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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg
 

Lebensdaten
Werk

Stolberg-Texte online


* 7. November 1750 Bad Bramstedt (seinerzeit dänisch)

+ 5. Dezember 1819 Gut Sondermühlen (Melle) bei Osnabrück

Begraben: Friedhof Stockkämpen bei Tatenhausen

  

 
Stich von M. Steinla
(Bildquelle: Zeno.org)
    

Jurist, Dichter und Übersetzer. Aus alter reichsgräflicher Familie. Zweiter Sohn des Oberhofmeisters der dänischen Königswitwe Christian Günther Graf zu Stolberg-Stolberg (+1765) und seiner Ehefrau Friederike Christiane, geb. Gräfin zu Castell-Remlingen (+1773). Vater aufklärerisch gesinnt, Mutter pietistisch-schwärmerisch. Zum Freundeskreis der Familie zählen Klopstock und der Theologe Cramer. Häusliche Erziehung durch französische und deutsche Hofmeister.
  Verliert mit 15 den Vater; lernt als Autodidakt Griechisch; enge Bindung zum älteren Bruder Christian (1748-1821): die "Brüder Stolberg". Großes Aufsehen machte seine Konversion zum Katholizismus.

1782

Heirat mit Agnes Gräfin von Witzleben (1761-1788); 4 Kinder

1790

Heirat mit Sophie Charlotte Eleonore Gräfin von Redern (1765-1842); 13 Kinder

Frühe Odendichtung in der Nachfolge Klopstocks, dann Zuwendung zu balladesken Dichtungen und zum gereimten Lied. Stürmer und Dränger, Mitglied des "Göttinger Hains"; später Hinwendung zum Katholizismus (Einfluss auf die Frühromantik). Kenner der Antike, Übersetzer antiker Literatur; erste deutschsprachige Hexameter-Übertragung der Ilias.

Ehrung:

1815

Ehrendoktor der Universität Kiel


Wichtige Lebensdaten:

1765

Tod des Vaters.

1770-72

Studium der Rechtswissenschaften in Halle zusammen mit seinem Bruder Christian.

1772-73

Wechsel an die Universität Göttingen; die Brüder werden in den "Hain" (u.a. Voß, Hölty) aufgenommen. Freundschaft mit Voß.

1773

Kopenhagen; im Haus des Schwagers Andreas Peter Bernstorff (dänischer Außenminister). Tod der Mutter.

1775-76

"Kavalierstour" der Brüder in die Schweiz zusammen mit Goethe; Begegnung mit Geßner, Bodmer, Klinger, Lavater, Lenz, Merck, Schlosser und Voltaire; Rückreise über Ulm, Gotha, Erfurt, Weimar, Dessau, Berlin, Hamburg (Schubart, Ekhof, Dalberg, Wieland, Basedow, Nicolai).

1776

Aug.: Dänischer Kammerjunker.

1776-80

Als Gesandter des Fürstbischofs von Lübeck und Herzogs von Oldenburg Friedrich August am dänischen Hof in Kopenhagen.

1780

Abschied vom Amt nach dem Sturz Bernstorffs; langer Urlaub.

1781

Nov.: Formelle Entlassung als Gesandter.

1781-83

Obermundschenk und Vizehofmaraschall an der Residenz in Eutin.

1783-88

Amtmann in Neuenburg bei Oldenburg. 

1785

Herbst: In diplomatischer Mission in St. Petersburg.

1788

Nov.: Plötzlicher Tod der Gattin; schwere seelische Krise. Bittet um die Entlassung aus dem Amt.

1789-91

Als dänischer Gesandter in Berlin.

1790

Zweite Eheschließung.

1791

Berufung zum Lübischen Kammerpräsidenten in Eutin (mit Urlaub bis 1793).

1791-93

Mit Frau und Sohn Ernst Reise in die Schweiz und nach Italien (Rom, Neapel, Sizilien). Unterwegs in Münster Aufenthalt bei der "romantischen" Katholikin Fürstin Amalie von Gallitzin: Eine folgenreiche Verbindung entsteht.

1793

Jan.: Rückkehr nach Eutin. März: Antritt des Amtes. Gegenbesuch der Fürstin Gallitzin. Intensives theologisches Studium.

