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Joseph Roth
 
vollst.: Moses Joseph Roth

Lebensdaten | Werk

Roth-Texte online


 
* 2. September 1894 Schwabendorf
bei Brody/Ostgalizien

+ 27. Mai 1939 Paris (Herzschwäche, Leberzirrhose)

Grabstätte: Paris, Friedhof Thiais

(Grabinschrift: "JOSEPH ROTH, Écrivain Autrichien, Mort à Paris en Exil")
 

  

 
Joseph Roth 1926
Bildquelle: Wikipedia
 

   
Bedeutender österreichischer Erzähler und glänzender Feuilletonist. Wiederentdeckung in den fünfziger Jahren.
  In den frühen Romanen Reportageelemente der "Neuen Sachlichkeit", oftmals Verwendung von autobiographischen Motiven; Spiegelung der zeitgenössischen Krisensituation: Thematisiert werden die Schicksale von Menschen, die unter den Kriegsfolgen zu leiden haben. Ende der zwanziger Jahre Abschied von dokumentarischen Tendenzen, Zuwendung zu einem "klassischen Realismus"; Thema: Niedergang und Zerfall einer absterbenden Epoche; zunehmend religiöse Existenzdeutung.

      

Einziger Sohn des jüdischen Getreideeinkäufers und Holzhändlers Nachum Roth (+1910), der vor Roths Geburt auf einer Geschäftsreise psychisch erkrankt und nicht mehr zur Familie zurückkehrt. Erziehung durch die Mutter Maria, geb. Grübel (1872-1922), und den Großvater Jechiel Grübel.
  Unstetes Journalisten- und Literatenleben im Hotel und Kaffeehaus. Politisch ursprünglich linksliberal eingestellt; nach der Russlandreise 1926 desillusioniertes Urteil über die kleinbürgerliche kommunistische Funktionärsherrschaft. Enttäuschung über die Sozialdemokratie; im Exil Plädoyer für die Restauration der Habsburgermonarchie: Gegenentwurf zur faschistischen Gegenwart, der den Fortbestand eines unabhängigen Österreich garantieren soll; nostalgische Sehnsucht nach der Ordnung des Kaiserreichs, ohne es unkritisch zu verklären ("Die kalte Sonne der Habsburger erlosch, aber es war eine Sonne gewesen"). Nach der Annexion Österreichs Resignation: R. verfällt in Folge privater Schicksalsschläge und aus Verzweiflung über die politische Entwicklung der Trunksucht; stirbt im Armenspital.

    

1922

Heirat mit Friederike Reichler ("Friedl", 1900-1940; fällt dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer)

1936-38

Verbindung mit der Schriftstellerin Irmgard Keun


Wichtige Lebensdaten:

1901

Besuch der jüdischen Baron-Hirsch-Gemeindeschule; Unterrichtssprache Deutsch.

1905

K. u. k. Kronprinz-Rudolf-Gymnasium in Brody.

1913

Matura mit Auszeichnung.

1914

Immatrikulation an der Universität Wien: Germanistik und Philosophie; Freundschaft mit Jozef Wittlin.

1915-1916

Erste Veröffentlichungen in Österreichs Illustrierter Zeitung.

1916-1918

Obwohl bei der Musterung für untauglich befunden, freiwillige Meldung zum Kriegsdienst (Galizien, militärische Pressestelle in Wien); Kriegsende in russischer Gefangenschaft.

1918

Entlassung aus der Gefangenschaft; Rückkehr nach Wien. Keine Wiederaufnahme des Studiums.

1919

Beiträge für den linksliberalen Neuen Tag.

1920-1922

Berliner Jahre: Mitarbeit an der Neuen Berliner Zeitung, am Berliner Börsen-Courier und am Vorwärts.

1923

Wien: Mitarbeit an der Arbeiter-Zeitung, am Prager Tagblatt; Rückkehr nach Berlin: Feuilletonkorrespondent der Frankfurter Zeitung.

1925

Pariser Korrespondent der Frankfurter Zeitung: Frankreich-Reise.

1926-1927

Reisen in die Sowjetunion, Albanien, Italien und Polen.

1928

Roths Frau erkrankt an Schizophrenie; beginnende Alkoholsucht; materielle Sorgen.

1929

R.s Frau wird in eine Nervenheilanstalt eingewiesen (Rekawinkel bei Wien).

1933

R.s. Bücher werden in Deutschland verboten. Aufenthalte in Salzburg, Zürich, Marseille, Nizza, Amsterdam, Brüssel, Ostende, Lemberg, Warschau, Wien. - Friederike in der Landesirrenanstalt Am Steinhof in Wien.

1934

Nach der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuß Exil in Paris. Publikationen in Exilzeitschriften, in französischen Literaturblättern; in der Österreichischen Post Plädoyers für eine Restauration der Habsburger Monarchie.

1935

Hinwendung zum Katholizismus. - Friederike wird in die niederösterreichische Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling verlegt.

1936

Aufenthalte in Amsterdam und Ostende.

1936-1938

R. lebt mit der Schriftstellerin Irmgard Keun zusammen.

1937

Vortragsreise durch Polen.

1939

23.5.: Zusammenbruch nach der Nachricht von Ernst Tollers Selbstmord in New York; Einlieferung ins Armenhospital Necker; 27.5. Tod im Delirium tremens nach Herzanfällen, Magenentzündung, Leberzirrhose.

1940

Juli: Friederike Roth wird in der NS-Euthanasieanstalt Schloss Hartheim bei Linz umgebracht.


Werke:
(e = entstanden; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Romane

1923 Z

Das Spinnennetz (Frgm.)

1924

Die Rebellion. Ein Roman
Hotel Savoy. Ein Roman

1927

Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht

1928

Zipper und sein Vater

1929

Rechts und Links

1930

Hiob. Roman eines einfachen Mannes

1932

Radetzkymarsch

1934

Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde

1936

Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht
Die hundert Tage

1937

Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters

1938

Die Kapuzinergruft

1939

Die Geschichte von der 1002. Nacht

1965 Z
(1928 e)

Der stumme Prophet (1929 Z auszugsweise; Frgm.)

1978 (1929 e)

Erdbeeren (Frgm.)

1978 (1930 e)

Perlefter. Die Geschichte eines Bürgers (Frgm.)

Erzählungen

1916 Z

Der Vorzugsschüler

1925

Der blinde Spiegel. Ein kleiner Roman
April. Die Geschichte einer Liebe

1933

Stationschef Fallmerayer

1935

Die Büste des Kaisers
Triumph der Schönheit

1939

Die Legende vom heiligen Trinker

1940

Der Leviathan (urspr. Die Korallen)

Journalistische Arbeiten und sonstige Prosa

1925

Im mittäglichen Frankreich (Artikelfolge)

1926-27

Reise in Rußland (Artikelfolge)

1927

Juden auf Wanderschaft (Slg.)

1928

Seine k. und k. apostolische Majestät

1930

Panoptikum. Gestalten und Kulissen (Auswahl der Zeitungsartikel)

1934

Der Antichrist

Werkausgaben

1956

Werke, hg. v. Hermann Kesten, Köln: Kiepenheuer & Witsch (3 Bde.)

1975-1976

Werke. Neue, erweiterte Ausgabe, hg. v. Hermann Kesten, Köln: Kiepenheuer & Witsch (4 Bde.)

1989-91

Werke, hg. v. Klaus Westermann u. Fritz Hackert, Köln: Kiepenheuer & Witsch (6 Bde.)


     
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