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Carl Sternheim

vollst.: William Adolf Carl Sternheim

Lebensdaten | Werk
  

Sternheim-Texte online
  


 
*
1. April 1878 Leipzig
 

+ 3. November 1942 Brüssel (Lungenentzündung)

    

Grabstätte: Brüssel, Cimetière d'Ixelles
 

   

 


  

Dramatiker, Epiker, Essayist. Produktivster Komödienautor zwischen 1910 und 1926; daneben auch Bearbeiter von Dramen anderer Autoren. Deckt in seinen Stücken in satirischer Form die falschen Ideale der bürgerlich-spießigen Gesellschaft der Wilhelminischen Epoche auf. Größter Erfolg: der Dramenzyklus Aus dem bürgerlichen Heldenleben
Aufführungsverbot in der Zeit des Nationalsozialismus. Wiederentdeckung als Bühnenautor unmittelbar nach dem 2. Wel
tkrieg; endgültige Renaissance der Bühnenstücke erst in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts. Seine Prosa ist völlig in Vergessenheit geraten. 

Zeitgenosse, aber kein typischer Vertreter der Expressionisten (einzige Verbindung zum Expressionismus: Hang zur Groteske und Typisierung der Figuren). Sprachliche Reduktion, um die gängigen bürgerlichen Phrasen zu entlarven.

Seit jeher umstrittener Autor; widersprüchliches Werk (vgl. etwa die Fundamentalkritik W. G. Sebalds: Andauernd werde „die Bedeutung Sternheims bekräftigt, ohne daß man sich je kritisch mit ihm auseinandersetzte." Stilistisch gehöre sein Werk  zum neuromantischen Ästhetizimus, enthülle den Zynismus einer Gesellschaft und proklamiere sie im selben Atemzug als den höchsten Sinn des Wirklichen. St. sei kein Satiriker, sondern Melodramatiker).

     

Ältestes von 7 Kindern. Vater: Carl Jakob Sternheim (1852-1918) aus jüdischer Bankiersfamilie, Vermögensverwalter, Börsenmakler und Zeitungsverleger (verwandtschaftl. Beziehungen u. a. zu Heine, Heyse, Mendelssohn-Bartholdy, Droysen, Freud); Mutter: Rosa Marie Flora Francke (1856-1908) aus evangelischer Buchdruckerfamilie. Heirat erst ein Jahr nach Sternheims Geburt.  Geschwister: Julius (1881-1941), Felix (1882-1946), Maria (1879-1922), Gertrude (1880-1958), Edith (1883-1957). Frühe Kindheit in Hannover; ab dem 6. Lebensjahr in Berlin. Evangelische Taufe mit 19 Jahren.

Großbürgerliche Existenz. Leben voller Unrast (häufiger Wohnortswechsel) und Lebenswendungen. Lebenslange Krankheitsgeschichte: temporäre physische und psychische Störungen, Klinikaufenthalte; seit den 30er-Jahren physischer und geistiger Verfall (Gehirnleiden).

     

1900

Eheschließung mit Eugenie Hauth; Sohn: Carlhans (1901-1944; Hinrichtung im Zuchthaus Brandenburg); 1906 Scheidung

1907

2. Ehe mit der Fabrikantentochter Thea Löwenstein, geb. Bauer (1883-1971); Tochter Dorothea ("Mopsa", 1905-1954), Sohn Klaus (1908-1946); 1927 Scheidung

1930

3. Ehe mit Pamela Wedekind (1906-1986, Tochter Frank Wedekinds); Scheidung 1934

1935-42

Lebensgemeinschaft mit seiner Haushälterin Henriette Carbonara (1897-1959)

Auszeichnung

1915

Fontane-Preis (Weitergabe des Preisgeldes an den noch unbekannten Franz Kafka)


Wichtige Lebensdaten:

1884

Übersiedlung der Familie nach Berlin.

1884-88

Volksschule.

1888

Auf dem Friedrichswerderschen Gymnasium.

1897

Evangelische Taufe. Sept.: Abitur.

1897/98

Studium in München (Philosophie, Literatur).

1898

Übersendung der ersten literarischen Arbeiten an Paul Heyse, der sie mit Lob bedenkt.

