Johann
Joachim Winckelmann
Lebensdaten Werk
*9. Dezember 1717 Stendal +8. Juni 1768 Triest (Opfer eines Raubmordes) Grabstätte: Kenotaph im Giardino Lapidario (an der Stelle des früheren Friedhofs von San Giusto) |
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Einziges Kind des Flickschusters Martin Winckelmann und seiner Ehefrau Anna Maria. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Soll zu einem Handwerker in die Lehre, setzt sich jedoch mit seinem Wunsch, die Lateinschule zu besuchen, durch. Er wird"dreißig Jahre alt [...], ohne irgendeine Gunst des Schicksals genossen zu haben" (Goethe): Als Hauslehrer, Kopist und Bibliothekar schlägt er sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Erst seine Konversion zum Katholizismus eröffnet ihm die Möglichkeit zu einer beispiellosen Gelehrtenkarriere in Rom. Seine Geschichte der Kunst des Altertums macht ihn zu einer Gestalt von europäischem Rang; er gilt bei seinem Tod als der bedeutendste Kenner der antiken Kunst.
Archäologe,
Philologe, Bibliothekar, Kunstgeschichtler. Begründer der Klassischen Archäologie.
Seine kunstästhetische und stilgeschichtliche Betrachtungsweise, die
Kunstgeschichte nicht mehr als "Künstlergeschichte" versteht, wird
richtungsweisend für die neuere wissenschaftliche Kunstgeschichte.
W.
erhebt die antike griechische Plastik, in der er die vollkommene Darstellung des
Schönen erkennt, zum alleingültigen Kanon: "Denn in
den Werken der Alten finden wir nicht nur die schönste Natur, sondern eine
gewisse ´idealische Schönheit´. Das allgemeine vorzügliche Kennzeichen der
griechischen Meisterstücke ist eine edle Einfalt und stille Größe, so wohl in
der Stellung als im Ausdruck." (Gedancken über die Nachahmung der
Griechischen Wercke). Diese (einseitige und idealisierte, von den weißen Marmorkopien der
römischen Kunst vermittelte) Auffassung übt eine maßgebende Wirkung auf das Humanitätsideal der Weimarer
Klassik aus: Das Bild
des in sich vollkommenen Menschen, den die Einheit von Körper und Geist
auszeichnet, steht ab jetzt gegen barocke Antithetik und christliche
Jenseitserwartung.
| 1735 | Herbst: Fußwanderung nach Berlin; Besuch des Köllnischen Gymnasiums. Unterkunft beim Rektor Bade. |
| 1736 | Herbst: Rückkehr nach Stendal; Nov.: Altstädtische Schule in Salzwedel. |
| 1737 | Rückkehr nach Stendal; Präfekt des Schulchors. |
| 1738 | Immatrikulation an der Universität Halle; Studium der Theologie; Vorlesungen bei Alexander Gottlieb Baumgarten in Logik und Ästhetik. |
| 1740 | Februar: Abgang von der Universität; Stelle als Hauslehrer in Osterburg (Altmark). |
| 1741 | Immatrikulation an der Universität Jena: Medizinstudium. |
| 1742 | Hauslehrer in Hadmersleben bei Magdeburg. |
| 1743 | April: Konrektor an der Lateinschule in Seehausen (Altmark); Unterrichtsfächer: Latein, Hebräisch, Griechisch und Geschichte. |
| 1748 | September: Bibliothekar auf dem Schloss des sächsischen Ministers Graf von Bünau in Nöthnitz bei Dresden. |
| 1753 | Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser; schwere Erkrankung. |
| 1751 | Bekanntschaft mit dem päpstlichen Nuntius am Dresdner Hof Alberico Archinto. |
| 1754 | Juni: Unter dem Einfluss Archintos Konversion zum Katholizismus. Oktober: Übersiedlung zu Oeser nach Dresden. |
| 1755 | Reisestipendium des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. (als König von Polen: III.).; September: Beginn der Italienreise; Venedig, Bologna, Rimini, Rom; Wohnsitz in Rom. Freundschaft mit dem Sächsischen Hofmaler Anton Raphael Mengs. |
