Wilhelm Heinrich Wackenroder
Lebensdaten Werk
* 23. Juli 1773 Berlin + 13. Februar 1798 Berlin (Typhus) begraben: Berlin, Friedhof der Jerusalems- und Freien Kirche |
Relief von Christian Friedrich Tieck |
Sohn des Geheimen Kriegsrats und späteren Justizbürgermeisters Christoph Benjamin Wackenroder. Strenge Erziehung; vom Vater zum Jura-Studium bestimmt; musikalisch begabt. "Ein Mensch von solcher Lieblichkeit, daß das zarteste Wort zu plump scheint, um sein Wesen zu bezeichnen" (Ricarda Huch); labiler Charakter. Aus seinem Leben sind nur wenige Daten bekannt.
Die Herzensergießungen sind das erste Zeugnis romantischen Lebensgefühls; Initialzündung der deutschen Frühromantik. Kunst = Offenbarung, Abglanz himmlischer Harmonie, Künstlertum = Gottesdienst, Kunstgenuss = Gebet, Akt religiöser Hingabe. W. sieht diese Kunstfrömmigkeit bei den Malern der italienischen Renaissance und des deutschen 15./16. Jhs. verwirklicht. Ironische Ablehnung durch Goethe: "Es [das Büchlein] bezog sich auf Kunst und wollte die Frömmigkeit als alleiniges Fundament derselben festsetzen. Von dieser Nachricht waren wir wenig gerührt; denn wie sollte auch eine Schlußfolge gelten [...] wie diese: einige Mönche waren Künstler, deshalb sollen alle Künstler Mönche sein!" Einfluss auf die Malervereinigung der Nazarener und Philipp Otto Runge.
1786-92 |
Friedrichswerdersches Gymnasium in Berlin; Freundschaft mit seinem Mitschüler Tieck. Beide hören Vorlesungen bei Karl Philipp Moritz, dessen Kunsttheorie für W. bedeutsam wird. |
1792 |
Vorbereitungsjahr für das Jura-Studium; Entdeckung der mittelalterlichen Literatur und Beschäftigung mit ihr; erste Reise nach Dresden. |
1793 |
Zusammen mit Tieck zu Fuß zum Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen. Grundlegend für seine künstlerischen Anschauungen: gemeinsame Ausflüge mit Tieck zu den Kunststätten von Bamberg, Nürnberg, Kassel und zum Schloss Pommersfelden. Pfingstreise ins Fichtelgebirge. |
1793 |
Studium in Göttingen (Schwerpunkt Literatur); Beschäftigung mit Vasaris Künstlerbiographien und der Malerei der Renaissance. |
1794 |
Mit Tieck über Braunschweig und Hamburg (Klopstock) nach Berlin. Herbst: juristischer Dienst als Kammergerichtsreferendar. |
1796 |
Zweite Reise nach Dresden (mit Tieck), um "die größten Werke der alten italienischen Meister" zu sehen. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Sammlungen kunsttheoretischer Schriften
1796 |
Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (hg. und ergänzt von Ludwig Tieck) |
1799 |
Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst (hg. und ergänzt von Ludwig Tieck) |
1796 |
Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger (in den Herzensergießungen) |
1799 |
Das wunderbare morgenländische Märchen von einem nackten Heiligen (in den Phantasien) |
Übersetzung
1799 |
Das Kloster Netley (Richard Warner, Schauerroman) |
Ausgaben
1938 |
Werke und Briefe, Berlin |
1991 |
Sämtliche Werke und Briefe, hg. v. Richard Littlejohns u. Silvio Vietta, Heidelberg (2 Bde.) |
Ich kenne zwei wunderbare Sprachen, durch welche die Schöpfung den Menschen vergönnt hat, die himmlischen Dinge in ganzer Macht zu erfassen und zu ergreifen. Die eine dieser wundervollen Sprachen redet nur Gott, die andere reden nur wenige Auserwählte unter den Menschen, die er zu seinen Lieblingen gesalbt hat. Ich meine: die Natur und die Kunst.
(update: 1.8.2007)