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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Obwohl Heu für unsereins der entscheidende Grundpfeiler in unserer Ernährung, sozusagen das "täglich Brot", und von ganz zentraler Bedeutung für unsere Rittigkeit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit ist, scheinen sich doch die wenigsten in der Fütterungspraxis damit intensiver auseinandersetzen zu wollen.

Wir als Pflanzenfresser, benauer gesagt unser Verdauungstrakt, sind auf eine ausreichende Versorgung mit strukturiertem, faserreichen Futtermitteln angewiesen. Dafür kommen standardmäßig Heu, Stroh, Gras und Silage in Betracht. Ehrlich gesagt: Vorletzteres ist mir am liebsten, aber darüber wollte ich ja nicht reden, sondern über Heu. Ich brauche keinem von euch zu sagen, daß die vier genannten Futtermitteln sich in Punkto Aussehen, Griff, Feuchtigkeit und Geruch grundlegend unterscheiden. Und so wie wie sich diese Futtermittel unterscheiden, so unterschiedlich reagiert auch unser Verdauungstrakt auf die Verfütterung des jeweiligen Futtermittels.

Sehen wir mal vom Gras ab, so ist gutes, blattreiches Wiesenheu für unseren Verdauungstrakt das liebste Futtermittel. Ohne ausreichende Menge an qualitativ sehr gutem und blattreichen Heu wird unser Verdauungstrakt anfällig für Erkrankungen (Durchfall und Koliken). In Mitleidenschaft wird auch unsere Rittigkeit gezogen, da sich bereits geringe Verdauungsbeschwerden sehr häufig in Form von mangelnder Rückentätigkeit aufgrund unterschwelliger Darmprobleme äußern. Viele vermutete Rückenprobleme sind häufig nur die Folge von Darmstörungen aufgrund falscher Zusammenstellung der Fütterung. So schreibt z.B. ivest in seinen News: "Wir konnten immer wieder beweisen, daß lange Lösungsphasen, schwer zu aktivierende Hinterbeine, mangelnde Losgelassenheit insgesamt, erschwerter Kotabsatz und 'Klemmen' durch Änderung der Heufütterung wie von Zauberhand innerhalb kürzester Zeit verschwanden."

Wenn das so ist, warum in aller Welt machen sich die Zweibeiner dann so wenig Gedanken um die Heufütterung, ja versuchen sogar dem Heu den Rücken zu kehren? Ich will mal kurz auflisten, an was das so liegen könnte:

  • Heu ist bezogen auf die beinhaltete Energie ein teueres Futtermittel

    Dazu folgende kleine Rechnung: Wird einem Pferde im Schnitt und pro Tag 100 Megajoule (MJ) an verdaulicher Energie gefüttert, davon 60% aus Rauhfutter, dann kosten diese 60 MJ bei Heufütterung bei einem Preis von EUR 11 je Doppelzentner (DZ) und einer verdaulichen Energie von 7,8 MJ pro Kilo EUR 0,85. Die gleich Energiemenge kostet beim Rohfaserlieferant Stroh (Weizen) bei einem Preis von EUR 2,5/DZ und einer verdaulichen Energie von 4,5 MJ nur EUR 0,33. Füttert man nun je die Hälfte des Energiebedarfes aus Heu und Stroh, ergibt sich mit dem Schnittpreis von EUR 0,59 eine Einsparung von EUR 0,26 pro Pferd und Tag. Das macht bei 10 Pferden im Jahr immerhin schon EUR 949 aus.

  • Heu bekommt von offiziellen Stellen (Beratungsämtern, Ausbildungseinrichtungen) nicht  d i e  Bedeutung beigemessen

    Zu häufig findet sich die Meinung, es sei zwar wichtig, Rauhfutter zu füttern, aber letztendlich sei Rauhfutter eben Rauhfutter, also Heu und Stroh austauschbar.

  • Heu ist ein extrem unpraktisches Futtermittel (voluminös, kapitalintensiv, arbeitsaufwendig)

    Man benötigt eine große Lagerfläche und hat obendrein eine große Kapitalbindung, denn Heu ist am besten bei der Ernte einzukaufen. Wer es selber gewinnt, der hat sowieso keine Wahl. Ferner ist die Heuernte, die -einlagerung und -verteilung personalintensiv. Bei der Heuernte ist man auch noch witterungsabhängig. Das alles spricht gegen Heu und zugunsten z.B. der Silage, die aufgrund ihrer Feuchtigkeit und der damit entfallenden Gefahr von Staubentwicklung auch noch angesehener ist. Und was für den Heuallergiker gut ist, kann doch für die anderen nicht schlecht sein. Leider aber ein Denkfehler.

