Arthur Schnitzler
Lebensdaten Werk


 
*15. Mai 1862
Wien

+21. Oktober 1931 Wien (Gehirnblutung)

Grabstätte: Wien, Zentralfriedhof (zus. mit dem Bruder Julius)
 

Aus angesehener jüdischer Familie: ältester Sohn des Kehlkopfspezialisten und Direktors der Allgemeinen Wiener Poliklinik Prof. Dr. Johann Schnitzler (1835-1893) und seiner Frau Louise Schnitzler, geb. Markbreiter (1838-1911). Geschwister: Julius (1865-1939), Gisela (1867-1953).

1903

Heirat mit der Schauspielerin Olga Gussmann (1882-1970); Kinder: Heinrich (*1902), Lili (1909-1928; Suizid)

1921

Scheidung der Ehe

Österreichischer Dramatiker und Erzähler. Vor dem 1. Weltkrieg meistgespielter Bühnenautor; danach als Dichter einer versunkenen Welt angesehen; Verbot seiner Werke durch die Nazis. Nach dem 2. Weltkrieg neu entdeckt.
  S. thematisiert in psychologischer Analyse die müde Resignation und graziöse Melancholie der dekadenten Welt des Wiener Fin de siècle, der Welt der Großbürger, Intellektuellen, Bonvivants, Künstler und Offiziere. Zentrales Motiv ist die Erotik in allen ihren Formen; die seinerzeit für einen Skandal sorgende, kettenartig komponierte Dialogfolge des Reigen gibt, soziale Eigenarten psychologisch genau beobachtend, einen Querschnitt durch die damalige Wiener Gesellschaft. Die Novelle Leutnant Gustl stellt eines der frühesten Beispiele für eine erzähltechnische Neuerung dar: den konsequent durchgeführten "inneren Monolog" (Bewusstseinsstrom).
  Was nun im besonderen Arthur Schnitzler betrifft, so scheint hier [...] zu bemerken, daß er repräsentativ für eine Epoche, ein Land, eine Monarchie war und ist; daß seine dramatische und epische Leistung mit den lächerlichen privaten Konfessionen und Reportagen der "jungen Generation" nicht zu vergleichen ist; daß seine Sprache der dichterische Reiz der Melancholie auszeichnet und nicht der blanke, nackte Schimmer einer Tatsachenhäufung und nicht das Rufzeichen-Pathos politischer Anklagen (Joseph Roth, 1930).

Auszeichnungen:

1903

Bauernfeld-Preis für Lebendige Stunden

1908

Grillparzer-Preis (für Zwischenspiel)

1914

Raimund-Preis (für Der junge Medardus)

1920

Volkstheaterpreis (für Professor Bermhardi)

1926

Burgtheaterring


wichtige Lebensdaten:

1871-1879

Akademisches Gymnasium; 

1879

Juli: Matura mit Auszeichnung. Aug./Sept.: Reise nach Amsterdam. Medizinstudium in Wien.

1882

Okt.: Einjährig-Freiwilliger im Garnisonsspital Nr. 1 in Wien.

1885

Mai: Promotion zum Dr. med.; Aug.: Reise nach Mailand; Sept.: Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus und in der Poliklinik.

1886

April: wegen eines Tuberkuloseverdachts in Meran; Liebesbeziehung mit der Wirtin des Thalhofes in Reichenau, Olga Waissnix (1862-1897); Nov.: Sekundararzt in der Psychiatrie; regelmäßige Publikationen in literarischen Zeitschriften.

1887

Redakteur an der Internationalen Klinischen Rundschau.

1888

Apr. - Aug.: Studienreisen nach Berlin und London; Assistent des Vaters an der Poliklinik; Beschäftigung mit Suggestion und Hypnose.

1889

Verhältnis mit der Schauspielerin Marie "Mizi" Glümer (1873-1925).

1890

Bekanntschaft mit den Literaten des "Jungen Wien": Hofmannsthal, Salten, Beer-Hofmann, Bahr.

1893

Tod des Vaters; Eröffnung einer Privatpraxis; erster Theaterskandal bei der Uraufführung von Das Märchen.

1894

Erste Begegnung mit der Gesangslehrerin Marie Reinhard (1871-1899). Beginn des Briefwechsels mit dem dänischen Literarhistoriker Georg Brandes.

1895

Beginn des Briefwechsels mit Otto Brahm, dem Direktor des Deutschen Theaters Berlin.

1896

Juli - Aug.: Reise nach Skandinavien; Besuch bei Henrik Ibsen in Oslo; beginnende Ohrenerkrankung.

1898

Sommer: mit dem Fahrrad durch Österreich, die Schweiz, Oberitalien (teilweise gemeinsam mit Hofmannsthal).

1899

Marie Reinhard stirbt nach einem Blinddarmdurchbruch; erste Begegnung mit Olga Gussmann.

1901

Nach einem ehrenrätlichen Verfahren wegen der Veröffentlichung von Leutnant Gustl wird S. der Offiziersrang abgesprochen.

