*um 1170 +um 1230 Würzburg? mutmaßliche Grabstätte (nach einer glaubwürdigen lit. Überlieferung von etwa 1350): Würzburg, Kreuzgang des Kollegiatstifts Neumünster ("Lusamgärtlein"), im grasehoue, also nicht an vornehmster Stelle (spätere Sage: sub arbore, unter der großen Linde in der Mitte des Kreuzgangs). |
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Unbekannter
Herkunft: Niederösterreich/Wien? Mainfranken/Würzburg? Südtirol? (berühmtester
"Waltherischer" Vogelweidhof im Layener Ried/Grödnertal oberhalb Waidbrucks).
Evtl.
aus dem Ministerialenadel, also dem niederen Ritterstand; Jugend in Österreich/Wien: Ze
Ôsterrîche lernt ich singen unde sagen; fahrender Sänger, "ein armer Hund,
der davon lebte, seine Kunst vorzutragen" (Wapnewski). Die Lebenszeit lässt sich
ungefähr errechnen aus dem Rückblick auf seinen minnesanc im "Abschieds-Lied"
(um 1230): wol vierzec jâr hab ich gesungen oder mê.
Größter Lyriker des deutschen Mittelalters. Vollender und zugleich Überwinder der stilisierten höfischen Minnehaltung (Unerreichbarkeit der frouwe); stattdessen Wärme des Gefühls, Synthese von Sinnenfreude und gleichberechtigter Zuneigung. Daneben erstmals politische Spruchdichtung als Waffe im Verteidigungskampf des Kaisers gegen die Machtansprüche des Papstes. Sein Alterswerk ist bestimmt durch Trauer über den Verfall der höfischen Kultur und den Niedergang des Reiches, durch Resignation und Weltabsage.
um 1170 |
Geburt |
um 1190 |
am Babenberger Hof in Wien; Beginn seines Dichtens |
1198 |
Tod seines Gönners Friedrich v. Österreich auf dem Kreuzzug; der Nachfolger entzieht W. seine Gunst, sein Wanderleben beginnt (bis nach Nordfrankreich, in die Steiermark, Lombardei, Friaul); immer wieder am Hof der deutschen Könige und Kaiser; dazwischen mehrmals Rückkehr ins heimatliche Wien/Klosterneuburg |
zw. 1198 u. 1201 |
mindestens einmal am Hof König Philipps von Schwaben |
zw. 1201 u. 1207 |
zweimal auf der Wartburg bei Landgraf Hermann von Thüringen |
1203 |
erste Rückkehr nach Wien |
12.11.1203 |
urkundliche Bezeugung in einer Reiserechnung des Bischofs Wolfger von Passau (eines Lehnsmanns würdige, großzügig bemessene Summe für einen Pelzmantel) |
1212 |
im Dienst des Markgrafen Dietrich von Meißen |
1212-13 |
am Hof Kaiser Ottos IV. |
1213-29 |
immer wieder am Hof Kaiser Friedrichs II. bzw. seiner Reichsverweser |
1220 |
Verleihung eines lêhen durch Kaiser Friedrich II. in oder bei Würzburg (ich hân mîn lêhen!...nu entfürhte ich niht den hornunc an die zêhen) |
um 1230 (1228?) |
Tod |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Lieder
Die Chronologie der Gedichte ist nicht
genau bestimmbar; übliches Einteilungsschema:
um 1188-1198 e |
frühe Minnelieder (Abhängigkeit von Reinmar dem Alten, aber erste Auseinandersetzungen mit ihm; Einflüsse Heinrichs von Morungen; Si wundervol gemachet wîp) |
1198-1203 e |
Lieder der frühen Wanderjahre (Eigenständigkeit; Grundhaltung der hohen Minne) |
1203-1206 e |
Lieder der Reinmar-Fehde: Bruch mit Reinmars Minnehaltung; Preislied Ir sult sprechen willekommen |
1205-1220 e |
Höhe der Minnedichtung: Abwendung von der hohen Minne zur ebenen, gegenseitigen herzeliebe; Mädchenlieder: Herzeliebes frouwelîn, Under der linden, Nemt frouwe disen kranz |
1220-30 e |
Lieder der Spätzeit (Palästinalied, Weltabschied) |
1198-1208 e |
unter Philipp von Schwaben ("Reichston": Ich saz ûf eime steine...) |
1212-13 e |
unter Otto IV. (Kaisersprüche) |
1215-27 e |
unter Friedrich II. und Reichsverweser Erzbischof Engelbert von Köln |
1200/10 e |
Leich (Marien-Leich): religöses Gedicht (Leich: Großform der Sangverslyrik, formal verwandt mit der lat. Sequenz) |
noch 13. Jh. |
A. Kleine Heidelberger Liederhandschrift |
1. Hälfte 14. Jh. |
B. Weingartner Liederhandschrift |
1. Hälfte 14. Jh. |
C. Manessische oder Große Heidelberger Liederhandschrift |
noch 13. Jh. |
D. Heidelberger Handschrift |
um 1350 |
E. Würzburger Sammelhandschrift ("Hausbuch" des Michael de Leone) |
1. Hälfte 15. Jh. |
F. Weimarer Handschrift |
1827 |
Die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Hrsg. v. Karl Lachmann |
"Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ mugt ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal -
tandaradei!
schône sanc diu nahtegal.
..."Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr!
ist mir mîn leben getroumet oder ist ez wâr?
daz ich ie wânde es waere, was daz alles iht?
dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht.