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Carl Zuckmayer

Lebensdaten Werk



* 27. Dezember 1896 Nackenheim
(Rheinhessen)

+ 18. Januar 1977 Visp, Kanton Wallis

Grabstätte: Saas-Fee, Friedhof

 

  

 
Bildquelle: Wikipedia
 

Hochdekorierter Dramatiker, Romancier, Lyriker, Drehbuchautor.
   Anfänge als Lyriker (Themen: pantheistisch und -biotisch durchwaltete Natur; später Heimat als Kontrast zum Exil). Größter Prosa-Erfolg ist die Autobiographie Als wär's ein Stück von mir. Als Dramatiker aber einer der erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts überhaupt; in der Zeit der Weimarer Republik (Der fröhliche Weinberg, Der Schinderhannes, besonders Der Hauptmann von Köpenick), aber auch in der Nachkriegszeit bis weit in die 60er-Jahre hinein gehörten seine Dramen zu den meistaufgeführten (Des Teufels General); viele wurden zudem verfilmt.
   Mit seinen lebensprallen und realistischen Volksstücken, die zwar sentimental, gleichwohl aber kritisch (z.B. gegenüber sozialer Ungerechtigkeit oder preußischem Militarismus) angelegt sind, macht Z. dem blutleeren Expressionismus ein Ende (Alfred Kerr: "sic transit gloria expressionismi"). Des Teufels General thematisiert als erstes Drama das Dritte Reich und die Spannung zwischen Widerstand und Kollaboration. Die späteren Stücke nehmen vor dem Hintergrund der humanistischen Ideale Z.s zeitkritische Themen auf: Letztlich setzt sich in ihnen der humane Geist durch, der die Helden "nach anfänglicher Auflehnung zur Annahme ihres Schicksals bringt" (Hans Wagener).

Zweiter Sohn des Flaschenkapselfabrikanten Carl Zuckmayer sen. (1864-1947) und seiner Frau Amelie Friederike Auguste, geb. Goldschmidt (1869-1954, aus assimilierter jüdischer Familie). Sein Leben ist wie bei so vielen Intellektuellen seiner Generation von Emigration und Exil geprägt; er nimmt nach dem Krieg im Ärger darüber, dass die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft durch die Nazis vom neuen Staat nicht automatisch rückgängig gemacht wird, die amerikanische, später die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Als Schriftsteller außerordentlich erfolgreich und hochgeehrt.

1920-21

1. Ehe mit Annemarie Ganz; Scheidung

1925

Eheschließung mit Alice Frank, geb. Herdan (1901-1991, Schauspielerin; Tochter Michaela aus der Ehe mit Karl Frank); Tochter: Maria Winnetou (*1926)

Auszeichnungen (Auswahl):

1925

Kleist-Preis (für Der fröhliche Weinberg)

1928

Georg-Büchner-Preis

1952

Goethe-Preis der Stadt Frankfurt
Ehrenbürger von Nackenheim

1955

Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern

1956

Ehrendoktorwürde des Dartmouth College in Hanover (New Hampshire, USA)

1957

Ehrendoktor der Universität Bonn

1960

Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur

1961

Ehrenbürger von Saas-Fee
Ehrenbürger der Stadt Mainz

1967

Ehrenbürger der Universität Heidelberg
Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Kunst

1972

Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf

1976

Ehrenbürgerwürde der Universität Mainz


Wichtige Lebensdaten:

1900

Umzug der Familie nach Mainz.

1903-14

Humanistisches Gymnasium in Mainz.

1914-18

Notabitur; Meldung als Kriegsfreiwilliger; als Leutnant an der Westfront Teilnahme an den Materialschlachten an der Somme und in Flandern.

1917

Ab Dez.: Beiträge für die expressionistische Zeitschrift Die Aktion.

1918

Jurastudium  in Frankfurt/M.; abgebrochen.

