Friedrich Schlegel
vollst. Name: Karl Wilhelm Friedrich Schlegel; seit 1815
Friedrich von Schlegel
Lebensdaten Werk
* 10. März 1772 Hannover + 12. Januar 1829 Dresden (Schlagfluss) Grabstätte: Dresden, Alter katholischer Friedhof |
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Jüngstes von sieben Kindern des Pfarrers, späteren Generalsuperintendenten und Konsistorialrats Johann Adolf Schlegel (1721-1793) und seiner Frau Johanna Christiane Erdmuthe, geb. Hübsch. Entschieden protestantischer und kulturell ambitionierter Familienhintergrund. Der Onkel Johann Elias Schlegel ist der bedeutendste deutsche Kritiker vor Lessing. Älterer Bruder: August Wilhelm (1767-1845). Gilt in seiner Jugend als schwierig (Selbstmordgedanken) und schwach begabt. Zunächst Kaufmannslehre im Bankhaus Schlemm in Leipzig, die er abbricht. Auf das Studium bereitet sich S., der kein Gymnasium besucht hat, unter Anleitung seines Bruders vor. Dem Wandel seines Lebens - kaufmännischer Lehrling, Privatgelehrter, später geadelter hoher Diplomat in österreichischen Diensten - entsprechen seine geistigen Neuorientierungen vom Protestanten zum Katholiken, vom revolutionären Programmatiker zum restaurativen Kulturkonservativen, vom Frühromantiker zum philosophischen Mystiker.
| 1804 | Eheschließung mit Dorothea Veit, geb. Mendelssohn (1763-1839; Tochter von Moses Mendelssohn, Gattin des Bankiers Simon Veit, Mutter des Malers Philipp Veit [1793-1877]; Zusammenleben seit 1798) |
Kritiker,
Ästhetiker, Literaturhistoriker, Aphoristiker, Herausgeber und Dichter.
Führender
Theoretiker der Frühromantik und Begründer der wissenschaftlichen
Literaturgeschichte.
Auszeichnungen:
| 1815 | Erhebung in den Adelsstand Christusorden des Papstes |
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1788 |
Abbruch der kaufmännischen Lehre. |
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1789 |
Vorbereitung auf das Studium ("Lesewut": Platon, Winckelmann). Jurastudium in Göttingen, wo August Wilhelm seit 1786 klassische Philologie studiert. Besuch philologischer Vorlesungen. |
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1791-93 |
Fortsetzung des Studiums in Leipzig. Umfangreiche Beschäftigung mit Literatur, Kunsttheorie, Philosophie und Geschichte. |
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1792 |
Beginn der Freundschaft mit Novalis; Bekanntschaft mit Schiller. "Sehnsucht nach dem Unendlichen". |
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1793 |
Prägende Freundschaft mit der Arztwitwe Caroline Böhmer (1763-1809), Tochter des Orientalisten Michaelis, seiner späteren Schwägerin (3. Ehe mit Schelling). |
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1794 |
Jan.: Abbruch des Studiums aus Geldnot. Entschluss zur Existenz als freier Schriftsteller. Übersiedlung nach Dresden zur Schwester Charlotte; privates Studium der antiken Klassiker. Plan zu einer Geschichte des klassischen Altertums. Kontakt mit Christian Gottfried Körner. |
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1796 |
Mitarbeit an Johann
Friedrich Reichardts Journal Deutschland. Übersiedlung nach Jena.
