*28. November 1881 Wien +22. Februar 1942 Petropolis/Brasilien (Freitod "aus freiem Willen und mit klaren Sinnen") Grabstätte: Petropolis, Friedhof |
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Aus jüdisch-assimilierter großbürgerlicher und kosmopolitisch
geprägter Industriellenfamilie; zweiter Sohn des Textilfabrikanten Moritz
Zweig (+1926) und seiner
aus einer Bankiersfamilie stammenden, in
Italien aufgewachsenen Frau Ida, geb. Brettauer (+1938); verwandtschaftliche Beziehungen nach
Italien, Frankreich, in die Schweiz und die USA. Kindheit und Jugend geprägt
von patriarchalischer Strenge und ständiger Aufsicht von Gouvernanten ("enger
Kerker"). Kunstenthusiasmus: Kunst als Ausweg in eine freiere Welt.
Ausgedehntes Wanderleben zwischen 20. und 30. Lebensjahr. Finanziell
unabhängig; eleganter und kultivierter Lebensstil (mit Diener). Idealtyp des
Sammlers (Bücher-, Kunst-, Antiquitäten- und Autographensammlung; u.a.
Manuskripte von Goethe, Mozart, Beethoven).
Humanist, Verfechter der Völkerversöhnung und Europäer: Glaube, dass "Europa keine andere
Möglichkeit hat, sich zu erhalten, als die brüderliche Vereinigung".
Ausgedehnte Reisen in der ganzen Welt; Kontaktaufnahme mit zahlreichen Künstlern und
Intellektuellen: Émile Verhaeren, Romain Rolland, Georges Duhamel, William Butler Yeats,
Hermann Bahr, Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Gerhart
Hauptmann, Joseph Roth, Richard Dehmel, Luigi Pirandello, Anatole France u.v.a.
Entsprechend umfangreiche Korrespondenz.
Seit den Kriegserfahrungen als Berichterstatter an der galizischen Front
bedingungsloser Pazifist. Nach Hitlers Einmarsch in Österreich im Exil. Rastlos für die
Sache der Völkerverständigung unterwegs. Freitod zusammen mit seiner zweiten Frau aus
Verzweiflung über die Vernichtung des Geistes durch den Krieg.
"Er war ein heiterer Pessimist und ein todeslüsterner
Optimist [...], im Kern ein bescheidener Mensch und hat sich selber und die Welt
viel zu tragisch genommen." (Hermann Kesten)
1920 |
1. Ehe mit Friderike Maria von Winternitz, geb. Burger (1882-1971; 2. Ehe); 1938 Scheidung |
1939 |
2. Ehe mit Lotte Altmann (1908-1942; Freitod zusammen mit ihrem Mann) |
1887 |
Volksschule in der Werdertorgasse (Wien I). |
1892 |
Maximilian-Gymnasium (heutiges Wasa-Gymnasium, Wien IX). |
ab 1897 |
Erste Veröffentlichungen Gedichten und Novellen in Zeitschriften. |
1900 |
Matura. Erste Reise nach Frankreich. |
1900-04 |
Studium der Philosophie, Germanistik und Romanistik in Wien. |
1902 |
Sommersemester an der Universität Berlin. Reise nach Belgien, Beginn der Freundschaft mit Verhaeren. |
1904 |
Promotion zum Dr. phil. (Dissertation über Hippolyte Taine). Paris-Aufenthalt (Rilke, Rodin). Reisen nach Belgien und England. |
1905 |
Reise nach Spanien und Algier. |
1906 |
Aufenthalt in England |
1907 |
Wohnung in Wien (Kochgasse 8, Wien VIII). |
1908-09 |
Reise nach Ceylon, Indien und Hinterindien. |
1910 |
Reise in die USA, Kanada, Kuba und Puerto Rico. |
1911 |
Reise nach Paris (Romain Rolland). |
1912 |
Erste Begegnung mit Friderike von Winternitz. |
1914 |
Freiwillige Meldung zum Militär bei Kriegsausbruch. (Zusammen mit Rilke) im Wiener Kriegsarchiv; Mitarbeit an Propagandaschriften und an der patriotischen Zeitschrift Donauland. |
