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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Die Arthrose des Hufrollenkomplexes - auch Podotrochlose-Syndrom genannt - ist eine der häufigsten Lahmheitsursachen der Vordergliedmaßen des Pferdes. Früher primär als Entzündungserscheinung angesehen, was sich auch in der Bezeichnung Hufrollenentzündung niederschlug, handelt es sich in Wirklichkeit bei dem Podotrochlose-Syndrom um eine degenerative Veränderung des Strahlbeines durch mangelnde Blutversorgung und stattfindenden Umbauvorgängen im Knochen. Sie gehört in den Bereich der chronisch deformierenden Osteoarthropathien.

Als Hufrolle bezeichnet man den mechanischen Komplex im Inneren des Hufes, der aus der tiefen Beugesehne, dem polsternden schmetterlingsförmigen Hufrollenschleimbeutel (Bursa podotrochlearis) zwischen Sehne und Strahlbein, dem Strahlbein, einem länglichen, weberschiffchenähnlichen Unterstützungsknochen des Hufgelenks an der Schnittstelle von Hufbein und Kronbein, und verschiedenen Haltebändern, welche das Strahlbein in seiner Lage fixieren, gebildet wird. Die tiefe Beugesehne zieht sich dabei über die aus der glatten, bodenabwärts gerichteten Fläche des Strahlbeins und dem die bewegte Sehne schützenden Schleimbeutel gebildete Führ- und Umlenkrolle hinweg und setzt an der Unterseite des Hufbeines an. Durch diese Konstruktion wird ein konstanter Winkel im Ansatz der tiefen Beugesehne am Hufbein sichergestellt. Das Strahlbein wird an der der Sehne zugewandten Seite mit Blutgefäßen versorgt. Hufbein und Strahlbein bilden zusammen mit dem Kronbein wiederum das Hufgelenk.

Hufrollekomplex
Abb.: Hufrolle schematisch

Wie kommt es nun zu der Veränderung des Strahlbeines? Die im Bereich der Hufrolle auftretenden Druck-, Zug- und Scherkräfte (= biomechanischer Stress) führen in Folge einer Mangeldurchblutung (Ischämie) zu einer Minderversorgung und infolge derer zu einer Auflösung der Knochensubstanz (Osteolyse) des Strahlbeins und zu einer Erweiterung der Kanäle der Blutgefäße. Im schlimmsten Fall entstehen richtige Löcher im Strahlbein, welche sogar zu einem Bruch des Strahlbeins führen können. Das veränderte Strahlbein greift die Beugesehne und die haltenden Bänder an. Sehnenfasern degenerieren und drohen zu reißen. Sekundär können Entzündungserscheinungen im Bereich der Sehne und des Schleimbeutels hinzukommen. Der auftretende Schmerz (infolge der beschädigten Sehne, des entzündeten Schleimbeutels oder, was auch angeführt wird, infolge einer Erhöhung des intraossären Drucks im Strahlbein) führt zu Lahmheiten, die im Anfangsstadium zunächst oft unbemerkt bleiben, zumal sie in der Stärke des Auftretens und zwischen den beiden Vordergliedmaßen, die im allgemeinen beide betroffen sind, wechselnd auftreten. Neuere Aussagen zum Podotrochlose-Syndrom gehen davon aus, daß sich das Podotrochlose-Syndrom zuerst oder auch nur auschließlich in Form von Entzündungen des Schleimbeutels oder des benachbarten Hufgelenks zeigen kann und daß die oben beschriebenen Veränderungen des Strahlbeins und zerfaserte Beugesehnen erst bei länger andauernder nicht behandelter Krankheit entstünden. Umso bedeutsamer würde damit die Früherkennung.

Betroffen sind bevorzugt Pferde mit flachgewinkelten und kleinen, engen Hufen. Der Grund liegt in der stärkeren Belastung des Strahlbeines durch die darübergleitende Beugesehne bei flachen Hufen bzw. der schlechteren Durchblutung bei kleinen, engen Hufen. Kommen hier zu frühe und übermäßige Belastungen wie z.B. häufiges einseitiges Longieren oder Springen, zu lange Beschlagintervalle oder zu enge Hufeisen, welche die Durchblutung des Hufes beeinträchtigen, hinzu, steigt das Risiko einer Erkrankung. Auch eine erblich bedingte Disposition, die in engem Zusammenhang mit der Hufstellung zu sehen ist, wird diskutiert. Leider ist es fast schon Usus, Stuten, welche infolge einer Erkrankung an der Hufrolle aus dem Sport genommen werden müssen, in der Zucht weiterzuverwenden. In den Niederlanden werden bereits seit 1978 Holländische Warmbluthengste mit der Röntgenklasse 4 (4 = schlecht) nicht mehr zur Zucht zugelassen.

