Jakob Wassermann
Lebensdaten  |  Werk 



*10. März 1873
Fürth

+1. Januar 1934 Altaussee (steirisches Salzkammergut)

begraben: Altaussee, Friedhof
 


Sohn des jüdischen Spielwarenfabrikanten Adolf Wassermann (1844-1901), der sich nach dem Brand seiner Fabrik als Versicherungsagent durchbringen muss, und seiner Frau Henriette (Jette), geb. Straub (1850-1882). Geschwister: Jenny (*1875), Hugo (*1877), Alfred (1882-1883). Halbbrüder: Theodor (*1885), Armin (1887-1916), Henri (*1891); Früher Tod der Mutter; Stiefmutter: Flora Wannbacher; lieblose familiäre Atmosphäre. Die erste Veröffentlichung (Romananfang) im Fürther Tagblatt (1888?) hat schwere Auseinandersetzungen mit Vater und Stiefmutter zur Folge.

1901

Heirat mit Julie Speyer (1876-1963); Trennung 1919; Scheidung 1926; Kinder: Adolf Albert (*1901), Georg Maximilian (*1903), Judith (*1906), Eva Agathe (1915-1979)

1926

Heirat mit der Schriftstellerin Marta Stross, geb. Karlweis (1889-1965); Sohn: Karl Ulrich (Charles, 1924-1978)

Zwischen 1920 und 1933 sehr populär. Sein Werk lässt sich als Auseinandersetzung mit dem Judenhass lesen: W. versucht antisemitische Anschuldigungen zu entkräften und als deutscher Schriftsteller anerkannt zu werden.
  Psychologische Prosa, realistische Erzählweise, von Dostojewski beeinflusst. Wassermanns Gestalten sind Idealisten, die absolute moralische Werte suchen. Kritik an der "moralischen Trägheit" der bürgerlichen Gesellschaft.


wichtige Lebensdaten:

1882

Tod der Mutter.

1883

März: Wiederverheiratung des Vaters.

1883-89

Königlich-bayerische Realschule in Fürth. 

1889-91

Kaufmännische Lehre beim Onkel, dem Fächerfabrikanten Max Traub, in Wien.

1890

Mai: erster Abbruch der Lehre; Aufenthalt in München. Aug.: Würzburg. Okt.: Wiederaufnahme der Lehre.

1891

Juli: endgültiger Abbruch der Lehre. Okt.: einjähriger Wehrdienst in Würzburg.

1892-94

Büroschreiber in einer Versicherungsanstalt in Nürnberg.

1894

Kündigung mit der Volljährigkeit; Aufenthalt in München; Büroschreiber in Freiburg/Br.; unstetes Wanderleben (Schwarzwald, Zürich);  Herbst: Rückkehr nach München; Sekretär von Ernst v. Wolzogen, der ihn dem Verleger Albert Langen empfiehlt; freier Schriftsteller.

1894-97

Als Lektor in der Redaktion des Simplicissimus; Bekanntschaft mit Thomas Mann, Rilke, Hofmannsthal.

1897

Literarischer Durchbruch mit dem Roman Die Juden von Zirndorf.

1898

Theaterkorrespondent der Frankfurter Zeitung in Wien; im Kreis des Jungen Wien; Freundschaft mit Richard Beer-Hofmann, Schnitzler, Hofmannsthal.

1899

Aug.: Dolomiten-Wanderung mit Beer-Hofmann und Schnitzler. Beginn der Freundschaft mit dem Verleger S. Fischer.

1900

Erste Begegnung mit Julie Speyer. Okt.: Berlin-Reise (Hauptmann).

1901

Jan.: erste Heirat. Längere Italienreise. Juli: Tod des Vaters.

1902

Apr.: Italienreise mit Ludwig Wolff. Sommer: erster Aufenthalt in Altaussee.

1905

Eheprobleme. Sept.: Wiederbegegnung mit Thomas Mann.

1906

Umzug nach Grinzing.

1912

Okt./Nov.; Deutschlandreise (München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Berlin).

1914

Frühjahr: Besuch bei S. Fischer am Gardasee zusammen mit Hermann Hesse. Seine Frau bringt W. von einer freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst ab.

