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Wir über uns

Was wir so alles zu essen bekommen

Im folgenden will ich euch einen Blick auf unsere Speisekarte werfen lassen. Unschwer für euch zu erraten, was auf derselben ganz oben drauf steht: Im Sommer Gras und im Winter Heu. Letzteres wird im Sommer zusammen mit dem benachbarten Bauernhof gewonnen, der kleinere Teil auf einer größeren Wiese von uns, die wir nur sehr selten im Herbst beweiden - unsere Pferdeäpfel werden dann fast täglich äußerst penibel von den höheren Instanzen abgesammelt wegen der Gefahr der Verwurmung -, der größere Teil auf Wiesen des befreundeten Bauern, teilweise in etlichen Kilometern Entfernung in Nachbarorten. Da kommt dann immer Freude bei den Zweibeinern auf, wenn sie mit ihren fahrbaren Ställen nicht an unserer Kolonne vorbeikommen, die schon mal aus drei Traktoren mit bis zu zwei Anhängern, Presse und/oder Heuwender bestehen kann. Bei der Menge an Gerätschaft kann es beinahe vorkommen, daß wir unseren Heuvorrat fast an einem einzigen Tag angeliefert bekommen. In der Regel strecken die höheren Instanzen die Heueinbringung doch über einige Tage. Erstens verteilen sie den Schnitt über einige Tage, falls der Wettergott nicht mitspielen sollte, zweitens fällt dann das Heu für uns von den verschiedensten Wiesen aus unterschiedlichen Lagen an, feines, grünes für die kalten Tage, grobes, strohigeres für die wärmeren Wintertage, süßlicheres für das Frühstück und herberes für das Abendessen. Das Heu bringen wir bei uns in einer Feldscheune unter. Drei, vier Hänger gehen da schon rein. Ein Teil bleibt frei, damit später noch Platz für's Stroh ist. Das Heu wird fein säuberlich auf Paletten gesetzt, um jeden Kontakt mit dem Boden zu vermeiden und um die Durchlüftung von unten zu verbessern. Jede Lage Heu wird mit Salz bestreut, um noch vorhandene Feuchtigkeit zu binden. Ein Teil des Heus kommt durch eine Luke auf den Scheunenboden. Das ist Knochenarbeit und fast nur in den Nachtstunden zu empfehlen, es sei denn, man möchte etwas Gewicht abkochen. Überhaupt ist die Heuernte sehr anstrengend. Kein Wunder bei der großen Verantwortung, die wir tragen, damit die höheren Instanzen alles richtig machen. Die müssen hingegen nur Traktor fahren, auf- und abladen und das Heu stapeln. Wenn der Vorrat bei harten Wintern nicht reicht, holen unsere höheren Instanzen Nachschub bei unserem Bauern, der große Mengen Heu hat, da er mehrere Pferdehöfe mit Heu versorgt. Unser Boß schaut bei der gesamten Heuernte mit Argusaugen auf die Heuqualität. Falls er im Winter trotz aller Vorsicht bei der Heugewinnung einen Ballen erwischt, der nicht gut duftet, zusammengebacken ist oder gar stäubt, wächst unser nicht gerade kleiner Misthaufen noch schneller an.

Außer Heu gibt's in der graslosen Zeit noch Stroh. Eigentlich müßte ich sagen in der grasärmeren Zeit im Herbst. Dann gibt's gleich nach der Strohernte frischen Stroh, bis der Vorrat bis auf einige Notballen als Einstreu im Falle eines Falles verbraucht ist. Der Stroh wird analog dem Heu mit unserem Nachbarn gewonnen. Hafer-, Weizen- oder Gerstestroh ist uns am liebsten. Unser Boß achtet immer, daß er nur Stroh mit langen Hälmen einbringt, um keinen chemischen Halmverkürzern auf dem Leim zu gehen. Stroh gewinnen wir nämlich nur auf fremden Fruchtäckern gegen eine geringe Bezahlung. Da der Stroh größtenteils in den paar Wochen nach der Ernte verfüttert wird, lassen ihn die höheren Instanzen bis auf die erwähnte Notration gleich auf dem Wagen sitzen.

