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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Die Haut gilt als Spiegel für die Gesundheit des Pferdes. Glanzloses, brüchiges oder gar ausgehendes Haar, struppig erscheinendes Fell oder schuppige und verborkte Haut sind ernstzunehmende Symptome für Hautstörungen/-krankheiten (Dermatosen).

Hautstörungen sind aus vielerlei Sicht problematisch:

  • Eine Hautstörung kommt selten allein, weil eine Hautstörung häufig der Türöffner für weitere Hautstörungen ist, da eine durch eine Hautstörung geschädigte Haut viel anfälliger ist als eine gesunde Haut. Deshalb treten häufig mehrere Hautstörungen parallel auf, was die Diagnose und die Behandlung erschwert.
  • Hautstörungen sind häufig nur ein Symptom für eine tiefer im Körper sitzende Krankheit, die mit der Behandlung der Haut oft nur verdrängt aber nicht geheilt wird.
  • Hautstörungen können sehr ähnliche Erscheinungbilder aufweisen, weil die Haut nur in geringem Maße (Rötung, Hautausschläge, Juckreiz, Schmerz, erhöhte Hauttemperatur, Haarausfall) auf unterschiedliche Ursachen reagieren kann. Dadurch wird ihre Diagnose erschwert.
  • Eine falsche Erstbehandlung verschlechtert häufig das Krankheitsbild.

Allgemein gesprochen können Hautstörungen die Folge von Fütterungsfehlern, mangelnder Hygiene bei der Haltung, von Hautpilzen und Parasiten, von Medikamentenunverträglichkeiten oder besonderen Einwirkungen von außen (z.B. Stichen) sein. Sie können sich in Form von Haarausfall, Hautentzündungen, Nesselfieber, allergischen Ausschlägen und Ekzemen äußern. Details siehe weiter unten.

Diagnosemöglichkeiten

Ganz zu Beginn steht die übliche Anamese. Dazu gehören z.B. die Informationen über Alter, Rasse, Geschlecht, Haltungsbedingungen, Dauer der Erkrankung, beobachtbare Veränderungen im bisherigen Krankheitsverlauf, Impfstatus und Entwurmungsstatus. Daran schließt sich die klinische Untersuchung an. Diese beinhaltet außer der allgemeinen Untersuchung die gründliche Untersuchung von Haut und Haar: Sind haarlose Stellen vorhanden, gehen Haare aus, sind Haare verfärbt? Gibt es Anzeichen für Parasiten, sind Schuppen vorhanden? Ist die Haut warm, gerötet, geschwollen, trocken, feucht, krustig oder schmerzempfindlich? Sind Pusteln, Bläßchen, Knoten oder Tumore spürbar? Die daraus resultierende Verdachtsdiagnose muß häußig durch eine weitergehende Untersuchung von Haaren, Krusten, Schuppen, Hautgeschabsel oder entnommener Hautstanzen (Biopsie) im Labor auf Parasiten, Bakterien und Pilzen bestätigt werden. Die Untersuchung erfolgt entweder unter dem Mikroskop oder durch Anlegen einer Kultur. Die Entnahme der Haar- und Hautproben, ihre Präparation und die Form des Versandes an das Labor müssen je nach Verdachtsdiagnose unterschiedlich erfolgen. Wegen der oben beschriebenen Schwierigkeiten bei der Diagnose dienen solche Untersuchungen oft auch umgekehrt nur dem Ausschluß anderer Ursachen (Differenzialdiagnose) als der Bestätigung der Verdachtsdiagnose.

Grundelemente krankhafter Hautveränderungen

Für die Erstellung einer Verdachtsdiagnose ist es von besonderer Bedeutung die Grundelemente von krankhaften Hautveränderungen (Effloreszenzen) zu kennen. Zu den sog. Primärefflorenszensen - Hautveränderungen, welche unmittelbar aus dem Krankheitsgeschehen resultieren, und nicht durch sekundäre Veränderungen wie z.B. Rötung nach Kratzen verfälscht sind - gehören:

  • Fleck (Macula): eine umschriebene Farbveränderung der Haut ohne Konsistenzveränderung
  • Papeln (Papula): Kleine, feste, annährend runde, nicht offene, immer erhabene Veränderungen, welche durch Akanthosis (Verdickung) und Spongiosis (Aufschwämmung der Epidermis, aber auch durch Amyloid (Einlagerung) entstehen; ohne Flüssigkeitsansammlung (< 0,5 cm)
  • Knötchen (Nodulus): wie Papel nur größer (0,5 -1,0 cm)
  • Knoten (Nodus): feste, annährend kugelförmige, kirschgroße und nicht offene, meist in der Haut verschiebbare Veränderung (> 1,0 cm)
  • Bläschen (Vesicula): Kleine, flüssigkeitsgefüllte, weiche bis pralle oberflächliche Hautveränderung
  • Blase (Bulla): Flüssigkeitsgefüllte Hautveränderung größer als eine Erbse, oft mehrkammeriger Hohlraum. Es werden subkorneale, intraepidermale und subdermale Blasen unterschieden.
  • Pustel (Pustula): kleine, scharf begrenzte, im Innern einschmelzende Veränderung, welche beim Öffnen eine Flüssigkeit u.a. Eiter abgibt und danach weiterhin als Knötchen tastbar ist. Meist sehr schmerzhaft.
  • Quaddel (Urtica): Meist weiche, nicht scharf begrenzte, mit Flüssigkeit gefüllte Erhebung von wenigen Zentimeter Durchmesser, die aber auch flächendeckend über weite Körperteile zusammenschmelzen können. Häufig findet sich auch in diesem Zusammenhang die Bezeichnung Ödem.

Als Sekundäreffloreszenzen werden Veränderungen der Haut bezeichnet, welche durch weitere hinzukommende Krankheitsprozesse oder durch Selbstschädigung wie z.B. Kratzen entstehen. Sie sind für eine Diagnose weniger hilfreich, da gleiche Sekundäreffloreszenszen aus verschiedenen Primärefflorenszenzen entstehen können und so keinen eindeutigen Rückschluß auf das auslösende Krankheitsgeschehen erlauben:

  • Rötung (Erythem): Aktive entzündliche Hyperämie, die wegen Haare und Pigmente leicht zu übersehen ist
  • Schuppe (Squama): folgt aus Erythem durch Abschuppung, Haarausfall und Epidermisverdickung ohne Flüssigkeitsansammlung
  • Kruste, Borke (Crusta): eingetrocknete Sekrete
  • Narbe (Cicatrix): Nach Zerstörung der Epidermisschicht aus Bindegewebe der tieferliegenden Hautschichten gebildete Hautoberfläche ohne Pigmentierung und Haare
  • Abschürfung (Erosion): bis maximal zur Lederhautgrenze reichende Verlust der oberen Epidermiszelllagen
  • Exkoriation: eine Erosion, welche alle Schichten der Epidermis umfaßt
  • Geschwür (Ulcus): feuchte und offene Hautveränderung, meist tiefreichend und mit narbiger Abheilung
  • Atrophie: Schwund von Haut und Hautanhangsgebilden
  • Zyste: durch Gewebe abgekapselter Hohlraum mit flüssigem Inhalt
  • Lichenifikation: Verdickung der Haut bei chronischen Hauterkrankungen
  • Hornschwiele (Tyloma): abgegrenzte Verdickung mit verstärkter Verhornung und Haarverlust
  • Hyperpigmentierung: verstärkte Einlagerung des Hautpigments Melanin
  • Hypopigmentierung: verminderte Pigmentierung, vor allem der Haare der betroffenen Hautstelle

Dazu kommen noch Symptome wie Juckreiz (Pruritus) und Druck-/Schmerzempfindlichkeit bei Berühungen.

Die häufigsten Hautstörungen

Hautstörungen können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden, z.B. nach der auslösenden Ursache oder nach der Art der hervorgerufenen Hautveränderung. Vielfach existieren neben der exakten wissenschaftlichen Bezeichnung der Hautstörung auch populär-wissenschaftliche Bezeichnungen, die nicht unbedingt übereinstimmen müssen. Das trifft insbesondere häufig für Sammelbezeichnungen wie Flechte, Räude oder Ekzem zu. Auch gibt es eine Reihe multifaktoriell bedingter Hautstörungen, welche sich nicht eindeutig in irgendeine wie immer geartete Klassifikation von Hautstörungen einordnen lassen wie z.B. die Mauke.