1915 |
Als Berichterstatter an der galizischen Front. |
1916-17 |
Mit Friderike Wohnung in Kalksburg am Stadtrand von Wien. Kauf eines Schlösschens auf dem Kapuzinerberg in Salzburg. |
1917 |
Teilhaber an der Firma Moritz Zweig. Zweimonatige Beurlaubung vom Militärdienst zu Vorträgen in der Schweiz. |
1917-18 |
Eineinhalbjähriger Aufenthalt in Zürich und Rüschlikon bei Zürich: Kontakte zu pazifistischen Schriftstellern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Begegnungen mit James Joyce, Hermann Hesse, René Schickele, Anette Kolb, Pierre-Jean Jouve, Frans Masereel u.a.). |
1919 |
Rückkehr nach Salzburg.. |
1924 |
Paris; Begegnung mit Salvador Dalí. |
1925 |
Lesereise durch Deutschland. Aufenthalt in Frankreich. |
1926 |
Tod des Vaters. Vortragsreise durch Deutschland. |
1927 |
Gedächtnisrede für Rainer Maria Rilke im Münchner Residenztheater. Zehnbändige Werkausgabe in der Sowjetunion (Vorwort Gorki). |
1928 |
Reise durch Belgien und Frankreich. Reise nach Moskau zur Feier des 100. Geburtstages von Leo Tolstoi. |
1929 |
Vortragsreise durch Deutschland und Belgien. Gedächtnisrede bei der Trauerfeier für Hugo von Hofmannsthal im Wiener Burgtheater. |
1930 |
Große Italienreise. Besuch bei Maxim Gorki in Sorrent. |
1931 |
Frankreich-Reise. Besuch bei Joseph Roth. |
1932 |
Reisen nach Frankreich und Italien; Vorträge in Florenz und Mailand. |
1933 |
Zweigs Bücher fallen den NS-Bücherverbrennungen zum Opfer. Reisen nach Basel (Material zum "Erasmus"), Frankreich und Italien. Herbst: längerer Aufenthalt in London (Mietwohnung Portland Place 11). |
1934 |
Nach einer Hausdurchsuchung durch die Heimwehr Übersiedlung nach London; Friderike bleibt in Salzburg. In London wird die junge Emigrantin Lotte Altmann Zweigs Sekretärin. Reise nach Schottland (Material für "Maria Stuart"). Aug.: Reise in die Schweiz und nach Salzburg. Herbst: Nizza (u.a. H.G. Wells, Maurois, Toscanini). |
1935 |
Reise in die Schweiz und nach Frankreich; Vortragsreise in den USA. |
1936 |
Zweigs Werke dürfen in Deutschland nicht mehr vertrieben werden. Übersiedlung in größere Wohnung (Hallam Street 49). Erste Reise nach Brasilien (Lesungen, Vorträge). Zum PEN-Kongress nach Buenos Aires. |
1937 |
Verkauf des Salzburger Hauses. |
1938 |
Mit Lotte Altmann nach Portugal. Tod der Mutter. Scheidung. Bücherverbrennung in Salzburg. Vortragsreise durch 30 amerikanische Städte. |
1939 |
Heirat mit der kränkelnden Lotte Altmann (chronisches Asthma). Juli: Übersiedlung nach Bath. "Worte am Sarge Sigmund Freuds" (Krematorium von Golder´s Green, London). |
1940 |
Bezug eines eigenen Hauses in Bath. März: Lotte und Stefan Zweig werden englische Staatsbürger. April: Vortragsreise nach Paris. Juli: Mit Lotte nach New York, anschließend Vortragsreise durch Südamerika. Rückkehr nach New York. |
1941 |
Sommer in Ossining, New York. Aug.: Übersiedlung nach Brasilien. In Petropolis bei Rio de Janeiro mietet das Ehepaar ein kleines Haus. |
1942 |
Z. scheidet gemeinsam mit seiner Frau aus Kummer über die Ausweitung des Weltkriegs und die Barbarisierung Europas aus dem Leben: "So halte ich es für besser, rechtzeitig und in aufrechter Haltung, ein Leben abzuschließen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und persönliche Freiheit das höchste Gut dieser Erde gewesen. Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus." ("Declaración"). |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Roman