In manchen Wintern bekommen wir Teile unserer Heuration durch Grassilage ersetzt. Wieso nur in manchen Jahren?!? Das liegt zum Teil an unseren peniblen Boß, zum Teil auch an den Erzeugern. Grassilage wird bei uns in der Gegend mehr als Verlegenheitslösung gewonnen, wenn zu viel Gras für die Heuernte geschnitten wurde und das Wetter plötzlich kippt. Dann wird schnell die Rundballenpresse hervorgeholt und das noch nicht trockene Gras eingepackt. Wenn das einen Tag nach dem Schnitt passiert, kommt im Winter aus den Ballen eine sehr feuchte dunkle Masse hervor, von der unser Boß im Gegensatz zu uns der Meinung ist, daß deren Genuß weder den Augen, noch den Nasen, geschweige unseren Därmen zuzumuten sei. Außerdem wird sie ihm viel zu schnell warm. Geschieht das Noteinpacken des noch nicht ganz getrockneten Heues am zweiten Tag, so kommt im Winter aus den Ballen eine sehr heuähnliche Masse, die wunderbar wie nach Marzipan duftet und die keinerlei sichtbaren Schimmelpilzstaub enthält, der sich bei der Heuernte, gleich wie man sich bemüht, offensichtlich nie ganz vermeiden läßt. Nur wenn unsere höheren Instanzen etwas von der zweiten Sorte auftreiben können, gibt' s für uns Grassilage, sonst nicht.

Im Sommer bleibt die Küche kalt, sprich die Raufen leer. Da wird uns nichts serviert. Selbstbedienung ist angesagt. Ist uns auch viel lieber, denn es gibt nichts Schmackhafteres als unsere Weiden. Dank den ca. 3 ha haben wir reichlich Auswahl. Eigentlich viel zu viel. Die Faustregel 1/2 ha pro Nase mag für ein Großpferd richtig sein, für uns Isis ist das bei guten Weiden entschieden zu viel. Und gute Weiden haben wir. Viele verschiedene Gras- und Kräutersorten - uns Boß kennt sie fast alle, nachdem er immer mit dem Pflanzenbestimmungsbuch unter dem Arm über unsere Weiden gesaust ist, hier und da ein Pflänzchen näher in Augenschein genommen hat, seine Nase in das Buch gesteckt und mit einem Freundenschrei wieder herausgenommen hat: Ha, das ist ein zottriger Klappertopf! Oder war's ein klappriger Zottertopf, ich kann mir die Namen so schlecht merken, ich merk mir nur den Geschmack, und der klapprige Zottertopf ist unter diesem Aspekt ungenießbar -, aus der Sicht unseres Bosses viel zu viele Kleesorten (Rot-, Weiß-, Braun- und Hornklee) - ich weiß nicht, was der gegen Klee hat, aber wir tun ihm den Gefallen und vernichten jeden Kleestengel, den wir zu Gesicht bekommen, und wenig Unkraut- und Geilstellen. Die Unkrautstellen hat unser Boß vor Jahren erbarmungslos bekämpft: Alle Ampferarten abgesehen vom Sauerampfer wurden in Form von z.T. bis zu einen halben Meter langen Karotten ausgegraben - natürlich vor der Samenreife. Nicht besser erging's dem kriechenden Hahnenfuß. Der wurde ausgebuddelt, als ob es gelte, eine Pharaonenmumie zu bergen, quasi mit dem Eßlöffel. Der gemeine Hahnenfuß fällt nach der Beweidung dem Kreiselmäher oder dem Mulchgerät regelmäßig zum Opfer bzw. der Hand- oder Motorsense, wenn es eigentlich nichts nachzumähen gibt. In der Zeit der Samenreife wird er, soweit unser Boß dazu kommt, per Hand abgerupft und gleich in den Plastiksack gesteckt. Entweder ist es meinem Boß langweilig oder er läßt seinen Aggressionen freien Lauf: Wen er da wohl dann köpft? Ebenso wird das Jakobskreuzkraut samt Wurzel in der Blüte aus dem Boden herausgezogen, da wir trotz des herben Geschmackes dieser Chrysanthemenart die gelben Blütenstände fressen, die aber auch das Alkaloid enthalten, das in unserer körpereigenen Chemie zu zahlreichen extrem giftigen Stoffen verarbeitet wird. Geilstellen werden abgemäht und mit frischer Erde oder Kompost wieder auf Vordermann gebracht. Wird die Grasnarbe zu dünn, wird nachgesät. Der Samen dazu wird beim Ausreiten in den Pausen zusammengesammelt. Abundzu bestreut er unsere Wiesen auch mit etwas, das wie Mehl aussieht. Bei allen diesen Aktivitäten werden unsere Wiesen immer besser, wir immer fetter und unsere höheren Instanzen immer schlanker. Aus diesem Grunde sind unsere Weiden parzelliert in einzelne Koppeln, in denen auch noch ein Portionenzaun vorwärts geschoben wird. Jede Koppel hat so eine Ruhezeit von vielleicht acht bis zehn Wochen. Wenn das Gras reicht, machen die höheren Instanzen auch mal in einer Koppel im Wechsel einen Reinigungsschnitt oder lassen einen Bauern, der Kühe hat, heuen, obwohl unsere Weiden spätestens alle zwei Tage von unseren Hinterlassenschaften sprich Pferdeäpfel befreit werden, so daß die Verwurmungsgefahr eigentlich nicht sehr groß sein sollte. Eigentlich wollte ich ja übers Essen schreiben, jetzt ist's mehr ein Abschnitt über Weidepflege geworden. Also zurück zum Thema.

