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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Wie läßt sich Arthrose am besten behandeln? Wie im Teil 1 bereits erwähnt besteht die beste Therapie in der Vorbeugung. Vorbeugen heißt, die oben erwähnten möglichen Ursachen einer Arthrose auszuschließen. Dazu gehört insbesondere

  • der Kauf oder die Zucht eines Pferdes mit erblichen einwandfreien Anlagen in Bezug auf Körperbau und Stellung
  • die artgerechte Haltung mit ständiger Bewegungsmöglichkeit insb. bei der Fohlenaufzucht. Hier sind ein abwechslungsreiches Gelände und gleichaltrige Spielgefährten die natürliche Voraussetzungen für eine gesunde Gymnastizierung und Entwicklung des Bewegungsapparates durch eine ausreichende Trainierung der Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder
  • die ausgewogene Ernährung mit Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen insb. bei der Aufzucht. Überfütterung der Fohlen mit Kraftfutter unbedingt vermeiden. Zu schnelles Wachstum führt zu schweren Schäden am Bewegungsapparat. Zur ausgewogenen Ernährung gehört auch dem Organismus, die Substanzen in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, die für die in den Gelenken stattfindenden Prozesse z.B. für den Aufbau der Gelenkschmiere benötigt werden.
  • die regelmäßige und sachgerechte Hufpflege bzw. Beschlag. Wichtig ist, Fehlstellungen so früh als möglich und so behutsam wie möglich zu korrigieren. Auch die normale Hufkorrektur sollte regelmäßig je nach Wuchs alle 6-8 Wochen durchgeführt werden. Überlange Zehen strapazieren Sehnen, Bänder und Gelenke in unnötiger Weise.
  • eine dem Trainingszustand und dem Pferd (Rasse, Alter) angepaßte Belastung ohne Überforderung. Dazu gehört das Warmreiten des Pferdes zu Beginn des Rittes, das Einhalten von Pausen bei längeren Ritten, das Absteigen in sehr schwierigen Abschnitten, das Vermeiden von Übermüdung und insb. von Beanspruchungen bei Übermüdung (Springen am Ende eines Tagesrittes muß nicht sein und ein Distanzritt mit einem untrainierten Pferd verbietet sich von selbst) sowie das Vermeiden von besonders die Gelenke beanspruchenden Reitweisen (kein abruptes Halten, keine engen Wendungen auf der Stelle)
  • die sorgfältige Beobachtung des Pferdes. Symptome von Krankheiten jeglicher Art, Lahmheiten und Verletzungen sind zu beachten und zu behandeln. Pferd erst wieder belasten, wenn die Erkrankung etc. wieder vollständig ausgeheilt ist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, wenn trotz aller Vorsicht und Vorbeugung Schädigungen an den Gelenken aufgetreten sind? Generell gilt: Wegen des beschriebenen Teufelskreises ist es sehr wichtig, eine Behandlung so früh als möglich zu beginnen, bevor die Schäden zu groß geworden sind. Die verschiedenen Ansatzpunkte einer Behandlung bestehen im Stoppen des Entzündungsprozessen, der Heilung und Neubildung von Knorpelgewebe, der Unterstützung der Produktion der Gelenkschmiere und der Einflußnahme auf die Knochenzubildungen, die entweder zu stoppen oder umgekehrt zu beschleunigen sind, um im letzteren Fall über eine Versteifung des Gelenkes die Schmerzen zu verringern.

Die klassische schulmedizinische medikamentöse Therapie verfügt über eine Reihe von Nichtsteroidalen Antiphlogistika (Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs, NSAIDs), also entzündungs- und schmerzhemmenden Substanzen (z.B. Phenylbutazon in Butadion®, Butasan® oder Equipalazone®, Meclofenaminsäure in Apirel®, Vedaprofen in Quadrisol®, Meloxicam in Metacam® oder Flunixin in Finadyne®) sowie von Stoffen zur Regeneration des Knorpels und der Gelenkschmiere (z.B. Hyaluronsäure in Hylartil® und Hyalovet® oder Chondroitinpolysulfate in Adequan®), die je nach Medikament über das Futter oder per Injektion intravenös, intramuskulär oder direkt in das Gelenk (intraartikulär) bzw. Schleimbeutel verabreicht werden. Auch Kortikosteroide wie Methylprednisolon oder Triamcinolon oftmals kombiniert mit Hyaluronsäure kommen intraartikulär appliziert zum Einsatz. Das unter Welche Erfahrungen wir gemacht haben zur Arthrosebehandlung erwähnte Arumalon® (Rumalon® in Österreich) ist heute nicht mehr auf dem Markt, nachdem es im Humanbereich zu erheblichen Nebenwirkungen auf das Immunsystem geführt hatte. Anlaß genug zu erwähnen, daß auch nicht alle der oben erwähnten Substanzen ohne Nebenwirkungen sind, insbesondere dann nicht, wenn sie wie gerade bei arthrotischen Veränderungen über einen längeren Zeitraum verabreicht werden müssen, so daß man vielleicht über Alternativen aus dem Bereich der Naturheilkunde nachdenken sollte. Dies gilt insbesondere dann, wenn man von einer Azidose als Ausgangspunkt für eine Arthrose ausgeht, da saure Antiphlogistika oder gar Kortison als bekannter Kaliumräuber langfristig nur zur Verstärkung der Azidose beitragen. Aber auch unabhängig von diesen Aspekt weisen die Nichtsteroidalen Antiphlogistika unerwünschte Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich auf, deren Umfang mit Intensität und Dauer des Einsatzes der Mittel korreliert. Kortison wird vielfach als gefährlich bei Pferden mit Hufrehe angesehen, insbesondere dann wenn die Hufrehe Folge des Equinen Metabolischen Syndrons (EMS) ist.

