Georg Trakl
Lebensdaten Werk
+3. November 1914 Krakau (Überdosis Kokain) begraben:
zunächst Krakau, Rakoviczer Friedhof; ab 1925 Mühlau
bei Innsbruck, Neuer Friedhof |
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Viertes von
sechs Kindern des wohlhabenden (protest.) Eisenwarenhändlers Tobias Trakl (1837-1910) und seiner Frau Maria
Catharina, geb. Halik (1852-1925). Geburtshaus: Waagplatz Nr. 3. Großbürgerliches, liberal eingestelltes, kunstliebendes
Elternhaus. Geschwister: Gustav (*1880), Maria (*1882), Hermine (Minna,
*1884), Friedrich (*1890), Margarethe (Grete, 1891-1917); Halbbruder aus
der ersten Ehe des Vaters: Wilhelm (*1868).
Gutes Verhältnis zum Vater, Leiden unter der lieblosen Mutter, die sich mehr um
ihre Antiquitätensammlung kümmert als um ihre Kinder; wächst unter der Obhut
einer elsässischen (kath.) Gouvernante auf. Verhaltensstörungen,
Traumzustände; schwieriger und schlechter
Schüler; mutmaßlich inzestuöse Beziehung zur Schwester Grete. Zeitlebens
drogenabhängig, depressiv, menschenscheu.
Bedeutendster
Lyriker Österreichs; in alle Weltsprachen übersetzt. Seine rund 100 Gedichte finden erst
nach dem 2. Weltkrieg die ihnen gebührende Beachtung; das Interesse an Trakl nimmt bis in
die Gegenwart immer noch zu.
Traumhafte Sprache und Bildsymbolik; neben die Gestaltung der Schönheit der Welt
treten demaskierend Chiffren des Grauens und der Verzweiflung; Ehrfurcht vor dem Dasein
und Wissen um Vergänglichkeit und Untergang, Ringen um Erlösung von Schuld und Tod;
expressive Verwendung der Farben, Reihungsstil.
1892 |
Übungsschule der katholischen Lehrerbildungsanstalt in Salzburg. |
1897 |
Eintritt in das humanistische k. k. Staatsgymnasium; erste lyrischer Versuche. |
1902 |
Erste Rauschgiftexperimente (Chloroform, Opium). |
1905 |
Nichtversetzung; vorzeitiger Abgang vom Gymnasium mit mittlerer Reife. |
1905-08 |
Praktikant in der Apotheke "Zum weißen Engel". |
1906 |
Trakls Totentag. Dramatisches Stimmungsbild in einem Akt und Fata Morgana. Tragische Szene (nicht erhalten) werden im März/September im Salzburger Stadttheater uraufgeführt. |
1908-10 |
Pharmaziestudium in Wien; Erwerb des Magistergrads. |
1910 |
Juni: Tod des Vaters. Finanzielle Schwierigkeiten. |
1910-11 |
Einjähriger Militärdienst als Pharmazeut bei der k. k. Sanitätsabteilung Nr. 2 in Wien. |
1911 |
Rückkehr nach Salzburg; Stelle als Rezeptarius in der Apotheke "Zum weißen Engel"; Okt.: Bewerbung um eine Stelle als Rechnungspraktikant im Wiener Ministerium für öffentliche Arbeiten. Dez.: Ernennung zum nichtaktiven Landwehrmedikamentenakzessisten; Antrag auf Aktivierung als Militärapotheker. |
1912 |
Apr.: Probedienst im Innsbrucker Garnisonsspital; Bekanntschaft mit dem Herausgeber des Brenner, Ludwig von Ficker, der von nun an regelmäßig Gedichte von T. veröffentlicht. Okt.: nach Abschluss der Probezeit Militär-Medikamentenbeamter; 31. Dez.: Rechnungspraktikant im Arbeitsministerium in Wien. |
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1913 |
1. Jan.: Entlassungsgesuch; T. bleibt dem Dienst fern. Rückkehr nach Innsbruck; Existenzkrise, Schulden, Depressionen. Meist beim Freund und Gönner Ludwig von Ficker in Mühlau oder dessen Bruder in Hohenburg; Salzburger Aufenthalte; Jul. - Aug.: unbezahlter Probedienst als Rechnungspraktikant im Wiener Kriegsministerium; Abbruch. Aug.: zwei Wochen mit Freunden (Adolf Loos, Karl Kraus, Peter Altenberg) in Venedig; Nov.: Berufsbemühungen in Wien. |
1914 |
März: bei der kranken Schwester Grete in Berlin (Fehlgeburt); Reise zum Gardasee; Innsbruck. Nach Kriegsausbruch zieht T. am 24. Aug. als Medikamentenakzessist im Leutnantsrang ins Feld; über Salzburg und Wien an die Front in Galizien; Sept.: in der Schlacht von Grodek/Galizien eingesetzt; muss in einer Scheune 90 Schwerverwundete zwei Tage allein betreuen, ohne ihnen helfen zu können: Selbstmordversuch; 8.10.: zur Beobachtung seines Geisteszustandes ins Garnisonsspital von Krakau. Hier wahrscheinlich Selbstmord; Diagnose: endogene Schizophrenie. Sein Diener "war der einzige Mensch, der bei Trakls Begräbnis als Leidtragender zugegen war." (Ludwig von Ficker) |
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1917 |
Selbstmord der Schwester Grete in Berlin. |
(e = entstanden)
Lyrik
1913 |
Gedichte (u.a. Die schöne Stadt, An den Knaben Elis, Im Winter, De profundis, Vorstadt im Föhn, Die Ratten, In den Nachmittag geflüstert, Psalm, Verfall, Helian) |
1915 |
Sebastian im Traum. Gedichte (Sebastian im Traum - Der Herbst des Einsamen - Siebengesang des Todes - Gesang des Abgeschiedenen - Traum und Umnachtung; u.a. An den Knaben Elis, Elis, Kaspar Hauser Lied, Ein Winterabend, Untergang) |
1914-15 |
Gedichte im "Brenner": u.a. Grodek, Offenbarung und Untergang |
Prosadichtungen
1947 |
Offenbarung und Untergang. Die Prosadichtungen |
Jugenddichtungen
1906 |
Aus Goldenem Kelch: Barrabas. Eine Phantasie |
1906 |
Aus Goldenem Kelch: Maria Magdalene. Ein Dialog |
1906 |
Verlassenheit (Prosaskizze) |
Ausgaben
1917 |
Die Dichtungen, hg. v. Karl Roeck, Leipzig |
1939 |
Aus goldenem Kelch. Die Jugenddichtungen, hg. v. Erhard Buschbeck, Salzburg |
1945 |
Die Dichtungen. Gesamtausgabe, hg. v. Kurt Horwitz, Zürich |
1969 |
Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe; hg. v. W. Killy und H. Szklenar, Salzburg (2 Bde.) |
Die schöne Stadt
Alte Plätze sonnig
schweigen. Aus den braun
erhellten Kirchen Rösser tauchen aus
dem Brunnen. Mädchen stehen an
den Toren, Zitternd flattern
Glockenklänge, Helle Instrumente
singen. Heimlich haucht an
blumigen Fenstern |
Verfall
Am Abend, wenn die
Glocken Frieden läuten, Hinwandelnd durch
den dämmervollen Garten Da macht ein Hauch
mich von Verfall erzittern. Indes wie blasser
Kinder Todesreigen |