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Friedrich Schlegel

vollst.: Karl Wilhelm Friedrich Schlegel; seit 1815 Friedrich von Schlegel

Lebensdaten
| Werk

Schlegel-Texte online


* 10. März 1772 Hannover

+ 12. Januar 1829 Dresden (Schlagfluss)

Grabstätte: Dresden, Alter katholischer Friedhof

 

 
Kreidezeichnung von Philipp Veit
(1811)

    

 
Jüngstes von sieben Kindern des Pfarrers, späteren Generalsuperintendenten und Konsistorialrats Johann Adolf Schlegel (1721-1793) und seiner Frau Johanna Christiane Erdmuthe, geb. Hübsch (1734-1811). Entschieden protestantischer und kulturell ambitionierter Familienhintergrund. Der Onkel Johann Elias Schlegel ist der bedeutendste deutsche Kritiker vor Lessing. Älterer Bruder: August Wilhelm (1767-1845). Gilt in seiner Jugend als schwierig (Selbstmordgedanken) und schwach begabt. Zunächst Kaufmannslehre im Bankhaus Schlemm in Leipzig, die er abbricht. Auf das Studium bereitet sich S., der kein Gymnasium besucht hat, unter Anleitung seines Bruders vor. Dem Wandel seines Lebens - kaufmännischer Lehrling, Privatgelehrter, später geadelter hoher Diplomat in österreichischen Diensten - entsprechen seine geistigen Neuorientierungen vom Protestanten zum Katholiken, vom revolutionären Programmatiker zum restaurativen Kulturkonservativen, vom Frühromantiker zum philosophischen Mystiker.
 

1804

Eheschließung mit Dorothea Veit, geb. Mendelssohn  (1763-1839; Tochter von Moses Mendelssohn, Gattin des Bankiers Simon Veit, Mutter des Malers Philipp Veit [1793-1877]; Zusammenleben seit 1798)

 
Kritiker, Ästhetiker, Literaturhistoriker, Aphoristiker, Herausgeber und Dichter.
Führender Theoretiker der Frühromantik und Begründer der wissenschaftlichen Literaturgeschichte.

Auszeichnungen:

1815

Erhebung in den Adelsstand
Christusorden des Papstes


Wichtige Lebensdaten:

1788

Abbruch der kaufmännischen Lehre.

1789

Vorbereitung auf das Studium ("Lesewut": Platon, Winckelmann). Jurastudium in Göttingen, wo August Wilhelm seit 1786 klassische Philologie studiert. Besuch philologischer Vorlesungen.

1791-93

Fortsetzung des Studiums in Leipzig. Umfangreiche Beschäftigung mit Literatur, Kunsttheorie, Philosophie und Geschichte. 

1792

Beginn der Freundschaft mit Novalis; Bekanntschaft mit Schiller. "Sehnsucht nach dem Unendlichen".

1793

Prägende Freundschaft mit der Arztwitwe Caroline Böhmer (1763-1809), Tochter des Orientalisten Michaelis, seiner späteren Schwägerin (3. Ehe mit Schelling).

1794

Jan.: Abbruch des Studiums aus Geldnot. Entschluss zur Existenz als freier Schriftsteller. Übersiedlung nach Dresden zur Schwester Charlotte; privates Studium der antiken Klassiker. Plan zu einer Geschichte des klassischen Altertums. Kontakt mit Christian Gottfried Körner.

1796

Mitarbeit an Johann Friedrich Reichardts Journal Deutschland. Übersiedlung nach Jena. Die scharfe Kritik an den Gedichten Schillers in der Rezension des Schillerschen Musenalmanachs auf das Jahr 1796 im Journal Deutschland verstimmt Schiller, der in den Xenien seinerseits Schlegel angreift.
Freundschaft mit Fichte, Bekanntschaft mit Goethe, Herder, Wieland.

1797

Schlegels verletzende Rezension von Schillers Zeitschrift Die Horen führt zum Bruch mit Schiller. Juli: Übersiedlung nach Berlin; Verkehr in den Salons von Rahel Levin und Henriette Herz, wo S. die Bankiersfrau Dorothea Veit kennen und lieben lernt. Verbindung mit Tieck, Freundschaft mit Schleiermacher. Mitarbeit an Reichardts Zeitschrift Lyceum der schönen Künste.

