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Frank Wedekind
eigentl.: Benjamin
Franklin Wedekind
Pseudonyme: Hugo Freiherr von Trenck, Frank Querilinth, Cornelius Mine-Haha,
Ahasver, Benjamin, Hermann, Hieronymus Jobs, Kaspar Hauser, Müller von Bückeburg,
Simplizissimus, Tschingiskhan
Lebensdaten | Werk | externer
Link
*24. Juli 1864 HannoverHannover
+9.
März 1918 München (Lungenentzündung infolge einer Bruchoperation)
Grabstätte:
München, Waldfriedhof
(Grabrede von Heinrich Mann; der Dichter Heinrich Lautensack wird
am offenen Grab wahnsinnig).
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Bildquelle: wikipedia
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Zweites von sechs
Kindern des Arztes Friedrich Wilhelm Wedekind (1816-1888) und seiner Frau Emilie, geb.
Kammerer (1840-1915). Amerikanische Staatsbürgerschaft wie die Eltern.
Abenteuerliches Leben des Vaters, der aus Enttäuschung über das
Scheitern der 48er-Revolution in die USA (San Francisco) auswandert, wo er die junge
Schauspielerin vom Deutschen Theater in San Francisco heiratet. 1863 Rückkehr nach Europa
(Hannover); 1871 Auswanderung in die Schweiz aus Enttäuschung über die Gründung des
kleindeutschen Kaiserreichs. Unstetes Leben des Sohnes, der sich in vielen Berufen
versucht (Journalist, Werbechef, Zirkussekretär, Dramaturg, Schauspieler).
| 1906 |
Eheschließung mit Mathilde Newes ("Tilly";
1886-1970, Schauspielerin); Töchter: Pamela (*1906), Kadidja (*1911); Kinder aus anderen
Verbindungen: Friedrich (*1897; Frida Strindberg); Frank (*1901; Hildegard Zellner)
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Dramatiker,
Lyriker, Erzähler und Essayist. Antibürgerlicher Moralist, dessen Helden nicht in
Konventionen erstarren bzw. Außenseiter der Gesellschaft sind: Kinder, Künstler,
Hochstapler, Dirnen, Ganoven. Thema: das Geschlechtliche im Kampf gegen die Schranken von
Sitte, Gesellschaft und Gewohnheit; Kampf für die Freiheit der Sinne. Dem entspricht die
unkonventionelle Form der Stücke (Montage- bzw. Collagetechnik; Versatzstücke aus der
Zirkus-, Varietéwelt; Elemente der Karikatur bzw. des Grotesken). Abkehr vom
naturalistischen Drama. Vorläufer des Expressionismus.
Einer der meistgespielten Dramatiker der Zeit vor dem 1. Weltkrieg; Renaissance in
den 20er-Jahren; im 3. Reich politisch unerwünscht; allmähliche Wiederentdeckung nach
dem 2. Weltkrieg.
wichtige Lebensdaten:
| 1872 |
Kauf des Schlosses
Lenzburg (Kanton Aargau) und Übersiedlung der Familie in die Schweiz. Gemeindeknabenschule
in Lenzburg. |
| 1875 |
Bezirksschule in
Lenzburg. |
| 1879 |
Kantonsschule (=
Gymnasium) in Aarau. |
| 1884 |
Abitur; Studium der
deutschen und französischen Literatur an der Universität Lausanne; ab Herbst
auf Wunsch des Vaters Jurastudium
an der Universität München. |
| 1886 |
Auseinandersetzungen
mit dem Vater wegen seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Journalist; Okt.: Bruch mit
dem Vater, Aufgabe des Studiums. Nov.: W. wird Vorsteher des Reklame- und Pressebüros der
Firma Maggi in Kemptal bei Zürich. |
| 1887 |
Auflösung des
Vertrags mit Maggi; weitere Tätigkeit als freier Mitarbeiter. Beiträge für die Neue
Züricher Zeitung; Bekanntschaft mit Carl Hauptmann. Sept.: Versöhnung
mit dem Vater. |
| 1888 |
Beginn der Tagebuchaufzeichnungen.
Sommer: Wiederaufnahme des Jura-Studiums in Zürich; Bekanntschaft mit Gerhart Hauptmann.