Hautstörungen werden im Folgenden nach der auslösenden Ursache in infektiöse und nicht-infektiöse Hautstörungen eingeteilt. Infektiöse Hautstörungen liegen vor, wenn lebende Erreger in Form von Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten die Hautstörung bedingen. Zu den nicht infektiösen Hautstörungen gehören stoffwechselbedingte Hautstörungen infolge falscher Fütterung oder Alter, umweltverursachte Hautstörungen in Form von Wunden und Verletzungen oder durch Kontakt mit falschen Stoffen, genetisch bedingte Hautstörungen, Allergien, hormonell bedingte Hautstörungen, Sekretionsstörungen und Tumore, soweit sie nicht durch lebende Erreger verursacht sind.

Infektiöse Hautstörungen

Virusverursachte Hautstörungen

Virenverursachte Hautstörungen sind abgesehen von den Pferdepocken wenig erforscht. Vielfach besteht nur die begründete Vermutung, daß die Ursache ein Virus sein könnte, ein Beweis wurde aber nie erbracht. Der Grund liegt in der Schwierigkeit des Nachweises des Viruses.

Zu den bekanntesten virusbedingten Hautstörungen gehören die Papillomatose und das Equine Sarkoid. Daneben gibt es die gefährlichen, aber nur selten auftretenden Pferdepocken, eine mehr harmlosere Hautstörung namens Aural Plaques und die auf den amerikanischen Kontinent beschränkte Stomatidis vesicularis, welche ebenso wie die Pferdepocken in Deutschland eine meldepflichtige Erkrankung ist.

Die Papillomatose wird vermutlich von Papilloma-Viren verursacht und betrifft vor allem Fohlen und Jungpferde bis zum 3. Lebensjahr, bei denen auf einen Schlag meist um die Nüstern, aber auch an den Ohren oder anderen Hautbereichen, flache, weiß-gelbliche oder auch leicht gestielte, graue Warzen in großer Zahl entstehen. Seltener tritt Juckreiz hinzu. Meistens wirken die Pferde völlig unbeeinträchtigt. Die Papillomatose klingt nach drei und mehr Monaten von alleine ab, so daß keine Behandlung erforderlich ist. Einzelne große Warzen (Papillome) an störenden Stellen wie Sattel- oder Gurtlage oder mit zerklüfteter, entzündeter und oft blutiger Oberfläche (= Gefahr zusätzlicher bakterieller Infektion) können chirugisch entfernt werden. Papillome können insbesondere im Frühstadium mit Sarkoiden verwechselt werden.

Als Equines Sarkoid bezeichnet man den Befall des Pferdes mit Tumoren, welche ihren Ursprung im Bindegewebe haben, aber auch die Haut mit befallen. Als Ursache werden Papillomaviren der Rinder (Bovine Papilomavirus BPV Typ 1 und Typ 2) vermutet, weil sich diese sehr häufig im Gewebe entfernter Sarkoide finden. Andererseits ist es nicht gelungen, mit Hilfe von Papillomaviren beim Pferd künstlich Sarkoide auszulösen. Sarkoide können grundsätzlich an jeder beliebigen Körperstelle auftreten und sehr unterschiedlich aussehen. Bevorzugt werden jedoch offensichtlich feuchte Körperstellen z.B. hinter den Ohren, unterhalb des Afters und zwischen den Hinterbeinen. Sarkoide treten für das ungeschulte menschliche Auge in zwei Formen auf. Medizinisch werden bis zu 6 Typen unterschieden. Die erste Form (beinhaltet medizinisch den okulten, den verukösen und fibroplastisches Typ) ist ein flächiges Sarkoid mit trockener, verhornter, warzenartiger Oberfläche und blumenkohlartigem Aussehen. Durch Reibung können Blutungen und damit zusätzlich bakterielle Infektionen entstehen. Die zweite Form (nodulärer Typ) ist ein kompakter, kugeliger Tumor mit meist glatter Oberfläche, direkt unter der Haut liegend. Häufig bilden sich auch Stiele, an denen der Tumor dann baumelt. Wird er abgerissen, entstehen Blutungen und wiederum die Gefahr einer bakteriellen Infektion. Sarkoide wachsen invasiv, d.h. sie verdränden nicht das gesunde Gewebe sondern wachsen hinein und zerstören es dabei. Sarkoide bilden keine Metastasen. Sarkoide sind sehr rezidiv. Werden sie chirugisch entfernt oder als gestielter Tumor vom Pferd abgerissen, wachsen sie in der Regel nach. Es gibt auch Beobachtungen, daß wenn man ein Sarkoid wegoperiert, Sarkoide an anderen Körperstellen verstärkt zu wachsen beginnen.

Grundsätzlich sind Sarkoide ungefährlich und stellen eher einen Schönheitsfehler dar. Sarkoide am Auge können jedoch das Sehvermögen einschränken, große das Gesichtsfeld einengende Sarkoide am Kopf das Pferd irritieren. Sarkoide in Gelenksnähe können zur Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit führen. Sarkoide in der Gurt- und Sattellage sowie im Bereich des Zaumzeuges führen meistens zur Unreitbarkeit. Die größte Gefahr, welche von den Sarkoiden ausgeht, ist die von Sekundärinfektionen durch Bakterien. So haben Sarkoide oft eine blutig-rote Oberfläche, besiedelt mit Eiterkeimen, nässen und bilden Krusten, unter denen die Keime ihr zerstörerisches Werk verbringen. Häufig bildet das Sarkoid dann auch Seitensprosse.

Eine Vorbeugung ist nicht möglich, eine wirkungsvolle Therapie nicht vorhanden. Da man eine gewisse vererbare genetische Disposition für das Equine Sarkoid vermutet, könnte die einzigste Vorbeugung darin bestehen, nicht mit Sarkoid befallenen Pferden insb. Stuten zu züchten. Therapieansätze bestehen in der Entfernung des Sarkoids. Dies kann chirugisch, kyrochirugisch (durch Vereisung z.B. mit flüssigem Stickstoff), thermochirugisch (mittels Überhitzung durch Radiofrequenzstrom) oder mit einem Laser geschehen. Flächige Sarkoide sind dafür schlechter geeignet als stielige. Die starke Rezidivität erfordert aber auch bei letzteren häufig mehrmaliges Entfernen. Werden Sarkoide chirugisch entfernt, kann aus den tumoreigenen Zellen ein individueller Impfstoff (Autovakzine) für das Pferd entwickelt werden, der ein Nachwachsen verhindern oder zumindest verlangsamen soll. Wenn Sarkoide entfernt werden, sollten sie so früh wie möglich entfernt werden. Müssen doch 3-4 cm Gewebe rund um das Sarkoid entfernt werden. Als nicht-chirurgische Verfahren werden die Immuntherapie, die Radio- oder Strahlentherapie und die Chemotherapie genannt. Die Immuntherapie zielt darauf ab, die Immunabwehr des Pferdes für das Sarkoid zu aktivieren. Dies geschieht durch mehrfache Einspritzung einer Lösung aus BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose (Bacillus-Calmette-Guerin) in das Sarkoid. In einigen Fällen sollen damit Rückbildungen des Sarkoids zu erzielen gewesen sein. Bei der Strahlentherapie werden radiaktive Substanzen in das Sarkoid eingebracht, um es zu zerstören (Brachytherapie). Aber auch eine Bestrahlung von außerhalb des Sarkoids z.B. mittels Linearbeschleunigers kommt zum Einsatz (Teletherapie). Aus der humanen chemischen Krebstherapie kommen z.B. Zytostatika und Cisplatinol, welche direkt in das Sarkoid eingespritzt werden und das Zellwachstum hemmen sollen. Neuere Forschungsergebnisse kommen zu dem Ergebnis, daß eine Kombination aus Elektro- und Chemotherapie sehr effektiv ist, da die elektrischen Impulse die Zellmembran für chemotherapeutische Medikamente öffnen und den Medikamenten damit den Weg in die Tumorzellen ebnen sollen. Bei der äußeren Chemotherapie werden ätzende Stoffe und Salben über einen längeren Zeitraum auf das Sarkoid aufgetragen. Die Erfolgsrate gilt als gering, die Gefahr, weiteres Tumorwachstum zu erreichen, eher als groß. Es werden immer wieder weitere Therapien genannt: Das Bestreichen des Sarkoids mit der Milch des Löwenzahns, Thuja innerlich als Globuli und äußerlich als Tinktur oder eine verschreibungspflichtige Salbe zur Behandlung menschlicher Feigwarzen, welche das Sarkoid durch eine künstliche Entzündung angreift. Manche der genannten Therapien helfen im Einzelfall, aber z.T. nicht einmal an den verschiedenen Sarkoiden desselben Pferdes. Viele betroffene Pferdehalter entwicklen aus Erfahrung heraus am Ende noch eine weitere Therapie: Ignoriere die tolerierbaren Sarkoide, lasse alle störenden Sarkoide konservativ chirurgisch entfernen. Alles andere läßt die Sarkoide nur schneller und zahlreicher wachsen. Und für stielige Sorkoide: Jeden Tag drei Umdrehungen nach rechts oder ein Gummi eng um den Stiel legen. Beides unterbricht die Blutzufuhr des Sarkoids, so daß es abstirbt und herunterfällt.