Einiges an dem bislang Aufgezählten hat sich im Lauf der Jahre verändert. Die Zähne von uns Wallachen sind stark abgenutzt und es bereitet uns Schwierigkeiten mit den noch verbliebenen Stummeln feste Nahrung noch richtig zu zermahlen. Am stärksten ausgeprägt ist das bei mir, kein Wunder, bin ja schließlich der Älteste, am wenigsten bei Sörli, der von uns Wallachen der jüngste ist. So wurde es unausweichlich, im Winter große Teile des Heus durch eingeweichte Graspellets zu ersetzen, die wir ohne zu Kauen abschlucken können. Aber auch im Sommer gibt es eine kleinere Ration dieser Pellets zur Weide hinzu, da wir nur noch recht junges und kurzes Gras abrupfen können.

Also die Hauptkomponenten unseres Speiseplanes kennt ihr nun. Wasser hab ich doch glatt vergessen. Das gibt's im Winter aus einem rechteckigen Behälter (ca. 200 Liter), der im Schutze der Scheune und Vordach direkt an der Wand zwischen den Futterraufen steht, und der mit Hilfe eines Schlauches, der aus einem Loch durch die Wand über den Behälter ragt, gefüllt wird - vorausgesetzt die Wasserleitung ist nicht zugefroren. Zwei können da gut gleichzeitig trinken. Alle zwei, drei Tage wird der Behälter geleert und gereinigt. Im Sommer trinken wir per Selbsttränke aus einem 1000-l-Kunststofftank, der von unserem Boß auf ein altes Autohängerfahrgestell montiert wurde, so daß der Tank auf jede Weide gefahren werden kann oder im Notfall, sprich, wenn unsere selbstverlegte Wasserleitung mal den Geist aufgeben sollte, das Wasser aus dem Ort geholt werden kann. In unserem Unterstand ist zwar eine an die Wasserleitung angeschlossene Selbsttränke, aber aus der trinken wir keinen Tropfen. Unser Boß hat schon alle überirdischen wasserführenden Teile ausgetauscht, aber das hat auch nichts an unserem Standpunkt geändert. Das Wasser, das wir trinken sollen, wird aus derselben Leitung nur zwanzig Meter früher abgezapft. Falls einer krankheitsbedingt in eine Box muß, bekommt er angesichts unserer strikten Weigerung den Wassereimer trotz Selbsttränke hingestellt. Ich könnte euch ja den Grund verraten, warum wir nicht aus der Selbsttränke trinken, aber dann erfährt's mein Boß doch auch. Er hat zwar noch nie ein Wort über Ofsi-Online verloren, aber einen Internetanschluß hat er auch in seinem Stall. Lassen wir ihn also noch eine Weile am Haken zappeln. So arg zappelt er wiederum nicht, denn das Wasserfaß hat für ihn den Vorteil, daß er seinen Obstessig (Vitamine und Fliegenschutz zugleich) loswerden kann und wir ihn schlucken müssen.

