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Infos/Tips auf, unter, um und ums Pferd herum

Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Die vorliegende Seite beschäftigt sich mit der (äußeren) Haut und ihren Anhangsgebilden Haaren. Behandelt werden Aufbau und Funktion von Haut und Haar einschließlich Haarkleid und Fellwechsel. Pflege und Fütterung von Haut und Haar und Hautstörungen werden auf separaten Seiten behandelt. Unberücksichtigt bleiben Themen der inneren Haut (z.B. Schleimhäute im Maul und Auge) und der Hautanhangsgebilden Huf, Kastanie und Sporn. Ausführungen zum Thema Hufpflege findet ihr auf der Seite "Hufpflege - von innen und von außen".

Die Haut - Aufbau und Funktionen

Die Haut (Cutis, Derma) ist das größte Organ des Pferdes. Sie bedeckt die gesamte Körperoberfläche. Die Dicke der Haut beträgt beim Pferd im Schnitt 3,8 mm. An Rücken, Stirn und Nacken ist sie bis zu 6 mm dick, an den Gliedmaßen, im Leistenbereich, in den Achseln und perianal am dünnsten.

Die Haut des Pferdes ist ein sehr komplexes System aus mehreren Schichten mit unterschiedlichen Funktionen:

Die oberste Schicht der Haut, die sog. Oberhaut (Epidermis), besteht an der Oberfläche (Stratum corneum) aus verhornten Zellen, den Epidermiszellen, welche mikroskopisch betrachtet in der untersten Schicht von vier Schichten (Stratum basale) der Oberhaut als Epithelzellen gebildet werden, nach außen wandern, dabei immer mehr verhornen und an der Körperoberfläche abschuppen. Wird die die Epidermiszellen bildende Schicht durch tiefer gehende Wunden verletzt, so verheilen diese Wunden nur mit Narbenbildung. Neben den Epithelzellen gibt es auch noch einige Melanozyten, welche Aufgaben des Lichtschutzes und der Farbgebung wahrnehmen, sowie Immun- und Sinneszellen. In den Zellzwischenräumen der Oberhaut lebt eine ganze Truppe von nützlichen Mikroorganismen - rund zwölf Bakterien- und circa 31 Pilzarten hat man bislang auf Haut und im Fell gezählt -, deren Gleichgewicht nicht gestört werden darf, damit sich keine schädlichen Bakterien und Pilze ausbreiten und Krankheiten hervorrufen können. Die Oberhaut ist ferner durch einen Schutzfilm, der von den Talgdrüsen aber auch von Hautzellen gebildet wird, aus Fettsäuren, anorganischen Salzen, Proteinen, Interferon, Immunglobuline und weiteren Stoffen mit immumregulierender, antibakterieller und antimykotischer Wirkung bedeckt, dessen Funktion durch Sekretionsstörungen (infolge Stress oder falscher Pflege-/reinigungsmittel) der in der darunterliegenden Lederhaut befindlichen Drüsen gestört werden kann. Der ph-Wert der Haut ist mit 4,8 - 6,8 leicht sauer.

Die unter der Oberhaut liegende Lederhaut (Dermis) besteht aus Bindegewebe und beherbergt die Haarfollikel, die Hautdrüsen (Schweiß- und Talgdrüsen), Blutgefäße und Nerven. Aus den Haarfollikeln entstehen die Haare, genau eines pro Follikel. In den Haarfollikeln enden die Ausführungsgänge der Talgdrüsen. Der produzierte Talg ist eine fettige und antibakterielle Substanz und dient dem Schutz der Haut. Die zahlreichen Schweißdrüsen (bis zu 100 Stück pro Quadratzentimeter) dienen überwiegend der Wärmeregulationdurch Verdunstung. Bei mittlerer Belastung und einer Umgebungstemperatur von 20 Grad Celsius werden innerhalb zweier Stunden im Schnitt 17-20 Milliliter Schweiß produziert. Das sind bei einem Pferd von 600 kg LM dann immerhin 10-12 Liter Schweiß, was eine ganze Menge an Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten (insb. Kalium, Natrium, Chlorid, Kalzium, Magnesium) bedeutet, welche im nachhinein ausgeglichen werden müssen. Über den Schweiß werden aber auch Stoffwechselabfälle abgegeben und Duftstoffe ausgesendet. Die Blutgefäße sind in drei Lagen angeordnet und miteinander verbunden. Sie dienen der Versorgung von Haut und Drüsen. Bei Entzündungen der Haut und bei Verletzungen ermöglichen sie zur Förderung der Heilung eine vermehrte Durchblutung der betroffenen Bereiche. Die Nerven enden entweder an den Haarfollikeln oder frei. Sie vermitteln Informationen vom Zentralen Nervensystem ZNS (z.B. Haare sind aufzustellen) oder zum ZNS (z.B. Kälte). Darüberhinaus gibt es in der Lederhaut auch Melanozyten, welche unter anderem für die Pigmentierung der Haut zuständig sind, und Immunzellen.

