Spätes Mittelalter

1350-1500

 
Begriff:

rückwärts gewandte Zeit des Umbruchs: "Herbst des Mittelalters" (Huizinga)

Datierung:

Zurückgehen der kaiserlichen Macht zugunsten der der Territorialfürsten, fehlendes ideelles Zentrum (Kaiseridee); "babylonische Gefangenschaft" des Papsttums in Avignon, Schisma; Verfall des Rittertums (Feuerwaffen, Fußvolk); polit. u. wirtschaftl. Erstarken der Städte.

tragende Schicht:

Nach dem Ende der Staufer geht die kulturelle Führung auf das aufstrebende Bürgertum über; Städte als neue Bildungszentren neben den Höfen; Eindringen der Zünfte in den Rat der Städte; Demokratisierung der Literatur auch durch die Verwendung des billigeren Papiers statt des Pergaments und durch die Erfindung der Buchdruckerkunst (um 1440).

Grundzüge:

Höfisches Mittelalter bleibt Vorbild, aber statt hohem muot und vroide Untergangsstimmung und Schwermut; vertiefte Frömmigkeit, die ihren Ausdruck besonders in der Mystik findet: erstrebt wird die geistige Vereinigung mit Gott (unio mystica), das Ablegen alles Irdischen (Askese).
Sprachstufe: Frühneuhochdeutsch (Amtssprache der reichsfürstlichen Kanzleien im Ostteil Deutschlands; "sächsische Kanzleisprache"); entscheidend für ihre Verbreitung ist die Erfindung des Buchdrucks.
Verfall des Formgefühls; fehlende Originalität.

Themen:

realistischer Zug; Zeit-, Gelegenheitsdichtung, politische u, geschichtliche Themen; didaktisches Schrifttum; relig. Themen

Dichter:

bürgerlich Fahrende (14. Jh.), handwerkende Meistersinger (15. Jh.), Adlige; Mystiker: zuerst Adlige, dann bürgerliche Laien, vor allem auch Frauen; Spätblüte der ritterliche Kultur im kolonisierten Preußen (Deutscher Orden!).

bevorzugte Formen:

Prosaroman; Lyrik, (geistl.) Volkslied, Meistersang; allegorisch-didaktisches Schrifttum, Chronik, Legende, Fabel, Geschichts-, Reisebeschreibung, Predigt, Erbauungsbuch; Schwank, Fastnachtspiel, Mysterienspiel.

 
Autoren:


 

Oswald von Wolkenstein

Her wirt, uns dürstet also sere,
trag auff wein! trag auff wein! trag auff wein!
das dir got dein laid verkere,
pring her wein! pring her wein! pring her wein!
und dir dein sälden mere,
nu schenk ein! nu schenk ein! nu schenk ein! . [...]

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