Franz Werfel

Lebensdaten
| Werk



* 10. September 1890 Prag

+ 26. August 1945 Beverly Hills, Kalifornien (Herzschlag)

Grabstätte:
Beverly Hills, Rosedale Cemetery; seit 1975 Ehrengrab Wien, Zentralfriedhof
 

  

 
Fotografie von Carl Van Vechten, 1940

Bildquelle: Wikimedia
 

Lyriker, Dramatiker, Erzähler, Essayist und Übersetzer. Wortführer des Expressionismus. Frühe Berühmtheit. In den 20er und 30er Jahren einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren; Popularität vor allem aufgrund seiner epischen Werke, über die aber W. selbst seine Lyrik setzte; auch heute noch unterschätzt werden seine Dramen.

Ältestes von drei Kindern des wohlhabenden Handschuhfabrikanten Rudolf Werfel und seiner Frau Albine, geb. Kussi; die Familie gehört dem deutsch-böhmischen Judentum an. Die Frömmigkeit seiner Kinderfrau, der Besuch der Privatvolksschule der Piaristen und die barocke Katholizität seiner Heimatstadt prägen den jungen W.: Zu einem Leitmotiv des dichterischen Werks wird die Konspiritualität von Christus und Israel (Norbert Abels). Früh beginnen die lebenslangen Freundschaften mit Willy Haas, Ernst Deutsch, Max Brod und Franz Kafka. Leidenschaft für die italienische Oper.
  Der Vater steht der dichterischen Betätigung Werfels zunächst ablehnend gegenüber. Seine ersten Gedichte werden in der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen.

1929

Heirat mit Alma Mahler (1879-1964; Witwe Mahlers; gesch. Gropius); früh verstorbener Sohn Martin Carl Johannes (1918-1919)

Auszeichnungen:

1925

Grillparzer-Preis

1927

Tschechoslowakischer Staatspreis
Schiller-Preis

1937

Österreichisches Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse


Wichtige Lebensdaten:

1896

Volksschule der Piaristen.

1900

K. k. Deutsches Gymnasium am Graben in der Prager Neustadt.

1904

Wechsel ans k. k. Deutsche Gymnasium in der Stephansgasse.

1909

Matura. Erste Gedichtveröffentlichungen.

1910

Volontariat bei einer Hamburger Speditionsfirma.

1911

Literarischer Durchbruch mit Der Weltfreund.

1911-12

Militärdienst auf dem Prager Hradschin.

1912-15

Lektor beim Kurt-Wolff-Verlag zu Leipzig; unter seiner Mitverantwortung erscheint die expressionistische Schriftenreihe Der jüngste Tag; Begegnung mit Rilke, Freundschaft mit Hasenclever, Karl Kraus.

1914

Einzug zum österreichischen Militär. 

1915

Im Garnisonsspital in Prag Begegnung mit Gertrud Spirk; Heiratsabsicht.

1915-17

Als Soldat im 1. Weltkrieg an der ostgalizischen Front. 

1917

Versetzung ins Wiener Kriegspressequartier; Egon Erwin Kisch führt ihn in den Café Central -Kreis ein (Musil, Friedell, Kraus, Paris-Gütersloh); Nov.: erste Begegnung mit Alma Mahler-Gropius; bald Liebesverhältnis.

1918

Freier Schriftsteller. 

1919

Zusammenleben mit Alma; Mai: Tod des gemeinsamen Sohnes. W. zieht sich unter ihrem Einfluss ("Hüterin des Feuers") weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück; oft auf Reisen; Wien, Breitenstein am Semmering, Santa Margherita Ligure, Venedig. 

1920

Scheidung Almas von Gropius.

1925

Reise nach Palästina.

1929

Frühjahr: Nahostreise; in Damaskus: "Das Jammerbild verstümmelter und verhungerter Flüchtlingskinder [...] gab den entscheidenden Anstoß, das unfaßbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich [..] zu entreißen": Plan zum Musa Dagh-Roman.
6.6.: Heirat trotz wachsender Entfremdung (Alma: "Rassenfremdheit") und politischer Differenzen. Werfel tritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus (Bedingung Almas), im Nov. aber ohne ihr Wissen wieder ein. 

1933

Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste durch die Nationalsozialisten. Werfels Bücher werden verbrannt.

1935

Tod der an Kinderlähmung erkrankten Stieftochter Manon Gropius.