Ihr alle kennt die alte Faustregel: je früher das Heu geerntet wird, umso eiweißreicher und rohfaserärmer ist es; je später, desto eiweißärmer und dagegen rohfaserreicher wird es. Und da die meisten von uns nicht gerade Bierkutscherpferde sind, sprich nicht gerade die Unmengen an Energie brauchen, halten sich ihre höheren Instanzen auch daran. Aber gegenüber der alten Zeit hat sich auch einiges geändert: Die intensivere und auf Ertrag ausgerichtete Landwirtschaft setzt bei der Ansaat von Wiesen auf schnellwüchsige Gräser und nicht auf langsam wachsende Kräuter. Hinzu kommen Kunstdünger oder Gülle, welche die Gräser weiter in die Höhe schießen lassen. Und Höhe bringt Ertrag, denn bezahlt wird in Doppelzentnern. Aber Höhe bedeutet auch eine Veränderung der Rohfaserart: Aus anfangs zarter Zellulose wird mit zunehmender Länge des Halms ein fester zäher Komplex aus Zellulose und der Holzrohfaser Lignin. Für die Pflanze ist dieser Vorgang wegen ihrer Standfestigkeit notwendig, die Dickdarmbakterien in unserem Darm können jedoch diesen Komplex nur noch schlecht verarbeiten. Konsequenz: der Energiegehalt des Heues sinkt, die Dickdarmflora verändert sich, was neben erhöhter Kolikanfälligkeit auch erhöhte Empfindlichkeit für Durchfälle, Kotwasserbildung bis hin zur Hufrehe bedeuten kann. Infolge schlechter Wasserbindung verkleinert sich das körpereigene Wasser- und Elektrolytreservoir im Dickdarm. Was folgt daraus: Es kann durchaus richtig sein, Heu in der Blüte und nicht erst nach der Blüte zu schneiden. Der höhere Eiweißgehalt muß dann über das Kraftfutter ausgeglichen werden. Je schneller wachsende Gräser verwendet werden, je mehr Dünger eingesetzt wird, umso eher gilt dies.

Leider geht die Entwicklung auf der Angebotsseite den umgekehrten Weg, weil das Kulturlandschaftsprogramm der EU im Interesse der Umwelt einen Verzicht auf eine intensivere Bewirtschaftung fördert. Verpflichtet sich nämlich ein Landwirt, sein Grünland erst nach dem 16. Juni (1. Juli) zu schneiden, so erhält er DM 450 (DM 600)(die heutigen EUR Beträge kenn ich nicht) pro Hektar aus der EU-Kasse. Gleichzeitig muß er sich verpflichten, auf den Einsatz von Mineraldünger zu verzichten, aber nicht auf Gülle. Und schon haben wir's: gut mit Gülle gedüngte Wiesen, die spät geschnitten werden.

Woran erkennen wir nun gutes Heu:

  • Gutes Heu ist bei Einsatz von Düngern Mitte bis max. Ende der Blüte geerntet worden. Das ist an den im Heu enthaltenen getrockneten Blütenständen ersichtlich.

  • Das Verhältnis von Blättern und Stengeln sollte bei 50:50 liegen.

  • Gutes Heu riecht aromatisch, angenehm und typisch nach Heu.

  • Gutes Heu enthält keine Staub, Erd- oder Schimmelanteile, so daß sich die Hände nicht wie gepudert anfühlen, wenn man sie ins Heu taucht.

  • Gutes Heu ist von grüner Farbe. Ansonsten ist es entweder zu alt, verregnet, zu lang getrocknet oder bei der Lagerung infolge zu hohen Wassergehaltes überhitzt worden.

  • Gutes Heu fühlt sich beim Zusammendrücken zwischen den Händen fest und strukturiert an - Kein Gummiheu, wie man Boß zu sagen pflegt -, aber wiederum nicht so fest, daß das Heu unangenehm in den Handflächen sticht.

  • Gutes Heu enthält unterschiedliche Grasarten.

Kein gutes Heu habt ihr jedenfalls erwischt, wenn insbesondere die ranghöheren Pferde von Futterraufe zu Futterraufe eilen, nur einen verächtlichen Blick aufs Heu werfen, mit der Nase im Heu rumrühren, wild brusten, das Heu mit der Nase im hohen Bogen aus der Raufe schmeißen und anschließend mit den Füssen draufrumlaufen. Dann allerdings ist es zu spät. Hihi, Ofsi, jetzt hast Du aber ganz gut beschrieben, wie das aussieht, wenn Du mal auf 1b-Heu triffst.

Heu muß immer mindestens eine Stunde vor dem Kraftfutter gefüttert werden, um letzteres im Magen aufzulockern. Da für ein 1 kg Kraftfutter nur 10 Minuten zur Aufnahme gebraucht werden und dabei nur ein 1 kg Speichel produziert wird, würde das Kraftfutter wie ein Klumpen im Magen liegen, wenn nicht zuvor bei der Aufnahme von 1 kg Heu pro Stunde nicht 5 kg Speichel produziert worden wäre. Damit wird die Arbeit der Verdauungsenzyme erleichtert und die Gefahr von erhöhter Säurebildung und damit die Gefahr von Magengeschwüren vermindert.

So - jetzt hab ich mir aber einen Happs Heu verdient. Platz da, ich komme.

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