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Kurt Tucholsky
 
Pseudonyme: Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser

Lebensdaten
| Werk

Tucholsky-Texte online



* 9. Januar 1890 Berlin

+ 21. Dezember 1935 Göteborg (Suizid)

Grabstätte: Mariefred (am Mälarsee, Schweden), Friedhof (unter einer Eiche)
Grabschrift: Alles Vergängliche Ist Nur Ein Gleichnis
 

 


Lithographie von Emil Stumpp
(1930)

 

  
Linksbürgerlicher Publizist, Aufklärer, Zeitkritiker, Humorist, Lyriker, Erzähler. Meister der kleinen journalistischen und literarischen Form: Zwischen 1907 und 1932 Veröffentlichung von über 2500 Gedichten, Glossen, satirischen Skizzen, Essays, Kabarett-Texten, Porträts, Kritiken und Chansons, in denen er Spießertum, Heuchelei und politische Dummheit bloßstellt. Andauernder Erfolg beim Publikum bis in die Gegenwart, "einer der wenigen brauchbaren deutschen Volksschriftsteller, bei denen man nicht vor Langerweile stirbt" (Hermann Kesten).

     

Aus assimilierter jüdischer großbürgerlicher Familie: Ältester Sohn des Bankdirektors Alex Tucholsky (1855-1905) und seiner Frau Doris, geb. Tucholsky (Cousine, 1869-1943; stirbt im Konzentrationslager Theresienstadt). Geschwister: Fritz (*1896), Ella-Ida (*1897). Gutes Verhältnis zum Vater, äußerst distanziertes zur herrschsüchtigen Mutter. - Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg streitbarer Pazifist und Antimilitarist. Im Privatleben bindungsunfähig. In den letzten Lebensjahren zunehmend von Selbstzweifeln geplagt, depressiv und pessimistisch.
 

1920

Eheschließung mit der Ärztin Else Weil (1889-1942; Tod im KZ Auschwitz-Birkenau); 1924 Scheidung

1924

2. Ehe mit Mary Gerold (1898-1987); Trennung 1928, Scheidung 1933 (zum Schutz vor Verfolgung in NS-Deutschland)


 
Wichtige Lebensdaten:
 

1893

Umzug der Familie nach Stettin (Versetzung des Vaters).

1896

Einschulung.

1899

Rückumzug nach Berlin. Besuch des Französischen Gymnasiums.

1903-1907

Wechsel auf das Königliche Wilhelms-Gymnasium.

1905

Tod des Vaters, der der Familie ein beträchtliches Vermögen hinterlässt.

seit 1907

Veröffentlichung von Texten in den Feuilletons der Presse (zunächst vor allem im sozialdemokratischen Vorwärts).

1909

Abitur als Externer am Königlichen Luisen-Gymnasium. Aufnahme des Jura-Studiums an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin.

1910

Sommersemester in Genf.

1911

Aug.: Mit seiner späteren Frau, der Medizinstudentin Else Weil, in Rheinsberg (die Claire in Rheinsberg). Sept.: zusammen mit dem Freund Kurt Szafranski Besuch bei Max Brod in Prag; Begegnung mit Franz Kafka.

1912

Beendigung des Studiums ohne Staatsprüfung. Freier Schriftsteller. - Verlobung mit Kitty Frankfurther.

seit 1913

Veröffentlichungen in der linksliberalen Schaubühne (ab 1918 Weltbühne) Siegfried Jacobsohns.

1914

Jan.: Einreichung einer Dissertation zum Hypothekenrecht (Die Vormerkung aus § 1179 BGB und ihre Wirkungen). 1.6.: Austritt aus der jüdischen Gemeinde.

1915

Promotion zum Dr. jur. an der Universität Jena; April: Kriegsdienst an der Ostfront als Armierungssoldat.

1916

Herbst: Versetzung an die Artillerie-Fliegerschule Alt-Autz (Kurland); Kompanieschreiber.

1916-1918

Herausgabe der Feldzeitung Der Flieger.

1917

Erste Begegnung  mit der Deutschbaltin Mary Gerold in Alt-Autz

1918

April: Auflösung der Verlobung mit Kitty Frankfurther. Versetzung nach Rumänien als Vizefeldwebel und Feldpolizeikommissar. Sommer: protestantische Taufe in Turnu Severin. Herbst: Rückkehr aus dem Krieg als überzeugter Pazifist.

1918-1920

Chefredakteur des Ulk, der satirischen Beilage des Berliner Tageblatts.

1920

Beziehungskrise und Trennung von Mary. März: Eintritt in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD). - Mai: übereilte Hochzeit mit Else Weil.

1920-1921

Juli-April 1921: gut bezahlter Chefredakteur der anti-polnischen Propagandaschrift Pieron; T. gerät ins Kreuzfeuer der Kritik.

