Reinhold
Schneider
Lebensdaten Werk
+ 6. April 1958 Freiburg i. Br. (Folgen eines Sturzes) begraben: Baden-Baden, Friedhof |
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Zweiter Sohn des protestantischen Hoteliers Wilhelm Schneider (1867-1922) und seiner katholischen Ehefrau Wilhelma, geb. Messmer (1879-1955). Bruder: Willy (1900-1973). Katholisch erzogen; Kindheit und Jugend im renommierten Hotel "Messmer" in Baden-Baden (wo regelmäßig das Kaiserpaar absteigt). Persönlicher "Weg vom tragischen Nihilismus zum Glauben, von der subjektiven Verlorenheit in das Geschichtliche". Entscheidend für seine geistige Entwicklung: Lektüre Miguels de Unamuno, Reise nach Portugal, Besuch des Escorial. Bemüht sich von da an, die abendländischen Traditionen zu verstehen. Hinwendung zum Katholizismus in den dreißiger Jahren, von dem er sich in der Jugend distanziert hatte. Reiseleben.
ab 1923 |
(platonische) Lebensgemeinschaft mit Anna Maria Baumgarten ("Puz", 1881-1960) |
Gelehrter, Erzähler, Dramatiker, Essayist, christlicher Moralist (Dichter als "der Unerträgliche, der Unruhestifter, der Ankläger, der Wurm im Gewissen"). Sch. spürt lebenslang den Antinomien der Weltgeschichte nach. Grundthema seiner Werke: die tragische Durchdringung von Tod und Leben. Sein Dichten kreist um das Verhältnis von Macht und Gnade in der Geschichte, Christentum und Welt, Geschichte im Zeichen des Kreuzes oder des Antichrist; die Frage nach Gewalt und Gewissen wird immer wieder gestellt und im christlichen Sinne beantwortet; Einsatz für den Frieden in der Welt, leidenschaftlicher Gegner des Nationalsozialismus.
Auszeichnungen:
1946 |
Ehrendoktorwürde der Universitäten Freiburg und Münster |
1948 |
Droste-Preis |
1952 |
Orden Pour le mérite (Friedensklasse) |
1956 |
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels |
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1909 |
Private Grundschule. |
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1912 |
Oberrealschule in Baden-Baden (heute: Markgraf-Ludwig-Gymnasium). |
1921 |
Abitur; landwirtschaftliches Praktikum am Bodensee (abgebrochen). |
1921-23 |
Bei seinem Bruder Willy in Dresden: Ausbildung als kaufmännischer Übersetzer. |
1922 |
Nachdem das Hotel zwangsversteigert wird und die Mutter die Familie verlässt, erschießt sich der Vater. Persönliche Krise: Selbstmordversuch. |
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1923-28 |
Arbeit bei einer Kunstanstalt in Dresden. Sprachstudien (Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch, Italienisch). Untermieter von Anna Maria Baumgarten, der späteren Lebensgefährtin. |
1928-29 |
Freier Schriftsteller. Reisen nach Portugal, Spanien, Italien, England, Frankreich, Skandinavien. |
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1929-32 |
Wohnsitze in Loschwitz bei Dresden. Korrespondenz u.a. mit Bergengruen und Hauptmann. |
1932-37 |
"Preußische Jahre" in Potsdam und Berlin. |
1934 |
Innere Emigration und Widerstand unter dem Eindruck erster gesicherter Nachrichten aus dem KZ Dachau. |
1937 |
Rückkehr in die badische Heimat: Hinterzarten; Hinwendung zum Christentum. Ausgedehnte Reisen. |
1938 |
Umzug nach Freiburg i. Br. (Mercystr. 2). Haushaltsführung durch Anna Maria Baumgarten. |
1941 |
Publikationsverbot, das vielfach unterlaufen wird; Kontakt zum Kreisauer Kreis der Widerstandsbewegung. |