1919

Unsystematisches Studium an der Universität Heidelberg: Literaturgeschichte, Kunstgeschichte, Philosophie, Soziologie, Biologie.

1920

Jan.: Heirat mit seiner Jugendgeliebten. Nov.: Studienabbruch und Übersiedlung nach Berlin; Gelegenheitsarbeiter (u.a. Statist beim Film, Regieassistent); freier Schriftsteller. 

1921

Scheidung; Liebesaffäre mit der Schauspielerin Annemarie Seidel ("Mirl"; seit 1935 mit Peter Suhrkamp verheiratet).

1922

Mehrere Monate in Norwegen. Sept.: Dramaturg in Kiel.

1923

Z.s Inszenierung der Terenz-Komödie Der Eunuch führt zu einem Theaterskandal. Folge: fristlose Entlassung. Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus München (Brecht).

1924-25

Zusammen mit Brecht Engagement am Deutschen Theater in Berlin. Bekanntschaft mit der Wiener Schauspielerin Alice Frank, geb. Herdan, die seine Manuskripte abschreibt.

1925

Großer Erfolg des Fröhlichen Weinbergs; literarischer Durchbruch.

1926

Kauf der Wiesmühl in Henndorf bei Salzburg.

1933

Aufführungsverbot in Deutschland für die Theaterstücke des "halbjüdischen Asphaltliteraten". Rückzug nach Österreich in die Wiesmühl.

1935

Ausschluss aus dem Reichsverband der Deutschen Schriftsteller. Teilweises Publikationsverbot.

1938

März: nach dem Anschluss Österreichs unter Zurücklassung seines Vermögens Emigration in die Schweiz (Chardonne am Genfer See). Totales Publikationsverbot.

1939

Mai: Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft. Juni: über Kuba Übersiedlung in die USA. Drehbuchautor in Hollywood bei Warner Brothers.

1940

Dozent an Erwin Piscators Dramatic Workshop an der New School of Social Research in New York. Short Stories für amerikanische Magazine.

1941

Vergeblicher Versuch, als Schriftsteller Fuß zu fassen.

1941-44

Pacht und Bewirtschaftung der Backwoods-Farm bei Barnard, Vermont (vgl. über diese Zeit: A. Herdan-Zuckmayer: Die Farm in den grünen Bergen, 1949).

1942

Geheimreport für das Office of Strategic Services über Kulturschaffende im nationalsozialistischen Deutschland.

1944

Umzug in ein Farmhaus bei Woodstock, Vermont.

1946

Jan.: amerikanische Staatsbürgerschaft. Herbst: fünfmonatige Inspektionsreise als Zivilangestellter des amerikanischen Kriegsministeriums zur Untersuchung des Kulturlebens in Deutschland und Österreich.

1947

Rundfunksprecher beim Sender Voice of America.

1947-58

Abwechselnd in den USA und in Deutschland.

1948

Jahresende: Herzinfarkt.

1952

Kauf eines Hauses in Woodstock, Vermont.

1958

Juli: Übersiedlung nach Saas-Fee in der Schweiz, in das Haus Vogelweid. Rückgabe der amerikanischen, Zuerkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft.

1966

Schweizer Staatsbürgerschaft.

1967

Freundschaft mit dem evangelischen Theologen Karl Barth.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in)

Dramen

1921 (1920 a Berlin)

Kreuzweg

1923 (1925 a Berlin)

Kiktahan oder Die Hinterwäldler (= Pankraz erwacht)

1925 (a Berlin)

Der fröhliche Weinberg. Lustspiel

1927 (a Berlin)

Schinderhannes (Räuberstück)

1927 (1928 a Berlin)

Katharina Knie. Ein Seiltänzerstück

1929 (1930 a Berlin)

Kakadu Kakada. Ein Kinderstück

1931 (a Berlin)

Der Hauptmann von Köpenick

1934 (a Wien)

Der Schelm von Bergen

1938
(a Zürich)