1898/99

Jurastudium in Göttingen.

1899/1900

Literaturstudium in Leipzig.

1900

Freier Schriftsteller. Heirat. Wohnsitz in Weimar.

1901

Jurastudium in Jena.

1902

Umzug nach Berlin. Weiterführung der Studien (Psychologie, Literatur- und Kunstgeschichte). Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger; Entlassung aufgrund körperlicher Schwäche.

1903

Umzug nach München. Beziehung mit Thea Löwenstein. Zeitweilige Trennung von der Ehefrau. In den Folgejahren Reisen nach Italien, Griechenland, Konstantinopel.

1905

Italienreise. Umzug nach Freiburg i. Br.

1906

Erneute Italienreise. - Depressionen. In Freiburg i. Br. Verhaftung wegen eines angeblichen Sexualdelikts. Einweisung in eine Nervenklinik. - Scheidung von Eugenie. Umzug mit Thea nach München.

1907

Heirat mit Thea Löwenstein ermöglicht großbürgerliche Existenz.

1908

Bau eines Hauses in Höllriegelskreuth bei München (Bellemaison). Künstlertreffpunkt (Blei, Wedekind, H. Mann, R. A. Schröder, Lichnowsky, Dauthendey, Max Reinhardt, Kubin). - Aufbau einer Kunstsammlung (Altdorfer, van Gogh, Gauguin, Renoir, Matisse, Picasso). - Herausgabe des ersten Jahrgangs der Zweimonatsschrift Hyperion (zusammen mit Franz Blei).

1910

Durchbruch als Kulturkritiker, Bühnenautor und Erzähler.

1912

Verkauf von Bellemaison aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in der Firma des Schwiegervaters. Dez.: Umzug nach Belgien (Villa Piccola); Bau eines Hauses in La Hulpe bei Brüssel (Villa Claire Collin).

1914

Kriegsbedingte Rückkehr nach Deutschland: Bad Harzburg (Nervenzusammenbruch), Bad Homburg. Wird von den Militärbehörden als untauglich zurückgestellt.

1915

Mai: Königstein im Taunus; in ärztl. Behandlung. - Bekanntschaft mit E. L. Kirchner und Otto Klemperer. Dank der gemeinsamen pazifistischen Handlung Kontakt zu Franz Pfemfert und René Schickele. Beiträge zu Pfemferts Zeitschrift Aktion.

1916

April: Wieder in Brüssel. Bekanntschaft mit Carl Einstein und Gottfried Benn.

1918

Mit den Kindern vorübergehend in Holland. Thea ohne Aufenthaltsgenehmigung.

1919

Verkauf der belgischen Villa, Versteigerung eines großen Teils der Kunstsammlung. Übersiedlung  in die Schweiz: Uttwil am Bodensee.

1920

Erneuter Nervenzusammenbruch.

1922

Rückkehr nach Deutschland: Dresden-Wilschdorf (Waldhof). Verstimmung im Verhältnis zu Pfemfert.

1923

Erste Regiearbeit am Neuen Theater Dresden (Die Hose). Entfremdung von der Ehefrau.

1924

Rückkehr nach Uttwil.

1927

Nervenzusammenbruch nach der Scheidung von Thea. 

1928

Sanatoriumsaufenthalt. 

1929

In einem Berliner Sanatorium. Rückkehr nach Uttwil zusammen mit Pamela Wedekind.

1930

Dritte Ehe und Rückkehr nach Brüssel. In den Folgejahren insgesamt in 7 Wohnungen.

1933

Verbot seiner Werke im Nationalsozialismus führt zu weiteren Depressionen und zur Verarmung.

1934

Scheidung von Pamela.

1935

Abstecher nach London führt zu keinem literarischen Erfolg. Zunehmende Verschlechterung des Gesundheitszustands, Einsamkeit, angespannte finanzielle Situation.

1938

Ans Bett gefesselt.

1940

Besetzung Brüssels durch die deutsche Wehrmacht: St. vernichtet seine Tagebücher und Aufzeichnungen.

1942

Lungenentzündung führt zum Tod: Aber über alldem steht, daß ich – bester Laune – völlig genug vom Leben habe und mein Ende als höchstes Erdengut auch erwarte! - 5.11.: An der Beisetzung nehmen vier Trauergäste teil.


