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Stefan Zweig
 
Lebensdaten
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Zweig-Texte online



* 28. November 1881 Wien

+ 22. Februar 1942 Petrópolis/Brasilien (Suizid)
("aus freiem Willen und mit klaren Sinnen")

Grabstätte: Petrópolis, Friedhof

  

Stefan Zweig um 1900
Bildquelle: Wikimedia
 

Weit gespanntes Talent: Erzähler, Dramatiker, Lyriker, Biograph, Essayist, Feuilletonist, Übersetzer und Bearbeiter. Vorkriegsnovellen unter dem Einfluss Freuds und der Psychoanalyse. Gilt bereits zu Lebzeiten als Repräsentant europäischer Literatur. Weltruhm vor allem durch die literarische Verarbeitung der Geschichte (populärstes Werk: Sternstunden der Menschheit). Das Gesamtwerk wurde in großer Auflage verlegt; zeitweise war Z. der meistübersetzte Autor weltweit. Bis heute ungebrochene Popularität.

Aus jüdisch-assimilierter großbürgerlicher und kosmopolitisch geprägter Industriellenfamilie; zweiter Sohn des Textilfabrikanten Moritz Zweig (1845-1926) und seiner aus einer Bankiersfamilie stammenden, in Italien aufgewachsenen Frau Ida, geb. Brettauer (1855-1938); verwandtschaftliche Beziehungen nach Italien, Frankreich, in die Schweiz und die USA. Kindheit und Jugend geprägt von patriarchalischer Strenge und ständiger Aufsicht von Gouvernanten ("enger Kerker"). Ausgedehntes Wanderleben zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr. Finanziell unabhängig; eleganter und kultivierter Lebensstil (mit Diener). Kunstenthusiasmus: Kunst als Ausweg in eine freiere Welt. Idealtyp des Sammlers (Bücher-, Kunst-, Antiquitäten- und Autographensammlung; u.a. Manuskripte von Goethe, Mozart, Beethoven).
   Humanist, Verfechter der Völkerversöhnung und Europäer: Glaube, dass "Europa keine andere Möglichkeit hat, sich zu erhalten, als die brüderliche Vereinigung". Ausgedehnte Reisen in der ganzen Welt; Kontaktaufnahme mit zahlreichen Künstlern und Intellektuellen: Émile Verhaeren, Romain Rolland, Georges Duhamel, William Butler Yeats, Hermann Bahr, Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Gerhart Hauptmann, Joseph Roth, Richard Dehmel, Luigi Pirandello, Anatole France u.v.a. Entsprechend umfangreiche Korrespondenz.
   Seit den Kriegserfahrungen als Berichterstatter an der galizischen Front bedingungsloser Pazifist. Nach Hitlers Einmarsch in Österreich im Exil. Rastlos für die Sache der Völkerverständigung unterwegs. Freitod zusammen mit seiner zweiten Frau aus Verzweiflung über die Vernichtung des Geistes durch den Krieg.
   "Er war ein heiterer Pessimist und ein todeslüsterner Optimist [...], im Kern ein bescheidener Mensch und hat sich selber und die Welt viel zu tragisch genommen." (Hermann Kesten)

1920

1. Ehe mit Friderike Maria von Winternitz, geb. Burger (1882-1971; 2. Ehe); 1938 Scheidung

1939

2. Ehe mit Lotte Altmann (1908-1942; Freitod zusammen mit ihrem Mann)


Wichtige Lebensdaten:

1887

Volksschule in der Werdertorgasse (Wien I).

1892

Maximilian-Gymnasium (heutiges Wasa-Gymnasium, Wien IX).

ab 1897

Erste Veröffentlichungen Gedichten und Novellen in Zeitschriften.

1900

Matura. Erste Reise nach Frankreich.

1900-04

Studium der Philosophie, Germanistik und Romanistik in Wien.

1902

Sommersemester an der Universität Berlin. Reise nach Belgien, Beginn der Freundschaft mit Verhaeren.

1904

Promotion zum Dr. phil. (Dissertation über Hippolyte Taine). Paris-Aufenthalt (Rilke, Rodin). Reisen nach Belgien und England.

1905

Reise nach Spanien und Algier.

1906

Aufenthalt in England

1907

Wohnung in Wien (Kochgasse 8, Wien VIII).