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1944 |
Wohnungsdurchsuchung durch die Gestapo. |
1945 |
Anklage wegen "Vorbereitung zum Hochverrat", weil er illegal religiöse Traktate ("Trostschriften" für die Soldaten an der Front und die hungernde Zivilbevölkerung) verbreitet hatte; das Kriegsende verhindert die Verhandlung. |
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1949 |
Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften Mainz. |
1951 |
Appell gegen Wiederbewaffnung provoziert schwere Angriffe bis zur persönlichen Diffamierung ("Fall Schneider"; Vorwurf der kommunistischen Konspiration). |
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1952 |
Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste. |
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1955 |
Aufnahme in die Akademie der Künste Berlin. |
1957-58 |
Nov. - März: Aufenthalt in Wien. |
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1958 |
Tod am Ostersonntag. |
Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in)
Roman
1936 |
Die silberne Ampel (hist. Roman) |
1932 |
Das Erdbeben (3 Portugal-Erzählungen) |
1938 |
Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit |
1939 |
Elisabeth Tarakanow |
1941 |
Zenta |
1941 |
Der Abschied der Frau von Chantal |
1943 |
Die dunkle Nacht (Sammelband) |
1946 |
Taganrog |
1946 |
Der Tod des Mächtigen |
1953 |
Das getilgte Antlitz (Sammlung) |
1953 |
Der fünfte Kelch (Sammlung) |
1950 |
Der große Verzicht. Szenen aus dem 13. Jahrhundert (1954 Hörspiel) |
1951 |
Der Traum des Eroberers |
1951 |
Zar Alexander (1954 a Die Abrechnung) |
1953 |
Innozenz und Franziskus |
1939 |
Sonette |
1954 |
Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte |
1936 |
Gestalt und Seele. Das Werk des Malers Leo von König |
1939 |
Corneilles Ethos in der Ära Ludwigs XIV. |
1940 |
Der Katarakt. Das Schicksal Nikolaus Lenaus |
1946 |
Im Anfang liegt das Ende. Grillparzers Epilog auf die Geschichte |
1946 |
Kleists Ende |
1947 |
Macht und Gewissen in Shakespeares Tragödie |
1948 |
Lessings Drama |
1948 |
Erworbenes Erbe. Zum Gedächtnis der Droste |
1930 |
Das Leiden des Camoes oder Untergang und Vollendung der portugiesischen Macht |
1931 |
Philipp II. oder Religion und Macht |
1932 |
Fichte. Der Weg zur Nation |
1933 |
Die Hohenzollern. Tragik und Königtum |
1936 |
Das Inselreich. Gesetz und Größe der britischen Macht |
1937 |
Kaiser Lothars Krone. Leben und Herrschaft Lothars von Supplinburg |
1939 |
Theresia von Spanien |
1940 |
Macht und Gnade. Gestalten, Bilder und Werte in der Geschichte |
1946 |
Der Mensch vor dem Gericht der Geschichte |
1946 |
Fausts Rettung |
1946 |
Die Heimkehr des deutschen Geistes |
1949 |
Iberisches Erbe (= Camoes und Philipp II.) |
1947 |
Dämonie und Verklärung |
1948 |
Schriften zur Zeit |
1951 |
Herrscher und Heilige |
1953 |
Über Dichter und Dichtung |
1954 |
Der christliche Protest |
1958 |
Pfeiler im Strom |
1931 |
Portugal. Reisetagebuch |
1934 |
Auf Wegen deutscher Geschichte. Eine Fahrt ins Reich |
1954 |
Verhüllter Tag |
1957 |
Der Balkon. Aufzeichnungen eines Müßiggängers in Baden-Baden |
1958 |
Winter in Wien. Aus meinen Notizbüchern 1957/58 |
Werkausgabe
1977-81 |
Gesammelte Werke, hg. v. Edwin Maria Landau, Frankfurt/M. (10 Bde.) |