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Ernst Weiß
 
Lebensdaten
| Werk


 
* 28. August 1882
Brünn

+ 15. Juni 1940 Paris (Suizid)

Grabstätte: ungeklärt

 

 


Erzähler und Dramatiker aus dem Umkreis der Prager deutschen Dichtung um bzw. nach 1900; im bürgerlichen Beruf Arzt. Die frühen Arbeiten stehen unter dem Einfluss des Expressionismus; die späteren werden gewöhnlich unter der Kategorie Neue Sachlichkeit subsumiert. Letztlich aber ein "konsequenter Einzelgänger" (Reich-Ranicki). Wichtigstes literarisches Vorbild ist Dostojewski. Im Fokus seiner Werke stehen originelle Charaktere. Einziger deutschsprachiger Verfasser von Arztromanen mit literarischem Anspruch. Ohne Interesse an Gesellschaftskritik; Ausnahme: sein bekanntester Roman Der Augenzeuge, der die Anfänge der Nazizeit und ihre Resonanz beim Bürgertum in den Blick nimmt.

Zweiter Sohn des jüdischen Tuchhändlers Gustav Weiß (+1886) und seiner Ehefrau Berta, geb. Weinberg (+1934). Ein Bruder, zwei Schwestern. Langjährige Lebensgefährtin: die Tänzerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Rahel Sanzara (d. i. Johanna Bleschke, 1894-1936). Mit Kafka befreundet.
Anna Seghers setzte Weiß in ihrem Emigrantenroman Transit in der Figur des Schriftstellers Weidel ein literarisches Denkmal.

Auszeichnungen

1928

Silbermedaille beim Olympischen Kunstwettbewerb in Amsterdam für den Roman Boëtius von Orlamünde

1930

Adalbert-Stifter-Preis (ebfls. für den Roman Boëtius von Orlamünde)


Wichtige Lebensdaten:

1886

24.11.: Tod des Vaetrs

1894-1902

Besuch von Gymnasien in Brünn, Leitmeritz und Arnau.

1902

Reifeprüfung am II. Deutschen Gymnasium in Brünn.

1902-1908

Studium der Medizin in Prag und Wien.

1908

Promotion zum Doktor der Medizin.

1908-1911

Als Arzt an Kliniken in Bern und Berlin.

1911

Rückkehr nach Wien. Am Wiedener Spital in der chirurgischen Abteilung.

1912-1913

Beginn des Briefwechsels mit Martin Buber. Lungentuberkulose. Zur Ausheilung als Schiffsarzt auf der Austria des Österreichischen Lloyd. Indien, China, Japan.

1913

Juni: erste Begegnung mit Franz Kafka. Umzug nach Berlin.

1914

12.7.: Weiß wird Zeuge der Aussprache zwischen Kafka und Felice Bauer im Askanischen Hof in Berlin, die zur Auflösung ihrer Verlobung führt. Anschließend mit seiner Freundin Rahel Sanzara und Kafka über Lübeck und Travemünde ins dänische Ostseebad Marielyst. Aug.: Einberufung zum k. u. k. Landwehr-Infanterieregiment Linz. Regimentsarzt an der Ostfront (Ungarn, Wolhynien).

1918

Goldenes Verdienstkreuz der Tapferkeitsmedaille.

1919-1920

In der Chirurgie des Allgemeinen Krankenhauses in Prag.

1921

April: zusammen mit Rahel Sanzara Umzug nach Berlin.

1927

Rahel Sanzara heiratet den Börsenmakler Walter Davidsohn.

1933

Febr.: Rückkehr nach Prag. Pflege der Mutter bis zu ihrem Tod (15.1.1934).

1934

Übersiedlung nach Paris. Arbeit für verschiedene Emigrantenzeitschriften; finanzielle Unterstützung durch Thomas Mann und Stefan Zweig.

1935

Zur ärztlichen Untersuchung kurzzeitig in Berlin.

1936

8.2.: Tod Rahel Sanzaras in Berlin.

1938

Stipendium der Hilfsorganisation American Guild for German Cultural Freedom.

1939

Rezensionen für die Pariser Tageszeitung.

1940

Am Tag des Einmarsches deutscher Truppen in Paris nimmt Weiß Gift und schneidet sich in der Badewanne die Pulsadern auf; Tod in der folgenden Nacht im Hospital Lariboisière.


Werke:

(e = entstanden; a = uraufgeführt in; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Romane

1913

Die Galeere

1916

Der Kampf (1919 Neufass. u. d. T. Franziska)

1918

Tiere in Ketten (1922 Neufassung)

1919

Mensch gegen Mensch

1920

Stern der Dämonen (Kurzroman)

1922

Nahar

1923

Die Feuerprobe (erw. Zweitfassung 1929)

1924

Der Fall Vukobrankovics (Kriminalstudie)

1925

Männer in der Nacht (Balzac-Roman)

1928

Boëtius von Orlamünde (später u. d. T. Der Aristokrat)

1931

Georg Letham, Arzt und Mörder

1934

Der Gefängnisarzt oder Die Vaterlosen
Der Geisterseher

1936

Der arme Verschwender

1938

Der Verführer

1963 (1939 e)

Ich - Der Augenzeuge (urspr.: Der Augenzeuge)

Erzählungen

1919 Z

An Rurky
Der Arzt

1920 Z

Stern der Dämonen. Roman

Franta Zlin. Novelle

Der bunte Dämon. Gedicht

1920 Z

Aus Ahira (Romanfrgm. = Ahira. Eine Studie, 1924)
Legende einer Mutter

1922 Z

Atua
Der große und der kleine Gargantua

1923

Atua. Drei Erzählungen:

  • Franta Zlin (1920)

  • Die Verdorrten

  • Atua (Z 1922)

1923

Hodin (Romanfrgm.)

1923 Z

Das Mahl

1924

Daniel. Erzählung

1924 Z

Familiengeschichte

1925 Z

Südseelegende

1926 Z

Marengo oder Das Leben ohne Illusionen. Aus einem Roman

1928

Dämonenzug. Fünf Erzählungen:

  • Stern der Dämonen (1920)

  • Die Verdorrten (1923)

  • Franta Zlin (1920)

  • Marengo (Z 1926)

  • Hodin (1923)

1929 Z

Panik auf einem Schiff
Die Mixerin

1937 Z

Wer hat, dem wird gegeben
Die Herznaht
Die Messe von Roudnice

1939 Z

Sered (Romanfrgm.)

1998 (1937 e)

Jarmila. Eine Liebesgeschichte aus Böhmen

Dramen

1920
1919 a Prag

Tanja (Revolutionsdrama)

1923 a Berlin

Olympia. Tragikomödie

1923 a Prag

Leonore (verschollen)

Gedichte

1920

Das Versöhnungsfest. Dichtung in vier Kreisen (Lyrikband)

Essays

1928

Das Unverlierbare (Sammlung)

Übersetzungen

1938

J. M. Cain: Serenade in Mexiko

1946

Balzac: Oberst Chabert

1948

Daudet: Tartarin aus Tarascon

Werkausgabe

1982

Gesammelte Werke, hg. v. Peter Engel u. Volker Michels, Frankfurt/M.: Suhrkamp (16 Bde.)

 


17.10.2014

    

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