1923

Bankvolontariat, später Privatsekretär bei einem Bankier. Lebenskrise. Juli: Versöhnung mit Mary Gerold.

1924

Scheidung von Else Weil. Aug.: Eheschließung mit Mary. - Korrespondent der Weltbühne, der Vossischen Zeitung und des Prager Tagblatts in Paris; freier Mitarbeiter für zahlreiche andere deutsche Blätter. Bedeutendes monatliches Einkommen. Unstetes Reiseleben.

1925

Spätsommer: Reise mit Mary in die Pyrenäen.

1926-1927

Nach dem Tod Jacobsohns Chefredakteur der Weltbühne in Berlin. Mary bleibt in Paris.

1927

Mai: T. übergibt die Leitung der Weltbühne an Carl von Ossietzky; zusammen mit Mary in Kopenhagen, von da an seltenes Zusammensein; Juni: auf der Insel Seeland/Dänemark; Juli: Rückkehr nach Paris.

1927-1929

Lebensmittelpunkt Paris.

1927-1931

Verhältnis mit der Journalistin Lisa Matthias (1894-1982; 2 Kinder; Vorbild für die Figur der Lydia in Schloß Gripsholm und die Lottchen-Monologe).

1928

Juli: Reise nach Schweden. Nov.: Trennung von Mary. - Gesundheitliche Probleme (Stirnhöhlenvereiterung).

1929

Ab April: Zusammen mit Lisa Matthias in einem gemieteten Haus in Mariefred in der Nähe des Schlosses Gripsholm.

1930

Febr.: Bezug eines Hauses in Hindås, Westschweden. Von da aus zahlreiche Reisen nach Deutschland (Vortragstätigkeit), Dänemark, Frankreich, England, Österreich. - Bekanntschaft mit der halbdeutschen Jüdin Gertrude Meyer ("Tüde").

1932

Aug.: T. lernt in Locarno die Schweizer Ärztin Hedwig Müller ("Nuuna") kennen; zusammen mit Gertrude Meyer Begleiterin der letzten Jahre.

1933

10.5.: Tucholskys Bücher werden verbrannt. Aug.: Ausbürgerung aus Deutschland. T. stellt seine publizistische Tätigkeit resigniert ein. Ständige Krankheit (Atemwege), ohne Einkommen. - Scheidung von Mary Gerold, um sie vor Verfolgung in NS-Deutschland zu schützen. - Sommer in Zürich bei Hedwig Müller.

1935

Nov.: Einbürgerungsgesuch wird abgelehnt. Freitod aus Verzweiflung an Deutschland und seiner persönlichen Situation: Am 20.12. Einnahme einer Überdosis an Schlaftabletten; am Abend des nächsten Tages Tod im Sahlgrenschen Krankenhaus in Göteborg. In seinem Testament bestimmt T. Mary Gerold zu seiner Alleinerbin.


Werke:

Romane

1912

Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte

1931

Schloß Gripsholm

Erzählungen

1914

Der Zeitsparer (4 Grotesken; u. d. Ps. Ignaz Wrobel):

  • Der Zeitsparer

  • Das Paradigma

  • Von dem Manne, der keine Zeitungen mehr las

  • Der Papagei

Gedichte

1919

Fromme Gesänge (u. d. Ps. Theobald Tiger)

1922

Die verkehrte Welt - in Knüttelversen dargestellt (u .d. Ps. Kaspar Hauser)

Textsammlungen
 

1920

Träumereien an preußischen Kaminen (satirische Märchensammlung; u. d. Ps. Peter Panter)

1928

Mit 5 PS

1929

Deutschland, Deutschland über alles. Ein Bilderbuch
Das Lächeln der Mona Lisa

1931

Lerne lachen ohne zu weinen

Reisebuch

1927

Ein Pyrenäenbuch (Ps. Peter Panter)

Drama

1935
(1932 a Leipzig)

Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas (Komödie; zus. m. Walter Hasenclever; Ps. Peter Panter)

Briefe und Tagebücher

1977

Briefe aus dem Schweigen. 1932-1935. Briefe an Nuuna

1978

Die Q-Tagebücher. 1934-1935

1993

Sudelbuch

1982

Unser ungelebtes Leben. Briefe an Mary

Werkausgaben

1960/61

Gesammelte Werke, hg. v. Mary Gerold-Tucholsky u. Fritz J. Raddatz, Reinbek: Rowohlt (3 Bde.; Tb-Ausgabe 1975, 10 Bde.)

1996-2011

Gesamtausgabe (Oldenburger Ausgabe): Texte und Briefe, hg. von Antje Bonitz u.a., Reinbek: Rowohlt (22 Bde.)


              

Kurt-Tucholsky-Gesellschaft

Tucholsky-Archiv im Deutschen Literatur-Archiv Marbach

Tucholsky-Museum Schloss Rheinsberg

             

 

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