Die dritte und dickste Hautschicht, die Unterhaut (Hypodermis), besteht hauptsächlich aus Fettzellen und dient als Formgeber, Stoßdämpfer und Energiespeicher. Aber auch Hautmuskulatur, Bindegewebsfasern, Nervenbahnen und Blutgefäße sind vorzufinden. Die Muskulatur ist in der Lage, die Haut in Abschnitten zucken zu lassen, was deutlich zu beobachten ist, wenn eine Fliege auf dem Pferd landet. Die Ausbildung der Unterhaut bestimmt im Wesentlichen die Dicke der Haut.

Schematischer Aufbau der Haut

Zusammen mit ihren "Anhangsgebilden", den Haaren, erfüllt die Haut eine Reihe von Funktionen:

Als Schutzorgan schützt sie vor

  • Schmutz und Staub
  • schädliche Keimen, Bakterien und Parasiten
  • mechanischen Verletzungen
  • Sonne (UV-Strahlung) und Regen

Als Sinnesorgan dient sie der Reizaufnahme:

    Außenreize (z.B. Schmerz, Berührung, Jucken, Wärme, Kälte) werden über Nerven, welche in der Haut enden, aber auch über spezielle Tasthaare aufgenommen und an das Gehirn weitergeleitet.

Als Regulationsorgan ist sie

  • am Stoffaustausch:
     
    Stoffwechselprodukte (Kalium, Natrium, Chlorid, Calcium, Magnesium, Harnsäure und Proteine) werden mit dem Schweiß abgegeben (insb. dann wenn andere Ausscheidungsorgane überfordert sind) und von außen zugeleitete Substanzen werden aufgenommen (Blei, Eisen, Schwefel, Selen, Zink, Kupfer, Arsen, Quecksilver über die Haare) bzw. gebildet (Vitamin D unter Einwirkung des Sonnenlichts in der Oberhaut)
  • der Temperaturregelung:
  • Die Wärmeabgabe erfolgt durch Strahlung und Verdunstung. Pferde schwitzen bei körperlicher Anstrengung, bei Hitze, wenn sie Schmerzen haben (z.B. bei Koliken) oder in Streßsituationen (z.B. Transport im Hänger). Der Schweiß hat neben der Temperaturregelung noch weitere Funktionen: Er transportiert Geruchssignale und verdünnt die Ausscheidungen der Talgdrüsen und verteilt sie somit über die Haut. Aber auch durch Weit- und Engstellung der Blutgefäße und durch Aufstellen der Haare kann auf Hitze und Kälte ausgleichend reagiert werden.

  • der Regulation des Wasserhaushalts:
  • Schutz vor Austrocknung von innen und Benetzung von außen

beteiligt.

Eine nur sehr untergeordnete Bedeutung kommt der Hautatmung zu, die nur 1% des benötigten Sauerstoffes deckt.

Das Haar

Ein Haar besteht aus Haarfollikel, Haarwurzel und Haarschaft. Der Haarfollikel gleicht einer tunnelförmigen Einstülpung in der Haut, welche die Haarwurzel umschließt. Am unteren verdickten Ende der Haarwurzel sitzt der Haarbulbus, welcher die mit den Blutgefäßen verbundene Haarpapille, aus welcher der Haarschaft entsteht, enthält. Jedes Haar ist über den Follikel mit einem Muskel (arrector pili) verbunden, welcher das Haar aufstellen kann. Das aus den in den Follikel mündeten Talgdrüsen abgesonderte Sekret hält den Haarschaft geschmeidig und schützt ihn gegen Umwelteinflüsse. Der Haarschaft besteht im Innern aus dem Haarmark (Medulla), welches durch schwammartigen Markkanäle durchzogen wird. Die Markscheide weist in ihrer Mitte ein Loch auf. Bei sehr feinen Haaren wie den Wollhaaren kann das Haarmark auch fehlen. Das Haarmark wird umhüllt von der Haarrinde (Cortex), welche aus langen Keratinfasern besteht. Die äußere Haarschicht (Cuticula) wird aus mehreren Lagen verhornter Zellen gebildet, welche sich wie die Schuppen eines Tannenzapfens um die Haarrinde schmiegen. Die Schuppen sind teilweise breiter als ein halbes Haar. Sie können bei Warmblütern sogar das ganze Haar umschließen, was bei Kaltblütern und den nordischen Ponyrassen wegen ihrer dickeren Haare nicht der Fall ist. Die Cuticula ist durchsichtig. Die Glätte der Schuppenschicht bestimmt den Glanz des Haares. Rauhe oder sogar beschädigte Schuppen lassen das Haar stumpf und matt erscheinen. Dies kann Folge mechanischer Beanspruchung, übermäßiger Reinigung oder von Hautstörungen sein.