1908-09

Reise nach Ceylon, Indien und Hinterindien.

1910

Reise in die USA, Kanada, Kuba und Puerto Rico.

1911

Reise nach Paris (Romain Rolland).

1912

Erste Begegnung mit Friderike von Winternitz.

1914

Freiwillige Meldung zum Militär bei Kriegsausbruch. (Zusammen mit Rilke) im Wiener Kriegsarchiv; Mitarbeit an Propagandaschriften und an der patriotischen Zeitschrift Donauland.

1915

Als Berichterstatter an der galizischen Front.

1916-17

Mit Friderike Wohnung in Kalksburg am Stadtrand von Wien. Kauf eines Schlösschens auf dem Kapuzinerberg in Salzburg.

1917

Teilhaber an der Firma Moritz Zweig. Zweimonatige Beurlaubung vom Militärdienst zu Vorträgen in der Schweiz.

1917-18

Eineinhalbjähriger Aufenthalt in Zürich und Rüschlikon bei Zürich: Kontakte zu pazifistischen Schriftstellern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Begegnungen mit James Joyce, Hermann Hesse, René Schickele, Anette Kolb, Pierre-Jean Jouve, Frans Masereel u.a.).

1919

Rückkehr nach Salzburg.

1924

Paris; Begegnung mit Salvador Dalí.

1925

Lesereise durch Deutschland. Aufenthalt in Frankreich.

1926

Tod des Vaters. Vortragsreise durch Deutschland.

1927

Gedächtnisrede für Rainer Maria Rilke im Münchner Residenztheater. Zehnbändige Werkausgabe in der Sowjetunion (Vorwort Gorki).

1928

Reise durch Belgien und Frankreich. Reise nach Moskau zur Feier des 100. Geburtstages von Leo Tolstoi.

1929

Vortragsreise durch Deutschland und Belgien. Gedächtnisrede bei der Trauerfeier für Hugo von Hofmannsthal im Wiener Burgtheater.

1930

Große Italienreise. Besuch bei Maxim Gorki in Sorrent.

1931

Frankreich-Reise. Besuch bei Joseph Roth.

1932

Reisen nach Frankreich und Italien; Vorträge in Florenz und Mailand.

1933

Zweigs Bücher fallen den NS-Bücherverbrennungen zum Opfer. Reisen nach Basel (Material zum "Erasmus"), Frankreich und Italien. Herbst: längerer Aufenthalt in London (Mietwohnung Portland Place 11).

1934

Nach einer Hausdurchsuchung durch die Heimwehr Übersiedlung nach London; Friderike bleibt in Salzburg. In London wird die junge Emigrantin Lotte Altmann Zweigs Sekretärin. Reise nach Schottland (Material für "Maria Stuart"). Aug.: Reise in die Schweiz und nach Salzburg. Herbst: Nizza (u.a. H.G. Wells, Maurois, Toscanini).

1935

Reise in die Schweiz und nach Frankreich; Vortragsreise in den USA.

1936

Zweigs Werke dürfen in Deutschland nicht mehr vertrieben werden. Übersiedlung in eine größere Wohnung (Hallam Street 49). Erste Reise nach Brasilien (Lesungen, Vorträge). Zum PEN-Kongress nach Buenos Aires.

1937

Verkauf des Salzburger Hauses.

1938

Mit Lotte Altmann nach Portugal. Tod der Mutter. Scheidung. Bücherverbrennung in Salzburg. Vortragsreise durch 30 amerikanische Städte.

1939

Heirat mit der kränkelnden Lotte Altmann (chronisches Asthma). Juli: Übersiedlung nach Bath. "Worte am Sarge Sigmund Freuds" (Krematorium von Golder´s Green, London).

1940

Bezug eines eigenen Hauses in Bath. März: Lotte und Stefan Zweig werden englische Staatsbürger. April: Vortragsreise nach Paris. Juli: Mit Lotte nach New York, anschließend Vortragsreise durch Südamerika. Rückkehr nach New York.

1941

Sommer in Ossining, New York. Aug.: Übersiedlung nach Brasilien. In Petropolis bei Rio de Janeiro mietet das Ehepaar ein kleines Haus.