1798

Dorothea Veit trennt sich von ihrem Mann und lebt nach der Scheidung mit Sch. zusammen. Zusammen mit seinem Bruder Herausgabe der Zeitschrift Athenäum, dem wichtigsten Publikationsorgan der Frühromantik (6 Hefte bis 1800). Sommer: mit Bruder, Schwägerin und Novalis in Dresden; später gesellen sich Schelling und Rahel Levin dazu. Besichtigung der Gemäldegalerie.

1799

Herbst: Rückkehr von Berlin nach Jena, wohin im Dorothea folgt. Auch Tieck lässt sich Jena nieder. Jenaer Kreis: die Brüder Schlegel und ihre Frauen, Tieck, Novalis, Schelling.

1800

Promotion; Dozent für Philosophie an der Universität Jena. Vorlesung über Transzendentalphilosophie im Wintersemester. Beginnende Auflösung des Jenaer Kreises in Folge innerer Spannungen (Zerwürfnis der beiden Schlegel-Frauen). 

1801

Zusammen mit Dorothea Übersiedlung nach Berlin. März: in Weißenfels am Totenbett von Novalis.

1802

Jan.: Umzug nach Dresden; Frühjahr: mit Dorothea über Leipzig, Weimar und Frankfurt nach Paris.

1803

Philosophische Vorlesungen in Paris. Beschäftigung mit mittelalterlicher, auch provençalischer Poesie; Sanskritstudium. Herausgabe der Zeitschrift Europa (bis 1805). Bekanntschaft mit den Brüdern Boisserée, die das Interesse für altdeutsche Malerei und Baukunst erweckt.

1804

Mit den Brüdern Boisserée Reise nach Belgien und Köln, wo S. mit Dorothea getraut wird. Besuch bei Mme de Staël, deren literarischer Berater der Bruder August Wilhelm ist, in Coppet am Genfer See.

1804-1808

Literaturwissenschaftliche und philosophische Vorlesungen in Köln.

1806

Besuch bei Mme de Staël auf ihrem Schloss Acosta in der Normandie.

1808

16.4.: zusammen mit Dorothea (die zuvor für S. bereits zum Protestantismus konvertiert war) im Kölner Dom Übertritt zum Katholizismus. Juni: Übersiedlung nach Wien.

1809

Erste feste Stelle als Sekretär der Kaiserlichen Hof- und Staatskanzlei auf Vermittlung Friedrich von Gentz'; Teilnahme am Feldzug gegen Napoleon im Hauptquartier des Erzherzogs Karl. Redaktion der Österreichischen Zeitung.

1812

Vorlesungen über Geschichte der alten und neuen Literatur vor adligem Publikum in der Wiener Hofburg. Beziehungen zu Gentz und Metternich. Herausgabe der Zeitschrift Deutsches Museum (bis 1813); Mitarbeit an den Wiener Jahrbüchern der Literatur.

1814

Teilnahme am Wiener Kongress.

1815

Ernennung zum k. k. Legationsrat. Als Gesandter am Deutschen Bundestag in Frankfurt. Erhebung in den Adelsstand. Verleihung des Christusordens des Papstes (für sein Engagement zugunsten der Rückgabe des 1803 säkularisierten Kirchenbesitzes).

1815-1818

Frankfurt.

1818

Rheinreise mit dem Bruder. Aufenthalt in München (Schelling, Jacobi).

1819

Als Kunstsachverständiger Begleiter von Metternich und Kaiser Franz in Rom. Aufenthalt in Neapel und Florenz.

1820

Herausgabe der Zeitschrift Concordia (bis 1823). Aufenthalt auf Schloss Feistritz in der Steiermark. Schwierige wirtschaftliche Lage. Philosophische und theologische Interessen.

1821

Beginn des Briefwechsels mit der stigmatisierten Christine von Stransky.

1822

Werkausgabe in 10 Bänden. Aufenthalt auf Schloss Feistritz.

1824

Besuch in Dresden. Wiedersehen mit Tieck.