Die Haarfarbe wird durch Pigmente bestimmt, welche durch Melanozyten im Haarfolikel aus Aminosäuren gebildet werden. Hierbei entstehen die Stoffe Eumelanin und Phaemelanin. Eumelanin ist das Schwarz-Braun-Pigment, Phaemelanin das Rot-Pigment. Aus ihrer Mischung können sämtliche Haarfarben dargestellt werden. Eumelanin ist darüberhinaus auch für die Farbtiefe zuständig. Die Farbverteilung ist genetisch bestimmt. Die Pigmente werden in der Haarrinde zwischen den Keratinfasern abgelagert. Mit zunehmendem Alter ergrauen die Haare, weil die Stammzellen, aus denen sich die Melanozyten entwickeln, abnehmen.

Das Haarkleid

Das Haarkleid des Pferdes besteht aus Ober- oder Deckhaar, Langhaar (Mähne, Schweif, Kötenbehang), Tasthaar (über den Augen und ums Maul herum) sowie Unter- oder Wollhaar. Ober- und Unterhaar bilden das Fell des Pferdes. Die Oberhaare bilden den sog. Haarstrich - also die Wuchsrichtung - und die kleinen runden oder länglichen Wirbel aus, welche Regentropfen in Richtung Boden ableiten ("Regenrinne"). In der kalten Jahreszeit wachsen dem Pferd zusätzlich die weichen Unterhaare, die eine dichte Wolle bilden, deren einzelne Fasern sich bei Kälte aufrichten und quasi als Isolierschicht die Wärme des Pferdes zurückhält, so daß es nicht auskühlt. Unterhaare sind im Vergleich zu den Oberhaaren kürzer, weicher und in der Farbe heller. Das Fell dient dem Pferd als erste Schutzbarriere vor chemischen und mechanischen Verletzungen, Keimen, Nässe und Kälte. Das Langhaar schützt das Pferd vor Fliegen (Schweif und Stirnschopf) und Verletzungen des Genitalbereichs (Schweif) sowie vor Wasser in der Fesselbeuge (Kötenbehang). Die Tasthaare dienen der Aufnahme von Außenreizen. Sie sollten deshalb keineswegs als Schönheitsfehler entfernt werden.

Der Fellwechsel

Das Fell des Pferdes weist im Sommer und im Winter einen unterschiedlichen Aufbau auf. Der Übergang von Sommer- zu Winterfell und umgekehrt wird als Fellwechsel bezeichnet. Die Oberhaare im Sommer sind kürzer als im Winter. Sie können sich auch in der Farbe unterscheiden. So kann z.B. das im Winter dunkelbraune Pferd im Sommer schwarz sein ("Sommerrappe"). Im Herbst wachsen dann die kurzen Oberhaaren in die Länge. Entscheidender Auslöser sind dabei nicht die abnehmenden Temperaturen sondern das abnehmende Tageslicht. Zusätzlich bilden sich die Unterhaare, welche im Frühjahr zusammen mit den langen Oberhaaren wieder abgestoßen werden, um den nachwachsenden kurzen Oberhaaren Platz zu schaffen. Insoweit findet entgegen dem üblichen Sprachgebrauch strenggenommen eigentlich nur im Frühjahr ein Fellwechsel im Sinne von Haaraustausch statt. Der Fellwechsel dient dem Schutz des Organismus. Er erleichtert den Kreislauf im Sommer und schützt das Pferd im Winter vor Kälte. Der Fellwechsel bedeutet andererseitseine zusätzliche Belastung für das Pferd, was sich in reduzierter Leistungsbereitschaft und -fähigkeit niederschlägt. Die Belastung resultiert zum einen daraus, daß der Anstoß zum Fellwechsel mit leichtem Fieber verbunden sein kann und zum zweiten, daß zur Fellbildung (neues Deckhaar im Frühjahr, Wollhaar im Herbst) viel Eiweiß benötigt wird. Dies wirkt sich insbesondere beim Fellwechsel im Frühjahr aus, da hier sich die Versorgungslage des Pferdes an Eiweiß sowie Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen nach dem Winter in der Regel schlechter als nach der Weideperiode im Herbst darstellt. Erschwerend kommt hinzu, dass ein trotz eingesetzten Fellwechsels immer noch dichtes Winterfell auf steigende Temperaturen trifft, was dann besondere Anforderungen an die Temperaturregulation und damit den Kreislauf stellt. Dies trifft insbesondere auf Pferde des nordischen Types zu, die bei meist praktizierter Offenstallhaltung ein besonders ausgeprägtes Winterfell entwickeln, und bei älteren Pferden, bei denen im Winter die Deckhaare oft überlang wachsen und der Fellwechsel im Frühjahr nur verzögert einsetzt. Was ihr tun könnt, um euer Pferd beim Fellwechsel zu unterstützenden, findet ihr auf der Seite "Haut und Haar - Pflege und Fütterung"

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    Teil 2 >>>
(Pflege und Fütterung)

 

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