Sofern die Arthrose mit knochenabbauenden (osteolytischen) Vorgängen verbunden ist, werden in der Humanmedizin bei Osteoporose eingesetzte Biphosphonate seit neuestem auch beim Pferd verwendet, z.B Tiludronat in Tildren®. Tiludronat soll den Knochenabbau verhindern, in dem es die Aktivität der Osteoklasten (Knochenabbauzellen) hemmt, die Aktivierung der Osteoklasten durch Osteoblasten hemmt, die Knochendichte durch vermehrte Einlagerung von Kalzium erhöht und die Osteolyse hemmt. Die Verabreichung des Präparates erfolgt entweder per Infusion am leicht sedierten Pferd vor Ort (2mal im Abstand von vier Wochen) oder auf 10 Tage verteilt i.v.. Die Wirkung soll dann für mindestens sechs Monate anhalten. Untersuchungen sollen gezeigt haben, daß die Erfolgsaussichten umso größer sind, je weniger Zeit zwischen dem ersten Auftreten der klinischen Symptome und der Verabreichung von Tiludronat vergeht. Da ein Knochenumbau Zeit erfordert, ist eine Wirkung der Behandlung erst nach Wochen und Monaten beobachtbar. Untersuchungen sollen gezeigt haben, daß mit Tiludronat behandelte Pferde 2-6 Monate nach der Behandlung wieder normal gearbeitet und eingesetzt werden können. In Pferdeforen wird über erfolgreiche Behandlungen in der Mehrzahl bei spaterkrankten (osteolytische Form) berichtet, allerdingt auch von Nebenwirkungen in Form von Koliken gewarnt. Die Tierärzte in unserer Pferdeklinik vermitteln hingegen kein positives Feedback vom Einsatz bei Podotroclose.

Beruht die Arthrose wie bei der Podotroclose auf einer Minderversorgung des Gelenks mit Blut und damit Nährstoffen, können auch gefäßerweiternde Medikamente (Vasodilatoren) wie z.B Isoxsuprin (in Deutschland nicht zugelassen) eingesetzt werden.

Auch die Naturheilkunde in Form der orthomolekularen Medizin, der Homöopathie, der Phytotherapie und der biologische Therapie stellt eine Reihe von wirksamen Substanzen zur Verfügung. Wichtig ist es hier, eine auf das jeweilige Pferd ausgelegte Behandlung einzuschlagen. Es zeigt sich immer wieder, daß Pferde sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Substanzen ansprechen.

Die orthomolekulare Medizin beruht darauf, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und alle für eine Selbstheilung erforderlichen Substanzen zur Verfügung zu stellen:

An erster Stelle ist hier das aus der neuseeländischen Grünlippmuschel (Perna canaliculus) gewonnene Konzentrat (Green Shell Mussel Powder, kurz GSM-Konzentrat) zu nennen, das in dreifacher Weise schützend, aufbauend, regenerierend und entzündungshemmend auf Gelenke wirkt:

1. durch den hohen Gehalt an Glukosaminglykanen (vor allem Chondroitinsulfat und Heparin)

Glukosaminglykane oder auch als Glykosaminoglykane bezeichnet (kurz GAGs) sind Aminozucker, die aus kettenförmig aneinandergereihten Einfachzuckermolekülen aufgebaut sind, an die Eiweiße, welche aus Aminosäuren bestehen, andocken. Glukosaminglykane sind ein natürlicher Bestandteile der Gelenkschmiere und der Gelenkknorpel. Die GAGs sorgen für eine gleichbleibende Konsistenz der Gelenkschmiere, indem sie Feuchtigkeit an sich binden und so dafür sorgen, daß die Gelenkschmiere nicht austrocknet. Die Gelenkschmiere wiederum stellt die GAGs der Knorpelschicht zum Aufbau und Regeneration zur Verfügung. Im intakten Gelenk unterliegen die GAGs einem ständigen Ab- und Aufbauprozeß, der sich die Waage hält. Fehlbelastungen, Überbeanspruchungen, Gelenkentzündungen und Nährstoffdefizite können dieses Gleichgewicht nachhaltig stören, so daß mehr Glukosaminglykane ab- als aufgebaut werden. Als Folge trocknet das Gelenk förmlich aus. Gelenkschmiere und -knorpel verlieren ihre Schmier- bzw. Stoßdämpferfunktion. Verschleißerscheinungen und Gelenkentzündungen sind die Folge. Durch Zufuhr von Glukosaminglykanen kann dieser zerstörende Prozeß gestoppt, vorhandene Schäden teilweise wieder repariert werden.

2. durch den Gehalt an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren bremsen die Bildung von Prostaglandinen, welche für Entzündungen im Gelenksbereich mitverantwortlich sind. Omega-3-Fettsäuren müssen aber über die Nahrung bevorzugt Fisch aufgenommen werden, da der Organismus sie nur bedingt selbst herstellen kann.

3. durch die enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente

Besonders zu erwähnen sind der hohe Gehalt an Kieselsäure, der für gesunde bindegewebshaltige Strukturen in Knochen und Knorpel sorgt, der Gehalt an Selen, das bei bereits entzündeten Gelenken dasselbe vor der Zerstörung durch freie Radikale schützt sowie die Knochenbaustoffe Kalzium und Magnesium in Bezug auf die Gelenkfunktion. Aber auch die anderen Stoffe und Elementen wie Eisen, Zink, Kupfer und Iod wirken indirekt über ihren Einfluß auf den gesamten Stoffwechsel positiv auf die Gelenkfunktion.