11.10.: Tod des Vaters, Abbruch des Studiums; väterliches Erbe ermöglicht Existenz als
freier Schriftsteller. Rückkehr nach Lenzburg. |
| 1889 |
Mai: Versuch, sich in
Berlin niederzulassen, scheitert an seiner amerikanischen Staatsangehörigkeit; Juli:
Übersiedlung nach München. |
| 1891 |
Mitglied der Gesellschaft
für modernes Leben (Michael Georg Conrad, Otto Julius Bierbaum, Oskar Panizza);
Herbst: Aufenthalt in Lenzburg; Dez.: Übersiedlung nach Paris. |
| 1892 |
Freundschaft mit der
Malerin Käthe Juncker; Aufenthalt in Bern. |
| 1893 |
Freundschaft mit Emma
Herwegh, der Witwe des Dichters Georg Herwegh; Sommer: in der Schweiz. |
| 1894 |
Jan.-Juni: Aufenthalt
in London; Bekanntschaft mit Max Dauthendey und dem Literaturhistoriker Georg Brandes; in Paris Bekanntschaft
mit August Strindberg, Lou Andreas-Salomé und mit dem Verleger Albert Langen. |
| 1895 |
Rückkehr
nach Deutschland. Feb.: Berlin; Sommer: München; Herbst: Lenzburg, als Rezitator in Zürich. |
| 1896 |
Aufenthalt in
München; Mitarbeit am Simplicissimus; Bekanntschaft mit dem Leiter des Deutschen
Theaters Emil Meßthaler; Liebesbeziehung zu Frida Strindberg; Mitarbeit bei der
Zeitschrift Mephisto; Dez.: mit Frida Strindberg nach Berlin. |
| 1897 |
Übersiedlung nach
Dresden zu seiner Schwester Erika; Reise nach Leipzig. |
| 1898 |
Engagement als
Sekretär, Schauspieler und Regisseur am Ibsen-Theater; März-Juni: Gastspielreise;
Engagement am Münchener Stadttheater als Schauspieler und Dramaturg; Herbst:
Wegen
eines satirischen Gedicht auf Kaiser Wilhelm II. von der Polizei gesucht; W.
setzt sich in
die Schweiz ab; Dez.: Reise nach Paris. |
| 1899 |
Mai: Rückkehr nach
Deutschland; nach längerer Untersuchungshaft Verurteilung zu einem halben Jahr
Festungshaft auf der Festung Königstein in Sachsen. |
| 1900 |
März:
Haftentlassung; Rückkehr nach München. Kontakt zu Max Halbe. |
| 1901 |
Liebesbeziehung zum
Hausmädchen Hildegard Zellner; April: W. tritt im Kabarett Elf Scharfrichter mit
eigenen Liedern und Balladen auf. |
| 1903 |
Sommeraufenthalt in
Lenzburg. |
| 1904 |
März: Die Buchausgabe der Büchse
der Pandora wird wegen unzüchtiger Passagen beschlagnahmt; das Stück darf nur in
geschlossenen Aufführungen gespielt werden. Bekanntschaft mit Walter Rathenau und
Maximilian Harden. |
| 1905 |
Liebesbeziehung zu
der Schauspielerin Berthe Marie Denk; Verlobung. Bekanntschaft mit der Schauspielerin
Mathilde Newes (Tilly). Mai u. Okt.: Prozesse wegen der Veröffentlichung der Büchse
der Pandora. Auflösung der Verlobung mit Berthe Marie Denk. |
| 1906 |
Freispruch für
Wedekind und seinen Verleger Bruno Cassirer; die Restauflage des Buches wird eingestampft.