Unser Ofsi war ein Pferd mit Equinen Sarkoid. Fast sein ganzes Leben lang. Schon als er zu uns kam, klebte da an seinem Präputium ein zerklüftetes, feuchtes Gebilde. Als es wegoperiert wurde, lautete das pathologische Ergebnis zwar auf Papillom, bereits bei der zweiten OP hieß es dann Fibrom und ab der dritten OP Equines Sarkoid. Ofsi hatte beide der oben beschriebenen Formen. Zwischen den Oberschenkel quasi in der Pofalte die erstbeschriebene flächige, und an den Innenseiten der Beine und am Präputium die kugelige Form. Ein Sarkoid verirrte sich außen an den Oberschenkel und baumelte dort als zwei Zentimer große Kugel an einem Stiel herum, bis Ofsi sie sich bei Wälzen oder ähnlichem abriß. Nichts destoweniger wuchs das Ding nicht nach. Operiert haben wir nur die Sarkoide, welche so im Schritt plaziert waren, daß sie mehr oder weniger durch die Fortbewegung zerrieben wurden und sich entzündeten. Und wie oben beschrieben, wuchsen sie immer wieder nach. Bei der letzten OP ließen wir dann aus dem entfernten Gewebe eine Autovakzine erstellen, welche Ofsi in mehreren Raten gespritzt wurde und für längere Zeit doch für eine deutliche Beruhigung des Wachstum der Sarkoide sorgte. Ofsi lebte mit dem Sarkoid mindestens 28 Jahre. Am Ende war das Sarkoid dann aber doch Sieger. Es und die mit ihm verbundenen Sekundärinfektionen beschädigten ein Blutgefäß so sehr, daß Ofsi zu verbluten drohte und den höheren Instanzen keine Wahl mehr ließ.

Pferdepocken werden vom Pferdepockenvirus (Vaccinia-Virus aus der Gruppe der Orthropoxviren (OPV)) verursacht. Pferdepocken verlaufen als entzündlich-exsudativer Prozesse in der Epidermis mit der beim Menschen ähnlich bekannten Pockeneruption über Erythem, Papel, Vesikel zur Pustel, die platzen und Krusten bilden kann. Betroffen sind entweder die Fesselbeuge oder die Mundhöhle (Lippen- und Backeninnenseiten, Zunge, Nasenöffnung, Augenlider). Insbesondere bei der zweiten Form sind die Pferde stark beeinträchtigt. Sie verweigern die Nahrung und speicheln stark. Pferdepocken sind auf den Menschen übertragbar und in Deutschland meldepflichtig.

Beim Aural Plaques entstehen vermutlich virusbedingt helle Flecken in den Ohrmuscheln von Pferden, die älter als ein Jahr sind. Die Flecken sind flach bis leicht erhaben und weisen einen Durchmesser von ein bis zwei Millimetern auf. Die Flecken bleiben lebenslang, beeinträchtigen die Pferde aber nicht.

Bakteriell bedingte Hautstörungen

Zu den bakteriell bedingten Hautstörungen gehören die Dermatophilose besser bekannt als Regenekzem, die Follikulitis, die Furunkulose, die Nocardiose und die Botryomykose. Auf eine Darstellung der beiden letztgenannten chronisch verlaufenden Hautkrankheiten wird verzichtet, da sie beim Pferd glücklicherweise nicht sehr häufig auftreten.

Die Dermatophilose oder das Regenekzem wird durch Dermatophilus congolensis, ein grampositives Bakterium verursacht, ist relativ häufig und wird oft mit einer Hautpilzerkrankung verwechselt. Der Erreger ist von Pferd zu Pferd und auf den Menschen übertragbar. Voraussetzungen sind kleine Verletzungen oder durch Feuchtigkeit aufgeweichte Haut. Aus letzterem Grund tritt die Dermatophilose bei Pferden besonders in der regenreichen Zeit im Spätsommer und im Herbst auf, wovon sich die Bezeichnung Regenekzem ableitet. Die Symptome reichen im zeitlichen Verlauf von Quaddeln und kleinen Knötchen, verklebten Haaren, welche sich leicht ausziehen lassen, bis hin zu Krusten, in denen die Haare quasi zu Pinseln zusammengeklebt sind. Werden die Krusten samt Haare entfernt, erscheint die darunterliegende Haut normal bis leicht gerötet. Eiterung ist selten. Juckreiz ist nicht vorhanden. Die Pferde erscheinen nicht beeinträchtigt. Ohne Behandlung heilen die betroffenen Stellen bis zum nächsten Sommer ab, allerdings ist bis dort das Pferd großflächig kahl. Um das zu vermeiden, sollten die Krusten sanft entfernt werden und die befallen Stellen mit entzündungshemmenden und adstringierenden Medikamenten betupft werden. Antibiotika sind im Allgemeinen nicht erforderlich. Wichtig ist das Trockenhalten des Pferdes (Aufstallen bei Regen oder Regendecke).

Die Follikulitis ist eine Entzündung der Haarbälge, hervorgerufen durch runde Bakterien wie Staphylokooken, Streptokoken und Corynebakterien. Die Krankheit zeigt sich am häufigsten im Frühjahr und bevorzugt die Sattel- und Gurtlage, weshalb sie manchmal von dem einen oder anderen Autor auch als Sattelekzem bezeichnet wird, während andere Autoren unter Sattelekzem eine nicht-infektiöse Hautstörung infolge mangelnder Hygiene in der Sattellage verstehen. Aus anfänglich kleinen tastbaren Erhebungen werden kleine Pusteln, die platzen und wässriges Sekret abgegeben. Juckreiz besteht keiner, die betroffenenen Stellen sind aber bei Berührung schmerzempfindlich. Die Behandlung besteht primär darin, die betroffenen Stellen nicht zu reizen, d.h. Anlagen von Sattel und Gurt ist tabu, die Behandlung mit antibiotikahaltigen Salben gleich dreifach verboten (1. dringen sie nicht bis zu den Haarbälgen durch, 2. reizt das Einreiben nur und 3. führen sie zu Resistenzen). Einzig empfohlene Maßnahme: Waschung mit einem Polyvidon-Jod-Shampoo. Normalerweise klingen die Symptome innerhalb weniger Tage ab. Sobald die Stellen wieder ohne Schmerzreaktion berührt werden können, kann das Pferd wieder mit Sattel und Gurt gearbeitet werden.

Es kann in seltenen Fällen vorkommen, daß aus der Follikulitis eine Furunkulose wird, indem sie die Haarbälge zerstört und sich in die tieferen Hautschichten (Dermis und Subkutis) ausbreitet. Kennzeichen sind eingeschmolzenes Gewebe, Krusten und Eiter. Konfluieren mehrere Furunkel, entsteht eine Karbunkel, ein Knoten, der zunächst rötlich über die Haut ragt, dann bläulich und weicher wird und am Ende durch ein rundes Loch durchbricht. Die Follikulitis erfordert eine Behandlung mit Antibiotika über einen Zeitraum von mindestens acht Tagen. Zusätzlich sollten die Stellen mit Polyvidon-Jod-Shampoo gewaschen und mit Polyvidon Jod betupf werden.

