Autoren | Epochen
   

Reinhold Schneider
 
Lebensdaten
| Werk


 
* 13. Mai 1903 Baden-Baden

+ 6. April 1958 Freiburg i. Br. (Folgen eines Sturzes)

Grabstätte: Baden-Baden, Friedhof
 


 
Zweiter Sohn des protestantischen Hoteliers Wilhelm Schneider (1867-1922) und seiner katholischen Ehefrau Wilhelma, geb. Messmer (1879-1955). Bruder: Willy (1900-1973). Katholisch erzogen; Kindheit und Jugend im renommierten Hotel "Messmer" in Baden-Baden (wo regelmäßig das Kaiserpaar absteigt). Persönlicher "Weg vom tragischen Nihilismus zum Glauben, von der subjektiven Verlorenheit in das Geschichtliche". Entscheidend für seine geistige Entwicklung: Lektüre Miguels de Unamuno, Reise nach Portugal, Besuch des Escorial. Bemüht sich von da an, die abendländischen Traditionen zu verstehen. Hinwendung zum Katholizismus in den dreißiger Jahren, von dem er sich in der Jugend distanziert hatte. Reiseleben.
 

ab 1923

(Platonische) Lebensgemeinschaft mit Anna Maria Baumgarten ("Puz", 1881-1960)

 
Gelehrter, Erzähler, Dramatiker, Essayist, christlicher Moralist (Dichter als "der Unerträgliche, der Unruhestifter, der Ankläger, der Wurm im Gewissen"). Sch. spürt lebenslang den Antinomien der Weltgeschichte nach. Grundthema seiner Werke: die tragische Durchdringung von Tod und Leben. Sein Dichten kreist um das Verhältnis von Macht und Gnade in der Geschichte, um Christentum und Welt, um Geschichte im Zeichen des Kreuzes oder des Antichrist; die Frage nach Gewalt und Gewissen wird immer wieder gestellt und im christlichen Sinne beantwortet; Einsatz für den Frieden in der Welt; leidenschaftlicher Gegner des Nationalsozialismus.

Auszeichnungen:

1946

Ehrendoktorwürde der Universitäten Freiburg und Münster

1948 

Droste-Preis
Longfellow-Preis
 

1952 

Orden Pour le mérite (Friedensklasse) 

1956 

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 


Wichtige Lebensdaten:

1909

Private Grundschule.

1912

Oberrealschule in Baden-Baden (heute: Markgraf-Ludwig-Gymnasium).

1921

Abitur; landwirtschaftliches Praktikum am Bodensee (abgebrochen).

1921-23

Bei seinem Bruder Willy in Dresden: Ausbildung als kaufmännischer Übersetzer.

1922

Nachdem das Hotel zwangsversteigert wird und die Mutter die Familie verlässt, erschießt sich der Vater. Persönliche Krise: Selbstmordversuch.

1923-28

Arbeit bei einer Kunstanstalt in Dresden. Sprachstudien (Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch, Italienisch). Untermieter von Anna Maria Baumgarten, der späteren Lebensgefährtin.

1928-29

Freier Schriftsteller. Reisen nach Portugal, Spanien, Italien, England, Frankreich, Skandinavien.

1929-32

Wohnsitze in Loschwitz bei Dresden. Korrespondenz u.a. mit Bergengruen und Hauptmann.

1932-37

"Preußische Jahre" in Potsdam und Berlin.

1934

Innere Emigration und Widerstand unter dem Eindruck erster gesicherter Nachrichten aus dem KZ Dachau.

1937

Rückkehr in die badische Heimat: Hinterzarten; Hinwendung zum Christentum. Ausgedehnte Reisen.

1938

Umzug nach Freiburg i. Br. (Mercystr. 2). Haushaltsführung durch Anna Maria Baumgarten.

1941

Publikationsverbot, das vielfach unterlaufen wird; Kontakt zum Kreisauer Kreis der Widerstandsbewegung.

1944

Wohnungsdurchsuchung durch die Gestapo.

1945

Anklage wegen "Vorbereitung zum Hochverrat", weil er illegal religiöse Traktate ("Trostschriften" für die Soldaten an der Front und die hungernde Zivilbevölkerung) verbreitet hatte; das Kriegsende verhindert die Verhandlung.

1949

Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften Mainz.

1951

Appell gegen Wiederbewaffnung provoziert schwere Angriffe bis zur persönlichen Diffamierung ("Fall Schneider"; Vorwurf der kommunistischen Konspiration).

1952

Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste.