Eine Studie an 30 Pferden mit klinischen Anzeichen einer chronischen, degenerativen Gelenkserkrankung im Rahmen einer Doktorarbeit an der Tierärztlichen Fakultät der Universität München kommt zu dem Ergebnis, daß durch die Verabreichung von Muschelkonzentrat über einen Zeitraum von sechs Monaten "eine Verbesserung der klinischen Symptomatik bei Pferden mit degenerativen Gelenkserkrankungen bewirkt werden" konnte. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Studie findet sich unter www.masterhorse.de. Worauf die Verbesserung der klinischen Symptomatik dabei beruht, bleibt bei dieser Untersuchung offen. Untersuchungen in den USA sollen den Chondroitinsulfaten allerdings nur eine schmerzhemmende, aber keine heilende Wirkung zusprechen.

Noch ein Hinweis: Wichtig ist zwischen Muschelpulver und Muschelextrakt der neuseeländischen Grünlippmuschel zu unterscheiden. Beim Muschelpulver wird das gesamte Muschelfleisch verarbeitet, beim Muschelextrakt nur die biologisch aktiven Bestandteile. Muschelpulver wird aus der erwachsenen (ca. 20cm großen) Muschel gewonnen. Die Muschelschalen werden mit heißem Wasserdampf geöffnet, die Muschelweichteile werden herausgelöst und tiefgefroren. Beim Bedampfen denaturiert ein Teil der biologisch aktiven Substanz, so daß die Wirksamkeit beeinträchtigt wird. Muschelpulver besteht somit aus einem großen Anteil von Muschelfleisch ohne biologische Aktivität und nur aus einem kleinen Anteil von biologisch aktiver Substanz mit reduzierter Wirksamkeit. Es ist daher für die oben genannte Zwecke nicht einsetzbar.

Muschelextrakt wird zu Beginn der Geschlechtsreife, wenn die Muschel ca. 10cm groß ist, gewonnen. Direkt nach der Ernte werden die Muschel zerbrochen und zentrifugiert, wobei nur ca. 5% des gesamten Muschelgewichtes als der Teil der Muschel zurückbleibt, der die gesamte biologische Aktivität enthält. Dieser Extrakt wird sofort eingefroren, gefriergetrocknet und vermahlen, um Aktivitätsverluste zu vermeiden (Freeze Dried Powder). Die Qualität des gewonnen Muschelextraktes kann durch den so genannten "Aktivitätsindex" im Labor ermittelt werden, welcher die Bioaktivität mißt. Der Index liegt normalerweise zwischen Werten von 1,5 bis 3. Ein Vergleich des prozentualen Gehaltes bei fertig zu kaufenden Grünlippmuschelpräparaten macht deshalb nur bei angegebenem gleichem Aktivitätsindex Sinn.

Völlig wirkungslos sind die entfetteten Abfallprodukte, welche bei der Herstellung von Muschelöl aus Muschelpulver-/extrakt zurückbleiben, aber auch an die Futtermittelindustrie verkauft werden.

Die Verabreichung von GAGs in Form von Muschelextrakt ist wohl die bekannteste aber nicht einzig mögliche Form der Zufütterung von GAGs. Inzwischen werden auch Futterergänzungsmittel für Pferde angeboten, die hohe Konzentrationen von GAGs aus Krebstierschalen enthalten.

Das Hinzufügen weiterer Wirkstoffe zum Grünlippmuschelextrakt ist grundsätzlich empfehlenswert, weil die Zusatzstoffe die Wirksamkeit des Präparates verbessern können. Hinzugefügt werden können z.B. Teufelskralle, Brennessel, Zink, Vitamin E, Selen und Algen. Auch Kombinationsprodukte mit Methylsulphonylmethan (MSM) sind erhältlich.

Literaturhinweis: Kahle, Birgit, Natürliche Hilfen bei Gelenkbeschwerden: Grünlippmuscheln, Vitamine und Vitalstoffe, Bewegung, Lebensbaum Verlag, 160 Seiten, 10 EUR. Die Ausführungen und Erkenntnisse des Buches beziehen sich allerdings auf den Humanbereich und können nicht unbedingt eins zu eins auf Pferde übertragen werden.

Bleibt noch zu erwähnen, daß Chondroitin(sulfat) auch als reines Produkt (Synthetisiert???) am Markt angeboten wird.

Als weiteres Naturheilmittel für Arthrosepferde bietet sich Methylsulphonylmethan (MSM) - in Chemie, Pharmazie und Medizin auch Di-Methyl-Sulfon (DMSO2) genannt - an, eine von drei Schwefelverbindungen, welche die wesentlichen Bestandteile des natürlichen Schwefelkreislauf der Erde ausmachen: Durch fortwährende Erosion nimmt der Schwefelgehalt ständig ab, wird der Schwefel tonnenweise mit den Flüssen ins Meer gespült. Die Bindung des Schwefels in Pflanzen und Tieren und die Neubildung aus verwittertem Schwefelgestein und die Verbrennung fossiler Brennstoffe reicht nicht aus, um diesen Abgang auszugleichen. Glücklicherweise nehmen im Meer bestimmte Algenarten und andere Meereslebewesen den Schwefel aus dem Wasser auf und bilden daraus in großem Umfang die organische Verbindung Dimethylsulfid (DMS), welches beim Tod der Wesen gasförmig abgegeben an die Wasseroberfläche aufsteigt und dort unter Einwirkung der UV-Strahlung und Sauerstoff zu Di-Methyl-Sulfoxid (DMSO) und Methylsulphonylmethan (MSM) reagiert. Diese Substanzen binden Wasserdampf und bilden Wolken, die wiederum über dem Festland abregnen und dabei dem Boden wieder Schwefel in Form von DMS, DMSO und MSM zuführen, aus dem er von Pflanzen wieder aufgenommen und in ihrem Körper angereichert wird. Mit der Aufnahme der Pflanzen gelangt dann der Schwefel in Tier und Mensch. Über deren Ausscheidungen und dem Absterben der Pflanzen kehrt der Schwefel dann wieder in den Boden zurück und wird wieder ins Meer ausgespült, wo der Kreislauf sich dann schließt.

