Adalbert Stifter
Taufname: Albert
Lebensdaten Werk
*23. Oktober 1805 Oberplan im Böhmerwald (heute: Horní-Planá, Tschechien) +28. Januar 1868 Linz (Selbstmord während eines Schmerzanfalls) begraben: Linz, Friedhof St. Barbara |
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Erzähler, Pädagoge, "begeisterter
Landschaftsmaler" (mehr als 160 Zeichnungen, Aquarelle u. Ölbilder).
Sohn des Leinenwebers und Garnhändlers Johann Stifter (+1817) und seiner Frau Magdalena, geb.
Friepeß (1783-1858); drei Brüder, eine Schwester; nach dem frühen Tod des Vaters hartes und
entbehrungsreiches Leben; bestimmender Einfluss der Großeltern (Augustin
Stifter, 1744-1834; Ursula Stifter, geb. Kary, 1756-1836; Franz Friepeß).
Liberale Grundhaltung, begeistert sich zunächst für die 1848er Revolution; dann
aber Absage an revolutionäre Entwicklungen.
Entschlusslosigkeit, Lebensflucht in jungen, Krankheit, Depressionen, Hypochondrie in
alten Jahren.
1837 |
Heirat mit Amalie Mohaupt (1811-1883), Tochter eines pensionierten Leutnants. Ehe bleibt kinderlos. |
Von Jean Paul und von den
ethischen und ästhetischen Idealen der deutschen Klassik beeinflusst. Ästhetisches
Programm des "sanften Gesetzes" der äußeren und der menschlichen
Natur (Vorrede zu den Bunten Steinen, 1853): im Kleinen, Unscheinbaren
und Stillen liegt das wahrhaft Edle und Große.
Polemische Kritik Hebbels am "überschätzten Diminutiv-Talent"
(1858); Wiederentdeckung im 20. Jh., veranlasst durch Nietzsche (Nachsommer als
eines der wenigen Bücher, die es verdienten, "wieder und wieder gelesen zu
werden", 1879). Thomas Mann: "Stifter ist einer der merkwürdigsten,
heimlich kühnsten und wunderlich packendsten Erzähler der Weltliteratur".
Ehrungen:
1850 |
Medaille für Kunst und Wissenschaft |
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1854 |
Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens |
1817 |
Der Vater wird auf einer Handelsreise von einem umstürzenden Flachswagen erschlagen. |
1818 |
Auf Betreiben des Großvaters mütterlicherseits Eintritt in die Lateinschule der Benediktiner von Kremsmünster (im Schülerregister als "Adalbertus" geführt). Glücklichste Zeit seines Lebens; Interesse für Malerei, Dichtkunst, Musik; humanistische Bildung. |
1820 |
Neue Ehe der Mutter mit dem Bäckermeister Ferdinand Mayer. |
1825 |
Erkrankung an Blattern. |
1826-30 |
Nicht abgeschlossenes Jura-Studium in Wien. |
1827 |
Hauslehrer in Wiener Adels- und Patrizierhäusern. In den Ferien lernt St. in Friedberg die Schwester eines Freundes kennen, Fanny Greipl, Tochter eines reichen Leinwandhändlers. |
1929 |
Liebe zu Fanny; mit ihr und ihrem Bruder Reise nach Bad Hall und Berchtesgaden. |
1833 |
St., der sich um eine Lehramtsstelle in Prag beworben hat, vergisst den Termin der mündlichen Prüfung; ob dieser "leichtsinnigen Lebensauffassung" kommt es zum Bruch mit dem Hause Greipl. Schwere Krise. Bekanntschaft mit der Putzmacherin Amalie Mohaupt. |
1834 |
St. verspricht Amalie die Ehe. |
1835 |
Erneutes Werben um Fanny erfolglos. |
1836 |
Fanny heiratet den Kameralsekretär Fleischanderl. |
1837 |
15.11.: Heirat mit Amalie, deren ganze Mitgift aus zwei Heiligenbildern besteht. Perfekte Hausfrau, aber beschränkt und ungebildet. Unglückliche Ehe, von St. zur glücklichen stilisiert. |
1839 |
Sept.: Fanny stirbt im Kindbett. |
1840 |
Der Condor: Durchbruch als Dichter. |
1841 |
Begegnung mit dem Verleger Gustav Heckenast; Beiträge für das
Sammelwerk Wien und die Wiener; Stifters materielle Lage bessert sich; das
gebildete Wien beginnt sich für ihn zu interessieren. |
1842 |
Verkehr in den Wiener Salons; Bekanntschaft mit Geistesgrößen (u.a. Anastasius Grün, Lenau, Grillparzer). |
1843-46 |
St. als Pädagoge gefragt: Vorleser im Haus der Fürstin Schwarzenberg; Hauslehrer beim Fürsten Metternich; unterrichtet den ältesten Sohn des Staatskanzlers in Mathematik und Physik. Immer in Geldnot. |
1844/45 |
Reisen ins Salzkammergut und zur Mutter. |
1846 |
Misserfolg einer Probevorlesung an der Universität. Kritiker treten auf den Plan (vor allem Friedrich Hebbel, der seit 1845 in Wien lebt). Reise nach München. |
1847 |
Vier Monate Linz. In Wien Begegnungen mit Meyerbeer, Robert und Clara Schumann, Eichendorff und der "schwedischen Nachtigall" Jenny Lind. St. nimmt die sechsjährige Nichte seiner Gattin, Juliana Mohaupt, in sein Haus, um seinen kranken Schwager zu entlasten. |
1848 |
Revolutionsjahr; als "Mann des Maßes und der Freiheit" weicht St. aus dem unruhigen Wien nach Linz aus. |
1848-50 |
Redaktionelle Leitung der Linzer Zeitung und des Wiener Boten. |
1850 |
Ernennung zum Inspektor der oberösterreichischen Volksschulen; Übersiedlung nach Linz. |
1852 |
Inspektor der Linzer Ober-Realschule. |
1853 |
Ernennung zum Landeskonservator der Kunstschätze Oberösterreichs; stellvertretender Vorsitzender des Linzer Kunstvereins |
1854 |
Schwerer und unbefriedigender Alltag der
Schulverwaltung.