Eine beginnende Erkrankung zeigt sich weniger als Lahmheit sondern nur als klammer, unsicherer Gang, durch vermehrtes Stolpern und durch kürzere Schritte, deutlicher auf hartem und unebenen Boden beobachtbar und anfangs auch nach einer gewissen Einlaufphase wieder verschwindend. In Ruhe wird die am meisten erkrankte Gliedmaße zur Entlastung nach vorne gestellt, oftmals nur auf der Zehenspitze abgestellt oder auch plan abgestellt aber ohne das Gelenk durchzudrücken. Mit Fortschreiten der Krankheit wird die Lahmheit deutlicher. Eventuell verändert sich der Huf zu einem kleinen, schmalen Huf mit hohen Trachten.

Die klassische Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, bei der das Pferde auf harten und weichen, ebenen und unebenen Boden in allen Gangarten vorgeführt wird. Da sich die Lahmheit in der Bewegung legt, ist es wichtig, das Pferd aus der Ruhe heraus vorzuführen. Um die Lahmheit zu provozieren, kann das Pferd auch an der Longe auf einem engen Zirkel (starke einseitige Belastung der inneren Gliedmaße) vorgestellt werden, oder erst nach Unterlegen eines Keiles unter den Huf (verstärkte Belastung der Beugesehne und des Strahlbeines) vorgetrabt werden. Verstärkt sich die Lahmheit im letzten Fall im Vergleich zu der Lahmheit ohne Unterlegen eines Keiles, deutet dieses auf eine mögliche Erkrankung im Bereich der Hufrolle hin. Eine Verdachtserhärtung kann durch eine lokale Betäubung des Hufrollenkomplexes erbracht werden. Verschwindet die Lahmheit nach der Betäubung, so weiß man, daß der Sitz der Lahmheit im Bereich der Hufrolle angesiedelt ist. Dabei kann es passieren, daß das Pferd nun plötzlich auf der anderen Gliedmaße lahm geht, weil nach Abschaltung der Schmerzempfindlicheit der am stärksten betroffenen Gliedmaße das Pferd nun den Schmerz in der weniger betroffenden Gliedmaße verstärkt wahrnimmt. Die röntgenologische Untersuchung zeigt Veränderungen im Bereich des Strahlbeines zwar gut auf, muß aber streng im Zusammenhang mit dem Ergebnis der anderen Untersuchungen betrachtet werden, weil nicht jede beobachtbare Veränderung zu einem klinischen Befund führen muß. Liegt die Ursache des Schmerzes jedoch im Schleimbeutel, zeigt die röntgenologische Untersuchung keinen Befund. Hier kann die neuartige und bislang bei Pferden nur sehr selten (u.E. nur in der Pferdeklinik der FU Berlin) angewendete kombinierte Druckmessung weiterhelfen. Hierbei wird eine Kanüle von vorne ins Hufgelenk, das beim Podotrochlose-Syndron auch Sitz des Schmerzes sein kann, eine zweite von hinten knapp oberhalb des Kronsaums durch die betäubte Beugesehne in den selbst bei großen Pferden höchstens 5 mm dicken Schleimbeutel eingeführt. Die Kanülen werden über einem Schlauch mit einem Meßgerät verbunden, welches den Druck in Millimeter Quecksilber (mmHG) mißt. Basis für die Messung im Hufgelenk ist, daß bei Entzündungen (=Schmerz) die zähe Gelenkflüssigkeit (Synovia) wässriger wird und sich deshalb ausdehnt. Weil das Hufgelenk sich wegen der starren Hornkapsel nicht ausdehnen kann, steigt der Innendruck. Werte bis 10 mmHG werden als normal, Werte über 40 mmHG als sicher krankhaft angesehen. Übertragen auf den Schleimbeutel werden Werte bis 6 mmHG als normal angesehen. Bei überhöhtem Druck können die gesetzten Kanüle sofort für die Injektion von z.B. Hyaluronsäure verwendet werden.