Hautpilzinfektionen

Hautpilzinfektionen werden hauptsächlich durch zwei Pilzarten namens Microsporum und Trichophyton ausgelöst. Die von ihnen hervorgerufenen krankhaften Hautveränderungen werden als Dermatophytose oder Dermatomykose, der Befall mit Microsporum als Mikrosporie und der Befall mit Trichophyton als Trichophytie bezeichnet. Umgangssprachlich findet man häufig auch die Bezeichnung Flechte. Hautpilzinfektionen können mit und ohne direkten Kontakt mit bereits befallenen Pferden auftreten, da die Sporen der Hautpilze in der Umgebung des Pferdes bei Trockenheit und niedrigen Temperaturen Monate bis Jahre überleben können. Hautpilzinfektionen sind aber leicht von Pferd zu Pferd zu übertragen. Auch die indirekte Übertragung durch den Menschen oder das Putz- und Lederzeug ist möglich. Der reine Kontakt mit dem Pilz löst aber im Allgemeinen noch keine Hautveränderungen aus. Pferde können Pilze wochenlang spazieren tragen, ohne daß etwas passiert. Hinzu kommt im Allgemeinen eine verschlechterte körpereigene Abwehr durch Stress hervorgerufen durch lange Transporte, Stallwechsel, Klinikaufenthalte, hohe Pferdedichte, häufiger Besatzwechsel sowie Leistungsdruck oder durch alle Arten von im Körper stattfindenden Infektionen. Auch Wurmbefall und Impfungen werden hier angeführt. Ferner können feucht-warmes Klima, verschwitztes Fell, kleine Hautverletzungen, oder mangelhafte Zusammensetzung der Futterration (Vitaminmangel) den Hautpilz begünstigen.

Hautpilzinfektionen ausgelöst durch Trichophyton sind am häufigsten. Sie treten bevorzugt in den Wintermonaten und bei jungen Pferden auf. Befallen werden können alle Stellen am Pferde abgesehen vom Schopf und von den Füssen ab Karpal- bzw. Sprunggelenk abwärts. Zu Beginn der Infektion sind kaum sichtbare, aber tastbare ca. centstückgroße Schwellungen auszumachen. An diesen Stellen sträuben sich dann in den folgenden Tagen die Haare und es entstehen weiche gräuliche Beläge. Die Haare lassen sich samt den Belägen leicht in ganzen Büscheln herausziehen, so daß kahle rundliche Stellen entstehen. Unbehandelt können diese Stellen großflächig zusammenwachsen. In der Mitte dieser Flächen beginnen die Haare wieder zu wachsen, während sie an den Rändern weiter ausfallen, so daß in gewisser Weise Ringe auf dem Pferd entstehen. Möglicherweise leitet sich davon auch der Ausdruck Ringflechte ab, den man manchmal findet. Juckreiz tritt im Allgemeinen nicht auf.

Durch Mikrosporenarten ausgelöste Hautpilzinfektionen verlaufen sehr ähnlich. Anfangs kleine knotige Schwellungen, die allerdings Juckreiz verursachen können. Dann brechen die Haare kurz über der Hautoberfläche ab, so daß einzelnen, meist runde schuppende oder haarlose Stellen entstehen. Die Haare lassen sich wie bei der Trichophytie am Rande dieser Stellen leicht herausziehen. Unter Umständen können trockene, dicke und krustige Schuppen entstehen.

Befallene Pferde sollten wegen der Ansteckungsgefahr isoliert werden, aber nicht in der dunklen Box sondern nach Möglichkeit draußen auf der Koppel, da Pilze offensichtlich kein Sonnenlicht mögen. Mögliche Kontaktgegenstände (Putzzeug, Satteldecke, Reithose, Reitstiefel, Sporen) sollten desinfiziert werden. Die klassische Standardbehandlung für das Pferd besteht im Abschwaschen mit Antimykotika, speziellen Präparaten gegen Pilze, welche im Wasser gelöst werden (z.B. Imaverol mit dem Wirkstoff Enilconazol). Die Waschungen sind mehrmals im Abstand von etwa drei Tagen zu wiederholen. Nach Möglichkeit sollte insbesondere bei der ersten Waschung das gesamte Pferd gewaschen werden, ansonsten besteht die Gefahr, daß befallene Bereiche übersehen werden. Die Behandlung ist zeitaufwendig, gerade im Winter problematisch, und auch vom Ergebnis nur zufriedenstellend, wenn nur wenige begrenzte Stellen betroffen sind. Zu beachten ist auch, daß die für als Schlachttiere registrierte Pferde zugelassenen Mittel nur eine mittlere Wirksamkeit aufweisen. Als Alternative bietet sich deshalb die Impfung gegen den Hautpilz an, die nicht nur als Vorsorge sondern im Allgemeinen auch gefahrlos und mit voller Wirkung bei bereits befallenen Pferden durchgeführt werden kann, da sie zu einer sofortigen Stimulation der Immunreaktion des Körpers gegen die Hautpilze führt. Circa 4 Wochen nach der ersten Impfung tritt hierbei die Abheilung ein. Zwei Impfstoffe sind am Markt: Der Lebendimpfstoff Hippo-Trichon wirkt nur gegen den Hautpilz Trichophyton equinum, der inaktivierte Impfstoff Insol Dermatophyton wirkt gegen vier Mikrosporenarten und vier Trichophytonarten und deckt somit das Erregerspektrum deutlich besser ab. Bei der Impfung wird ca. 0,5 ml des Impstoffes im Abstand von zwei Wochen intramuskulär gespritzt. Als Prophylaxe muß diese Impfung regelmäßig alle 9 bis 12 Monate (hier widersprechen sich leider die Quellen, die Mehrzahl spricht von jährlich) wiederholt werden. Geimpft werden sollen nur gesunde Tiere. Vor und nach der Impfung sind Stresssituationen zu vermeiden. Andere Impfungen sollen nicht parallel durchgeführt werden. Bezüglich der Wirksamkeit und den Nebenwirkungen gibt es aber auch zurückhaltende Ausagen wie "Geimpfte Pferde erkranken in der Regel schwächer als nichtgeimpfte. Daß sie pilzfrei bleiben, ist nicht garantiert." In derselben Quelle (Pegasus - freizeit im sattel, Dez. 2008, S. 48) heißt es ferner, daß Schwellungen und andere (nicht genannte Komplikationen) nicht selten seien. Ergänzend sei genannt, daß die Phythotherapie Seifenkraut und Quillaja (Seifenrindenbaum) eine pilzreduzierende Wirkung zuschreibt.

Weitere Hautpilzinfektionen sind die Candidiasis, die vorwiegend bei Fohlen nach chronischen Durchfällen auftritt, die Sporotrichose, welche Hautveränderungen in Form centgroßer Knötchen hervorruft, und die aggressive Phykomykose, welche auch das Hufhorn befallen kann.

Hautstörungen durch Parasiten

Hautstörungen können durch Parasiten hervorgerufen werden, welche auf der Haut (Ektoparasiten) oder im Körperinneren (Endoparasiten) leben (Parasitose). Zu den Ektoparasiten gehören Läuse, Haarlinge, Lausfliegen, Zecken und Milben, aber auch Fliegen und Bremsen werden manchmal dazugerechnet. Letztere werden häufig aber als Auslöser immunvermittelter oder allergischer Hautstörungen wie z.B. dem Sommerekzem behandelt. Flöhe werden höchstens als selten erwähnt.

Ektoparasiten

Läuse und Haarlinge kommen entgegen einschlägiger Behauptung auch bei guter Hygiene vor. Betroffen sind vornehmlich Fohlen in der Winterzeit und alte Pferde in der Fellwechselzeit. Läuse sind Blutsauger. Sowohl der damit einhergehende Blutentzug als auch die von den Läusen ausgehende Beunruhigung der Pferde durch den Juckreiz, der von den Stichen, den in die Stichwunde abgegebenen Speichel und die Bewegung der Läuse im Fell herrührt und zu heftigem Schrubben an scharfen Kanten und damit Haarveränderungen und Haarausfall führt, können die befallenen Pferde erheblich schwächen.