1942

Z. scheidet gemeinsam mit seiner Frau aus Kummer über die Ausweitung des Weltkriegs und die Barbarisierung Europas aus dem Leben: "So halte ich es für besser, rechtzeitig und in aufrechter Haltung, ein Leben abzuschließen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und persönliche Freiheit das höchste Gut dieser Erde gewesen. Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus." ("Declaración").


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung; Z = Zeitschriftenveröffentlichung)

Romane

1939

Ungeduld des Herzens

1982

Rausch der Verwandlung

1990

Clarissa

Erzählungen

1904

Die Liebe der Erika Ewald. Novellen:

  • Die Liebe der Erika Ewald

  • Der Stern über dem Walde

  • Die Wanderung

  • Die Wunder des Lebens

1911

Erstes Erlebnis. Vier Geschichten aus Kinderland:

  • Geschichte in der Dämmerung

  • Die Gouvernante

  • Brennendes Geheimnis

  • Sommernovellette

1914 Z

Die Mondscheingasse

1916 Z

Die Legende der dritten Taube

1919 Z (1927)

Der Flüchtling. Episode vom Genfer See

1920

Angst
Der Zwang. Eine Novelle

1922

Amok. Novellen einer Leidenschaft

  • Der Amokläufer

  • Die Frau und die Landschaft

  • Phantastische Nacht

  • Brief einer Unbekannten

  • Die Mondscheingasse (1914 Z)

1922

Die Augen des ewigen Bruders. Eine Legende

1925 Z (1927)

Die unsichtbare Sammlung. Eine Episode aus der deutschen Inflation

1927

Die Kette. Ein Novellenkreis. Drei Ringe (3 Bde.):

I - Erstes Erlebnis (1911)

II - Amok (1922)

III - Verwirrung der Gefühle (1927):

  • Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau

  • Untergang eines Herzens

  • Verwirrung der Gefühle

1929

Kleine Chronik. Vier Erzählungen:

  • Die unsichtbare Sammlung (Z 1925)

  • Episode vom Genfer See (Z 1919)

  • Leporella

  • Buchmendel

1930

Rahel rechtet mit Gott. Legende

1936

Gesammelte Erzählungen (2 Bde.)

1937

Der begrabene Leuchter (Legende)
Die gleich-ungleichen Schwestern

1942

Schachnovelle

1945

Legenden:

  • Rahel rechtet mit Gott (1930)

  • Die Augen des ewigen Bruders (1922)

  • Der begrabene Leuchter (1937)

  • Die Legende der dritten Taube (1916)

  • Die gleich-ungleichen Schwestern (1937)

1994

Wondrak (Frgm.)

Dramen

1907
(1908 a Dresden, Kassel)

Tersites. Ein Trauerspiel (veränd. 1919)

1912 (a Wien)

Das Haus am Meer. Ein Schauspiel in zwei Teilen

1913 (1912 a Breslau)

Der verwandelte Komödiant. Ein Spiel aus dem deutschen Rokoko

1917 (1918 a Zürich)

Jeremias. Eine dramatische Dichtung (Neubearb. 1928)

1919 (1918 a Hamburg)

Legende eines Lebens. Ein Kammerspiel

1926 (a Wien)

Ben Jonsons "Volpone" (freie Bearbeitung)

1927

Die Flucht zu Gott (Epilog zu Tolstois Drama Das Licht scheint in der Finsternis)

1928

Quiproquo (zus. mit Alexander Lernet-Holenia)

1929 (1930 a Breslau)

Das Lamm des Armen. Tragikomödie

Libretto

1935 (a Dresden)

Die schweigsame Frau. Komische Oper frei nach Ben Jonson (Musik: Richard Strauss)

Gedichte

1901

Silberne Saiten. Gedichte

1906

Die frühen Kränze (Gedichtband)

1924

Die gesammelten Gedichte

1931

Ausgewählte Gedichte

Biographien und historische Essays

1905

Verlaine

1910

Emile Verhaeren

1917

Erinnerungen an Emile Verhaeren

1920

Marceline Desbordes-Valmore. Das Lebensbild einer Dichterin
Drei Meister. Balzac, Dickens, Dostojewski

1921

Romain Rolland. Der Mann und das Werk

1923

Frans Masereel. Der Mann und Bildner

1925

Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin, Kleist, Nietzsche

1927

Sternstunden der Menschheit. Fünf historische Miniaturen:

