschaft
rilke.de
Gedichte von Rainer Maria Rilke
Texte von Rainer Maria Rilke
Herbsttag Herr: es ist Zeit. Der Sommer
war sehr groß. Befiehl den letzten Früchten
voll zu sein; Wer jetzt kein Haus hat, baut
sich keines mehr.
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Im Jardin des Plantes
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| Spätherbst
in Venedig
Nun treibt die Stadt schon
nicht mehr wie ein Köder, der Sommer wie ein Haufen
Marionetten der General des Meeres die
Galeeren mit einer Flotte, welche
ruderschlagend (1908 e)
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Ausgesetzt auf den Bergen des HerzensAusgesetzt
auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
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