Neben den Hauptkomponenten gibt's dann noch die Dinge, die dazu dienen, unser Wohlgefallen zu erringen oder unsere Gesundheit aufrechtzuerhalten. Zur ersten Sorte gehören Hafer, Weizenkleie, Pferdepellets, Müsli, Zuckerrüben, Äpfel, Birnen, Karotten, getrocknetes Brot, Buttermilch, frischer Mais, zur zweiten Sorte Mineral- und Vitaminfutter, Kräuterfutter, Leinsamen und/oder Leinöl, Maissilage, Salzleckstein, Obstessig, Vorarlberger Hustenpulver, Kalk, Kieselgur, Biotin, Gelatine, Bierhefe, Fermentgetreide, Muschelextrakt, Ingwer , Kartoffeln, Natriumbikarbonat und ähnliches.

Hafer - nach Möglichkeit staubfrei, also wassergedampft oder melassiert - gibt's zusammen mit der Weizenkleie (nie trocken füttern, da ansonsten Schlundverstopfung droht, igitt, schon wieder einen Schlauch schlucken, nein danke), dem Leinsamen und dem Mineral- und Kräuterfutter sowie weiteren Zusatzstoffen warm als Mash. Im Winter eine größere Portion zum Aufwärmen, im Sommer eine kleinere Portion als Verdauungshilfe (Leinsamenschleim!). Zu diesem Zwecken werden Hafer und Kleie fifty-fifty in einen großen - aber nur aus der Sicht unseres Bosses - Eimer geleert. Das Mineral- und Kräuterfutter wird in Pulverform hinzugefügt. Pelletiertes Futter bräuchte viel länger zum Aufweichen. Ebenso kommen Fermentgetreide und Gelatine hinzu. Alternativ oder bei Bedarf gibt's noch Kieselgur, Kalk, Bierhefe oder Glaubersalz dazu. Und Sonnenblumenkerne. Letzteres sichert im nächsten Jahr die blühenden Sonnenblumen rund um den Misthaufen. Allem voraus wurde der aufgeschlossene (Blausäuregehalt!) Leinsamen in gemahlener Form mit kochendem Wasser übergossen. In Kürze hat man einen dicken schleimigen Brei, der zusammen mit weiterem heißen Wasser dem Eimer beigefügt wird. Wenn das heiße Wasser durch Tee (Schwarz-, Grün-, Hagebutten-, Kamille-, Pfefferminz- oder Weißdorntee ersetzt wird) gibt es überhaupt keine Einwände unsererseits, im Gegenteil. Kräftig umrühren, um alles gleichmäßig zu verteilen und keine trockenen Klumpen zu hinterlassen, und fertig ist das Mash. Es gibt wohl kaum etwas, auf das wir mehr scharf sind, als auf diesen Brei. Auch nicht auf die eine Stute von letzten Sommer, Ofsi? Garun, halt dich zurück. In der Regel gibt's das Zeug abends. Hafer und Kleie gibt's aber auch noch in einer anderen Form: nämlich übergossen mit Buttermilch. Die gibt's unregelmäßig meist zwischendurch am Tag. Und meistens im Sommer, wenn die Hitze nach was Kühlem verlangt. Am besten schmeckt natürlich Fruchtbuttermilch. Aber auch normale tut's. Ebenso Jogurt. Oder Fruchtsaft, am liebsten Multivitaminsaft. Oder Gemüsesaft - nicht nur Karottensaft, sondern querfeldein mit Sellerie, Karotten, Knoblauch, Roten Beten, Salaten etc. gewürzt mit etwas Pfeffer und einem Schuß Apfelessig oder gar vergoren mit Milchsäure. Wenn wir schon beim Gären sind: Kombucha oder Brottrunk schmecken auch hervorragend über Hafer und Kleie. Aber Vorsicht: Ersteres macht kleine Isis gewaltig süchtig auf mehr. Derart daß sie auch fast alle bittere Medizin überschmecken, wenn welche darin versteckt sein sollte. Siehe dazu auch den Tip "Man nehme an Stelle von Wasser ...".