  • Die Weltminute von Waterloo (Napoleon und Grouchy, 18.6.1815)

  • Die Marienbader Elegie (Goethe, 5.9.1823)

  • Die Entdeckung Eldorados (J. A. Sutter, Januar 1848)

  • Heroischer Augenblick (Dostojewski, 22.12.1849)

  • Der Kampf um den Südpol (Kapitän Scott, 16.1.1912)

1928

Erinnerungen an Émile Verhaeren
Drei Dichter ihres Lebens. Casanova, Stendhal, Tolstoi

1929

Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen

1931

Die Heilung durch den Geist. Mesmer, Mary Baker-Eddy, Freud

1932

Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters

1934

Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam

1935

Maria Stuart
Arturo Toscanini. Ein Bildnis

1936

Baumeister der Welt:

  • Drei Meister (1920)

  • Der Kampf mit dem Dämon (1925)

  • Drei Dichter ihres Lebens (1928)

1936

Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt

1937

Georg Friedrich Händels auferstehung. Eine historische Miniatur

1938

Magellan. Der Mann und seine Tat

1941

Brasilien. Ein Land der Zukunft

1944

Amerigo. Die Geschichte eines historischen Irrtums

1945

Sternstunden der Menschheit. Zwölf historische Miniaturen:

  • Flucht in die Unsterblichkeit (Nuñez de Balboa)

  • Die Eroberung von Byzanz

  • Georg Friedrich Händels Auferstehung (Oratorium "Messias")

  • Das Genie einer Nacht (Rouget de Lisle und die Marseillaise)

  • Die Weltminute von Waterloo

  • Die Marienbader Elegie (Goethes letzte Liebe)

  • Die Entdeckung Eldorados (Sutter und der Goldrausch)

  • Heroischer Augenblick (Dostojewskis Begnadigung)

  • Das erste Wort über den Ozean (Verlegung des transatlantischen Kabels)

  • Die Flucht zu Gott (Tolstois Tod)

  • Der Kampf um den Südpol (Robert Scott)

  • Der versiegelte Zug (Lenins Rückkehr nach Rußland)

1946

Balzac

Aufsätze und Reden

1919

Fahrten. Landschaften und Städte

1928

Abschied von Rilke. Eine Rede
Reise nach Rußland

1935

Sinn und Schönheit der Autographen

1937

Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten

1943

Zeit und Welt. Gesammelte Aufsätze und Vorträge 1904-1940, hg. v. R. Friedenthal, Stockholm: Bermann-Fischer

Autobiographisches

1942

Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers

1984

Tagebücher

Übersetzungen/Bearbeitungen

1904

E. Verhaeren: Ausgewählte Gedichte (erw. 1910, 1913)

1906

A. B. H. Russell: Die visonäre Kunstphilosophie des William Blake

1909

E. Verhaeren: Helenas Heimkehr

1910

E. Verhaeren: Drei Dramen

1911

E. Verhaeren: Hymnen an das Leben

1912

E. Verhaeren: Rembrandt

1913

E. Verhaeren: Rubens

1918

R. Rolland: Den hingeschlachteten Völkern!

1919

R. Rolland: Die Zeit wird kommen. Drama

1922

R. Rolland: Clérambault. Geschichte eines freien Gewissens im Kriege

1924

Chateaubriand: Romantische Erzählungen (Bearb.)

1926

Ben Jonson: Volpone. Eine lieblose Tragödie (Bearb.)

1932

H. Barbusse. Die Schutzflehenden. Roman einer Vorkriegsjugend

Herausgeberschaft

1902

P. Verlaine: Gedichte

1908

Balzac. Sein Weltbild aus den Werken

1919

J. J. Rousseau: Emil oder Über die Erziehung

1922

P. Verlaine: Gesammelte Werke (2 Bde.)

1923

Ch.-A. de Sainte-Beuve: Literarische Porträts aus dem Frankreich des 17. bis 19. Jahrhunderts

1927

Goethe: Gedichte. Eine Auswahl

Werkausgabe

1981ff.

Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. v. Knut Beck, Frankfurt a. M.: Fischer

 


        

Internationale Stefan-Zweig-Gesellschaft

Stefan-Zweig-Seite von Ursula Hipp, Vladimir Kontscheko, Jakob Rombach
            

  

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