1955

Aufnahme in die Akademie der Künste Berlin.

1957-58

Nov. - März: Aufenthalt in Wien.

1958

Tod am Ostersonntag.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in)

Roman

1936

Die silberne Ampel (hist. Roman)

Erzählungen

1932

Das Erdbeben (3 Portugal-Erzählungen):

  • Geschichte eines Nashorns

  • Donna Anna D'Austria

  • Das Erdbeben

1938

Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit

1939

Elisabeth Tarakanow

1941

Zenta

1941

Der Abschied der Frau von Chantal

1943

Die dunkle Nacht. Sieben Erzählungen:

  • Der fünfte Kelch

  • Der Traum des Heiligen

  • Die dunkle Nacht des heiligen Johannes vom Kreuz

  • Das getilgte Antlitz

  • An des Reiches Grenzen

  • Der Tröster

  • Vor dem Grauen (Der Bettler von San Ignacio)

1946

Taganrog
Der Tod des Mächtigen

1953

Das getilgte Antlitz. Erzählungen:

  • Die Geschichte eines Nashorns (1932)

  • Donna Anna d'Austria (1932)

  • Das Erdbeben (1932)

  • Zenta (1941)

  • Der Tröster (1943)

  • Der fromme Herzog

  • Die Rose des Königs

  • Das Attentat

  • Sanssouci im Winter

  • In Pfeffels Garten

  • Elisabeth Tarakanow (1939)

  • Das getilgte Antlitz (1943)

1953

Der fünfte Kelch. Erzählungen:

  • Die dunkle Nacht des hl. Johannes vom Kreuz (1943)

  • Der Tod des Mächtigen (1946)

  • Der fünfte Kelch (1943)

  • Taganrog (1946)

  • Der Traum des Heiligen (1943)

  • Der Sklave des Velazquez

  • Die gerettete Krone

  • Der Abgrund

  • Der Gast

  • Der Edelstein

  • Die Wahrheit

  • Der Abschied der Frau von Chantal

  • Vor dem Grauen (1943)

Dramen

1950
(1957 a Bregenz)

Der große Verzicht. Szenen aus dem 13. Jahrhundert (1954 Hörspiel)

1951

Der Traum des Eroberers

1951

Zar Alexander (1954 a Die Abrechnung)

1953

Innozenz und Franziskus

Lyrik

1939

Sonette

1954

Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte

Schriften zur Literatur und Kunst

1936

Gestalt und Seele. Das Werk des Malers Leo von König

1939

Corneilles Ethos in der Ära Ludwigs XIV.

1940

Der Katarakt. Das Schicksal Nikolaus Lenaus

1946

Im Anfang liegt das Ende. Grillparzers Epilog auf die Geschichte

1946

Kleists Ende 

1947

Macht und Gewissen in Shakespeares Tragödie 

1948

Lessings Drama

1948

Erworbenes Erbe. Zum Gedächtnis der Droste

Schriften zur Geschichte/Biographien

1930

Das Leiden des Camoes oder Untergang und Vollendung der portugiesischen Macht

1931

Philipp II. oder Religion und Macht

1932

Fichte. Der Weg zur Nation

1933

Die Hohenzollern. Tragik und Königtum

1936

Das Inselreich. Gesetz und Größe der britischen Macht 

1937

Kaiser Lothars Krone. Leben und Herrschaft Lothars von Supplinburg

1939

Theresia von Spanien

1940

Macht und Gnade. Gestalten, Bilder und Werte in der Geschichte 

1946

Der Mensch vor dem Gericht der Geschichte 

1946

Fausts Rettung

1946

Die Heimkehr des deutschen Geistes

1949

Iberisches Erbe (= Camoes und Philipp II.) 

Schriften: Sammelbände

1947

Dämonie und Verklärung

1948

Schriften zur Zeit 

1951

Herrscher und Heilige 

1953

Über Dichter und Dichtung

1954

Der christliche Protest

1958

Pfeiler im Strom 

Reisebücher

1931

Portugal. Reisetagebuch (überarb. 1948)

1934 

Auf Wegen deutscher Geschichte. Eine Fahrt ins Reich

Autobiographisches

1954

Verhüllter Tag

1957

Der Balkon. Aufzeichnungen eines Müßiggängers in Baden-Baden

1958

Winter in Wien. Aus meinen Notizbüchern 1957/58

Werkausgabe

1977-81

Gesammelte Werke, hg. v. Edwin Maria Landau, Frankfurt/M. (10 Bde.)


    

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