Pferdepellets oder Müsli - was uns besser schmeckt, weiß keiner, wir saugen beides wie mit einem 100000-Watt-Staubsauger in uns hinein, gibt' s auch noch. Viel bekommen wir nicht davon: Im Winter morgens zum Frühstück eine aus unserer Sicht viel zu kleine Portion, ansonsten nach dem Reiten eine - naja, mehr ist es halt nicht - Anerkennungsportion. Früher gab's zum Frühstück eigentlich immer eingeweichte Zuckerrübenschnitzel mit Kleie, aber die sind, so befürchte ich, einem Artikel in einer Fachzeitschrift zum Opfer gefallen. Das gleiche gilt für die Maissilage, die wir als Vitaminstoß im Winter bekommen haben. Beides ist zwar eiweißarm und damit scheinbar für rehegefährdete Pferde geeignet, aber in dem Artikel hackte jemand auf den Kohlenhydraten in Zusammenhang mit Hufrehe herum, so daß unser Speiseplan ärmer wurde. Gute Maissilage ist obendrein schwer zu bekommen. Immer weniger Bauern machen welche und die Maisqualität ist auch nicht mehr die von früher. Jetzt bekommen wir den Mais samt Grünzeug eine kurze Zeit frisch auf den Tisch. Die höheren Instanzen luchsen dazu meist einem Bauern, bei dem der Mais nicht so toll aufgegangen ist (meistens wurde dann auch nicht so viel gespritzt), einen Streifen von einem seiner Maisfelder ab.

Zusätzlich zum Frühstück oder dem Abendessen oder einfach auch mal zwischendurch oder als Belohnung bei getaner Arbeit gibt es auch mal etwas Obstiges oder Gemüsiges. Gegen Äpfel oder Karotten hat niemand von uns etwas einzuwenden, problematischer wird es da schon bei Futterrüben oder Roten Beten. Derartiges Saftfutter gibt es verstärkt als Abwechslung und Ausgleich in der zweiten Jahreshälfte zum Heu. Ein Erdbeere, Himbeere oder ähnliches zur Sommerzeit verschmähen wir aber keineswegs. Abundzu gibt' s auch Bananen. Als Belohnung findet auch getrocknetes Brot Anwendung: Am begehrtesten sind Salzbrezeln, Laugebrötchen und alle 3-, 6- und was weiß ich noch - x-Korn-Brote oder gar Kürbiskernbrot. Früher wollten uns die Zweibeiner immer selber am Zaun füttern, aber angesichts des dabei praktizierten Unverstandes haben unsere höheren Instanzen dieses diesen schnell wieder abgewöhnt. Diejenigen, welche es verstanden haben, liefern heutzutage ihr Brot schön getrocknet und schimmelfrei bei unseren höheren Instanzen ab, die anderen haben sich beleidigt verzogen. Brotmangel herrscht sowieso keiner. Ein ortsansäßiger Bäcker würde uns weit mehr anliefern, als den höheren Instanzen recht ist, denn die dem Brot immer mehr hinzugefügten Aromastoffe stehen in Verdacht, sich beim Backen unter der Hitze in weniger gesunde Substanzen zu verwandeln.

Mineralien und Vitamine gibt es wie schon berichtet im Mash. Zusätzlich und unregelmäßig dazu kann es auch mal irgendwelches gepreßtes Mineralfutter aus der Hand geben. Unseren Bedarf an Mineralfutter melden wir durch entsprechendes Bearbeiten eines uns dauerhaft angebotenen mineralisierten Salzlecksteines und/oder durch Lecken ausgesuchter - d.h. meistens der nicht betretenen - Bodenstellen unter den Weidezäunen oder im Wald in der Pause beim Ausreiten an. Unsere höheren Instanzen und wir mit ihnen haben zwar eine eindeutige Präferenz für ein bestimmtes Mineralfutter entwickelt, zur Abwechslung und zum Ausgleich wechselnder Zusammensetzungen verschiedener Mineralfutter wird auch mal gezielt gewechselt. Nicht immer ist das Mineralfutter unbedingt für Pferde bestimmt. Wir haben keine Probleme damit. Zumindest gibt noch keiner von uns deshalb Milch oder grunzt. Die höheren Instanzen achten dabei schon auf das Ca:P-Verhältnis und ähnliche Dinge, insbesondere da die Weizenkleie sehr phosphorhaltig ist. Unter dem Gesichtspunkt Gesundheit wird auch mal eine Runde Kalk, Kieselgur, Hustenkräuter, Biotin, Gelatine, Bierhefe, Fermentgetreide, Muschelextrakt, Leinöl oder - ich will es auch gar nicht so genau wissen - sonst was geworfen. Meistens versuchen die höheren Instanzen derartiges Zeug im Mash zu verstecken.

