Begriff:
nach dem Schauspiel Sturm und
Drang von Klinger; auch: Geniezeit
Datierung:
1767: Herders Fragmente;
1785: Goethes und Schillers Wendung zur Klassik
tragende Schicht:
junge Generation, die - im
Despotismus politisch zur Untätigkeit verurteilt - die Revolte in der
schriftstellerischen Betätigung sucht.
Grundzüge:
einerseits radikale Fortführung
der Aufklärung, andererseits Protest gegen die Werte der Aufklärung: gegen einseitigen
Rationalismus, Regelgläubigkeit, erstarrte Konventionen der ständischen
Gesellschaftsordnung.
Gefühl, Herz, Trieb,
Individualität, Ursprünglichkeit und Spontaneität gehen über Verstand und Vernunft;
Subjektivismus; Vergötterung der Natur: Urquell des Lebendigen und Schöpferischen;
Naturmensch vs. Kulturmensch (Einfluss Rousseaus); Vollendung des naturhaften Individuums
ist der schöpferische (= kunstschaffende) Mensch, das gottähnliche Originalgenie,
das der Regeln nicht bedarf. Vorbilder: Shakespeare, Homer
Themen:
Kampf um politische,
gesellschaftliche, moralische, metaphysische Freiheit: Konflikt zwischen Natur und
Kultur; Zusammenstoß des einzelnen mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit, Konflikt
zwischen Moralkodex und Leidenschaft; Selbstverwirklichung des genialen Menschen.
Dichter:
Wegbereiter: Hamann
und v.a.
Herder; die Dichter sind naturgemäß junge 20- bis 30-Jährige; Zentren: Süddeutschland
(Straßburg, Frankfurt - Goethe; Schwaben - Schiller)
literarische Technik:
Lyrik: persönliches Erleben in
scheinbar einfacher, dem Volkslied nahestehenden Sprache. Durchbrechung der drei Einheiten
im Drama: häufiger Ortswechsel, lockeres Handlungsgefüge; Prosa; alltagsnahe,
affektbetonte Sprache
bevorzugte Formen:
Drama (Prosa); Erlebnislyrik,
Ballade; (Roman: Goethe, Werther)
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Autoren:

Chodowiecki: Kupferstiche zu Schillers Kabale
und Liebe (1786).
Willst du dein Maul halten? Willst das Violoncello am Hirnkasten wissen? (I,
2)
"Handeln
ist die Seele der Welt"
Ha, er muß in was Besserm stecken, der Reiz des Lebens: denn ein Ball anderer zu sein,
ist ein trauriger, niederdrückender Gedanke, eine ewige Sklaverei, eine nur
künstlerische, eine vernünftige, aber eben um dessentwillen desto elendere Tierschaft.
Was lernen wir hieraus? [...] Das lernen wir hieraus, daß handeln, handeln die Seele der
Welt sei, nicht genießen, nicht empfinden, nicht spitzfündeln, daß wir dadurch allein
Gott ähnlich werden, der unaufhörlich handelt und unaufhörlich an seinen Werken sich
ergötzt: das lernen wir daraus, daß die in uns handelnde Kraft unser Geist, unser
höchstes Anteil sei [...]. Das lernen wir daraus, daß diese unsre handelnde Kraft nicht
eher ruhe, nicht eher ablasse zu wirken, zu regen, zu toben, als bis sie uns Freiheit um
uns her verschafft, Platz zu handeln: Guter Gott, Platz zu handeln, und wenn es das Chaos
wäre, das du geschaffen, wüste und leer, aber Freiheit wohnt nur da, und wir könnten
dir nachahmend drüber brüten, bis was herauskäme - Seligkeit! Seligkeit"
Göttergefühl das!
(Jakob Michael Reinhold Lenz) |