August Stramm
Lebensdaten | Werk | Textbeispiel



* 29. Juli 1874
Münster

+ 1. September 1915 Horodec bei Brest-Litowsk (Weißrussland) (Kopfschuss)

begraben: urspr. Horodec, Jüdischer Friedhof; 1928 überführt nach Stahnsdorf bei Berlin, Südwestfriedhof

Du großer Künstler und liebster Freund.
Du leuchtest ewig.
(Nachruf von Herwarth Walden in "Der Sturm")
 

Aus kleinbürgerlichem Milieu; auf Wunsch des protestantischen Vaters (selbst Postbeamter) Postberuf statt des unter dem Einfluss der katholischen Mutter ins Auge gefassten Theologiestudiums. Geprägt vom zeittypischen Konflikt zwischen bürgerlichen Wertvorstellungen und dem Ausbruch in die Kunst; schreibt etwa ab 1910, veröffentlicht aber erst als Vierzigjähriger in der Berliner Avantgarde-Zeitschrift Der Sturm.

1902

Eheschließung mit Else Krafft (1877-1947; Unterhaltungsschriftstellerin und Journalistin); Kinder: Ingeborg (*1903), Helmuth (*1904)

Einer der Hauptvertreter des Frühexpressionismus, der den Schritt hin zur Abstraktion wagt. "Hinneigung zum Futurismus": Zerstörung grammatischer und syntaktischer Regeln, konsequente Funktionalisierung der sprachlichen Mittel, die auf größtmögliche Ausdrucksintensität und Unmittelbarkeit der Expression abzielt: Wortbildungen ("glotzenschrecke Augen brocken wühles Feld"), reduzierte Syntax, Kurzverse. Anreger experimenteller Lyrik (Einfluss u.a. auf Kurt Schwitters, später Ernst Jandl).


wichtige Lebensdaten:

1883-88

Gymnasien in Düren und Eupen.

1893

Abitur in Aachen; Eintritt in den höheren Postdienst.

1896-97

Postsekretär. Militärdienst.

1898

Bekanntschaft mit Else Krafft.

1897-1900

Im Seepostdienst zwischen Deutschland (Bremen, Hamburg) und den USA (New York). Fortbildungsaufenthalte in den USA.

1902

Verwaltungsprüfung für Post und Telegraphie. Heirat; Wohnsitz in Bremen.

1905

Versetzung ins Reichspostministerium nach Berlin. Nebenbei Studium der Nationalökonomie.

1909

Promotion zum Dr. phil. in Halle ("Historische, kritische und finanzpolitische Untersuchungen über die Briefpostgebührensätze des Weltpostvereins und ihre Grundlagen"). Beförderung zum Postinspektor.

1913

Über seine Frau Bekanntschaft mit Herwarth Waldens Zeitschrift Der Sturm, die das Drama Sancta Susanna annimmt. 

1914

Freundschaft mit Herwarth Walden; führender Mitarbeiter im Sturm; Kontakt zu literarischen Kreisen (Holz, Döblin). Bei Kriegsausbruch als Hauptmann der Reserve an die Westfront.

1915

Apr.: als Kompanieführer an die Ostfront; Mai: Bataillonskommandeur; Teilnahme an den Schlachten von Gorlice und Radymno; nach monatelangen Kämpfen erschossen bei einem Angriff auf russische Stellungen im Kampf um Brest-Litowsk: "Er fiel am 1. September 1915 als letzter seiner Kompagnie bei einem Sturmangriff in Rußland, nachdem er über siebzig Schlachten und Gefechte mitgemacht hatte." (Herwarth Walden)


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Dramen

1914-16

"Sturm-Bücher" (Einakter):

  • Die Unfruchtbaren

  • Rudimentär

  • Sancta Susanna. Ein Gesang der Mainacht (1918 a Berlin)

  • Die Haidebraut (1919 a Berlin)

  • Erwachen

  • Kräfte (1919 a Berlin)

1915

Geschehen

Lyrik

1917
(1914 e)

Menschheit

1915

Du. Liebesgedichte (Zyklus)

1915

Weltwehe

1919

Tropfblut (Kriegsgedichte)

Ausgaben

1919

Dichtungen, Berlin (2 Bde. von 3 geplanten)

1956

Dein Lächeln weint. Gesammelte Gedichte, Wiesbaden

1963

Das Werk, hg. v. René Radrizzani, Wiesbaden

1990

Die Dichtungen, hg. v. Jeremy Adler, München


Patrouille

Die Steine feinden
Fenster grinst Verrat
Äste würgen
Berge Sträucher blättern raschlig
Gellen
Tod.
 

 

Untreu

Dein Lächeln weint in meiner Brust
Die glutverbissnen Lippen eisen
Im Atem wittert Laubwelk!
Dein Blick versargt
Und
Hastet polternd Worte drauf.
Vergessen
Bröckeln nach die Hände!
Frei
Buhlt dein Kleidsaum
Schlenkrig
Drüber rüber!

(update: 31.07.2007)

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