Schwefel gehört zu den Mineralstoffen, deren Wirkungen im Gegensatz zu denen von Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Zink, Fluor, Jod und Selen weniger erforscht worden sind. Nichtsdestoweniger spielt Schwefel und seine Verbindungen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel. Ca. 150 Gramm Schwefel dürften z.B. im Körper des Menschen gebunden sein. Rund 150 verschiedene Stoffwechselprozesse sind von der Verfügbarkeit von Schwefel abhängig. So ist Schwefel entscheidend am Aufbau des Kollagens beteiligt, das als Gerüstprotein im Körper für Festigkeit und Struktur des Bindegewebes, der Sehnen, des Knorpels und der Knochen zuständig ist. Auch die Bildung von Kreatin, aus dem Hufe und Haare zu einem großen Teil bestehen, ist unmittelbar von der Verfügbarkeit von Schwefel abhängig. Einige Vitamine wie Vitamin C, Vitamin H (Biotin) und Vitamin B1 werden über eine Reaktion mit Schwefel aktiviert. Die Aminosäuren Cystin, Cystein und Methionin beinhalten Schwefel. Zahlreiche Enzyme, Hormone und das Immumglobulin M (IgM) des Immunsystem könnten ohne Schwefel im Körper nicht produziert werden. Beim Schwefel handelt es sich demnach wirklich um einen essentiellen und lebensnotwenigen Mineralstoff.

Schwefel wird in Form organischer Schwefelverbindungen wie z.B. MSM mit vor allem frischer, vitalstoffreicher Nahrung aufgenommen. Pferde nehmen Schwefel automatisch beim Weidegang mit dem Gras auf. Die zusätzliche Gabe von MSM ist in soweit einer natürlichen Nahrungsergänzung gleichzustellen. Reines MSM ist ein weißes kristallines Pulver, welches in Wasser gelöst ganz leicht bitter schmeckt und von Pferden in Verbindung mit dem gewohnten Futter in der Regel unproblematisch aufgenommen wird. Was kann diese Zufuhr bei Arthrose bewirken? Da ist einmal der Einfluß des Schwefels auf das Kollagen und damit auf Bindegewebe, Knorpel und Knochen zu nennen. Bei entzündeten Gelenken reduziert MSM den Knorpelabbau, erhöht die Durchblutung und entspannt verhärtete Muskulatur. Zusätzlich versorgt es das Gelenk mit biologisch aktiven Schwefel - entzündete Gelenke weisen niedrigere Schwefelkonzentrationen als nichtentzündete Gelenke auf - und wirkt abschwellend, schmerzlindernd und entzündungshemmend. Der Wirkungsmechanismus für letzteres ist nicht erforscht. Vermutet wird, daß die Wirkung darauf beruht, daß die oxidativen Kräfte am Gelenk und in der Gelenkfüssigkeit reduziert werden (Antioxidians). Im Gegensatz zum Menschen wurden beim Pferd insb. bei Spat- und Podotrochlose-Pferden schon Wirkungen nach wenigen Tagen in Form gesteigerter Bewegungsfähigkeit beobachtet. Allerdings scheinen im Schnitt nur vier von fünf Pferden bei gleichem klinischen Befund auf die Gabe von MSM anzusprechen. Weitere Informationen und Erfahrungen findet ihr auch unter Tip 7: Methylsuphonylmethan gegen Arthrose und Welche Erfahrungen wir gemacht haben. Nach einer kurzen Periode der Erhältlichkeit von MSM als Tierergänzungsfuttermittel in Deutschland wurde MSM als Tierergänzungsfuttermittel mit der Begründung, es handele sich um ein Arzneimittel ohne Zulassung verboten. Es mußte deshalb entweder als solches im Ausland oder in Deutschland als chemisches Produkt beschafft werden. Seit einiger Zeit ist es in Deutschland wieder als Tierergänzungsfuttermittel erlaubt, wird aber nicht ganz so verbreitet vertrieben, weil es schon wieder Bemühungen geben soll, es zu verbieten. Als Futterergänzungsmittel ist MSM auch als Fertigprodukt in Kombination mit Muschelextrakt oder Chondroitinsulfat erhältlich.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verabreichung von Gelatine. Gelatine ist ein Gerüsteiweiß (Kollagen) - ein Hauptbestandteil der Knochen, Knorpel und des Bindegewebes. Gelatine wird aus kollagenreichem Ausgangsmaterial, im wesentlichen Knochen und Häuten von Schlachttieren, gewonnen. Es handelt sich um ein Protein von geringer biologischer Wertigkeit mit einem hohen Anteil an Hydroxyprolin, Hydroxylysin und Arginin. Zusammen mit der schwefelhaltigen Aminosäure L-Cystin bilden diese Aminosäuren die wesentlichen Ausgangssubstanzen für die Synthese von Kollagen und Proteoglykanen im Knorpelgewebe. Es wird angenommen, dass ein optimales Angebot dieser Aminosäuren dem Knorpelabbau bei der Arthrose entgegenwirkt. Auch neuere Erfahrungsberichte und Ergebnisse von Therapiestudien bestätigen den bereits genannten positiven Effekt von Gelatine bei degenerativen Gelenkerkrankungen am Menschen. Gelatine kann vorbeugend und im Krankheitsfall gegeben werden. Gelatine führt man am besten in Form von Gelatinehydrolysat zu. Im Gelatinehydrolysat liegen die Kollagenbausteine infolge hydrolytischer Spaltung der großmolekularen Gelatine in kurzkettiger Form vor. Dies führt zu einer höheren Verwertbarkeit und Verträglichkeit. Seit dem verstärkten Auftreten von BSE ist Gelatine als Ergänzungsfuttermittel für Tiere zur Verhinderung einer Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr erlaubt gewesen. Man mußte von daher auf für Humanzwecke verfügbares Gelatinehydrolysat zurückgreifen. Inzwischen ist Gelatine für Tiere wieder am Markt erhältlich rein als kaltlösliches Hydrolysat oder als Granulat und als Fertigprodukt in Verbindung mit weiteren für Haut, Fell, Huf oder Gelenke nützlichen Mineralien und Vitaminen (z.B. Zink, Biotin, Vitamin B). Auch Kombiprodukte aus Gelatine mit Muschelextrakt oder gar Gelatine mit Muschelextrakt und Kräutern sind erhältlich. Pferdehalter haben dabei allerdings folgendes zu beachten: Ist im Arzneimittelanhang des Pferdepasses "Schlachtung" eingetragen, so dürfen laut EU Verordnung EG Nr. 999/2001 und ihrem Anhang IV Tierernährung nur Gelatine von Nichtwiederkäuern oder hydrolisierte Gelatine verfüttert werden. Im Klartext heißt das, es darf entweder nur Schweinegelatine oder hydrolisierte Rindergelatine verfüttert werden. Seit einiger Zeit ist auch Gelatine aus Fischhäuten erhältlich. Ist im Arzneimittelanhang "Nicht-Schlachtung" eingetragen, gibt es keine Reglementierung der Gelatinefütterung. Die Zufütterung von Gelatine hat über einen längeren Zeitraum - mindestens drei Monate - zu erfolgen. Preisgünstige Großgebinde sind im Internet erhältlich, z.B. unter www.arti-vital.com oder www.gelatine24.de.