Kränkungen im Amt: Ein von St. mitverfasstes Lesebuch zur Förderung humaner Bildung
in Realschulen wird vom neuen Unterrichtsminister nicht genehmigt; Stifters Eingaben
und Vorschläge bleiben unberücksichtigt. |
1856 |
Entzug der Inspektion der Linzer Realschule. |
1857 |
Mit Frau und Juliana Reise nach Italien; Geld und Zeit reichen nur bis Triest. |
1858 |
Tod der Mutter und zweier Nichten. |
1859 |
Selbstmord der geliebten Stieftochter Juliana, die sich in der Donau ertränkt. |
1860 |
Aufenthalt in Wien, Reise nach München. |
1863 |
Erkrankung; Symptome einer Leberzirrhose, die sich rasch verschlimmert. |
1864 |
Erholung in Lakerhäuser im Böhmerwald. |
1865 |
Immer wieder Depressionen; 1. Karlsbader Reise; Rückreise über Prag, Nürnberg, Regensburg; Aufenthalt in Lakerhäuser und Kirchschlag. Versetzung in den Ruhestand mit vollem Gehalt und Ernennung zum Hofrat. |
1866 |
2. Karlsbader Reise; Lakerhäuser und Kirchschlag. Angst-Anfälle (Furcht vor der Cholera); Bedrückung durch die Niederlage bei Königgrätz. |
1867 |
3. Karlsbader Reise; Kirchschlag; Besuch in Oberplan; schwere Grippe. |
1868 |
Sorgen, Einsamkeit, Krankheit, Schmerzen: In der Nacht vom 25. auf den 26.1. schneidet St. sich auf dem Krankenbett mit dem Rasiermesser in den Hals; zwei Tage später stirbt er. |
Romane
1857 |
Der Nachsommer. Eine Erzählung (Bildungsroman, 3 Bde.) |
1865/66/67 |
Witiko. Eine Erzählung (hist. Roman, 5 Bde.) |
Erzählungen/Novellen
1840 |
Der
Condor |
1841 |
Feldblumen |
1841/42 |
Die Mappe meines Urgroßvaters (1. Fass. = "Urmappe") |
1842 |
Der Hochwald |
1843 |
Abdias |
1844 |
Brigitta |
1845 |
Der
Hagestolz |
1846 |
Die
Schwestern |
1847 |
Der Waldgänger |
1848 |
Prokopus |
1849 |
Die Pechbrenner |
1852 |
Der Pförtner im Herrenhause |
1864 |
Nachkommenschaften |
1866 |
Der
Waldbrunnen |
1867 |
Aus dem bayrischen Walde |
1869 |
Der fromme Spruch |
Novellensammlungen
1844 |
Studien I:
Studien II:
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1847 |
Studien III:
Studien IV:
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1850 |
Studien V:
Studien VI:
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1853 |
Bunte Steine. Ein Festgeschenk
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Schriften
1847 |
Studien- und Literaturbriefe aus Wien |
1848 |
Über Stand und Würde des Schriftstellers |
Gesamtausgaben
1901ff. / 1927ff. / 1979 |
Sämtliche Werke, hg. v. August Sauer u.a., Prag/Reichenberg/Hildesheim (25 Bde.) |
1978ff. |
Werke und Briefe. Historisch-kritische Gesamtausgabe, hg. v. Alfred Doppler u. Wolfgang Frühwald, Stuttgart u.a. |
Links:
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Rheinische Adalbert-Stifter-Gemeinschaft