Die scharfe Kritik an den Gedichten Schillers in der Rezension des
Schillerschen Musenalmanachs auf das Jahr 1796 im Journal Deutschland
verstimmt Schiller, der in den Xenien seinerseits Schlegel
angreift. Freundschaft mit Fichte, Bekanntschaft mit Goethe, Herder, Wieland. |
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1797 |
Schlegels verletzende Rezension von Schillers Zeitschrift Die Horen führt zum Bruch mit Schiller. Juli: Übersiedlung nach Berlin; Verkehr in den Salons von Rahel Levin und Henriette Herz, wo S. die Bankiersfrau Dorothea Veit kennen und lieben lernt. Verbindung mit Tieck, Freundschaft mit Schleiermacher. Mitarbeit an Reichardts Zeitschrift Lyceum der schönen Künste. |
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1798 |
Dorothea Veit trennt sich von ihrem Mann und lebt nach der Scheidung mit Sch. zusammen. Zusammen mit seinem Bruder Herausgabe der Zeitschrift Athenäum, dem wichtigsten Publikationsorgan der Frühromantik (6 Hefte bis 1800). Sommer: mit Bruder, Schwägerin und Novalis in Dresden; später gesellen sich Schelling und Rahel Levin dazu. Besichtigung der Gemäldegalerie. |
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1799 |
Herbst: Rückkehr von Berlin nach Jena, wohin im Dorothea folgt. Auch Tieck lässt sich Jena nieder. Jenaer Kreis: die Brüder Schlegel und ihre Frauen, Tieck, Novalis, Schelling. |
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1800 |
Promotion; Dozent für Philosophie an der Universität Jena. Vorlesung über Transzendentalphilosophie im Wintersemester. Beginnende Auflösung des Jenaer Kreises in Folge innerer Spannungen (Zerwürfnis der beiden Schlegel-Frauen). |
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1801 |
Zusammen mit Dorothea Übersiedlung nach Berlin. März: in Weißenfels am Totenbett von Novalis. |
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1802 |
Jan.: Umzug nach Dresden; Frühjahr: mit Dorothea über Leipzig, Weimar und Frankfurt nach Paris. |
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1803 |
Philosophische Vorlesungen in Paris. Beschäftigung mit mittelalterlicher, auch provençalischer Poesie; Sanskritstudium. Herausgabe der Zeitschrift Europa (bis 1805). Bekanntschaft mit den Brüdern Boisserée, die das Interesse für altdeutsche Malerei und Baukunst erweckt. |
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1804 |
MIt den Brüdern Boisserée Reise nach Belgien und Köln, wo S. mit Dorothea getraut wird. Besuch bei Mme Staël, deren literarischer Berater der Bruder August Wilhelm ist, in Coppet am Genfer See. |
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1804-1808 |
Literaturwissenschaftliche und philosophische Vorlesungen in Köln. |
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1806 |
Besuch bei Mme Staël auf ihrem Schloss Acosta in der Normandie. |
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1808 |
16.4.: zusammen mit Dorothea (die zuvor für S. bereits zum Protestantismus konvertiert war) im Kölner Dom Übertritt zum Katholizismus. Juni: Übersiedlung nach Wien. |
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1809 |
Erste feste Stelle als Sekretär der Kaiserlichen Hof- und Staatskanzlei auf Vermittlung Friedrich von Gentz'; Teilnahme am Feldzug gegen Napoleon im Hauptquartier des Erzherzogs Karl. Redaktion der Österreichischen Zeitung. |
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1812 |
Vorlesungen über Geschichte der alten und neuen Literatur vor adligem Publikum in der Wiener Hofburg. Beziehungen zu Gentz und Metternich. Herausgabe der Zeitschrift Deutsches Museum (bis 1813); Mitarbeit an den Wiener Jahrbüchern der Literatur. |
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1814 |
Teilnahme am Wiener Kongress. |
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1815 |
Ernennung zum k. k. Legationsrat. Als Gesandter am Deutschen Bundestag in Frankfurt. Erhebung in den Adelsstand. Verleihung des Christusordens des Papstes (für sein Engagement zugunsten der Rückgabe des 1803 säkularisierten Kirchenbesitzes). |
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1815-1818 |
Frankfurt. |
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1818 |
Rheinreise mit dem Bruder. Aufenthalt in München (Schelling, Jacobi). |
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1819 |
Als Kunstsachverständiger Begleiter von Metternich und Kaiser Franz in Rom. Aufenthalt in Neapel und Florenz. |
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1820 |
Herausgabe der Zeitschrift Concordia (bis 1823). Aufenthalt auf Schloss Feistritz in der Steiermark. Schwierige wirtschaftliche Lage. Philosophische und theologische Interessen. |
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1821 |
Beginn des Briefwechsels mit der stigmatisierten Christine von Stransky. |
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1822 |
Werkausgabe in 10 Bänden. Aufenthalt auf Schloss Feistritz. |
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1824 |
Besuch in Dresden. Wiedersehen mit Tieck. |
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1825 |
Reisen nach München und Schloss Feistritz. |
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1827 |
Reise nach Augsburg und München. Vorlesungen über Philosophie des Lebens in Wien. |
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1828 |
Vorlesungen über Philosophie der Geschichte in Wien. Dez./Jan. 1829: Philosophische Vorlesungen, insbesondere über Philosophie der Sprache und des Wortes in Dresden. |
Werke:
(e = entstanden; a =
uraufgeführt in)
Roman
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1799 |
Lucinde (literarischer Skandal; als "frivoler" Schlüsselroman gelesen) |
Drama
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1802 |
Alarcos (Trauerspiel; Misserfolg, vom Publikum verlacht) |
Gedichtsammlung
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1809 |
Gedichte |
Schriften (Ausw.)