Ferner kennt die Phytotherapie (Planzenheilkunde) Heilpflanzen, denen bei Arthrose lindernde Wirkung zugeschrieben wird.

Hier sind zunächst die Scharfstoffe (Gingerole) des Ingwers zu erwähnen. Nach neueren Erkenntnissen docken die Gingerole an denselben Rezeptoren der Zelle an wie alle bekannten nichtstereoidalen Schmerzmittel- und Entzündungsmittel, so daß sie eine vergleichsweise entsprechende Wirkung wie diese aufweisen, ohne aber deren Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt und die Ausscheidungsorgane zu haben. Näheres über Erfahrungen und Dosierung findet ihr unter Tip 13: Ingwer gegen Schmerzen und Entzündungen. Die Gabe von Ingwer bei Arthrosepferden dient demnach primär analog der Verabreichung der Antiphlogistika aus der medikamentösen Therapie nur der Schmerz- und Entzündunghemmung, jedoch keiner vorbeugenden oder reparierenden Behandlung wie beim Muschelextrakt, MSM oder Gelatine. Eine gewisse vorbeugende oder reparierende Wirkung des Ingwers könnte jedoch in der Förderung der Durchblutung gesehen werden. Die Verabreichung von Ingwer anstatt von Schmerzmittel- und Entzündungsmitteln hat den Vorteil, daß Ingwer ohne Nebenwirkungen über einen langen oder gar lebenslangen Zeitraum, wie das gerade bei Arthrosepferde der Fall ist, gegeben werden kann. Darüberhinaus weist Ingwer eine Reihe weiterer positiver Wirkungen wie z.B. Verbesserung von Haut-, Fell- und Hufbeschaffenheit, Appetitanregung oder Steigerung der allgemeinen Lebenslust, was gerade älteren Pferden, die bevorzugt an Arthrose leiden, zugutekommt.