1902

Mit Otto Brahm bei Gerhart Hauptmann in Agnetendorf.

1910

Einzug in das Haus Sternwartestraße 71, Wien XVIII (Währing).

1911

Tod der Mutter.

1912

Verbot der geplanten Uraufführung des Reigen in Budapest (in ungarischer Sprache) und von Professor Bernhardi in Wien. Tod Otto Brahms.

1921

17.2.: Nach einem Tumult während einer Reigen-Aufführung in Wien werden weitere Aufführungen verboten (Aufhebung des Verbotes 1922); 22.2.: organisierter Skandal während einer Reigen-Aufführung des Kleinen Schauspielhauses in Berlin; Anklage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses gegen Direktion und Schauspieler; Freispruch; Schnitzler sperrt das Stück (Sperre bis 1981).
26.6.: Scheidung der Ehe.

1922

Erstes längeres Zusammentreffen mit Sigmund Freud.

1927

Die Tochter Lili heiratet den italienischen Hauptmann Arnoldo Cappellini.

1928

26.7.: Lili nimmt sich in Venedig das Leben. "Mit jenem Julitag war mein Leben doch zu Ende."


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Dramen

1888
(1891 a Wien)

Das Abenteuer seines Lebens. Lustspiel in einem Aufzuge

1890
(1889 e)

Alkandi´s Lied. Dramatisches Gedicht in einem Aufzuge

1893
(1910 a Wien / Berlin)

Anatol (Zyklus)

  • Die Frage an das Schicksal (1890; 1889 e; 1896 a Leipzig)

  • Weihnachtseinkäufe (1891; 1898 a Wien)

  • Episode (1889; 1888 e; 1898 a Leipzig)

  • Denksteine (1891; 1890 e; 1916 a Wien)

  • Abschiedssouper (1893; 1891 e; 1893 a Bad Ischl)

  • Anatols Hochzeitsmorgen (1890; 1888 e; 1901 a Berlin)

  • Anatols Größenwahn (1955; 1891 e; 1932 a Wien)

1891
(1893 a Wien)

Das Märchen. Schauspiel in drei Aufzügen

1896
(1894 e; 1932 a Wien)

Die überspannte Person. Ein Akt

1897
(1894 e; 1932 a Wien)

Halbzwei. Ein Akt

1896
(1894 e; 1895 a Wien)

Liebelei. Schauspiel in drei Akten

1898
(1896 e; a Berlin)

Freiwild (Schauspiel in drei Akten)

1900
(1897 e; 1903 a München [teilw.]; 1920 a Berlin)

Reigen (als "unverkäufliches Manuskript" in 200 Exemplaren gedruckt)

1899
(1897 e; 1898 a Berlin)

Das Vermächtnis. Schauspiel in drei Akten

1898
(1897 e; 1899 a Wien)

Paracelsus. Versspiel in einem Akt

1899
(1898 e; 1899 a Wien)

Die Gefährtin. Schauspiel in einem Akt

1899
(1898 e; 1899 a Wien)

Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt

1901
(1899 e; 1900 a Breslau)

Der Schleier der Beatrice. Schauspiel in fünf Akten

1901
(1900 e; 1926 a Wien)

Sylvesternacht. Ein Dialog

1902
(1900-01 e; 1902 a Berlin)

Lebendige Stunden. Vier Einakter

  • Lebendige Stunden (1901)

  • Die Frau mit dem Dolche

  • Die letzten Masken

  • Literatur

1904
(1903 e; 1904 a Berlin)

Der einsame Weg. Schauspiel in fünf Akten

1906
(1902-04 e)

Marionetten. Drei Einakter

  • Der Puppenspieler (1903; a Berlin)

  • Der tapfere Cassian (1904; a Berlin)

  • Zum großen Wurstel (1905; 1906 a Wien; urspr. Fass. u.d.T. Marionetten 1901 a Berlin)

1906
(1904 e; 1905 a Wien)

Zwischenspiel. Komödie in drei Akten

1906
(1905 e; 1906 a Berlin)

Der Ruf des Lebens. Schauspiel in drei Akten

1908
(1907 e; 1909 a Wien)

Komtesse Mizzi oder Der Familientag. Komödie in einem Akt

1908

Die Verwandlungen des Pierrot. Pantomime in einem Vorspiel und sechs Bildern

1909
(a Leipzig)

Der tapfere Kassian. Singspiel in einem Aufzug (Musik Oscar Straus)

1910
(1909 e; 1910 a Wien)

Der junge Medardus. Dramatische Historie in einem Vorspiel und fünf Aufzügen

1911
(1910 e; 1911 a Berlin, Breslau, München, Hamburg, Prag, Leipzig, Hannover, Bocum, Wien)

Das weite Land. Tragikomödie in fünf Akten

1910
(a Dresden)

Der Schleier der Pierrette. Pantomime in drei Bildern (Musik von Ernst von Dohnányi)

1912

Professor Bernhardi. Komödie in fünf Akten

1915
(a Wien, Darmstadt, Frankfurt/M.)