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1794 |
Von den Schulen der
griechischen Poesie Vom ästhetischen Werte der griechischen Komödie |
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1795 |
Über die Diotima |
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1796 |
Versuch über den Begriff des Republikanismus (Deutschland) |
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1797 |
Über das Studium der griechischen Poesie |
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1797 |
Über Lessing (Lyceum) |
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1798 |
Über Goethes
Meister (Athenäum) Geschichte der Poesie der Griechen und Römer (Frgm.) |
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1800 |
Gespräch über die Poesie (Athenäum) |
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1808 |
Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Ein Beitrag zur Begründung der Alterthumskunde. Nebst metrischen Übersetzungen indischer Gedichte |
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1809 |
An Napoleon |
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1820 |
Von der Seele (Concordia) Signatur des Zeitalters (Concordia) Über die deutsche Kunstausstellung in Rom (Wiener Jahrbücher) |
Aphorismen und Notizen
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1797 |
Kritische Fragmente (Lyceums-Fragmente; Sgl.) |
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1798-1800 |
Fragmente (Athenäums-Fragmente) |
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1963 |
Philosophische Lehrjahre (12 Hefte mit etwa 8000 Fragmenten) |
Aufsatzsammlungen
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1797 |
Die Griechen und Römer, historische und kritische Versuche über das klassische Altertum (darin u.a. Über das Studium der griechischen Poesie [1795 e] und Über die Diotima) |
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1801 |
Charakteristiken und Kritiken (zusammen mit Schriften August Wilhelms) |
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1823 |
Ansichten und Ideen von der christlichen Kunst (Aufsätze zur Kunst, 1802-1823 e) |
Vorlesungen
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1811 |
Über die neuere Geschichte |
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1815 |
Geschichte der alten und neuen Litteratur (2 Bde.) |
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1828 |
Philosophie des Lebens |
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1829 |
Philosophie der Geschichte (2 Bde.) |
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1820 |
Philosophische Vorlesungen, insbesondere über Philosophie der Sprache und des Wortes |
Ausgaben
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1822-1825 |
Sämmtliche Werke, Wien (10 Bde.) |
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1846 |
Sämmtliche Werke, Wien/Bonn (15 Bde.) |
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1958 ff. |
Kritische Ausgabe, hg. v. Ernst Behler unter Mitwirkung von Jean-Jacques Anstett und Hans Eichner, Paderborn u.a. (geplant auf 35 Bde.) |
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1988 |
Studienausgabe, hg. Ernst Behler, Paderborn (6 Bde.) |
| Die
romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung
ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu
vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung
zu setzen. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und
Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die
Poesie lebendig und gesellig und das Leben und die Gesellschaft poetisch
machen, den Witz poetisieren und die Formen der Kunst mit gediegnem
Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen und durch die
Schwingungen des Humors beseelen. Sie umfaßt alles, was nur poetisch
ist, vom größten wieder mehrere Systeme in sich enthaltenden Systeme
der Kunst bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtende Kind aushaucht
in kunstlosen Gesang. [...] Die romantische Dichtart ist noch im Werden;
ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie
vollendet sein kann.
116. Athenaeums-Fragment |