1825

Reisen nach München und Schloss Feistritz.

1827

Reise nach Augsburg und München. Vorlesungen über Philosophie des Lebens in Wien.

1828

Vorlesungen über Philosophie der Geschichte in Wien. Dez./Jan. 1829: Philosophische Vorlesungen, insbesondere über Philosophie der Sprache und des Wortes in Dresden.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in)

Roman

1799

Lucinde. Ein Roman (literarischer Skandal; wird als "frivoler" Schlüsselroman gelesen; verm. 1842)

Drama

1802 (a Weimar)

Alarcos. Ein Trauerspiel (Misserfolg, vom Publikum verlacht)

Gedichtsammlung

1809

Gedichte

Schriften (Auswahl)

1794

Von den Schulen der griechischen Poesie
Vom ästhetischen Werte der griechischen Komödie

1795

Über die Diotima

1796

Versuch über den Begriff des Republikanismus (Deutschland)

1797 (1795 e)

Über das Studium der griechischen Poesie

1797

Über Lessing (Lyceum)

1798

Über Goethes Meister (Athenäum)
Geschichte der Poesie der Griechen und Römer (Frgm.)

1800

Gespräch über die Poesie (Athenäum)

1808

Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Ein Beitrag zur Begründung der Alterthumskunde. Nebst metrischen Übersetzungen indischer Gedichte

1809

An Napoleon

1820

Von der Seele (Concordia)
Signatur des Zeitalters (Concordia)
Über die deutsche Kunstausstellung in Rom (Wiener Jahrbücher)

Aphorismen und Notizen

1797

Kritische Fragmente (Lyceums-Fragmente; Sgl.)

1798-1800

Fragmente (Athenäums-Fragmente)

1963

Philosophische Lehrjahre (12 Hefte mit etwa 8000 Fragmenten)

Aufsatzsammlungen

1797

Die Griechen und Römer, historische und kritische Versuche über das Klassische Altertum (darin u.a. Über das Studium der griechischen Poesie, 1795 e, und Über die Diotima)

1801

Charakteristiken und Kritiken (2 Bde., zusammen mit Schriften des Bruders August Wilhelms)

1823

Ansichten und Ideen von der christlichen Kunst (Aufsätze zur Kunst, 1802-1823 e)

Vorlesungen

1811
(1810 e Wien)

Über die neuere Geschichte

1815 
(1812 e Wien)

Geschichte der alten und neuen Litteratur (2 Bde.)

1827

Die drey ersten Vorlesungen über die Philosophie des Lebens

1828
(1827 e Wien)

Philosophie des Lebens

1829
(1828 e Wien)

Philosophie der Geschichte (2 Bde.)

1830
(1828/29 e Dresden)

Philosophische Vorlesungen, insbesondere über Philosophie der Sprache und des Wortes

1836-37

Philosophische Vorlesungen aus den Jahren 1804 bis 1806. Aus dem Nachlaß hg. v. C. J. H. Windischmann, Bonn: Weber (2 Bde.)

Übersetzung

1807/08

G. de Staël: Corinna oder Italien (4 Bde.; zus. mit. Dorothea Schlegel)

Ausgaben

1822-1825

Sämmtliche Werke, Wien: Mayer (10 Bde.)

1846

Sämmtliche Werke, Wien/Bonn: Mayer/Hanstein (15+4 Bde.)

1882

Prosaische Jugendschriften, hg. v. J. Minor, Wien: Konegen (2 Bde.)

1958 ff.

Kritische Ausgabe, hg. v. Ernst Behler u.a., Paderborn/Zürich: Schöningh/Thomas (geplant auf 35 Bde.)

1988

Studienausgabe, hg. v. Ernst Behler, Paderborn: Schöningh (6 Bde.)


               

 
Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen, den Witz poetisieren und die Formen der Kunst mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen und durch die Schwingungen des Humors beseelen. Sie umfaßt alles, was nur poetisch ist, vom größten wieder mehrere Systeme in sich enthaltenden Systeme der Kunst bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtende Kind aushaucht in kunstlosen Gesang. [...] Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann.

(116. Athenaeums-Fragment)
 


         

Friedrich Schlegel-Gesellschaft

         

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