| 1757-58 | Bibliothekar beim jetzigen Kardinalstaatssekretär Archinto. |
| 1758 | März: Reise nach Neapel; Herbst: Aufenthalt in Florenz; Erarbeitung des Katalogs der Gemmensammlung des Barons Philipp von Stosch (grundlegende Bedeutung für W.´s weiteres wissenschaftliches Werk). Tod Archintos. |
| 1759 | Juni: Rückkehr nach Rom; Gesellschafter des Kardinals Alessandro Albani, des größten Antikensammlers in Rom. |
| 1762 | Zweite Neapel-Reise mit Graf Heinrich von Brühl; wieder in Rom, Beginn von kunstgeschichtlichen Fremdenführungen. |
| 1763 | April/Mai: Ernennung zum Päpstlichen Antiquar und Oberaufseher über alle Altertümer in und um Rom (Prefetto delle antichità di Roma) sowie zum Scriptor linguae teutonicae an der vatikanischen Bibliothek. |
| 1764 | 3. Reise nach Neapel. |
| 1765 | Verhandlungen über eine Anstellung als Bibliothekar bei Friedrich II. von Preußen scheitern an zu hohen Gehaltsvorstellungen. |
| 1767 | Auf Einladung des englischen Botschafters in Neapel, Sir William Hamilton, vierte Neapel-Reise; Augenzeuge eines Vesuv-Ausbruchs. |
| 1768 | April: zusammen mit dem Bildhauer und Restaurator Bartolomeo Cavaceppi
Antritt der lang geplanten Reise nach Deutschland mit Ziel Berlin über Bologna, Venedig, Verona.
In Regensburg, geplagt von Depressionen, Reiseabbruch und Beschluss, nach Rom zurückzukehren. Mit Cavaceppi nach Wien;
Audienz bei Maria Theresia. Mai: Rückreise nach Italien. Juni: Aufenthalt in Triest, um auf eine Schiffspassage nach Ancona zu warten. Der homosexuelle W. wird am 8. Juni in der Locanda Grande von dem Strichjungen Francesco Archangeli zunächst gewürgt, dann niedergestochen; der Tod tritt nach sechs Stunden ein. Beerdigung am nächsten Tag auf dem Friedhof von San Giusto. |
Schriften
| 1752 e | Beschreibung der vorzüglichsten Gemälde der Dresdner Galerie |
| 1753 e | Gedanken vom mündlichen Vortrag der neueren allgemeinen Geschichte |
| 1755 | Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst |
| 1759 | Beschreibung des
Torsos im Belvedere zu Rom Erinnerung über die Betrachtung der Kunstwerke Von der Grazie in den Werken der Kunst |
| 1760 | Description des pierres gravées du feu Baron de Stosch |
| 1761 | Anmerkungen über die Baukunst der Alten |
| 1762 | Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen |
| 1763 | Abhandlung von der Fähigkeit der Empfindung des Schönen in der Kunst und dem Unterrichte in derselben |
| 1764 | Nachrichten von den
neuesten Herculanischen Entdeckungen Geschichte der Kunst des Alterthums (2 Bde.) |
| 1766 | Versuch einer Allegorie, besonders für die Kunst |
| 1767 | Anmerkungen über die Geschichte der Kunst des Alterthums (2 Bde.) |
| 1767-68 | Monumenti antichi inediti spiegati ed illustrati (2 Bde.) |
Ausgaben
| 1808-20 | Werke, hg. v. Carl Ludwig Fernow, Heinrich Meyer u. Johann Schulze, Dresden (8 Bde.) |
| 1825-29 | Sämtliche Werke, hg. v. Joseph Eiselein, Donaueschingen (12 Bde.) |
| 1847 | Werke. Einzig rechtmäßige Original-Ausgabe, Stuttgart (2 Bde.) |
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[...] Das allgemeine vorzügliche Kennzeichen der
griechischen Meisterstücke ist endlich eine edle Einfalt, und eine
stille Größe, sowohl in der Stellung als im Ausdrucke. So wie die
Tiefe des Meers allezeit ruhig bleibt, die Oberfläche mag noch so wüten,
ebenso zeiget der Ausdruck in den Figuren der Griechen bei allen
Leidenschaften eine große und gesetzte Seele. Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst, 1755
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