Mai: Heirat mit Tilly Newes. Im Ensemble von Max Reinhardt. Nov.: Frühlings Erwachen wird nach der
Uraufführung verboten (bis 1912). |
| 1908 |
Sept.: Übersiedlung von
Berlin nach München. |
| 1910 |
Einladung des
Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen nach Darmstadt. |
| 1912 |
Reise nach Stuttgart
auf Einladung des Königs von Württemberg. |
| 1913 |
Sommer: Rom-Reise. |
| 1914 |
Sommer: Reisen nach
Florenz und Paris. Sept.: Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs werden nahezu alle Stücke
Wedekinds von der Zensur verboten. Dez.: Blinddarmoperation. |
| 1915 |
Auf Vorschlag
Rathenaus Mitglied der regierungstreuen Deutschen Gesellschaft 1914. |
| 1917 |
Jan.:
Bruchoperation. Gastspielreise durch
Deutschland und die Schweiz; Nov.: Selbstmordversuch seiner Frau, Rückkehr nach München. |
| 1918 |
2.3.:
Bruchoperation; 9.3.: Tod. |
Werke:
(e = entstanden; a =
Uraufführung)
Dramen
| 1889 |
Der Schnellmaler oder
Kunst und Mammon. Große tragikomische Originalcharakterposse |
| 1891 |
Kinder und Narren (Lustspiel
in vier Aufzügen) |
1891
(1906 a Berlin) |
Frühlings Erwachen (Kindertragödie) |
1895
(1898 a Leipzig) |
Der Erdgeist (Tragödie
in vier Aufzügen) |
1902
(1904 a Nürnberg) |
Die Büchse der
Pandora (Tragödie in drei Aufzügen) |
1903/04
(1892-1901 e) |
Lulu. Dramatische
Dichtung in 2 Teilen; 1. Teil: Erdgeist/2. Teil: Die Büchse der Pandora |
1897
(1908 a München) |
Die junge Welt (Überarbeitung
von Kinder und Narren) |
1897
(1902 a München) |
Die Kaiserin von
Neufundland (Ballettpantomime) |
1899
(1892 e) |
Der Liebestrank (Schwank) |
1899
(a Berlin) |
Der Kammersänger.
Drei Szenen |
1900
(1901 a Berlin) |
Der Marquis von Keith
(Erstveröffentl. u.d.T. Münchner Szenen. Nach dem Leben aufgezeichnet) |
1902
(a München) |
König Nicolo oder So
ist das Leben |
1904
(1905 a München) |
Hidalla oder Sein und
Haben (= Karl Hetmann, der Zwergriese) |
1905
(1906 a Nürnberg) |
Totentanz (Titel
der Buchausgabe: Tod und Teufel) |
1907
(1906 e; 1908 a Nürnberg) |
Musik. Sittengemälde in vier
Bildern |
1908
(1907 e; 1909 a München) |
Zensur. Theodizee in einem Akt |
1908
(1911 a München) |
Oaha - Die
Satire der Satire (Literaturkomödie) |
1909
(1911 a Wien) |
Der Stein der Weisen.
Eine Geisterbeschwörung (Einakter in Versen) |
| 1910/1912 (1917 a Zürich) |
Schloß Wetterstein (Trilogie;
urspr. 3 Einakter: In allen Sätteln gerecht, Mit allen Hunden gehetzt, In allen
Wassern gewaschen) |
1912
(a München) |
Franziska. Ein
modernes Mysterium in fünf Akten |
1914
(a Berlin) |
Simson oder Scham und
Eifersucht. Dramatisches Gedicht |
| 1915 |
Bismarck.
Historisches Schauspiel in fünf Akten |
1916
(a München) |
Till Eulenspiegel (Bearbeitung
von Oaha) |
| 1917 |
Herakles.
Dramatisches Gedicht |
Erzählungen
| 1897 |
Die Fürstin Russalka (Sammelbd.;
u.a. 4 Erz., Gedichtzyklus Die vier Jahreszeiten, 3 Tanzpantomimen) |
| 1901 |
Mine-Haha oder Über die
körperliche Erziehung der jungen Mädchen |
| 1905 |
Feuerwerk (9 Erzählungen;
u.a. Der Brand von Egliswyl, Rabbi Esra) |
Gedichte
| 1897/1905 |
Die vier Jahreszeiten (Gedichte) |
Essay
| 1895 |
Schriftsteller Ibsen |
Ausgaben
| 1912-21 |
Gesammelte Werke, hg.
v. F. Wedekind (Bd. 1-6), Artur Kutscher u. Joachim Friedenthal, München (9 Bde.) |
| 1969 |
Werke, Berlin/Weimar 1969 (3
Bde.) |
| 1990 |
Werke, Frankfurt/M. (2 Bde.) |
Link:
Editions-
und Forschungsstelle Frank Wedekind
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