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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Freitag, der x-te, früher Nachmittag. Der Boß hat gefüttert und dabei jedem mehr oder weniger unfreiwillig in die Augen gesehen. Alles normal, keine besonderen Vorkommnisse. Wenige Stunden später: Sjöfn hat ein gewaltig dickes Auge, es ist halb geschlossen, tränt unübersehbar und scheint zu jucken, da Sjöfn ständig mit dem Lid zuckt und auch versucht, das Auge mit geschlossenem Lid an der Ecke der Futterraufe zu reiben. Der Boß öffnet das Auge vorsichtig, die Bindehaut ist verschwollen und mehr als feuerrot. Fremdkörper, auf den ersten Blick negativ, Hornhautverletzung, auf den ersten Blick negativ. Also nur Bindehautentzündung??? Mein Boß zögert, mit den Augen ist schließlich nicht zu spaßen. Steht ja auch in jedem Buch über Pferdekrankheiten, daß man bei Augenproblemen den Tierarzt hinzuziehen sollte. Hatte auch selber mal eine Hornhautverletzung, die mir einen kleinen blinden Fleck als Andenken zurückgelassen hat. Aber die hatte ein Tierarzt übersehen, weil er das Auge nicht eingefärbt hatte. Damals war allerdings gelblicher Schaum auf meinem Auge gestanden. Nein, sowas war bei Sjöfn nicht zu beobachten. Also keine Hornhautverletzung. Ist insoweit auch wichtig zu wissen, weil es Augensalben gibt, die bei Hornhautverletzungen nicht verabreicht werden dürfen. Deshalb ist es grundsätzlich besser, in seiner Stallapotheke eine Augensalbe zu haben, die auch bei Hornhautverletzungen eingesetzt werden darf. Eine richtige Augensalbe mit Antibiotika. Die ist verschreibungspflichtig, so daß ihr die bei euerem Tierarzt holen müßt. Da es keine speziellen Augensalben für Pferde gibt, tut's vielleicht auch euer Hausarzt. Aber aufpassen: Augensalben haben kurze Lebensdauern. Sie sollten nach Ablauf des aufgedruckten Verfalldatums nicht mehr verwendet werden. Ebensowenig nach einer gewissen Zeit nach Öffnen der Tube. Das führt meistens zu der wenig schönen Konsequenz, daß man in seiner Stallapotheke entweder eine alte, aber angefangene oder einer neue, aber abgelaufene Tube findet, wenn man nicht ständig hinter seiner Stallapotheke her ist. Sjöfn bekam also antibiotische Augensalbe ins Auge. War bei dem dicken Auge anfangs gar nicht so einfach, aber es klappte schließlich. Abends wirkte das Auge schon besser, am nächsten Morgen war eine deutliche Besserung festzustellen. Nach zwei Tagen war die Schwellung weg, nur die Rötung bliebt irgendwo auf einem Level von 20% der feuerroten Version stehen, jedenfalls einiges über normal. Der Tränenfluß wurde auch immer weniger, nur das ständige Zucken des Lides blieb. Auch noch nach fünf Tagen. Das machte meinen Boß doch irgendwie nervös. Aber dann sah er den weißen Punkt, der da wie ein Pickel am unteren Lidrand zwischen den Wimpern wuchs. Ein Gerstenkorn, fuhr es ihm spontan durch den Kopf. Nur in keinem Buch über Pferdekrankheiten glaubte er je was über Gerstenkörner gelesen zu haben. Nein, gecheckt hat er das nicht, also lehnt euch wieder beruhigt zurück, ihr Bücherschreiber, er könnte sich ja geirrt haben. Aber auch in der Pferdeklinik hat man sich gewundert, als er die Rede auf Gerstenkörner bei Pferden brachte, als er neulich unsere Wurmkuren abholte. Scheint also nicht so häufig oder bekannt zu sein: Gerstenkörner bei Pferden.

Was ist überhaupt ein Gerstenkorn? Ein Gerstenkorn (Hordeolum) entsteht durch Infektion der Lidranddrüsen mit Bakterien. Ist die Infektion im äußeren Lidrandbereich in unmittelbarer Nähe der Wimpernwurzeln, sind die Zeisschen und Mollschen Drüsen infiziert. Erstere sondern Hauttalg ab, um zu verhindern, daß der Tränenfilm zu schnell abfließt, letztere sind Schweißdrüsen. Bei einer tieferliegenden Infektion sind die Meibomschen Drüsen betroffen, die ein öliges Sekret absondern, das am äußeren Lidrand in den Tränenfilm aufgenommen wird. Dringen nun Bakterien in eine der genannten Drüsen ein, so kommt es zur Eiterbildung im Lid, zur schmerzhaften Verdickung des Lides, die zunächst eher diffus und später an einer besonders druckschmerzhaften Stelle konzentriert, und nach ein bis zwei Wochen zum Aufplatzen des "Pickels" nach außen auf die Haut unterhalb der Lidkante oder nach innen auf die Lidinnenseite. Das Gerstenkorn kann aber auch direkt am Lidrand sitzen - so wie es bei Sjöfn der Fall war. Die Symptome sind also eine schmerzhafte und eitrig entzündete Schwellung, Rötung des Lidrandes, geschwollene und gereizte Bindehaut. Bei einer Infektion der der tieferliegenden Meibomschen Drüsen kann sich auch der Lidrand vorwölben.

Ein Gerstenkorn ist in der Regel harmlos. Es heilt von selber aus und hinterläßt selten Folgen. Um die Auflösung oder den Eiterausbruch und damit die schnellere Abheilung zu fördern, hilft trockene Wärme (z.B. mit Rotlicht 2x täglich 5 Minuten auf die geschlossenen Augen) - das fällt natürlich bei Pferden aus, so schlechte Witze kenn noch nicht einmal ich, daß Sjöfn verschämt die Augen für fünf Minuten geschlossen halten würde. Von warmen Kompressen wird überwiegend abgeraten, weil sie über eine Aufweichung der Haut zu einer Verschleppung der verursachenden Bakterien führen könnten. Ansonsten gibt man antibiotische Salben, um die Infektion zu beseitigen. Sjöfn bekam drei Mal am Tag - mehr war unter der Woche nicht zu realisieren - für etwa 10 Tage eine solche Salbe in das untere Lid eingebracht, dann brach das Gerstenkorn auf und löste sich langsam auf. Bricht das Gerstenkorn nicht auf, kann der Arzt - also haltet euere höheren Instanzen im anderen Falle zurück, das kann ansonsten im wahrsten Sinn des Wortes ins Auge gehen - durch einen kleinen Einstich nachhelfen.

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