Komödie der Worte. Drei Einakter

  • Stunde des Erkennens

  • Große Szene

  • Das Bacchusfest

1917
(a Wien)

Fink und Fliederbusch. Komödie in drei Akten

1919
(1920 a Wien)

Die Schwestern oder Casanova in Spa. Ein Lustspiel in Versen. Drei Akte in einem

1926
(1921 e; 1931 a Wien)

Der Gang zum Weiher

1924
(1923 e; 1924 a Wien)

Komödie der Verführung

1930
(1929 e; a Wien)

Im Spiel der Sommerlüfte

1966

Das Wort

1970

Zug der Schatten

1975

Ritterlichkeit (Frgm.)

Romane

1908
(1907 e)

Der Weg ins Freie

1928

Therese. Chronik eines Frauenlebens

Erzählungen

1886

Er wartet auf den vazierenden Gott

1889
(1887 e)

Amerika

1889

Mein Freund Ypsilon
Der Andere

1891
(1889 e)

Reichtum

1894
(1890 e)

Die drei Elixire

1892

Der Sohn

1894
(1892 e)

Sterben

1895
(1893 e)

Die kleine Komödie

1894

Blumen
Der Witwer

1896
(1895 e)

Ein Abschied

1897
(1896 e)

Die Frau des Weisen

1897

Der Ehrentag
Die Toten schweigen

1899

Um eine Stunde

1900

Leutnant Gustl
Der blinde Geronimo und sein Bruder

1901
(1900 e)

Frau Berta Garlan

1902
(1900 e)

Andreas Thameyers letzter Brief

1903
(1901 e)

Die grüne Krawatte

1902

Die Fremde (u.d.T. Dämmerseele)
Exzentrik
Die griechische Tänzerin

1904
(1903 e)

Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg

1905
(1904 e)

Die Weissagung

1905

Das neue Lied

1907

Geschichte eines Genies
Der tote Gabriel

1908
(1907 e)

Der Tod des Junggesellen

1911
(1909 e)

Das Tagebuch der Redegonda

1911
(1910 e)

Der Mörder

1911

Die dreifache Warnung
Die Hirtenflöte

1913

Frau Beate und ihr Sohn

1917

Doktor Gräsler, Badearzt

1918

Casanovas Heimfahrt

1924

Fräulein Else

1925

Die Frau des Richters

1926

Traumnovelle
Spiel im Morgengrauen

1928

Therese

1931
(1917 e)

Flucht in die Finsternis

1931
(1900 e)

Wohltaten, still und rein gegeben

1932

Welch eine Melodie (1885 e)
Erbschaft (1887 e)
Der Fürst ist im Hause (1888 e)
Die Braut (1891)
Komödiantinnen: Helene - Fritzi (1893 e)
Der Empfindsame (1895 e)
Die Nächste (1899 e)
Ein Erfolg (1900 e); Legende (1900 e; Frgm.)
Der letzte Brief eines Literaten (1917 e)
Der Sekundant (1931 e)

1957
(1901 e)

Boxeraufstand (Frgm.)

1937
(1928 e)

Abenteurernovelle (Frgm.)

1977
(1917 e)

Ich

Lyrik

1969

Frühe Gedichte

Schriften

1927

Der Geist im Wort. Der Geist in der Tat (philos. Diagramme)

1939

Über Krieg und Frieden

1967

Aphorismen und Betrachtungen

Autobiographisches

1968

Jugend in Wien

Tagebuch

1981

Tagebuch 1909-12

1983

Tagebuch 1913-16

1985

Tagebuch 1917-19

1987

Tagebuch 1879-92

1989

Tagebuch 1893-1902

Briefe

1981

Briefe 1875-1912, hg. v. Therese Nickl u. Heinrich Schnitzler, Frankfurt/M.

1984

Briefe 1913-1931, hg. v. Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik u. Heinrich Schnitzler, Frankfurt/M.

Ausgaben

1912

Gesammelte Werke in zwei Abteilungen, Berlin (S. Fischer, 7 Bde.)

1922

Gesammelte Werke in zwei Abteilungen. Neuausgabe. Berlin (S. Fischer; 9 Bde.)

1928

Gesammelte Schriften. Erste Abteilung: Die erzählenden Schriften in sechs Bänden, Berlin (S. Fischer)

1961

Gesammelte Werke. Die erzählenden Schriften, Frankfurt/M. (S. Fischer, 2 Bde.)

1962

Gesammelte Werke. Die erzählenden Schriften, Frankfurt/M. (S. Fischer, 2 Bde.)

1977

Entworfenes und Verworfenes. Aus dem Nachlaß, hg. v. Reinhard Urbach, Frankfurt/M. (S. Fischer)


Link:

Arthur-Schnitzler-Gesellschaft