1938

Capri-Aufenthalt während der Unterzeichnung des Berchtesgadener Abkommens; Alma reist incognito nach Wien zurück, löst alle Konten auf und lässt das Geld in die Schweiz schmuggeln. März: "Anschluss Österreichs"; Alma flieht mit ihrer halbjüdischen Tochter über Prag und Budapest nach Mailand, wo W. auf sie wartet. Nach Zürich zu Werfels Schwester; dann Paris, London, wieder Paris; Juni: St. Germain-en-Laye; erster Herzanfall; Übersiedlung nach Sanary-sur-Mer an der Côte d'Azur.

1940

Nach dem deutschen Einmarsch Flucht Richtung Spanien (Bordeaux, Biarritz, Bayonne, Pau, Lourdes). Werfel gelobt, im Falle der Rettung ein Buch über die hl. Bernadette zu schreiben. Nach fünf Wochen Passierschein nach Marseille; nach persönlicher Intervention des amerikanischen Außenministers Visum für die USA. Fluchtversuch auf dem Meerweg nach Afrika scheitert. Die Flüchtlingsgruppe (neben den Werfels, Lion Feuchtwanger, Golo Mann, Heinrich und Nelly Mann) darf die Grenze nach Spanien wegen fehlender Visa nicht überschreiten. Unter Mithilfe des amerikanischen Journalisten und Quäkers Varian Fry 13.9.: zu Fuß über die Pyrenäen nach Barcelona, Flug nach Lissabon. 13. Okt.: an Bord des Dampfers Nea Hellas Ankunft in New Jersey. 

1941

Los Angeles; amerikanische Staatsbürgerschaft. Gesellschaftlicher Umgang mit Thomas Mann, Friedrich Torberg. Großer Erfolg des Lieds von Bernadette (Verfilmung) ermöglicht den Kauf einer Villa in Beverly Hills (gesellschaftlicher Umgang mit Feuchtwanger, Remarque). W. zieht sich zum Schreiben nach Santa Barbara zurück.

1943

Sich verschlimmernde Angina Pectoris; 13.9.: schwerer Herzanfall.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1924

Verdi. Roman der Oper

1928

Der Abituriententag. Die Geschichte einer Jugendschuld

1929

Barbara oder die Frömmigkeit

1931

Die Geschwister von Neapel

1933

Die vierzig Tage des Musa Dagh (hist. Roman, 2 Bde.)

1937

Höret die Stimme (= 1956 Jeremias; hist. Roman)

1939

Der veruntreute Himmel (urspr.: Der gestohlene Himmel)

1941

Das Lied von Bernadette

1946

Stern der Ungeborenen

1952
(1938/39 e)

Cella oder die Überwinder (Frgm.)

Erzählungen/Novellen

1920

Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig

1927

Der Tod des Kleinbürgers

1927

Geheimnis eines Menschen (Novellen: DIe Entfremdung, Das Geheimnis eines Menschen, Die Hoteltreppe, Das Trauerhaus)

1931

Kleine Verhältnisse

1941

Eine blaßblaue Frauenschrift

Dramen

1911
(1918 a Berlin)

Der Besuch aus dem Elysium (Einakter)

1912

Die Versuchung

1914
(1916 a Berlin)

Die Troerinnen des Euripides

1919

Mittagsgöttin (Zauberspiel)

1920
(1921 a Leipzig)

Spiegelmensch ("magische Verstrilogie")

1921
(1922 a Wien)

Bocksgesang (Tragödie)

1922
(1923 a Prag)

Schweiger (Trauerspiel)

1925
(a Magdeburg)

Juarez und Maximilian ("dramatische Historie")

1926
(a Bonn, Breslau, Köln, München)

Paulus unter den Juden ("dramatische Legende")

1930
(a Wien)

Das Reich Gottes in Böhmen ("Tragödie eines Führers")

1936
(1937 a New York)

Der Weg der Verheißung (Bibelspiel; 1937 Vertonung: Kurt Weill: The Eternal Road)

1937

In einer Nacht

1944
(1941/42 e;
1944 a New York [engl.], Basel [dt.])

Jacobowsky und der Oberst ("Komödie einer Tragödie")

Lyrik

1911

Der Weltfreund (Gedichte)

1913

Wir sind (Gedichte)

1915

Einander - Oden, Lieder, Gestalten

1917

Gesänge aus den drei Reichen (ausgew. Ged.)

1919

Der Gerichtstag (Gedichte)

1923

Beschwörungen (Gedichte)

1928

Neue Gedichte

1946

Gedichte aus den Jahren 1908 bis 1945

Prosa-Sammelband

1975

Zwischen Oben und Unten. Prosa - Tagebücher - Aphorismen - Literarische Nachträge

Gesamtausgaben

1948-67

Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. v. Adolf D. Klarmann, Frankfurt/M.

1989-93

Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. v. Knut Beck, Frankfurt/M.

 

GOWEBCounter by INLINE

 

up