Bellman (überarbeitete Version: Ulla Winblad oder Musik und Leben des Carl Michael Bellman)

1946  (a Zürich)

Des Teufels General

1949 (a Konstanz)

Barbara Blomberg

1950 (a Göttingen)

Der Gesang im Feuerofen

1953 (a Göttingen)

Ulla Winblad oder Musik und Leben des Carl Michael Bellman

1955 (a Hamburg)

Das kalte Licht

1961 (a Wien)

Die Uhr schlägt eins. Ein historisches Drama aus der Gegenwart

1961 e (1967 a Zürich)

Kranichtanz

1964 (a Zürich)

Das Leben des Horace A. W. Tabor

1975 (a Zürich)

Der Rattenfänger. Eine Fabel

Erzählungen

1918

Krimwein

1927

Ein Bauer aus dem Taunus und andere Geschichten:

  • Geschichte von einer Geburt (1922)

  • Die Geschichte vom Tümpel (1926)

  • Die Geschichte von einer Entenjagd (1923)

  • Die Weinberge bei Nackenheim

  • Leben des Schwärmer

  • Sprung einer Elenantilope über vier Brahminenzebus

  • Ein paar Brocken Erde

  • Die Geschichte vom Lappenvogt Bal

  • Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus (1925)

1931

Eine Weihnachtsgeschichte

1932

Die Affenhochzeit

1934

Eine Liebesgeschichte

1937

Ein Sommer in Österreich

1940

Das Herz der Könige

1945

Der Seelenbräu

1948

Die wandernden Hütten

1952

Die Erzählungen:

  • Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus (1925)

  • Die Geschichte vom Tümpel (1926)

  • Die Geschichte von einer Entenjagd (1923)

  • Geschichte von einer Geburt (1922)

  • Die Affenhochzeit (1932)

  • Der Seelenbräu (1945)

  • Die wandernden Hütten (1948)

  • Eine Liebesgeschichte (1934)

  • Engele von Loewen

1959

Die Fastnachtsbeichte

Romane

1934
1936

Salwàre oder Die Magdalena von Bozen (1934 vor der Auslieferung beschlagnahmt)

1938

Herr über Leben und Tod

1996 (ab 1943 e)

Vermonter Roman

Gedichte

1926

Der Baum. Gedichte

1948

Gedichte 1916-1948

1960

Gedichte

1970

Gedichte

Drehbücher (Auswahl)

1930

Der blaue Engel

1936

Rembrandt

1947

Nach dem Sturm

Autobiographisches

1938

Pro Domo (scharfe Kritik am nationalsozialistischen Staat)

1940

Second Wind (englisch)

1952

Die langen Wege. Ein Stück Rechenschaft (Rede)

1966

Als wär's ein Stück von mir. Horen der Freundschaft

Reden und Schriften

1932

Gerhart Hauptmann. Rede zu seinem siebzigsten Geburtstag

1943

Offener Brief an Erika Mann

1948

Die Brüder Grimm. Ein deutscher Beitrag zur Humanität

1959

Ein Weg zu Schiller (Rede)

1976

Aufruf zum Leben. Porträts und Zeugnisse aus bewegten Zeiten

Berichte

2002 (1942 e )

Geheimreport (Dossier von über 150 Charakterskizzen von Kulturschaffenden im nationalsozialistischen Deutschland)

2004 (1947 e)

Deutschlandbericht

Werkausgaben

1950

Gesammelte Werke, Frankfurt/M. (3 Bde).

1960

Gesammelte Werke, Frankfurt/M.: Fischer (4 Bde.)

1976

Werkausgabe in zehn Bänden, 1920-1975, Frankfurt/M.: Fischer Tb

1995-97

Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. von Knut Beck und Maria Guttenbrunner-Zuckmayer, Frankfurt/M.: Fischer

    


     

Carl-Zuckmayer-Gesellschaft

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