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Anna Seghers
 

eigentl. Netty Radványi, geb. Reiling
 
Künstlername "Seghers" ab 1927, "Anna Seghers" ab 1928 (nach dem niederl. Maler Hercules Seghers)
 
Lebensdaten
| Werk

Seghers-Texte online


 
* 19. November 1900 Mainz

+ 1. Juni 1983 Berlin

Grabstätte: Berlin-Mitte, Dorotheenstädtischer Friedhof



 
Anna Seghers 1966
Bildquelle: Wikipedia (Hochneder, Christa)
 

 
Aus großbürgerlichem, orthodox jüdischem Elternhaus; einzige Tochter des Antiquitätenhändlers und Kustos der Kunstsammlungen des Mainzer Doms Isidor Reiling (1868-1940) und seiner Frau Hedwig, geb. Fuld (1880-1942, deportiert und ermordet).
Tritt mit 28 Jahren in die KPD ein. Nach der Emigration Rückkehr in den östlichen Teil Deutschlands; bei aller Desillusionierung in der Ära des Stalinismus klares Bekenntnis zur SED und zur DDR. Als hochdekorierte Schriftstellerin und Präsidentin des Schriftstellerverbands der DDR zumindest nach außen immer auf Parteilinie: so z.B. bei der Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953, beim Prozess gegen den der konterrevolutionären Verschwörung angeklagten Leiter des Aufbau-Verlags, Walter Janka, 1957 (mag sie auch inoffiziell bei Ulbricht interveniert haben), beim Ausschluss von Heiner Müller aus dem Schriftstellerverband 1961 und bei der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976.

 

1925

Eheschließung mit dem ungarischen Soziologen László Radványi (alias Johann-Lorenz Schmidt, 1900-1978). Kinder: Peter (*1926), Ruth (*1928)

 
Meisterhafte Erzählerin, deren Erzählungen und Romane auch ihre persönliche Widersprüchlichkeit spiegeln, laufen sie doch oft genug ästhetisch wie inhaltlich den Forderungen des sozialistischen Realismus zuwider. Seghers' erzählerische Wurzeln liegen bei Kleist, Kafka, Dostojewski und Dos Passos (filmische Collagetechnik). Wo sie auf die ästhetischen und inhaltlichen Forderungen des offiziellen Kunstdogmas einschwenkt (wie etwa in den Romanen Die Entscheidung oder Das Vertrauen), verliert ihre Arbeit deutlich an literarischem Wert. Ihre Themen sind der Kampf gegen soziales Unrecht und Unterdrückung, die Emigration und natürlich die Auseinandersetzung mit dem Faschismus. Zum überragenden Welterfolg wurde der Roman Das siebte Kreuz, der kühl und ohne Effekthascherei ein authentisches Bild Hitlerdeutschlands entwirft; der Roman wurde (wie viele der Werke Seghers) verfilmt (1944, Regie: Fred Zinnemann).

Auszeichnungen (Auswahl):

1928

Kleistpreis

1947

Georg-Büchner-Preis

1951

Stalin-Friedenspreis

1951, 1959. 1971

Nationalpreis der DDR, 1. Klasse

1959

Ehrendoktorat der Friedrich-Schiller-Universität Jena

1960

Vaterländischer Verdienstorden in Gold

1965, 1969, 1974

Karl-Marx-Orden

1975

Kulturpreis des Weltfriedensrates
Ehrenbürgerin von Berlin (Ost)

1977

Ehrenbürgerwürde der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

1980

Held der Arbeit

1981

Ehrenbürgerin der Stadt Mainz


Wichtige Lebensdaten:

1907

Privatschule.

1910

Höhere Mädchenschule in der Peterstraße (heute Frauenlob-Gymnasium).

1914

Hilfsdienste im Krieg.

1917

Ostern: Großherzogliche Studienanstalt.

1920

Febr.: Abitur. Apr.: Studium der Geschichte, Sinologie, Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Bekanntschaft mit dem Sinologen Philipp Schaeffer und mit dem ungarischen Kommunisten László Radványi, ihrem späteren Mann.

1921

Wechsel an die Universität Köln: Studium der Kunstgeschichte.

1922

Ab dem Wintersemester wieder in Heidelberg.

1924

Dissertation Jude und Judentum im Werk Rembrandts. 4.11.: Promotion zum Dr. phil.; Weihnachten: erste Veröffentlichung in der Frankfurter Zeitung (Die Toten auf der Insel Djal).

1925

10.8.: Heirat. Wohnung in Berlin-Wilmersdorf (Helmstedter Str.).

1928

Mitglied im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; Eintritt in die KPD. Künstlername Anna Seghers.

1929

Reise nach London.

1930

Erste Reise in die Sowjetunion. Umzug nach Zehlendorf (Am Fischtal).

1932

Teilnahme am Antikriegskongress in Amsterdam.