1794

Nov.: Im Münsterschen Kreis (iron.: "familia sacra") der Fürstin, Neigung zum Katholizismus.

1800

Pfingsten: Konversion zum Katholizismus (samt Frau und Kindern); ungeheures Aufsehen. Kontroversen mit dem Eutiner Kreis (Voß); Ausscheiden aus den Diensten des evangelischen Landesherrn. Sommer: Übersiedlung nach Münster bzw. Lütkenbeck. S. widmet sich fortan ohne Amt seinen religionsgeschichtlichen Interessen.

1812-16

Schloss Tatenhausen bei Bielefeld.

1816

Domäne Sondermühlen bei Osnabrück.

1819

Erscheinen der Schmähschrift von Voß: Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier? 

1820

Stolbergs Antwort wird postum von seinem Bruder veröffentlicht.


Werke:
(e = entstanden)

Romane

1788

Die Insel (utopischer Roman)

1968 (1788 e)

Numa (Erziehungsroman; Frgm.)

Dramen

1784

Timoleon. Ein Trauerspiel mit Chören

1787

Schauspiele mit Choeren (gemeinsam mit dem Bruder Christian):

  • Theseus

  • Der Säugling

Gedichte

ab 1774

Gedichte im "Göttinger Musenalmanach" und im "Deutschen Museum" (Lied auf dem Wasser zu singen, 1782 e; 1823 Schubert-Vertonung)

1775

Freiheits-Gesang aus dem Zwanzigsten Jahrhundert

1779

Gedichte (gemeinsam mit dem Bruder Christian; verm. 1817)

1784

Jamben (Satiren)

1794

Die Westhunnen (Ode)

1796

Kassandra (Ode)

1815

Vaterländische Gedichte (gemeinsam mit dem Bruder Christian)

1885

Die Zukunft (Hexameterfrgm.)

Übersetzungen

1778

Homer: Ilias (2 Bde.)

1796-97

Platon: Auserlesene Gespräche (3 Bde.)

1802

Aischylos: Vier Tragödien

1803

Zwo Schriften des heiligen Augustinus von der wahren Religion ...

1806

J. Macpherson: Die Geschichte von Ossian, dem Sohne Fingals (3 Bde.)

1823

Die heiligen sonn- und festtäglichen Episteln und Evangelien ...

1918

Lyrische Übersetzung der Psalmen 78-150

Reisebeschreibung

1794

Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien in den Jahren 1791-92 (4 Bde.)

Schriften

1777

Über die Fülle des Herzens

1782

Über die Begeisterung

1806-18

Geschichte der Religion Jesu Christi (15 Bde.)

1815

Leben Alfreds des Großen
Ueber den Vorrang des Apostels Petrus vor den andern Aposteln

1818

Leben des hl. Vincentius von Paulus nebst desselben Ordensregeln ...
Drey kleine Schriften

1819/21

Betrachtungen und Beherzigungen der Heiligen Schrift (2 Bde.)

1820

Kurze Abfertigung der langen Schmähschrift des Herrn Hofraths Voß (Frgm.)
Ein Büchlein von der Liebe

1839

Ueber die Schaubühne. Von einem großen Verstorbenen

1842 (1800 e)

Unterricht über einige Unterscheidungslehren der katholischen Kirche

Ausgabe

1820-25

Gesammelte Werke der Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg, Hamburg: Perthes & Besser (20 Bde.)

     


      

 
Lied auf dem Wasser zu singen

Für meine Agnes

 

Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen

Gleitet, wie Schwäne, der wankende Kahn:

Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen

Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;

Denn von dem Himmel herab auf die Wellen

Tanzet das Abendrot rund um den Kahn.

              

Über den Wipfeln des westlichen Haines

Winket uns freundlich der rötliche Schein;

Unter den Zweigen des östlichen Haines

Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein;

Freude des Himmels und Ruhe des Haines

Atmet die Seel im errötenden Schein.

           

Ach, es entschwindet mit tauigem Flügel

Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit;

Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel

Wieder wie gestern und heute die Zeit,

Bis ich auf höherem strahlendem Flügel

Selber entschwinde der wechselnden Zeit.
 

         


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