Heilende Wirkungen werden insb. der Teufelskralle (Harpagophytum procumbens, der (Weiß)Weidenrinde (Salix Arten wie Salix Alba L. u.a.) und dem Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), auch als Zinnkraut bekannt, zugeschrieben. Die Teufelskralle stammt aus dem südlichen Afrika, wo sie bei den eingeborenen Stämmen von altersher als entzündungshemmend, schmerzstillend und verdauungsanregend angesehen wurde. Auch soll die Leberfunktion angeregt werden. Zu beachten ist, daß die Knollen, in denen die aktiven Substanzen vorhanden sind, nicht mit den Wurzeln vermischt werden, da dies die Wirkung herabsetzt. Teufelskralle kann als getrocknete Knolle, in arthroselindernden Kräutermischungen (z.B. kombiniert mit Weidenrinde, Heublumen, Stiefmütterchen und Ulmenspierkraut) und in pelletierter Form erworben und verabreicht werden. Wirksame Bestandteile sind Iridoidglycoside und Beta-Sitosterole. Teufelkralle scheint so wirksam zu sein, daß der Gesetzgeber wohl auf Druck der Pharmaindustrie zur Zeit überlegt, die freie Verkäuflichkeit von Teufelskralle als Futterergänzungsmittel zu verbieten. Die Weidenrinde mit ihren beinhalteten Salicylsäureverbindungen ist bekannt für ihre schweißtreibende, schmerzlindernde und entwässernde Wirkung und spielte lange eine wichtige Rolle als Fieber- und Rheumamittel, bis sie durch das bekannte Aspirin® ersetzt wurde. Salicylsäure wirkt ferner blutverdünnend und verbessert dadurch die Blutversorgung des Gelenks. Zur Kompensation des sauren Charakters der Weidenrinde kann man Natrium bicarbonicum dazu geben. Ackerschachtelhalm ist reich an Kieselsäure. Durch Kieselsäure wird der Binde- und Stütz-Gewebsstoffwechsel gelenknah angeregt. Dadurch werden Defekte in der Knorpeloberfläche schneller regeneriert. Kieselsäure kann alternativ auch in Form von Kieselgur (=Siliziumdioxyd), auch Diatomeenerde genannt, verabreicht werden. Das ist ein sehr leichtes, hellgraues oder rötliches Pulver, das aus den kieselsäurehaltigen Panzern von einzelligen Kieselalgen besteht. Weitere in diesem Zusammenhang erwähnte Heilkräuter: Mädesüß (entzündungshemmend), Brennessel, Beinwell (Symphytum officinale), Buchweizen, Klettenlabkraut, Wacholder, Mistel, Rosmarin, Goldrute, Schlüsselblume. Auch Birkenblätter und Birkenblätter(frisch)saft (ebenso wie Brennessel-, Wachholder und Zinnkrautsaft) werden bei Arthrose empfohlen, da sie den gesamten Stoffwechsel und insbesondere den Stoffwechsel im Bereich der Gelenke anregen sollen. Kräuter wirken am besten kurmäßig angewendet. Die Dauer einer Kur sollte 4 bis 12 Wochen betragen. Kürzere Verfütterungszeiten sind unwirksam und längere sollten durch anwendungsfreie Intervalle unterbrochen werden. Neben der Verfütterung der Heilpflanzen als getrocknetes Kraut kommen auch Tinkturen bestehen aus Heilpflanzenextrakten in Betracht. So wird z.B. Phytodolor®-Tinktur zur unterstützenden Behandlung von Gelenksbeschwerden angeboten. Phytodolor®-Tinktur ist ein Produkt auf rein pflanzlicher Basis, bestehen aus Eschenrinde, Zitterpappelrind/-blätter und echtem Goldrutenkraut gelöst in Alkohol, das eine schmerzstillende, abschwellende und entzündungshemmende Wirkung haben soll. Die volle Wirkung soll die Tinktur laut Hersteller erst nach Verabreichung über 10-14 Tage erreichen. Empfehlungen derart, jeweils vor dem Ritt dem Pferd Phytodolor®-Tinktur zu geben, machen demnach nur bei täglichem Reiten Sinn.

In der Homöopathie kommen zur Arthrosebehandlung vornehmlich im frühen Entzündungsstadium Bryonia D2-D3, wenn sich das Pferd nicht bewegen will, oder ansonsten Nux vomica D6 in Betracht. Sind Abnutzungserscheinungen bereits eingetreten, wird innerlich Rhus toxicondendron und Ruta graveolens zur Verbesserung der Beweglichkeit und zum Verhindern von Exostosen gegeben. Darüberhinaus können noch zahlreiche andere Mittel in Abhängigkeit vom Krankheitsbild und den betroffenen Gelenken eingesetzt werden (z.B. Calcium floratum, Hekla lava, Symphytum). Zu kaufen gibt es auch Komplexmittel speziell für Arthrose, wie z.B. Osteocur von Simicur International oder Osteoheel S von Heel. Auch die Verabreichung von Traumeel® als Tabletten, Tropfen oder Injektionslösung wird empfohlen. Äußerlich können Einreibungen mit Beinwellessenz sowie Umschläge mit Beinwell, Teufelskralle oder Heilerde helfen. Zusätzlich wird bei Arthritis/Arthrose eine Anregung der Stoffwechselvorgänge empfohlen, insbesondere auch der Leberfunktion mit Lycopodium.

Folgt man der Vorstellung der Azidose als Verursacher einer Arthrose, so sind sämtliche Maßnahmen zu ergreifen, um das Säure-Basen-Gleichgewicht wieder in Richtung Basen, sprich hohem pH-Wert zu verschieben. Dies bedeutet zumeist Korrekturen bei der Fütterung in Bezug auf die Zusammensetzung und die Qualität der Futtermittel aber auch in Bezug auf das Fütterungsmanagement. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Kleieanteil an der Futterration überprüfen, da Kleie wenig Calcium, dafür aber viel Phosphor enthält und zur Verdauung sehr viele Basen verbraucht. Zwischen Füttern und Arbeiten sollten in beiden Richtungen immer einige Stunden dazwischen liegen, da beide Vorgänge Basen verbrauchen. Bei der Arbeit verbraucht das Pferd Basen bei der Abatmung von Kohlendioxid und der Neutralisation der bei der Muskelarbeit entstehenden Milchsäure. Zur Verdauung des Futters werden Basen zur Bildung des Magensaftes, des Pankreassaftes, der Galle und des Darmsafts benötigt. Findet Arbeit und Verdauung zeitlich überlappt statt, tritt wegen des hohen Basenverbrauchs eine Übersäuerung auf. Darüberhinaus stehen Mittel für eine biologische Therapie zur Verfügung. Ihre Darstellung hier würde jedoch einfach den Umfang sprengen. Da die Azidose als gemeinsame Ursachenbasis außer für Arthrose ebenso für zahlreiche weitere Krankheiten (Erkrankungen des Verdauungsapparates, Durchfallerkrankungen, Hautkrankheiten, Allergien, Kreuzverschlag, Hufrehe, Nierenerkrankungen, Leberschäden) gilt, wäre eine Darstellung der Möglichkeiten einer biologischen Therapie allein unter dem Aspekt Arthrose auch stark einengend.