1933

Nach der Machtergreifung der Nazis Flucht in die Schweiz; von dort nach Bellevue bei Paris.

1933-35

Redaktionsmitglied der Exilzeitschrift "Neue Deutsche Blätter. Monatsschrift für Literatur und Kritik".

1938-39

Briefwechsel mit Georg Lukács.

1940

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich Internierung von Laszlo Radványi (Pseudonym: Johannes Schmidt) in den südfranzösischen Lagern Le Vernet und Les Milles. S. gelingt mit den Kindern die Flucht nach Pamiers und Marseille. Sie erkämpft die Entlassung ihres Mannes.
Tod des Vaters.

1941

März: Flucht der Familie über Martinique, Santo Domingo, Ellis Island/New York nach Veracruz und schließlich nach Mexiko City.
Seghers' Mann wird Professor an der Arbeiter-Universität Mexiko (ab 1944 auch an der Nationaluniversität). Präsidentin des Heinrich-Heine-Clubs. Mitherausgeberin der Zeitschrift "Freies Deutschland", die ab Oktober 1941 erscheint.

1942

Deportation der Mutter.

1943

Schwerer Verkehrsunfall.

1944

Verfilmung des Siebten Kreuzes mit Spencer Tracy in der Hauptrolle.

1947

Apr.: Rückkehr nach (West-) Berlin über New York, Stockholm und Paris. Ihr Mann bleibt vorläufig in Mexiko. Eintritt in die SED.

1948

Zweite Reise in die Sowjetunion als Mitglied einer Künstlerdelegation.

1949

Teilnahme am Weltfriedenskongress in Paris.

1950

Umzug nach Ostberlin. Präsidiumsmitglied des Weltfriedensrats. Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste der DDR.

1951

Reise nach China.

1952

Rückkehr des Ehemanns nach Berlin. Lesereisen nach Westdeutschland.

1952-78

Vorsitzende des Schriftstellerverbands der DDR.

1954

Mehrere Wochen in der Sowjetunion (Studien zu Lew Tolstoi).

1955

Krankenhausaufenthalt. Umzug in die Volkswohlstr. 81 (Wohnung bis zum Tod; heute Anna-Seghers-Str.; Gedenkstätte). Zusammentreffen mit Thomas Mann in Weimar.

1956

Frühjahr: Reise in die Sowjetunion.

1961

Brasilien-Reise (Bekanntschaft mit Jorge Amado).

1963

Zweite Brasilien-Reise.

1977

Mehrmonatige Krankheit.

1978

Rücktritt als Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 3.7.: Tod ihres Mannes.

1982

Mehrere Krankenhausaufenthalte.


Werke:
(e = entstanden; U = Ursendung)

Erzählungen

1924

Die Toten auf der Insel Djal. Eine Sage aus dem Holländischen

1925 e
2000

Jans muss sterben

1927

Grubetsch (u. d. Ps. "Seghers")

1928

Aufstand der Fischer von Santa Barbara

1929

Die Wellblech-Hütte. Bruchstücke einer Erzählung
Der letzte Mann der "Höhle"

1930

Auf dem Wege zur amerikanischen Botschaft und andere Erzählungen:

  • Grubetsch (1927)

  • Die Ziegler

  • Auf dem Wege zur amerikanischen Botschaft

  • Bauern von Hruschowo

1932

Wer war das? Gespräch mit einem Kind über Lenin

Marie geht in die Versammlung

Der Führerschein

1933

Die Stoppuhr
Der Lastberg
Das Vaterunser (u. d. Ps. Peter Conrad)

1934

Das Viereck
Der letzte Weg des Koloman Wallisch

1938

Sagen von Artemis
Wiedersehen
Die schönsten Sagen vom Räuber Woynok

1939

Reise ins Elfte Reich

1940

Der sogenannte Rendel

1942

Das Obdach

1943

Ein Mensch wird Nazi

1945

Zwei Denkmäler. Aus einer unveröffentlichten Novelle "Mariage Blanc" (2. Fassung 1965)
Die Unschuldigen

1946

Der Ausflug der toten Mädchen und andere Erzählungen:

  • Der Ausflug der toten Mädchen (1944 e)

  • Post ins gelobte Land (1945 e)

  • Das Ende (1945 e)

1946

Die drei Bäume (1940 e)

1947

Die Saboteure (1946 e)
Das Dorf S. in Mecklenburg
Große Unbekannte. Einleitung. Miranda

1948

Große Unbekannte. Ein Neger gegen Napoleon
Das Ende. La Fin (zweispr.)
Sowjetmenschen. Lebensbeschreibungen nach ihren Berichten

1949

Das Argonautenschiff. Sagen von Jason

1949

Die Hochzeit von Haiti. Zwei Novellen:

  • Die Hochzeit von Haiti

  • Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe

1950

Die Linie. Drei Erzählungen:

  • Die Überbringung des neuen Programms an das Südkomitee

  • Die Kastanien

  • Die gerechte Verteilung

1951

Crisanta. Mexikanische Novelle

1951

Die Kinder. Drei Erzählungen:

  • Die verlorenen Söhne

  • Das Obdach (1942)

  • Die Tochter der Delegierten

1952

Der Mann und sein Name
Der erste Schritt

1953

Frieden der Welt:

  • Die Puppe

  • Kindergarten

  • Schulaufsatz

1953

Der Bienenstock. Ausgewählte Erzählungen (2 Bde.; erw. 1963, 3 Bde.)