Die Diagnose gestaltet sich insoweit einfach, weil die bis zu 3,5 mm langen, dunklen Pferdeläuse mit typisch spitzem Kopf- und breitem Brustteil und die etwa 1mm großen Eier, welche fest an die Haare geklebt sind (Nissen) mit dem bloßen Auge zu identifizieren sind. Betroffenen sind vornehmlich Kopf, Mähne und Schweifansatz, aber generell können Läuse an jeder Stelle vorkommen. Die Behandlung erfolgt durch spezielle Shampoos mit Kontaktinsektiziden, welche über den Tierarzt bezogen werden können. Sie muß nach 8-10 Tagen wiederholt werden, weil zwischenzeitlich die Larven aus den Eiern ausgeschlüpft sind, welche bei der Waschung nicht abgetötet werden. Idealerweise sollte der ganze Bestand behandelt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Zu beachten ist auch, daß Läuse ohne Wirtskörper bis zu einer Woche überleben können und so auch ohne weiteres mit Putzzeug und Sattelzeug übertragen werden können. Als Alternative zu chemischen Kontaktinsektiziden kann man es auch mit einem bioziden Tierwaschmittel mit natürlichem Pyrethrumextrakt wie z.B. MilbiZid von Dr. Schaette versuchen.

Manchmal wird die Gabe von Schwefeltabletten erwähnt, weil der über die Haut wieder ausgeschiedene Schwefel von den Läusen als unangenehm empfunden werden soll und sie daher vertreiben soll.

Haarlinge leben im Haarkleid bevorzugt im Schopf und der Mähne der Pferde und ernähren sich von Hautschuppen, Absonderungen der Hautdrüsen und Haarteilen. Kennzeichnend für einen Haarlingsbefall sind wie bei den Läusen Juckreiz und ein verändertes Haarkleid, das dünnere Stellen aufweist und rauh und struppig wirkt. Allerdings sind diese Erscheinungen oft erst bei stärkerem Haarlingsbefall beobachtbar. Die 1,5 - 2 mm großen, meist hell gefärbten Haarlinge sind mit bloßem Auge erkennbar. Typisch ist ihre lebhafte Bewegung. Unter der Lupe unterscheiden sie sich von den Läusen durch den breiten Kopf und das schmale Brustteil. Wenn man genau hinschaut sind auch die ca. 1 mm großen hellbraunen Eier zu finden, welche an die Haare geklebt werden. Die Behandlung entspricht weitgehend der der Läuse.

Der Vollständigkeit halber sollen noch die Lausfliegen erwähnt werden, obwohl uns keine Fälle bekannt sind. Lausfliegen sind knapp zentimetergroße, dunkelbraune, flache blutsaugende Parasiten, die bevorzugt auf dem hinteren Bereich (Kruppe, Oberschenkelinnenflächen, Euter, After und Vulva) des Pferde vorzufinden sind. Lausfliegen führen aufgrund offensichtlicher großer Schmerzhaftigkeit beim Blutsaugen zu sehr unruhigen bis unkontrollierten Bewegungen des Pferdes. Einzelne Exemplare können aufgrund ihrer Größe eingesammelt werden, ansonsten helfen Kontaktinsektizide.

Zecken oder Holzböcke (Xodes ricinus) sind blutsaugende Spinnentiere (acht Beine), welche in der warmen Jahreszeit auf der Weide und der freien Landschaft beim Ausritt vorzufinden sind. Sie leben im Gras, in Sträuchern und Büschen. Nur zum Blutsaugen suchen sie sich u.a. auch das Pferd aus. Nach getaner Blutmahlzeit lösen sie wieder ihren Biß und lassen sich abfallen. Pferde sollten regelmäßig auf Zecken untersucht werden. Gefundene Zecken sind wegen der im Speichel der Zecken vorzufindenen Krankheitserreger (Borrelien, Rickettsien), welche zu schweren Krankheiten wie Borreliose und Ehrlicherose führen können, sofort zu entfernen. Die Entfernung geschieht am besten mit einer speziellen Zeckenzange oder -pinzette. Nach Möglichkeit sollte die Zecke vollständig mit Kopf und Mundwerkzeugen entfernt werden. Verbleibende Reste können ansonsten zu Hautentzündungen führen. Ein Betupfen der Zecken mit Öl oder Klebstoff sollte tunlichst unterbleiben, da die Tiere ansonsten im Todeskampf besondern viel Speichel absondern. Manche Pferde reagieren auf Zeckenbisse sehr allergisch. Die Umgebung der Bißschwelle schwillt dann erheblich an und kann hart werden. Betroffene Pferdehalter sollten als Erste Hilfe Maßnahme homöopathische Mittel wie Ledum oder Apis (nie zeitgleich verabreichen) in der Stallapotheke parat haben.

In und auf der Haut lebende Milben sind die Verursacher der Räude. Milben können in kleinere Anzahl vorhanden sein, ohne daß klinische Erscheinungen zu beobachten sind. Erst bei massenhafter Vermehrung kommt es zu dem als Räude bezeichneten Krankheitsbild. Man unterscheidet Grab-, Saug- und schuppenfressende Milben: Sarkoptesmilbe (Sarcoptes equi), Psoroptesmilbe (Psoroptes equi) und Chorioptesmilbe (Chorioptes equi). Grabmilben leben in Bohrgängen in tieferen Hautschichten. Der Befall beginnt meistens am Kopf und kann sich innerhalb 4-6 Wochen über den ganzen Körper ausbreiten. Nur die unteren Gliedmaßenabschnitte bleiben in der Regel unbefallen. Kennzeichnend sind Bläschen, Schuppen, Krusten und Borken. Nach starkem Haarausfall zeitgt sich die Haut derb und faltig, mit grauweißen, schuppigen Belägen. Es besteht unübersehbarer Juckreiz, der so stark werden kann, daß die Pferde vor lauter Scheuern und Benagen die Futteraufnahme reduzieren und abmagern. (Krätze, Krätzräude). Saugmilben leben auf der Haut und verstecken sich unter den Borken, die ihre Anwesenheit verursacht. Sie leben von Blut und Gewebesaft. Saugmilben bevorzugen durch Langhaar und dichtes Deckfell geschützte Körperteile. Der Befall beginnt deshalb meistens in Mähne, Schopf und Schweifansatz. Die Ausbreitung über den Körper verläuft wesentlich langsamer als bei der Grabmilbe. Dadurch entstehen herdartige, stark borkige, haarlose Hautstellen, die deutlich voneinander abgegrenzt sind. Die schuppenfressende Milbe führt zur Fußräude. Der Name leitet sich davon ab, daß vorwiegend die Fesselbeuge von insbesondere Pferden mit ausgeprägtem Kötenbehang befallen wird. Die schuppenfressende Milbe ist allerdings nur ein möglicher Auslösefaktor der auch als Mauke bezeichneten Hautstörung. Die Milben können sich aber auch über die Beine aufsteigend bis zum Rumpf ausbreiten. Anfängliche Symptome sind Schuppenbildung und Rötung, spätere Symptome nässende Haut und schmieriges oder krustiges Ekzem. Die Haare lassen sich in Büscheln samt etwas Haut abziehen. Der Juckreiz ist groß. Bei langanhaltender Hautreizung können warzenartige Hautverdickungen entstehen. Unerwähnt bleiben häufig Milben anderer Tierarten, welche aber auch Pferde befallen können, wie z.B. die Rote Vogelmilbe, welche durch Blutsaugen und allergische Reaktionen auf Speichel und Kot bei Pferden zu Juckreiz und Fellausfall führen können. Direkt nachweisbar ist die Rote Vogelmilbe selten, da sie sich nur nachts zum Blutsaugen auf dem Pferd aufhält und sich über Tag irgendwo in Stallritzen aufhält. Wer also Hühner bei seinen Pferden hält, sollte bei unerklärlichen Hautveränderungen die Rote Vogelmilbe als mögliche Ursache nie außer Acht lassen.