Eine Erkrankung kann nicht geheilt, sondern nur im Fortschreiten verlangsamt werden. Deshalb kommt der Vorbeugung ein besonderer Stellenwert zu. Dazu gehört die Beachtung gut proportionierter und korrekt stehender Pferde bei der Zuchtauswahl, vernünftige Aufzucht der Jungtiere, langsam gesteigerte, am Trainingszustand der arbeitenden Pferde orientierte Belastung beim Reiten und Fahren sowie regelmäßige Hufpflege bzw. Beschlag.

Ein Verlangsamen einer einmal aufgetretenen Erkrankung ist umso erfolgreicher, je früher die Erkrankung erkannt wird. Insoweit ist es wichtig wegen des schleichenden Charakters der Erkrankung besondere Aufmerksamkeit auf die oben genannten Symptome zu legen. Ziel der Behandlung ist wie bereits gesagt die Verlangsamung des Fortschreitens der degenerativen Umbauvorgänge und die Erzielung eines möglichst schmerzfreien Zustands des Pferdes. Als klassischer Behandlungsansatz kommt eine Kombination von einer genügend langen Ruhezeit, geeignetem Zurichten der Hufe bzw. einem orthopädischen Beschlag (siehe unten) und der Verabreichung von durchblutungsfördernden Medikamenten (z.B. Isoxsuprinhydrochlorid, in Deutschland nicht zugelassen) in Betracht. Hinzu kommt begleitend die Schmerzbehandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten. Entzündungshemmend wirken auch Injektionen von Cortison in das Gelenk oder den Schleimbeutel, oftmals kombiniert mit Hyaluronsäure, um den Stoffwechsel im Gelenk zu verbessern. Die alleinige Verabreichung von Schmerzmitteln oder gar die Durchführung eines Nervenschnittes (Neurektomie), um das Pferd schmerzfrei gehen zu lassen, kann nicht als Behandlung angesehen werden, da der verstärkte Einsatz der nun schmerzfreien Gliedmaßen nur zu einem schnelleren Fortschreiten der degenerativen Veränderungen mit der Gefahr des Abreißens der Beugesehne oder eines Bruches des Strahlbeines führt. Ferner beinhalten alle entzündungshemmenden und damit schmerzlindernden Mittel die Gefahr von schädlichen Nebenwirkungen auf Magen und Ausscheidungsorganen, wenn sie über einen längeren Zeitraum verabreicht werden. Neuere Behandlungsansätze bei Podotroclose sind in der Verabreichung die Osteolyse hemmender sog. Biphosphonate (z.B.Tiludronat in Tildren®) und der Stoßwellentherapie zu sehen. Auch der Vorschlag, Galliumnitrat dem Trinkwasser bei Podotroclose beizufügen, findet sich im Internet.

Ferner besteht die Möglichkeit eines chirugischen Eingriffs in Form der perivaskuläre Sympathektomie und der Desmotonie von Bändern. Bei der perivaskulären Sympathektomie werden die Blutgefäße weitgestellt, indem Verdickungen der äußeren Schicht der Blutgefäße und Verwachsungen der Blutgefäße mit der Umgebung, wie sie häufig bei der Podotroclose beobachtet werden, beseitigt werden, um eine verbesserte Durchblutung zu erreichen. Die Desmotomie durchtrennt die Bänder, welche vom Fesselbein zum Strahlbein verlaufen. Dadurch wird die Lage des Strahlbeins geringfügig verändert, was zur Entlastung des Knochens in der Bewegung und zur Schmerzlinderung führen soll.

Auch eine homöopathische Behandlung ist möglich. Hier werden Belladonna, Calzium fluoratum und Gingko bilabo für die Erstbehandlung in der akuten Phase angeführt. Die orthomolekulare Medizin bietet spezielle Nährstoffkombinationen in hoher Konzentration an, die gezielt auf die Ursache der Erkrankung eingehen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren (z.B. Magnopodo von iWEST). Die Verabreichung von Methylsulfonylmethan geht in dieselbe Richtung und soll zum Teil sehr positive Effekte hervorrufen. Es liegt wohl im Wesen der Krankheit begründet, daß erkrankte Pferde sehr unterschiedlich auf die Behandlung reagieren.