Werke:

(a = uraufgeführt in )

Dramatische Werke

1898

Der Heiland. Komödie

1901

Judas Ischarioth. Die Tragödie vom Verrat

1902 a Dresden

Auf Krugdorf

1907 (a Darmstadt)

Ulrich und Brigitte. Dramatisches Gedicht

1909 (1912 a Berlin)

Don Juan. Tragödie

1911-1923

Aus dem bürgerlichen Heldenleben

  • Die Hose (1911, a Berlin) 

  • Die Kassette (1912, 1911 a Berlin)

  • Der Snob (1914, a Berlin)

  • 1913 (1915; 1919 a Frankfurt/M.)

  • Das Fossil (1925; 1923 a Hamburg)

1913 (a Berlin)

Bürger Schippel. Komödie

1914 (a Wien)

Der Kandidat. Komödie nach Flaubert

1915 (a Berlin)

Der Scharmante. Lustspiel mit Benutzung einer fremden Idee

1915 (a Berlin)

Das leidende Weib. Drama nach Klinger

1916 (a Berlin)

Der Geizige. Komödie nach Molière

1916 (1919 a Berlin)

Tabula rasa

1917
(a Frankfurt/M.)

Perleberg. Komödie (Der Stänker)

1919
(a Frankfurt/M.)

Die Marquise von Arcis. Schauspiel nach Diderot

1920

Der entfesselte Zeitgenosse. Ein Lustspiel

1921

Manon Lescaut

1922

Der Abenteurer. Drei Stückchen von ihm
Der Nebbich. Ein Lustspiel

1925 (a Dresden)

Oscar Wilde. Sein Drama

1926 (a Dresden)

Die Schule von Uznach oder Neue Sachlichkeit. Ein Lustspiel

1928

Die Väter oder Knock out. Komödie

1929 (a Dresden)

Vom König und der Königin. Tragödie

1930

John Pierpont Morgan. Schauspiel

1931

Aut Caesar - aut nihil. Komödie

Erzählungen/Novellen

1913

Busekow. Eine Novelle

1915

Napoleon. Eine Novelle
Schuhlin. Eine Erzählung

1916

Meta. Eine Erzählung

1916

Die drei Erzählungen

  • Busekow (1913)

  • Napoleon (1915)

  • Schuhlin (1915)

1917

Mädchen

  • Geschwister Stork (= Die Schwestern Stork)

  • Meta (1916)

1917

Posinsky. Eine Erzählung

1918

Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn. Bd. 1

  • Napoleon (1915)

  • Die Hinrichtung

  • Ulrike

  • Die Laus

Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn. Bd. 2

  • Busekow (1913)

  • Yvette

  • Schuhlin (1915)

  • Die Schwestern Stork (1917)

  • Meta (1916)

  • Heidenstam

Vier Novellen. Neue Folge der Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn

  • Vanderbilt

  • Die Poularde

  • Posinsky (1917)

  • Der Anschluß

1921

Fairfax

1922

Libussa. Des Kaisers Leibroß

1924

Gauguin und van Gogh

1928

Adrienne

Roman

1919/20

Europa (2 Bde.)

Gedichte

1901

Fanale! (Slg.)

Aufsätze (Auswahl)

1910

Vincent van Gogh

1917

Molière
Kampf der Metapher

1918

Das gerettete Bürgertum
Die deutsche Revolution (Artikelserie)

1920

Berlin oder Juste Milieu

1921

Tasso oder Kunst des Juste Milieu. Ein Wink für die Jugend

1922

Arbeiter-ABC

1926

Lutetia. Berichte über europäische Politik, Kunst und Volksleben

Autobiografie

1936

Vorkriegs-Europa im Gleichnis meines Lebens

Werkausgaben

1963-68

Gesammelte Werke, hg. v. Fritz Hofmann, Berlin/Weimar: Aufbau (6 Bde.)

1963-76

Das Gesamtwerk, hg. v. Wilhelm Emrich u. Manfred Linke, Neuwied/Berlin: Luchterhand (10 Bde.)

    


     

Carl Sternheim Gesellschaft e.V.

Figurenlexikon

  

    

25.8.2015

  

 

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