Die Räude ist bei Pferden glücklicherweise heute selten geworden. Der Nachweis erfolgt bei allen drei Milbenarten durch Biopsie. Dabei ist zu beachten, daß die Biopsie möglichst unter stressfreien Umständen erfolgen soll, weil Milben sich bei Vorhandensein von Stresshormonen tiefer in die Haut bohren. Die Behandlung gestaltet sich insoweit schwierig, als Milben wie die Zecken achtbeinige Spinnentiere sind und auf für sechsbeinige Insekten gedachte Insektiziden nicht ansprechen. Schuppenfressende Milben können mit auftragbaren Akariziden behandelt werden, weil sie ja mehr auf der Oberfäche der Haut als in ihr leben. Bei stärkerem Auftreten und bei den anderen Arten muß auf gegen Milben wirkende Injektionspräparate zurückgegriffen werden, die es wegen der geringen Auftretenswahrscheinlichkeit der Räude bei Pferden allerdings nur für Rinder und Schafe gibt. Der darin enthaltene Wirkstoff heißt Moxidectin.

Eine spezielle Art von Milben sind Haarbalgmilben (Demodes equi), welche tiefe Hautstellen an Kopf, Hals, Schulter, Brust und Flanken befallen und sich in den Haarbälgen festsetzen. Eine andere Desmodesart (Demodes caballi) besiedelt die Drüsen der Augenlider.

Stechende Fliegen (z.B. der Wadenstecher) und Bremsen beunruhigen Pferde durch Anflug und Einstich. An den Einstichstellen kann sich die Haut entzünden. Zudem besteht wie bei allen blutsaugenden Insekten die Gefahr der Übertragung von Krankheiten. So stehen z.B. Wadenstecher und Bremsen im Verdacht die Equine infektiöse Anämie (EIA) zu übertragen. Entstehen durch den Einstich von z.B. einer Bremse Knoten oder Quaddeln, kann dies wegen der Reibung im Bereich der Sattellage zu langwierigen Hautveränderungen kommen. Hier hilft sofortige Kühlung und antihistaminhaltige Einreibelotionen. Auch sind Fälle nicht selten, wo Pferde auf die im Speichel vorhandelnen Antikoagulantien (Blutgerinnungshemmer) allergisch reagieren. Man denke nur an das Sommerekzem.

Leckende Fliegen ernähren sich von Schweiß und sonstigen Absonderungen z.B. aus Wunden und erzeugen insoweit nur Unruhe, weil die Pferde ständig mit der Haut zucken, den Kopf schütteln oder mit dem ganzen Kopf rumfahren, mit dem Fuß hochschlagen etc. Leckende Fliegen am Auge führen oft zu kräftig rot gefärbten und geschwollenen Bindehäuten (Bindehautentzündung, Konjunktivitis).

Den Pferden die Fliegen/Bremsen (im folgenden wird der Einfachheithalber nur noch verkürzt von Fliegen gesprochen) vom Leibe zu halten, ist nicht ganz einfach, aber man kann es den Pferden wenigstens leichter machter, wenn man ein paar Dinge vorbeugend beachtet:

Reduktion des Fliegendruckes:

Fliegen brauchen zum Leben und zur Entwicklung Feuchtigkeit. Daraus folgt:

  • feuchte (Staunässe) Weiden vermeiden
  • Weiden an stehenden oder fließenden Gewässer vermeiden
  • Auslauf/Weide trocken halten (keine Regenpfützen, keine Urinflecken)
  • Pferdeäpfel absammeln
  • Misthaufen möglichst weit von den Pferden entfernt halten
  • Misthaufen ordentlich stapeln, daß er gut und schnell durchrotet
  • nässende Wunden abdecken
  • tränende Augen verhindern (Fliegenhaube!)

Fliegen mögen keinen Wind. Daraus folgt:

  • Weiden in Senken, Mulden vermeiden (Windstille!)
  • Stall gut belüften, aber keinen Durchzug
  • Bäume pflanzen (erzeugen Luftbewegung wegen der aufsteigenden Wärme!)

Fliegen sind tagaktiv einschließlich und je nach Art insb. in den Dämmerungszeiten. Daraus folgt:

  • kein Weidegang während der Dämmerungszeiten, insb. nur nächtlicher Weidegang

Fliegen lassen sich vollentwickelt aber auch im Ei- und Larvenstadium bekämpfen:

  • abtötenden Anstriche im Stall/Weidehütte (Gebrauchsanweisung genau beachten!)
  • Aufhängen von Fliegenbändern
  • Anbringen von UV-Lampen
  • Aufstellen von speziellen Bremsenfallen

Schutz des Pferdes vor Fliegen:

  • Bäume im Auslauf/Weide gewähren Schatten und verursachten durch das Blattspiel infolge aufteigender Wärme eine leichte Brise
  • schattige Weidehütte mit Streifenvorhang am Eingang
  • mechanischer Fliegenschutz: Fliegendecken mit/ohne Bauchlatz, Halsteil, (atmungsaktiv, waschmaschinenfest, UV-beständig) Fliegenhauben (mit/ohne Ohrenschutz)
  • biologischer Fliegenschutz: innerlich: Knoblauch (das enthaltene Alliin zersetzt sich über Allicin zu stinkenden Schwefelverbindungen, welche über die Haut ausgeschieden werden), Schwefeltabletten füttern, Obstessig ins Trinkwasser zugeben; außerlich: Nelkenöl, Lavendelöl, Teabaumöl, Melkfett, Abwaschungen mit Essigwasser, Ballistolöl, AE-Emulsion, kein Johanniskrautöl (reduziert den UV-Schutz der Haut!!!)
  • Fliegenrepellents (Fliegenspray, -tücher, -roller, -halsband) einsetzen

Das Problem des biologischen Fliegenschutzes und der Fliegenrepellents besteht darin, dass der von ihnen ausgehende, die Fliegen abschreckende Geruch sich mit dem individuellen Geruch des Pferdes zu einem neuen Geruch verbindet, der Fliegen überhaupt nicht mehr abschreckt. Zwei Pferde mit demselben Mittel behandelt auf derselben Weide nebeneinander können deshalb eine völlig unterschiedliche Reaktion auf Fliegen zeigen. Hier hilft nur ein Ausprobieren aller Mittel nacheinander. Sofern die Wirkung des Fliegenschutzes (Öle, Fette) auf dem Verkleben der Flügel der Fliegen beruht, so hält dieser Effekt nicht sehr lange vor, da Öle und Fette in die Haut einziehen.

Stärkung der Widerstandskraft des Pferdes gegen Fliegen:

  • stimmige Futter-Bewegungsbilanz
  • Stärkung der Haut: Kieselsäurepräparate, Kräutermischungen, omegafettsäurereiche Öle

Behandlung:

  • Penatenöl, Calendulasalbe, Cardiaspermumsalbe, Lebertranssalbe, Melkfett (Vorbeuge+Behandlung)
  • juckreizstillende Mittel
  • Antihistaminhaltige Lotion in der Stallapotheke bereit halten

Special Stichlinge

Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln sind zwar keine Parasiten, stechen aber auch zu, wenn man sie reizt und lockt, sei es daß man ihrem Nest zunahekommt oder sie unbewußt drückt. Das gilt auch für Pferde, die einem hängenden Nest im Stall, einem Nest im Baumstamm bei Ausritt oder beim Weidegang einem Erdnest zunahekommen können. Beim Stich wird über einen Stachel ein Gift eingespritzt, dessen Eiweißbestandteile das Gewebe schädigen. Es wird Histamin freigesetzt, das die Haut erröten, entzünden, anschwellen und jucken läßt. Außerdem verdünnt das Histamin das Blut. Bei sehr zahlreichen Stichen kann das Blut derart verdünnt werden, daß es durch die Blutgefäße in die Unterhaut einsickert. Das Pferd kann Lähmungenserscheinungen, Schwellungen, Schweratmigkeit oder Herzrasen bekommem. Problematisch kann es bereits bei einem einzigen Stich werden, wenn ein Pferd auf die im Gift enthaltenen Eiweißstoffe allergisch reagiert. Dicke Quaddeln, extreme Hautauschläge, Kreislaufprobleme, Muskelzittern, Herzrasen und Atemnot können Anzeichen einer Allergie nach einem Stich sein. Sörli war der einzigste von uns, der jemals auf einen Stich allergisch reagiert hat. Mitten im Hochsommer stand er apathisch auf der Stelle und zitterte am ganzen Körper, als ob man ihn nach Stunden aus dem Eiswasser geholt hätte. Die Unterlippe war dick verschwollen und bretthart, offensichtlich die Einstichsstelle.