Zu guter Letzt schleichen sich dann noch die unvermeidbaren Mitbringels von Veranstaltungen, Futtermittelhändlern und Messen ein, an denen die höheren Instanzen einfach nicht vorbeigekommen sind: Karottenkekse, Leckerli A und Leckerli B etc. Zu meinen Leidwesen muß ich aber sagen, daß die Widerstandskraft der höheren Instanzen in diesem Punkt uns viel zu groß ist.

Und dann gibt's noch die Dinge, die wir uns in einem Akt der Piraterie erobern. Z.B. wenn die höheren Instanzen sich zwischendurch auch mal stärken wollen. Der Oberspezialist für solche Fälle heißt Hvinur. Spezialisiert ist er dabei insbesondere auf Salamibrötchen und Landjäger. Er muß wohl offensichtlich einmal einen harten Winter in Island mitgemacht haben, in dem es Trockenfisch gegeben hat. In dem Zusammenhang geht mir immer der Ausdruck im Kopf herum, den uns Isis eine Gruppe von Fischern bei einem Besuch auf Island verliehen hat: heringsfressende Rennviertakter.

So, ich glaube, sind wir durch unser 5-Gang-Menü durch. Irgendetwas habe ich bestimmt vergessen, weil es so selbstverständlich ist. Also schreit nicht gleich, daß wir demnächst an allen möglichen Mangelkrankheiten leiden werden oder gar an Magersucht. Wenn mir noch etwas einfallen sollte, kann ich es ja jederzeit nachtragen.

Nach dem Tod der Oldies hat sich dieser Speiseplan wegen der Insulinresistenz der Stuten natürlich radikal verändert. Insbesondere mußte die Kohlenhydratezufuhr komplett neu überdacht werden. Die Zufuhr von Kohlenhydraten, welche im Dünndarm enzymatisch zu Glukose vetrarbeitet werden, mußte so weit wie möglich eingeschränkt, die Zufuhr von Kohlenhydraten, welche im Dickdarm mikrobiell zu Fettsäuren verarbeitet werden, maximiert werden. Das bedeutete insbesondere den kompletten Verzicht auf Getreideprodukte wie Hafer, Gerste, Kleie oder Mais in Reinform oder auch als Müsli, da die darin enthaltenen Kohlehydrate in Form von Stärke eben im Dünndarm zu Glukose verschafft werden, aber auch den weitgehenden Verzicht auf Weidegang, weil Gras bis zu 30% Glukose beinhalten kann. Auch alle Leckereien wie Karotten und Äpfel kamen auf den Index. Ebenso das Malzbier und die Obstsäfte. Dafür gab es bevorzugt Kohlenhydrate in Form von Rohfaser. Im Klartext: Heu und Rübenschnitzel. Das Heu obendrein noch gewässert, um die enthaltene Glukose noch auszuwaschen, und die Rüben natürlich unmelassiert. Da Rohfaser zu Fettsäuren verschafft werden, mußte auch die Zufuhr von Fettsäuren in Form von Ölen gestoppt werden. Und das Mineralfutter mußte auch zucker- und stärkefrei sein. Dafür gab es dann gegen die Insulinresistenz gerichtet Zimt, Bierhefe, Chrom und Zink. Nichts ähnelte mehr dem alten Speiseplan, aber der Erfolgt zeigt deutlich, daß diese Futterumstellung richtig und absolut notwendig war. Wenn wir die vielen Kollegen auf den Weiden rund um die Streuobstwiese insbesondere in der kühleren und sonnigen Herbstzeit so auf den Weiden den ganzen Tag sehen, dann haben wir heutzutage Angst um sie. Denn es kann viele Jahre dauern, bis ihre höheren Instanzen die Katastrophe im Stoffwechsel registrieren, die da ihren Lauf nehmen kann.

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