Pferde mit einer Hufrollenerkrankung sind in ihrer Verwendungsfähigkeit eingeschränkt, im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung in der Regel überhaupt nicht mehr als Reit- oder Fahrpferd einsatzfähig. Ein geeignetes Zurichten der Hufe bzw. ein entsprechender orthopädischer Beschlag erlaubt es den Pferden, die erkrankten Gliedmaßen schmerzfreier zu bewegen. Ziel der Maßnahmen am Huf ist es, das Abrollen des Hufes durch eine vermehrte Zehenrichtung zu erleichtern und den Huf wieder passend zum Fesselstand herzurichten, da erkrankte Pferde in der Regel eine nach hinten gebrochene Zehenachse aufweisen. Dadurch soll der Druck der tiefen Beugesehne auf das Strahlbein reduziert werden. In der Regel wird ein orthopädischer Beschlag notwendig werden, da entweder keine ausreichende Menge an Horn zur Kürzung des Zehenbereichs zur Verfügung steht bzw. Zwangshufe oder untergeschobene und eingerollte Trachten, die gekürzt werden müssen, entstanden sind, was den Einsatz von Keilen erfordert, um einen korrekten Fesselstand zu erzielen. Wird zusätzlich ein hinten geschlossener Beschlag verwendet, kann einem Einsinken des Trachtenbereiches beim Abstemmen des Pferdes in weichen Boden und damit einem stärkeren Druck auf die Hufrolle entgegengewirkt werden. Auch verteilen hinten geschlossene Beschläge den Druck gleichmäßiger auf die gesamte Hornkapsel und entlasten somit den Trachtenbereich. Diese Wirkung kann mit Beschlägen mit Sohlenplatte und Silikonpolster noch verstärkt werden, was nach Ausage unseres Schmiedes allerdings zu Lasten der Funktion des Hufes als Blutpumpe geht und deshalb die Mangeldurchblutung im Strahlbeinbereich kontraproduktiv verstärken kann. Aus Gewichtsgründen sind Kunststoff- und Aluminiumbeschläge Eisenbeschlägen vorzuziehen. Kunststoffeisen haben meist eine ausreichende Zehenrichtung, anderenfalls kann sie durch Beraspeln verstärkt werden. Aluminiumeisen haben entweder ein gerades Zehenteil bzw. lassen sich im Zehenbereich umknicken. Zur Höherstellung im Trachtenbereich kommen entweder Kunststoffkeile oder Beschläge mit verdickten Schenkeln in Betracht. Es sollten nur hinten geschlossene Keile verwendet werden, da diese mehr unterstützen und nicht so leicht verrutschen. Es gibt auch Keile mit zusätzlicher Strahlunterstützung bzw. Eisen mit einem zusätzlichen Strahlkörper (z.B. Heart-Bar-Shoe). Wie beim Spat läßt sich der Beschlag auch umgekehrt anbringen, hinten geschlossen und vorne offen. Gegen Klebeschuhe spricht nichts, anschnallbare Hufschuhe können beim Reiten verwendet werden, wenn Huf und Fesselstand korrekt zusammenpassen und das Pferd im Auslauf/Weide barhuf lahmfrei geht.

Ein ähnlicher osteolytischer (knochenabbauender) Prozess stellt die Osteoporose (Knochenentkalkung) im Gleichbeinbereich dar (Sesamoidose oder Gleichbeinlahmheit). Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß sehr oft beide Krankheiten bei einem Pferd diagnostiziert werden, manchmal zuerst die Gleichbeinlahmheit und dann später die Podotrochlose, manchmal auch umgekehrt.

Links zum Thema Arthrose:

Dot www.das-kranke-pferd.de

Die Site behandelt ausschließlich die Themen Arthrose und Spat einschließlich zweier Foren zu diesen Themen

Buchtips zum Thema Arthrose:

Dot Arthrose bei Pferden: Vorbeugen - Erkennen - Behandeln

von Dr. Birgit Janßen, erschienen im CADMOS Verlag in der Reihe Reiterpraxis,
80S., 10,95 EUR
 

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<<< Teil 3
(Spat, Schale)
   

 

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