Am gefährlichsten sind für Pferde Honigbienen. Offensichtlich macht der Duft von Pferden Honigbienen besonders aggressiv. Wird der Boden durch Trab oder Galopp in der Nähe eines Bienenstocks erschüttert, stürzen sie sich im Schwarm auf den dunklen, bewegten Körper um ihn durch Stich zu vertreiben. Dazu kommen noch zwei Faktoren: Honigbienen haben das stärkste Gift aller Stichlinge. Ab etwa 1000 Stichen wird es auch für ein nicht allergisch reagierendes Pferd kritisch. Und Bienenvölker können aus bis zu 40000 Arbeiterinnen bestehen. Wespen- und Hornissenpopulationen kommen nicht einmal in die Nähe von 1000. Die allgemein bestehende Angst vor der Hornisse ("Sieben Stiche töten ein Pferd und drei einen Menschen.") ist wohl mehr in ihrer Größe und in der Schmerzhaftigkeit ihres Stiches begründet. Hornissenstiche sind sehr schmerzhaft, weil das Hornissengift den Botenstoff Acethylcholin enthält, welcher Nervenbahnen bis zum Schmerz reizt. Das Gift von Hornissen ist jedoch das am wenigsten giftige. Fast ebenso schmerzhaft wirkt das giftigere Wespengift. Hummeln sind die friedlichsten Stichlinge. Sie stechen nur wenn sie versehentlich gequetscht werden. Wir haben jedes Jahr ein paar Prachtexemplare im Stall wohnen. Hummeln und Pferde gehen sich friedlich aus dem Weg, die Pferde reagieren auch in keiner Weise auf das Brummen. Ausnahme Hvinur: Er hat immer versucht, sie mit dem Maul zu fangen. Das hat er glücklicherweise nie geschafft. Im Gegensatz zu den Bremsen, die hat er aus der Luft gefangen und abgeschluckt, um sie loszuwerden.

Was kann man tun, wenn ein Pferd gestochen wurde? Bei wenigen Stichen beobachten, ob Erscheinungen auftreten, welche auf eine allergische Reaktion hindeuten. Wenn die Einstichstellen lokalisierbar sind, sollte man versuchen, den Stachel mit einer Pinzette zu entfernen. Nicht mit den Fingern, welche die Giftblase, welche am Stachel sitzt, noch ausdrücken könnten, so daß noch mehr Gift in die Haut gelangt. Die gebildete Schwellung sollte dann mit Wasser, Essigwasser oder essigsaurer Tonerde gekühlt werden. Die Kühlung zieht die Blutgefäße zusammen, so daß sich das Gift nicht so schnell verteilt. Ob beim Pferd das menschliche Hausmittel einer halben Zwiebel auf den Stich gelegt wirkt, haben wir nie ausprobiert. Aber da dürfte wohl das Fell im Wege stehen. Zeigt ein Pferd die oben beschriebenen Reaktionen bei zahlreichen Stichen oder allergische Reaktionen, ist der Tierarzt zu verständigen, der mit Kortison, Adrenalin und/oder einem Antihistamikum aktiv wird.

Vorbeugend sind Bienenvölker im Schritt mit mindestens 10 Meter Abstand zu umreiten, möglichst noch auf der dem Anflugloch abgelegenen Seite und nie zwischen Sonneneinfall und Anflugloch. Stichlinge sehen schlecht, aber sie reagieren auf Hell-Dunkel-Unterschiede. Erdlöcher von Wespen auf der Weide sollte man auskoppeln, ebenso von Hornissen bewohnte alte hohle Baumstämme. Generell gilt daß die genannten Stichlinge per Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind und nicht ohne Grund getötet werden dürfen. Letzteres nur, wenn von den Stichlingen eine Gefahr ausgeht. Dann dürfen Feuerwehr und Fachbetriebe die Gefahr beseitigen. Es gibt aber auch Beauftragte, welche in der Lage sind, Völker einzufangen und umzusetzen. Heißen bei uns Hornissenfach-Berater und sind ehrenamtlich im Auftrag des Regierungspräsidiums unterwegs.

Endoparasiten

Zu den Endoparasiten zählen alle im Körperinneren lebenden Parasiten in Form von Würmern oder Larven. Bei Juckreiz an der Schweifrübe ist immer an im Darm parasitierenden Würmern des Pferdes als mögliche Ursache zu denken. Hauptverursacher ist der Pfriemenschwanz (Oxyris equi), der seine Eier beidseits des Afters als Schnüre sichtbar auf die Haut ablegt. Die Wanderung der weiblichen Pfriemenschwänze zur meist nächtlichen Eiablage führt zu starkem Juckreiz für das Pferd, das sich so heftig scheuert, daß haarlose Stellen an der Schweifrübe entstehen (sog. Rattenschwanz). Ferner besteht die Gefahr von Hautverletzungen und damit von Sekundärinfektionen in der Analgegend. Die Diagnose erfolgt augenscheinlich durch die erkennbaren Eierschnüre bzw. durch mikroskopische Untersuchung eines Analabstriches. Die Behandlung erfolgt am bestens vorsorglich durch regelmäßige Wurmkuren und Einhaltung der Stallhygiene.

In der Haut lebende Würmer sind meistens Würmer aus der Familie der Rundwürmer (Nematoden). Ein weniger häufiger Vertreter (Parafilarien) verursacht die Parafilariose, besser bekannt als Sommerräude oder Sommerbluten. Sie führt zu Hautveränderungen an Mähnenkamm, Rücken- und Schulterpartie, Kruppe, Schweifrübe und Bauchnaht. Der Wurm lebt im Unterhautbindegewebe und löst Blutungen in der Haut aus, welche an die Hautoberfläche durchdringen. Im ausgetretenen Blut oder per Biopsie kann der Wurm identifiziert werden.

Weniger selten ist ein Rundwurm namens Habronema muscae zu Gange. Manchmal wird auch Habronema majus als eine zweite Art angeführt. Die erwachsenen geschlechtsreifen Würmer leben im Magen des Pferdes, weshalb der Wurm auch auf Deutsch Magenwurm heißt, und führen zu chronischen Magenentzündungen mit starker Schleimbildung, Blutungen und Magengeschwüren (Magenhabronematose). Treffen die bereits meist im Darm geschlüpfen Larven des Magenwurms auf den Kothaufen mit Maden verschiedener Fliegenarten wie z.B. Stomoxys calcitrans oder Musca domestica zusammen, werden diese von den Fliegenmaden (Zwischenwirt) aufgenommen und von der entwickelten Fliege wieder auf das Pferd übertragen. Dies geschieht über den Saugrüssel der Fliege, wenn derselbe an feuchten Stellen am Pferd in Aktion tritt. Dies ist normerweise in der Umgebung des Mauls der Fall. Larven finden man deshalb am Pferd in den Schleimhäuten des Mauls und der Nüstern. Aus den ersteren gelangen sie quasi bestimmungsgemäß in den Magen, wo der Kreislauf sich schließt. Sie können aber auch in die Lunge gelangen, wo sie die Bildung von bis zu haselnußgroße Knoten verursachen können. Feuchtigkeit finden die Fliegen aber auch am Auge und in Form von Wundsekret in allen Verletzungen. Am Auge können die Larven zu Bindehautentzündungen und Hornhautreizungen führen. Werden die Larven in Wunden abgelegt, führen sie zu starkem Juckreiz und stark granulierenden, schlecht heilenden Wunden mit graugelben Knötchen (Hauthabronematose). Bevorzugt werden Kopf, Rücken, Leisten sowie die unteren Bereiche der Beine. Die Erscheinungen zeigen sich nur während der Sommermonate, da die Larven zum Herbst hin absterben und die Wunden dann wie von selbst aber mit Narbenbildung verheilen, was auch die Bezeichnung Sommerwunden für diese Hautstörung erklärt. Die Behandlung der Hauthabronematose ist nur über den Einsatz larvizid wirkender Medikamente möglich. Sekundär ist eine korrekte Wundbehandlung erforderlich. Vorsorglich helfen nur eine Bekämpfung der Magenwürmer mit geeigneten Wurmmitteln und eine systematische Fliegenbekämpfung.