1939 |
Ungeduld des Herzens |
1982 |
Rausch der Verwandlung |
1990 |
Clarissa |
1904 |
Die Liebe der Erika Ewald |
1911 |
Erstes Erlebnis. Vier Geschichten aus Kinderland (u.a. Brennendes Geheimnis, Geschichte in der Dämmerung) |
1914 |
Die Mondscheingasse |
1920 |
Der
Zwang Angst |
1922 |
Amok. Novellen
einer Leidenschaft (u.a. Der Amokläufer, Brief einer Unbekannten, Die Frau und
die Landschaft, Phantastische Nacht) |
1927 |
Verwirrung der Gefühle (u.a Verwirrung der Gefühle, Untergang eines Herzens, Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau) |
1929 |
Kleine Chronik (vier Erzählungen; u.a. Leporella) |
1930 |
Buchmendel |
1933 |
Die unsichtbare Sammlung |
1936 |
Gesammelte Erzählungen (2 Bde.) |
1937 |
Die gleich-ungleichen Schwestern |
1942 |
Schachnovelle |
Dramen
1907 |
Tersites |
1912 |
Das Haus am Meer |
1913 |
Der verwandelte Komödiant |
1917 |
Jeremias |
1919 |
Legende eines Lebens |
1926 |
Ben Jonsons "Volpone" (freie Bearbeitung) |
1927 |
Die Flucht zu Gott (Epilog zu Tolstois Drama Das Licht scheint in der Finsternis) |
1928 |
Quiproquo (zus. mit Alexander Lernet-Holenia) |
1929 |
Das Lamm des Armen |
Libretto
1935 (a Dresden) |
Die schweigsame Frau (frei nach Ben Jonson; Musik: Richard Strauss) |
1901 |
Silberne Saiten (Gedichtband) |
1906 |
Die frühen Kränze (Gedichtband) |
1924 |
Die gesammelten Gedichte |
1931 |
Ausgewählte Gedichte |
Biographien und historische Essays
1919 |
Die Baumeister der Welt. 1. Bd.: Drei Meister (Balzac, Dickens, Dostojewski) |
1921 |
Romain Rolland. Der Mann und das Werk |
1923 |
Frans Masereel. Der Mann und Bildner |
1925 |
Die Baumeister der Welt. 2. Bd.: Der Kampf mit dem Dämon (Hölderlin, Kleist, Nietzsche) |
1927 |
Sternstunden der Menschheit. Fünf historische Miniaturen |
1928 |
Erinnerungen
an Émile Verhaeren |
1929 |
Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen |
1931 |
Die Heilung durch den Geist (Mesmer, Baker-Eddy, Freud) |
1932 |
Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters |
1934 |
Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam |
1935 |
Maria Stuart |
1936 |
Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt |
1938 |
Magellan. Der Mann und seine Tat |
1941 |
Brasilien. Ein Land der Zukunft |
1944 |
Amerigo. Geschichte eines historischen Irrtums |
1945 |
Sternstunden der Menschheit. Zwölf historische Miniaturen (Flucht in die Unsterblichkeit, Die Eroberung von Byzanz, Georg Friedrich Händels Auferstehung, Das Genie einer Nacht, Die Weltminute von Waterloo, Die Marienbader Elegie, Die Entdeckung Eldorados, Heroischer Augenblick, Das erste Wort über den Ozean, Die Flucht zu Gott, Der Kampf um den Südpol, Der versiegelte Zug) |
1946 |
Balzac |
Aufsätze und Reden
1919 |
Fahrten |
1937 |
Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten |
1943 |
Zeit und Welt. Gesammelte Aufsätze und Vorträge 1904-40, hg. v. R. Friedenthal, Stockholm |
Autobiographisches
1942 |
Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers |
1984 |
Tagebücher |
Ausgabe
1981ff. |
Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. v. Knut Beck, Frankfurt a. M. |