1954

Die Hochzeit von Haiti. Drei Erzählungen:

  • Die Hochzeit von Haiti (1949)

  • Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe (1949)

  • Crisanta (1951)

1955

Der Führerschein

1957

Brot und Salz
Vierzig Jahre der Margarete Wolf

1964 e
1990

Der gerechte Richter

1958

Brot und Salz. Drei Erzählungen:

  • Brot und Salz (1957)

  • Die Saboteure (1947)

  • Vierzig Jahre der Margarete Wolf (1957)

1960

Das Licht auf dem Galgen. Eine karibische Geschichte aus der Zeit der Französischen Revolution

1962

Karibische Geschichten:

  • Die Hochzeit von Haiti (1949)

  • Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe (1949)

  • Das Licht auf dem Galgen (1960)

1964

Das Schilfrohr

1965

Die Kraft der Schwachen. Neun Erzählungen:

  • Agathe Schweigert

  • Der Führer

  • Der Prophet

  • Das Schilfrohr (1964)

  • Wiedersehen (1938)

  • Das Duell

  • Susi

  • Tuomas beschenkt die Halbinsel Sorsa

  • Die Heimkehr des verlorenen Volkes

1966

Geschichten von heute und gestern

1967

Das wirkliche Blau. Eine Geschichte aus Mexico

1970

Geschichten aus Mexiko:

  • Der Ausflug der toten Mädchen (1946)

  • Crisanta (1951)

  • Das wirkliche Blau (1967)

  • Die Heimkehr des verlorenen Volkes (1965)

1970

Die Tochter der Delegierten. Erzählungen

1971

Überfahrt. Eine Liebesgeschichte

1973

Sonderbare Begegnungen. Erzählungen:

  • Sagen von Unirdischen

  • Der Treffpunkt

  • Die Reisebegegnung

1975

Steinzeit

1977

Wiederbegegnung

1980

Drei Frauen aus Haiti. Drei Erzählungen:

  • Das Versteck

  • Der Schlüssel

  • Die Trennung

1990

Post ins gelobte Land. Erzählungen

1998

Die Trennung. Geschichten über Frauen

Romane

1932

Die Gefährten

1933

Der Kopflohn. Roman aus einem deutschen Dorf im Spätsommer 1932

1935

Der Weg durch den Februar

1937

Die Rettung

1942

Das siebte Kreuz

1944
1948
(dt.)

Transit (span., engl., frz.) 

1949

Die Toten bleiben jung

1959

Die Entscheidung

1968

Das Vertrauen

Hörspiele

1937 U
1965

Der Prozeß der Jeanne d'Arc zu Rouen 1431

1938 U
1973

Ein ganz langweiliges Zimmer

1949 U
1969

Der Stiefel

Essays, Reden

1924 e
1983

Jude und Judentum im Werke Rembrandts (Dissertation)

1953

Frieden der Welt. Ansprachen und Aufsätze 1947-1953

1963

Über Tolstoi
Über Dostojewskij

1966

Die Aufgaben des Schriftstellers heute. Offene Fragen

1969

Glauben an Irdisches. Essays aus vier Jahrzehnten

1970-71

Über Kunstwerk und Wirklichkeit. Bd. 1-3

1975

Willkommen, Zukunft! Reden, Essays und Aufsätze über Kunst und Wirklichkeit

1979

Die Macht der Worte. Reden, Schriften, Briefe
Über Kunstwerk und Wirklichkeit, Bd. 4

1980

Aufsätze, Ansprachen, Essays (2 Bde.)
Woher sie kommen, wohin sie gehen. Essays aus vier Jahrzehnten

Ausgaben

1951-53

Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Berlin/Weimar: Aufbau (8 Bde.)

1963ff.

Ausgewählte Werke, Berlin/Neuwied: Luchterhand (7 Bde.)

1977

Werke, Darmstadt/Neuwied: Luchterhand (10 Bde.)

1977-80

Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Berlin/Weimar: Aufbau (14 Bd.)

1994

Sämtliche Erzählungen 1924-1980, Berlin: Aufbau (6 Bde.)

2002ff.

Werke, hg. v. Bernhard Spies und Helen Fehervary, Berlin: Aufbau (25 Bde.)


          

Update: 27.05.2016

   

Anna-Seghers-Gesellschaft

Anna-Seghers-Seite von Margrid Bircken

Anna-Seghers-Seite von Ursula Homann

                  

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