Neben den genannten Habronema-Arten soll auch der Rollschwanz Draschia megastoma in anloger Weise zu Sommerwunden führen.

Ebenfalls von Würmer verursacht wird eine seltenere Hautstörung, die viele Namen hat: Kutane Onchozerkose, Onchocercariose, Mikrofilariose. Verursacher ist ein Fadenwurm (Filiarien) aus der Familie der Rundwurmer names Onchocerca, auf deutsch Onchozerken oder Mikrofilarien (Larven des Fadenwurms), der von Culicoides nubeculosus (Gnitze, Kriebelmücke) als Zwischenwirt durch Stich übertragen wird, einer Mücke, die auch das Sommerekzem verursacht. Die Würmer der Art O. cervicalis leben und paaren sich im Nackenband des Pferdes in glasig aussehenden oder durchscheinenden Streifen. Das Nackenband verfärbt sich grünlich und stirbt ab. Aus dem absterbenden Gewebe können waßnußgroße Knoten entstehen, die verkalken und zu Druckschäden führen können, als deren Folge wiederum Ödeme, Geschwüre oder Fisteln entstehen können, in deren Sekret die Würmer auch nachweisbar sind. Über den Blut- und Lymphkreislauf wandern die Larven (Mikrofilarien) in die Unterhaut der Nabelregion und der Flanken des Pferdes, aber auch in die Augen, möglichst in die Nähe von Schweißdrüsen. Hier werden sie von der Kriebelmücke beim Blutsaugen aufgenommen, als Zwischenwirt bis zur Entwicklung einer infektionsfähigen Larve beherbergt und dann beim nächsten Stich wieder auf das Pferd zurückübertragen. Starker Befall mit Larven in den Augen führt zur Erblindung des Pferdes. Möglicherweise bestehen auch bislang nicht bewiesene Zusammenhänge zwischen den Larven und der periodischen Augenentzündung.

Die Würmer der Art O. reticula leben in den oberen Gleichbeinbändern. Sie führen zu sehr schmerzhaften Knoten, die eine lang andauernde Stützbeinlahmheit zur Folge hat.

Die Magenfliege Gastrophilus inermis ("Backenbremse") - nicht zu verwechseln mit der Gastrophilus intestinalis, besser bekannt als (Magen-)Dasselfliege, welche zwar großen Schaden am Pferd bewirken kann, aber keine Hautstörungen - oder exakter gesprochen ihre Larven führt zum sog. Streifensommerekzem. G. inermis legt ihre Eier an den Backen an den Haargrund. Die aus ihnen schlüpfenden Larven bohren sich am Maulwinkel in die Haut und kriechen unter der Epidermis entlang in Richtung Schlundkopf. Dabei saugen sie Blut. Durch die mechanische Reizung und durch die für das Pferd giftig wirkende Stoffwechselprodukte kommt es zu einer Entzündung, die zur Folge hat, daß über den Kriechgängen haarlose Streifen entstehen. Im Schlundkopf angekommen lassen sich die Larven abschlucken und entwickelen sich im Pferdemagen weiter, bis sie hoffentlich von der entsprechenden Wurmkur abgetötet werden. Wenn die Larven im Herbst die äußere Haut verlassen haben, verschwinden die Streifen auf der Haut wieder.

Gelegentlich verirren sich auch Hautdasselfliegen auf Pferde. Hautdasselfliegen gehören zur Familie der Ostridae Unterfamilie Hypoderminae. 64 Arten sind weltweit bekannt, 11 davon finden sich auch in Deutschland. Hautdasselfliegen haben an und für sich eine hohe Wirtsspezifität. So gibt es z.B. Arten, welche nur Rinder befallen, andere nur Rotwild, eine andere Art nur Rentiere, in Südamerika eine Art, welche sich auf den Menschen spezialisiert hat. Die beiden Rinderarten Hypoderma bovis (Große Dasselfliege) und Hypoderma lineatum (Kleine Dasselfliege) können aber auch beim Pferd eine sog. Hypodermose hervorrufen, eine spezifische Form des Fliegenmadenbefalls (Myiasis), bei der die Larven (Fliegenmaden) vor allem im Rückenbereich in der Unterhaut (hypodermal) oder in der Oberhaut (dermal) monatelang parasitieren. Überwiegend tritt in unseren Bereichen die kleine Dasselfliege auf. Dasselfliegen sind mittelgroße bis große Fliegen, die wegen des Haarpelzes wie kleine Hummeln aussehen, aber als echte Fliege nur mit einem Paar Flügeln versehen sind. Hautdasselfliegen legen ihre Eier in der Zeit von Mai bis September bevorzugt an den Extremitäten der Pferde ab. Die große Dassel tut dies mit lautem Fluggeräusch, was bereits zu Unruhe bei den Pferden führen kann. Die aus ihren Eiern schlüpfenden Larven dringen mit Hilfe eines ätzenden Fermentes und ihren kleinen scharfen Mundwerkzeugen durch die Haut in den Körper ein und wandern bis Ende November an ihre Prädilektionsstelle im Epiduralfett des Spinalkanals, was zu vorübergehenden Lähmungserscheinungen (sog. Dassellähmung) führen kann. Die kleine Dasselfliege nähert sich unbemerkt lautlos und häufig per Fuß. Ihre Larven werden von den Pferden abgeleckt und gelangen über das Maul an ihre Prädilektionsstelle in der Muskulatur der Speiseröhre. Sie können sich aber auch in die Lunge verirren, was zu Lungenfell- und Lungenentzündungen führen kann. Nach mehrmonatiger Ruhezeit wandern die Larven der Großen Dassel dann im Frühling des darauffolgenden Jahres entlang der peripheren Nervenbahnen in Richtung Rückenlage der Pferde. Entsprechend dem Wanderweg der Larven kann man grüngelbliche, fibrinös-gallertige Exsudatmassen sowie subcutis eitrig-nekrotisierende Prozesse finden. Im Rücken häuten sich sich die Larven und die Larve 2 dringt in die Haut ein. Sie bildet eine Fistel mit Luftloch, die sog. Dasselbeule. Als Larve 3 verläßt sie das Pferd und verpuppt sich am Boden. Die Larven der kleinen Dassel wandern über das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskulatur in den Rückenbereich und bilden dort ähnliche Dasselbeulen wie die der Großen Dassel.

Der Nachweis des Befalls kann über einen sereologischen Test (ELISA) erfolgen. Im Spätstadium sind die bis zu drei Zentimeter großen Dasselbeulen jedoch unübersehbar. Die Behandlung erfolgt bevorzugt im Herbst entweder durch Breitspektrum-Medikamente zur Parasitenbekämpfung, z.B. durch Avermectine, oder durch Aufbringung von Phosphorsäureesther auf die Haut. Die Behandlung sollte vor dem 1. Dezember abgeschlossen sein, um zu verhindern daß die Larven an ihren Prädilektionsstellen Wirbelkanal bzw. Speiseröhre abgetötet, was zu Gewebereaktionen mit Lähmungen bzw. Blähungen führen kann. Bilden sich im Frühjahr Dasselbeulen in der Rückenlage, können phosphorsäureestherhaltige Präparate aufgetragen werden. Einzelne Beulen können auch chirugisch geöffnet und die Larve entfernt werden. Eine Beschleunigung des Ausschlüpfens der Larve soll durch einen gutanliegenden und mit einer Plastikfolie luftdicht gemachten Schwitzverband, welcher mit Rivanol getränkt wird, erreicht werden. Die gefundene Möglichkeit, mittels heiß-feuchter Tücher die Haut weich zu machen und die Larven mittels Pinzette aus dem Atemloch der Dasselbeule herauszuziehen, soll unkommentiert bleiben.

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(Pflege und Fütterung)
 
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(nicht-infektiöse
Hautkrankheiten)

 

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