1915

Febr.: Umzug in eine Villa in Wien. W. lernt die Schriftstellerin Marta Stross, geb. Karlweis kennen.

1919

Aug.: Trennung von Julie; Übersiedlung nach Altaussee mit Marta Karlweis und ihren beiden Töchtern aus erster Ehe.

1923

Herbst: Umzug in die Villa Andrian in Altaussee.

1924

Herzbeschwerden, Diabetes.

1926

Scheidung nach jahrelangen Querelen und Prozessen; Legalisierung der Verbindung mit Marta. Aufnahme in die Preußische Akademie der Künste.

1927

Jan. - Apr.: Amerika-Reise.

1928

Kuraufenthalt in Karlsbad. Winter: Ägypten-Reise.

1930

Reise ins Engadin (Hesse)

1931

Skiurlaub mit Hesse, Familie Fischer und Thomas Mann.

1932

Frühling: Sizilien-Reise.

1933

W. kommt dem Ausschluss aus der Akademie zuvor; in Deutschland verfemt; seine Bücher werden verboten. Nov.: Klinikaufenthalt (Herzanfall). Dez.: Vortragsreise nach Holland; letztes Treffen mit Thomas Mann in Zürich.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1896

Melusine. Ein Liebesroman

1897

Die Juden von Zirndorf

1900

Die Geschichte der jungen Renate Fuchs

1903

Der Moloch

1905

Alexander in Babylon (hist. Roman)

1908

Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens

1910
(1929)

Die Masken Erwin Reiners (Neuaufl. u.d.T. Die Lebensalter)

1913

Der Mann von vierzig Jahren

1915

Das Gänsemännchen

1919

Christian Wahnschaffe (2 Bde.)

1920-24

Der Wendekreis (4 Bde.)

1924

Faber oder Die verlorenen Jahre

1925

Laudin und die Seinen

1928

Der Fall Maurizius (1. Bd. der Etzel-Andergast-Trilogie)

1931

Etzel Andergast (2. Bd.)

1934

Joseph Kerkhovens dritte Existenz (3. Bd., 3 Bde.)

1973

Engelhart oder Die zwei Welten

Erzählungen

1897

Die Schaffnerin. Die Mächtigen
Schläfst Du, Mutter? Ruth

1898

Hockenjos oder Die Lügenkomödie

1903

Der niegeküßte Mund. Hilperich

1906

Die Schwestern (Novellenband)

1912

Faustina. Ein Gespräch über die Liebe
Der goldene Spiegel

1926

Der Aufruhr um den Junker Ernst

1928

Das Gold von Caxamalca

Dramen

1912

Die ungleichen Schalen. 5 Dramen

Biographien

1929

Christoph Columbus

1932

Bula Matari

Reden und Schriften

1904

Das Los der Juden

1904

Die Kunst der Erzählung

1910

Der Literat oder Mythos und Persönlichkeit

1915

Deutsche Charaktere und Begebenheiten (2 Bde.)

1915

Nationalgefühl

1919

Was ist Besitz?

1920-24

Der Wendekreis (4 Bde.)

1921

Imaginäre Brücken. Studien und Aufsätze

1924

Gestalt und Humanität. 2 Reden

1928

Lebensdienst. Gesammelte Studien, Erfahrungen und Reden aus drei Jahrzehnten

1930

Hofmannsthal, der Freund

1932

Rede an die Jugend über das Leben im Geiste

1933

Selbstbetrachtungen

1933

Selbstschau am Ende des sechsten Jahrzehnts

1950

Bekenntnisse und Begegnungen. Porträts und Skizzen zur Literatur und Geistesgeschichte

1984

Deutscher und Jude. Reden und Schriften 1904-1933

Autobiographie

1921

Mein Weg als Deutscher und Jude

Ausgaben

1924-31

Gesammelte Werke, Berlin (11 Bde.)

1935

Tagebuch aus dem Winkel. Erzählungen und Aufsätze aus dem Nachlass

1944-48

Gesammelte Werke, Basel (7 Bde.)

1984

Deutscher und Jude. Reden und Schriften 1904-1933


Link:

Wassermann-Seite von Marina Lukas:

 

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