Joseph Roth
Moses Joseph Roth
Lebensdaten Werk


 
*2. September 1894 Schwabendorf
bei Brody/Ostgalizien

+27. Mai 1939 Paris (Herzschwäche, Leberzirrhose)

Grabstätte: Paris, Friedhof Thiais ("JOSEPH ROTH, Écrivain Autrichien, Mort à Paris en Exil")
 


Einziger Sohn eines jüdischen Getreideeinkäufers und Holzhändlers, der vor Roths Geburt auf einer Geschäftsreise psychisch erkrankt und nicht mehr zur Familie zurückkehrt. Erziehung durch die Mutter Maria, geb. Grübel, und den Großvater Jechiel Grübel.
  Unstetes Journalisten- und Literatenleben im Hotel und Kaffeehaus. Politisch ursprünglich linksliberal eingestellt; nach der Russlandreise 1926 desillusioniertes Urteil über die kleinbürgerliche kommunistische Funktionärsherrschaft. Enttäuschung über die Sozialdemokratie; im Exil Plädoyer für die Restauration der Habsburgermonarchie: Gegenentwurf zur faschistischen Gegenwart, der den Fortbestand eines unabhängigen Österreich garantieren soll; nostalgische Sehnsucht nach der Ordnung des Kaiserreichs, ohne es unkritisch zu verklären ("Die kalte Sonne der Habsburger erlosch, aber es war eine Sonne gewesen"). Nach der Annexion Österreichs Resignation: R. verfällt in Folge privater Schicksalsschläge und aus Verzweiflung über die politische Entwicklung der Trunksucht; stirbt im Armenspital.

1922 Heirat mit Friederike Reichler
1936-38 Verbindung mit der Schriftstellerin Irmgard Keun

Bedeutender österreichischer Erzähler und glänzender Feuilletonist. Wiederentdeckung in den fünfziger Jahren.
  In den frühen Romanen Reportageelemente der "Neuen Sachlichkeit", oftmals Verwendung von autobiographischen Motiven; Spiegelung der zeitgenössischen Krisensituation: Thematisiert werden die Schicksale von Menschen, die unter den Kriegsfolgen zu leiden haben. Ende der zwanziger Jahre Abschied von dokumentarischen Tendenzen, Zuwendung zu einem "klassischen Realismus"; Thema: Niedergang und Zerfall einer absterbenden Epoche; zunehmend religiöse Existenzdeutung.


wichtige Lebensdaten:

1901 Besuch der jüdischen Baron-Hirsch-Gemeindeschule; Unterrichtssprache Deutsch.
1905 K .k. Kronprinz-Rudolf-Gymnasium in Brody.
1913 Matura mit Auszeichnung.
1914 Immatrikulation an der Universität Wien: Germanistik und Philosophie; Freundschaft mit Jozef Wittlin.
1915-1916 Erste Veröffentlichungen in Österreichs Illustrierter Zeitung.
1916-1918 Obwohl bei der Musterung für untauglich befunden, freiwillige Meldung zum Kriegsdienst (Galizien, militärische Pressestelle in Wien); Kriegsende in russischer Gefangenschaft.
1918 Entlassung aus der Gefangenschaft; Rückkehr nach Wien. Keine Wiederaufnahme des Studiums.
1919 Beiträge für den linksliberalen Neuen Tag.
1920-1922 Berliner Jahre: Mitarbeit an der Neuen Berliner Zeitung, am Berliner Börsen-Courier und am Vorwärts.
1923 Wien: Mitarbeit an der Arbeiter-Zeitung, am Prager Tagblatt; Rückkehr nach Berlin: Feuilletonkorrespondent der Frankfurter Zeitung.
1925 Pariser Korrespondent der Frankfurter Zeitung: Frankreich-Reise.
1926-1927 Reisen in die Sowjetunion, Albanien, Italien und Polen.
1928 Roths Frau erkrankt an Schizophrenie; beginnende Alkoholsucht; materielle Sorgen.
1929 R.s Frau wird in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.
1933 R.s. Bücher werden in Deutschland verboten. Aufenthalte in Salzburg, Zürich, Marseille, Nizza, Amsterdam, Brüssel, Ostende, Lemberg, Warschau, Wien.
1934 Nach der Ermordung des österreichischen Bundeskanzler Dollfuß Exil in Paris. Publikationen in Exilzeitschriften, in französischen Literaturblättern; in der Österreichischen Post Plädoyers für eine Restauration der Habsburger Monarchie.
1935 Hinwendung zum Katholizismus.
1936 Aufenthalte in Amsterdam und Ostende.
1936-1938 R. lebt mit der Schriftstellerin Irmgard Keun zusammen.
1937 Vortragsreise durch Polen.
1939 23.5.: Zusammenbruch nach der Nachricht von Ernst Tollers Selbstmord in New York; Einlieferung ins Armenhospital Necker; 27.5. Tod im Delirium tremens nach Herzanfällen, Magenentzündung, Leberzirrhose.

Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1923 Das Spinnennetz (Frgm.)
1924 Rebellion
Hotel Savoy
1927 Die Flucht ohne Ende
1928 Zipper und sein Vater
1929 Rechts und Links
1966 Der stumme Prophet
1978 Perlefter. Die Geschichte eines Bürgers (Frgm.)
1930 Hiob
1932 Radetzkymarsch
1934 Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde
1936 Beichte eines Mörders
Hundert Tage
1937 Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters
1938 Die Kapuzinergruft
1939 Die Geschichte von der 1002. Nacht

Erzählungen

1916 Der Vorzugsschüler
1925 Der blinde Spiegel
April. Die Geschichte einer Liebe
1933 Stationschef Fallmerayer
1935 Die Büste des Kaisers
Triumph der Schönheit
1939 Die Legende vom heiligen Trinker
1940 Der Leviathan (urspr. Die Korallen)

journalistische Arbeiten und sonstige Prosa

1925 Im mittäglichen Frankreich (Artikelfolge)
1926-27 Reise in Rußland (Artikelfolge)
1927 Juden auf Wanderschaft (Slg.)
1928 Seine k. und k. Apostolische Majestät
1930 Panoptikum (Auswahl der Zeitungsartikel)
1934 Der Antichrist

Ausgaben

1956 Werke, hg. v. Hermann Kesten, Köln (3 Bde.)
1975-1976 Werke. Neue, erweiterte Ausgabe, hg. v. Hermann Kesten, Köln/Berlin (4 Bde.)
1990ff. Werke, hg. v. Fritz Hackert u. Klaus Westermann, Köln (6 Bde.)
1970 Der Neue Tag. Unbekannte politische Arbeiten 1919-1927. Wien, Berlin, Moskau
1984 Berliner Saisonbericht. Reportagen und journalistische Arbeiten 1920-1939
1970 Briefe 1911-1939, hg. v. Hermann Kesten, Köln/Berlin

 

 

 

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