+27. Mai 1939 Paris
(Herzschwäche, Leberzirrhose) Grabstätte: Paris, Friedhof
Thiais ("JOSEPH ROTH, Écrivain Autrichien, Mort à Paris en Exil") |
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Einziger Sohn eines jüdischen
Getreideeinkäufers und Holzhändlers, der vor Roths Geburt auf einer Geschäftsreise
psychisch erkrankt und nicht mehr zur Familie zurückkehrt. Erziehung durch die Mutter
Maria, geb. Grübel, und den Großvater Jechiel Grübel.
Unstetes Journalisten- und Literatenleben im Hotel und Kaffeehaus. Politisch
ursprünglich linksliberal eingestellt; nach der Russlandreise 1926 desillusioniertes
Urteil über die kleinbürgerliche kommunistische Funktionärsherrschaft. Enttäuschung
über die Sozialdemokratie; im Exil Plädoyer für die Restauration der
Habsburgermonarchie: Gegenentwurf zur faschistischen Gegenwart, der den Fortbestand eines
unabhängigen Österreich garantieren soll; nostalgische Sehnsucht nach der Ordnung des
Kaiserreichs, ohne es unkritisch zu verklären ("Die kalte Sonne der Habsburger
erlosch, aber es war eine Sonne gewesen"). Nach der Annexion Österreichs
Resignation: R. verfällt in Folge privater Schicksalsschläge und aus Verzweiflung über
die politische Entwicklung der Trunksucht; stirbt im Armenspital.
| 1922 | Heirat mit Friederike Reichler |
| 1936-38 | Verbindung mit der Schriftstellerin Irmgard Keun |
| 1901 | Besuch der jüdischen Baron-Hirsch-Gemeindeschule; Unterrichtssprache Deutsch. |
| 1905 | K .k. Kronprinz-Rudolf-Gymnasium in Brody. |
| 1913 | Matura mit Auszeichnung. |
| 1914 | Immatrikulation an der Universität Wien: Germanistik und Philosophie; Freundschaft mit Jozef Wittlin. |
| 1915-1916 | Erste Veröffentlichungen in Österreichs Illustrierter Zeitung. |
| 1916-1918 | Obwohl bei der Musterung für untauglich befunden, freiwillige Meldung zum Kriegsdienst (Galizien, militärische Pressestelle in Wien); Kriegsende in russischer Gefangenschaft. |
| 1918 | Entlassung aus der Gefangenschaft; Rückkehr nach Wien. Keine Wiederaufnahme des Studiums. |
| 1919 | Beiträge für den linksliberalen Neuen Tag. |
| 1920-1922 | Berliner Jahre: Mitarbeit an der Neuen Berliner Zeitung, am Berliner Börsen-Courier und am Vorwärts. |
| 1923 | Wien: Mitarbeit an der Arbeiter-Zeitung, am Prager Tagblatt; Rückkehr nach Berlin: Feuilletonkorrespondent der Frankfurter Zeitung. |
| 1925 | Pariser Korrespondent der Frankfurter Zeitung: Frankreich-Reise. |
| 1926-1927 | Reisen in die Sowjetunion, Albanien, Italien und Polen. |
| 1928 | Roths Frau erkrankt an Schizophrenie; beginnende Alkoholsucht; materielle Sorgen. |
| 1929 | R.s Frau wird in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. |
| 1933 | R.s. Bücher werden in Deutschland verboten. Aufenthalte in Salzburg, Zürich, Marseille, Nizza, Amsterdam, Brüssel, Ostende, Lemberg, Warschau, Wien. |
| 1934 | Nach der Ermordung des österreichischen Bundeskanzler Dollfuß Exil in Paris. Publikationen in Exilzeitschriften, in französischen Literaturblättern; in der Österreichischen Post Plädoyers für eine Restauration der Habsburger Monarchie. |
| 1935 | Hinwendung zum Katholizismus. |
| 1936 | Aufenthalte in Amsterdam und Ostende. |
| 1936-1938 | R. lebt mit der Schriftstellerin Irmgard Keun zusammen. |
| 1937 | Vortragsreise durch Polen. |
| 1939 | 23.5.: Zusammenbruch nach der Nachricht von Ernst Tollers Selbstmord in New York; Einlieferung ins Armenhospital Necker; 27.5. Tod im Delirium tremens nach Herzanfällen, Magenentzündung, Leberzirrhose. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Romane
| 1923 | Das Spinnennetz (Frgm.) |
| 1924 | Rebellion Hotel Savoy |
| 1927 | Die Flucht ohne Ende |
| 1928 | Zipper und sein Vater |
| 1929 | Rechts und Links |
| 1966 | Der stumme Prophet |
| 1978 | Perlefter. Die Geschichte eines Bürgers (Frgm.) |
| 1930 | Hiob |
| 1932 | Radetzkymarsch |
| 1934 | Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde |
| 1936 | Beichte eines Mörders Hundert Tage |
| 1937 | Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters |
| 1938 | Die Kapuzinergruft |
| 1939 | Die Geschichte von der 1002. Nacht |
| 1916 | Der Vorzugsschüler |
| 1925 | Der blinde Spiegel April. Die Geschichte einer Liebe |
| 1933 | Stationschef Fallmerayer |
| 1935 | Die Büste des Kaisers Triumph der Schönheit |
| 1939 | Die Legende vom heiligen Trinker |
| 1940 | Der Leviathan (urspr. Die Korallen) |
journalistische Arbeiten und sonstige Prosa
| 1925 | Im mittäglichen Frankreich (Artikelfolge) |
| 1926-27 | Reise in Rußland (Artikelfolge) |
| 1927 | Juden auf Wanderschaft (Slg.) |
| 1928 | Seine k. und k. Apostolische Majestät |
| 1930 | Panoptikum (Auswahl der Zeitungsartikel) |
| 1934 | Der Antichrist |
Ausgaben
| 1956 | Werke, hg. v. Hermann Kesten, Köln (3 Bde.) |
| 1975-1976 | Werke. Neue, erweiterte Ausgabe, hg. v. Hermann Kesten, Köln/Berlin (4 Bde.) |
| 1990ff. | Werke, hg. v. Fritz Hackert u. Klaus Westermann, Köln (6 Bde.) |
| 1970 | Der Neue Tag. Unbekannte politische Arbeiten 1919-1927. Wien, Berlin, Moskau |
| 1984 | Berliner Saisonbericht. Reportagen und journalistische Arbeiten 1920-1939 |
| 1970 | Briefe 1911-1939, hg. v. Hermann Kesten, Köln/Berlin |