Im Bereich der Naturheilverfahren gibt es auch sehr stark ganzheitlich orientierte Ansätze, die einen professionellen Behandler erfordern, so z.B. die ganzheitlich-energetische Therapie. Sie geht davon aus, daß eine degenerative Gelenkerkrankung ihre Ursache fast immer zunächst in einem gestauten Energiemeridiansystem (Meridianblockaden) hat. Da die Energie auf einem solchen Meridian nicht mehr ausgeleitet werden kann, versucht der Körper ersatzweise, eine Ausleitung auf zellulärer Ebene durch eine chronische Entzündung herbeizuführen. Wenn dies nicht gelingt, gerät das gestaute Meridiansystem in die Energieleere und das betroffene Gewebe degeneriert. Der Gelenkknorpel löst sich auf, Knorpelpartikel werden durch Bewegung freigesetzt und führen zu der sehr schmerzhaften Entzündung der Innenauskleidung der Gelenkkapsel. Die Therapie selbst korrigiert zunächst alle äußeren Ursachen wie z.B. Stellungsfehler, reguliert anschließend das gestaute Meridiansystem und stimuliert die Regeneration des degenerativ erkrankten Gewebes unter Anwendung isopathischer/homöopathischer Arzneimittel. Auch die Behandlung mittels Reiki geht von Meridianblockaden aus. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Radionik, welche von einer gestörten Körperaura ausgeht, und versucht, diese Störungen zu bestimmen und zu beseitigen.

Generell gilt, daß für den möglichst erfolgreichen Einsatz der angeführten Mittel ein am Einzeltier ausgerichteter Therapieplan von einem insbesondere im Bereich der Homöopathie/Ganzheitliche Verfahren erfahrenen Therapeuten zu erstellen ist. Aus diesem Grund sind in den obigen Ausführungen auch weitgehend keine Dosierungen oder Anwendungsdauern genannt worden.

Auch ernährungstechnisch gibt es unterstützende Möglichkeiten: So führt Arthrose zu einem erhöhten Mineralstoff- und Vitaminbedarf, der über eine verstärke Zufuhr auszugleichen ist. Allgemein genannt werden Kalzium, Vitamin C, E, B1, B6 und B12. Eine mögliche Begründung könnte wieder in der Azidose gesehen werden: Kalzium stärkt das alkalische Milieu und Vitamin B wird zur Bildung von Enzymen benötigt, die saure Stoffe im Körper abbauen. Vitamin C und E sind darüberhinaus Antioxidatien, welche entzündliche Sauerstoffradikale binden. Unter dem letzten Aspekt ist auch die Verabreichung mehrfach ungesättigter Fettsäuren (z.B. im Grünlippmuschelextrakt oder durch separate Zufütterung von entsprechenden Ölen (Leinöl, Distelöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl, Arganöl) zu sehen. Aber offensichtlich sind nicht alle mehrfach ungesättigten Fettsäuren gleich gut. So muß man beim Einsatz von Ölen nicht nur auf den hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren achten, sondern auch auf das richtige Verhältnis von enthaltenen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie auf das geringe Vorhandensein bestimmter unerwünschter Fettsäuren. Die Schwierigkeit das richtige Öl für das Pferd zu finden, versuchen einem zur Zeit die Futterergänzungsmittelhersteller mit dem Hinweis auf die in der Medizin erkannte zunehmende Bedeutung der Fettsäuren bei Entzündungsprozessen abzunehmen, indem sie nicht gerade preisgünstige Ölmischungen und -kombinationen anbieten, welche besonders für das Pferd geeignet seien. Auch Fertigfutter (Pellets, Müsli) enthalten zunehmend einen größeren Ölanteil als früher.

Äußerlich können durchblutungsfördernde (hyperämisierende) und entzündungshemmende Salben, Einreibungen, Wickel und Verbände angewendet werden, sowohl auf allopathischer (z.B. Einreibungen mit Acosilan-Lösung???) als auch homöopathischer/phytotherapeutischer Basis (z.B. Kytta-Salbe auf Beinwellbasis, Einreibungen mit Beinwellessenz, Wickel mit Beinwell, Traumeel®S als Salbe, Angußverbände über 2-3 Wochen mit z.B. Retterspitz im frühen Anfangsstadium ). Die Wirkung von Salben und Einreibungen läßt sich gegebenenfalls durch Bandagieren verstärken. Sofern die Wirkung allerdings auf einer Wärmebehandlung beruht wie bei Einreibungen mit Pfefferextrakt, Bienengift oder Senfmehl, wird bei einer aktivierten Arthrose mit Entzündungserscheinungen vor deren Anwendung gewarnt. Empfehlungen wie Mobilat®, das in der Humanmedizin auch bei der Indikation Arthrose eingesetzt wird, Mischungen aus Finalgonsalbe und Vaseline oder Wickel mit heißer Heilerde sind von daher mit Vorsicht zu genießen. Die früher praktizierten sogenannten scharfen Einreibungen mit meist quecksilberhaltigen Salben sind ebenso wie das sog. Brennen bei Spat aus tierschutzrechtlichen Gründen heute verboten. Ihr Ziel war die künstliche Erzeugung einer akuten Entzündung, um dadurch die chronischen Entzündung zur Heilung anzuregen. Aus heutiger Sicht stehen die dem Pferd dabei zugefügten Schmerzen in keinem akzeptierbaren Verhältnis zu den Heilungschancen.

Parallel zur schulmedizinischen medikamentösen oder naturheilkundlichen Therapie ist eine dem Krankheitsverlauf entsprechende Bearbeitung des Barhufpferdes oder ein orthopädischer Beschlag (z.B. bei Spat oder Podotrochlose) zu empfehlen. Einzelheiten dazu findet ihr unter der jeweiligen Arthroseform.

In Abhängigkeit davon, welches Gelenk von der Arthrose betroffen, ist eine künstliche Versteifung des Gelenkes mittels eines chirugischen Eingriffs möglich, um Schmerzfreiheit zu erreichen, so z.B. bei Spat. Solche Eingriffe können nicht verhindern, daß die Arthrose im operierenden Gelenk eventuell fortschreitet. Sie bergen weiter die Gefahr, daß ein anderes Gelenk unter-/oberhalb des versteiften Gelenks bzw. ein Gelenk auf der parallelen Extremität aufgrund des wegen der Versteifung unnatürlichen Bewegungsablaufes arthrotisch wird. Bei Spat ist ferner auch die Durchtrennung der Spatsehne möglich (Tenotomie). Bei der Podotrochlose existieren chirugische Eingriffsmöglichkeiten in Form der Gefäßerweiterung (perivasküläre Sympathektomie), der Bänderdurchtrennung (Desmotomie) oder des Nervenschnitts (Neurektomie). Einzelheiten dazu findet ihr unter der jeweiligen Arthroseform.

Als weitere Ansatzpunkte einer Therapie werden ferner genannt:

  • gezielte Gymnastizierung
  • physiotherapeutische Behandlung
  • Akupunktur/Laserakupunktur
  • Magnetfeldtherapie (bei Spat und Podotrochlose)
  • Stoßwellentherapie (SWT)
  • Radiosynoviorthese (RSO)
  • Neuraltherapie nach Huneke
  • Horvi-Reintoxin-Enzym-Therapie
  • Spagirik
  • Blutegel-Therapie
  • Gentherapie (noch im absoluten Forschungs- und Entwicklungsstadium)

In der Literatur nicht gefunden, aber in der Praxis an einem Pferd im Falle von Schale positiv erlebt: Röntgenbestrahlung.

Generell gilt, daß Haltungs- und Nutzungsart des Pferdes dem Verlauf der Arthrose abgepaßt werden müssen. Auslauf-, noch besser Offenstallhaltung ist einer reinen Boxenhaltung unbedingt vorzuziehen, da eine möglichst freiwillige und gleichmäßige Bewegungsmöglichkeit dem Arthrosepferd zugute kommt. Am besten ist, das Pferd rund um die Uhr auf die größte Koppel zu stellen. Falls es sich dabei um eine Weide handelt, auf Gewicht achten, da Übergewicht den Bewegungsapparat und den gesamten Stoffwechsel (auch Rehegefahr!) belastet. Andererseits sind Zug, Nässe und Kälte kontraproduktiv. Entsprechende Schutzvorrichtungen, welche das Pferd bei schlechtem Wetter und kaltem Winternächten aufsuchen kann, sind selbstverständlich wie bei einem gesunden Pferd. Auch benötigt das in seiner Bewegungsfähigkeit gehemmte Arthrosepferd eine Rückzugsmöglichkeit vor den anderen Pferden. Insoweit sollten nach Möglichkeit mehrere Weidehütten, Ecken, Winkel, Baumgruppen etc. vorhanden sein. Bei der Zusammenstellung der Herde sollte darauf geachtet werden, daß nicht bestimmte Pferde dem Arthrosepferd durch überzogene Spieleaufforderung etc. zusetzen. Allerdings haben wir persönlich auch die Erfahrung gemacht, daß ein gewisser durch Artgenossen ausgeübter Zwang zur Bewegung für das Arthrosepferd von Vorteil sein kann. Hier ist nach Beobachtung im Einzelfall zu entscheiden. Je nachdem welche Gelenke betroffen sind, hat ein Arthrosepferd mehr oder weniger schmerzverursachte Schwierigkeiten beim Hufehochhalten insbesondere der Hinterhand. Hier gilt: Hufe nur langsam und vorsichtig, nie gegen den Widerstand des Pferdes, anheben, und zur Entlastung zwischendurch wiederholt abstellen. Dabei empfiehlt es sich die Hinterhand erst nach vorne unter den Bauch anzuheben und erst dann langsam nach hinten zu führen. Hufe nie weiter anheben, als es das Pferd zuläßt. Man kann einen Huf auch fast mit der Spitze auf dem Boden bearbeiten. Je nach der Stärke der Arthrose ist das Pferd auch nicht mehr uneingeschränkt reitbar. Die Belastung ist an die reduzierte Belastbarkeit anzupassen. Eventuell verbietet sich eine vornehmlich sportliche Betätigkeit für eine längere Zeit oder auf Dauer ganz. Aber auch als Freizeitpferd sind Art und Dauer der Ausritte dem Pferd entsprechend anzupassen. Gegenüber dem gesunden Pferd empfiehlt es sich, zu Beginn des Rittes eine längere Zeit (ca. 20 Minuten) im Schritt zu reiten oder gar zu führen, bis sich der steife Gang des Arthrosepferdes eingelaufen hat. Während des Rittes ist sorgfältig auf eine einsetzende Lahmheit zu achten. Abruptes Halten und enge Wendungen sind zu vermeiden. Erschütterungen in den entzündeten Gelenken können kurzfristig schmerzbedingt Lahmheiten hervorrufen, die sich wieder einlaufen. Bleibende oder verstärkende Lahmheiten sind hingegen ein Hinweis, den Ritt zu beenden und das Pferd heimzuführen. Bei der Planung des Rittes sind steile und schwierige Streckenabschnitte möglichst zu vermeiden, weil sie die Gelenke verstärkt belasten. Je nach dem Sitz der Arthrose kann es sinnvoll sein, Pausen durch geführte Abschnitte zu ersetzen.

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(Erscheinungsbild etc.)
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(Spat, Schale)

 

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